Affiliate Interviews Teil 2: Martin Jost

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Tino:

Hallo Martin, du hast dich ähnlich wie Uwe Hamann als Affiliate mit deiner Seite www.your-presents.de schwerpunktmäßig im Bereich Geschenke ausgelebt und vereinbarst dadurch Geschenkideen aus verschiedenen Partnerprogrammen, u.a. auch einigen größeren von uns betreuten Kunden. Was denkst du persönlich, welche Themen in 2012 und 2013 das Affiliate Marketing am meisten bewegen werden?

foto-martin-jostMartin:

Hi Tino, richtig … wobei ich hier hinzufügen möchte, dass your-presents.de kein Standard Geschenke-Verzeichnis im herkömmlichen Sinn ist. Ich habe mich hier ausschließlich auf den Bereich „Mass Customization“ spezialisiert, weshalb?- dazu später sicherlich noch mehr.

Zu kommenden Veränderungen im Affiliate Marketing 2012/2013 kann man wohl offen sagen, dass noch nie so viel Bewegung war, wie heute – um das einfach mal vorweg zu nehmen. Gerade auch deswegen, da SEO und Affiliate Marketing immer mehr Hand in Hand gehen und ineinander spielen. Ich denke, dass das Affiliate Marketing vor allem im Bereich SEO zukünftig seine Grenzen kennen lernen wird. Das mag daran liegen, dass Affilitate Marketing oft dazu missbraucht wird, schnelles Geld zu machen und sogenannte schwarze Schafe versuchen, mit unüblichen und nicht erwünschten Mitteln, in den Suchergebnissen nach oben zu gelangen.

Google nimmt dazu ja bereits auch selbst Stellung und meint, dass es gerade Affiliate Webseiten in Zukunft immer schwerer haben werden. Eine logische und überaus sinnvolle Konsequenz, für all diejenigen, die versuchen mit schnell und minderwertig aufgesetzten Projekten Geld zu verdienen und dabei aber den Besucher völlig außer Acht lassen und diesen keinen Mehrwert bieten.

Ich persönlich finde es schade, wenn man heutzutage „Affiliate“ hört oder darüber liest, dass dieser Begriff teilweise, dank solcher Vorgehensweisen, falsch bewertet wird. Grundlegend ist Affiliate Marketing aber der Schlüssel zum Erfolg, vor allem für kleine Unternehmen und Startups, denen es einfach an Mitteln fehlt, über den natürlichen Weg auf sich aufmerksam zu machen. Ich sehe hier noch ein großes Potential, sowohl für Advertiser, als auch Publisher, welche zukünftig aber von großen Änderungen im Bereich SEO geprägt sein werden.

Tino:

Richtig, das Thema „Mass Customization“ im Bereich Geschenke hast du damit in einem sehr breiten Rahmen abgedeckt, angefangen bei individuell kreierbarer Schokolade bis hin zum selbstgemischten Müsli.

Dass Google auf das Affiliate Marketing einen entscheidenden Einfluss hat und weiterhin nehmen wird ist unbestritten. Wie du richtig sagtest, hat Google vor allem auf Affiliate Websites ohne Mehrwert für den Nutzer ein besonderes Auge.

Durch das Panda Update wurden zahlreiche Affiliate Websites bereits in 2011 „abgestraft“. Die Angebote auf deiner Seite sind um nützliche Informationen wie etwa Produktbewertungen, -tests oder gar -videos ergänzt, sodass der Nutzer auf der Seite bereits den entscheidenden Kaufimpuls bekommt. Du bist damit vom Panda nahezu gar nicht bestraft worden, wenn man der Entwicklung des SISTRIX Sichtbarkeitsindex glaubt. Wie schätzt du persönlich das oft diskutierte Problem, dass Gutscheinseiten dir als Content-Affiliate die Sales „klauen“, ein?

Martin:

Ich verfolge mit http://www.your-presents.de das Ziel, den Besucher bereits vorab vollumfassend vom Programm zu informieren und ihm somit auch die Suche zu erleichtern und den zeitlichen Aufwand erheblich zu minimieren. Dazu gehören neben einer detaillierten Produktbeschreibung auch Angaben wie Lieferdauer, Zahlungsmöglichkeiten etc. Insbesondere freue ich mich immer dann, wenn ich mit einem bebilderten Produkttest noch intensiver über das Unternehmen bzw. die Geschenkidee berichte und meinen Lesern so einen wahren Mehrwert bieten kann. Über eine sachliche Bewertung, gepaart mit echten Fotos, welche nicht durch Photoshop ins rechte Licht gerückt werden, können meine Leser hier bereits vorab sehr gut darüber entscheiden, ob das Produkt an sich, sowie die damit verbundene Qualität, für sie in Frage kommt.

your-presents

Auch Gutscheinseiten haben Ihren Mehrwert für Besucher. Unter dem Gesichtspunkt, dass sie eine breite Masse an Sparmöglichkeiten bieten. Leider gibt es davon mittlerweile auch schon recht viele, welche versuchen mit recht wenig Aufwand eine höchstmögliche Bereicherung zu erlangen. Ich meine damit, dass Gutscheinseiten in der Masse eigentlich keinen informativen Content bieten und mit einer passenden Überschrift und einem generierten Text, in welchem einfach nur Keywords ausgetauscht werden, ziemlich viel in der SERPs erreichen können und damit teilweise andere Webseiten, die 1 bis 2 Stunden an einem Artikel sitzen, verdrängen. Grundlegend steckt dahinter noch die falsche Bewertung von Google, da wie Uwe Hamann schon sagte, Google an Qualität verloren hat und man trotzdem noch mit einfachen und unseriösen Mitteln Webseiten von guter Qualität, welche nicht auf SEO setzen, überholen kann.

Tino:

Mit dem Ansatz fährst du sicherlich genau richtig. Ich denke, dass Google noch stärker und rigoroser gegen rein SEO-optimierte Seiten ohne Mehrwert vorgehen wird, es ist nur die Frage wann und in welchem Maße. Natürlich investiert man in die SEO-Optimierung auch eine gewisse Zeit und mitunter auch einiges an Geld, was im Falle einer Abstrafung durch Google die Betroffenen sehr ärgern wird. Vielleicht findet Google dahingehend auch einfach einen Mittelweg, um Seiten ohne Mehrwert nicht direkt aus dem Index zu katapultieren, sondern einfach mal auf den SERP-Seiten 2 und 3 einzuordnen.


Affiliate Marketing Agentur

Inwiefern spielt das Thema Customer Journey für dich eine Rolle? Bereits in 2011 lag das Thema sehr im Trend und rief einige Diskussionen hervor. Wie schätzt du die Bedeutung und eine mögliche Umsetzung eines umfassenden Multi-Channel-Trackings dahingehend ein? Und an welcher Stelle siehst du dich mit your-presents.de selbst im Rahmen der Customer Journey?

Martin:

Customer Journey ist für mich persönlich noch unentdecktes Neuland. Zwar ist es mir ein Begriff, jedoch fehlte es mir bisher bei meinem Projekt, welches ich alleine und nur als Hobby nebenbei betreibe, leider an der Zeit, um mich ausgiebig damit zu beschäftigen.

Grundlegend kann die Analyse sowie die Verbesserung der Customer Journey nur eine gewinnbringende Sache mit positiven Auswirkungen sein. Hier kann der Klickpfad des Besuchers und damit verbundene Aufenthaltsdauer etc. konkret ausgewertet und letztendlich bewertet werden. Der Mehrwert und die Nutzererfahrung sowie die Aufenthaltsdauer steigen, Absprungraten können minimiert werden, welche sicherlich auch zukünftig immer wichtigere Indikatoren im Google-Ranking werden.

Das Multi-Channel-Tracking hilft außerdem dabei, genau auszuwerten welche Werbung und Marketingmaßnahmen am effektivsten sind und wo Verbesserungen vorgenommen werden können. Ich denke, dass ich mich in der kommenden Zeit auch damit auseinandersetzen werde, um natürlich auch meine Conversionrate zu verbessern. Letztendlich ist Customer Journey eine feine aber auch aufwendige Sache, die jedoch durch Tools wie Google Analytics mittlerweile immer einfacher auszuwerten ist.

Tino:

Das stimmt, Google Analytics bietet dahingehend schon eine gute Möglichkeit zur Auswertung der Customer Journey.

Wie siehst du generell die Entwicklung des Affiliate Marketings in den nächsten Jahren? Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Umsatzzahlen der Affiliate Netzwerke für 2010 und 2011 ein deutliches Wachstum anzeigten, der Kanal Affiliate Marketing aber an sich hinter dem Suchmaschinen- und Social Media-Marketing noch deutlich abgeschlagen ist.

Martin:

Ich denke, dass Unternehmen (Merchants) größtenteils das Affiliate Marketing in die Hände von Agenturen wie Projecter legen und darin der Wachstum der Umsatzzahlen trotz Abstrafung von Affiliate Webseiten zu erklären ist. Damit meine ich, dass Agenturen wie Projecter gezielt Webseitenbetreiber anschreiben und eine Kooperation vorschlagen und optimieren, sodass diese zielgruppen- und qualitätsorientiert ist, was einen enormen Effekt auf die Conversionrate hat.

Eventuell ist ein weiterer Faktor die Steigerung der Webseitenqualität in den Google SERPs, die in der Masse zugenommen hat, was ich allerdings in vielen Bereichen nicht erkennen kann. In der weiteren Entwicklung des Affiliate Marketings sehe ich einen positiven Trend, allerdings nur dann, wenn auch qualitativ hochwertige Webseiten für den Einsatz von Affiliate-Werbung nicht zusätzlich durch neue algorithmische Veränderungen negativ betroffen sein werden.

Tino:

Wir versuchen natürlich unser Bestes, um als Agentur die Kommunikation zwischen den drei Parteien Merchant, Affiliate und Netzwerk zu steuern und für alle Seiten Vorteile aus der Zusammenarbeit zu schaffen. Insbesondere Affiliates mögen es, an die Hand genommen und mit Informationen und Input gefüttert zu werden – kannst du das bestätigen? 😉

Ein oft gehörter und gelesener Trend für 2012 scheint zweifelsohne das Thema Mobile Marketing zu sein. Bist du in diesem Bereich bereits aktiv und siehst du dort die Zukunft des Affiliate Marketings bzw. generell des eCommerce? Verzeichnest du dahingehend schon relevanten Traffic durch die Besucher, die über mobile Endgeräte auf your-presents.de stoßen?

Martin:

Wenn die Agentur als Sprachrohr zwischen Affiliate und dem Unternehmen dient, ist das auf jeden Fall hilfreich für beide Seiten. Auch in manchen Belangen an die Hand genommen und mit frischen Informationen oder nützlichen Tipps beliefert zu werden ist vorteilhaft, um das eigene Angebot stets aktuell zu halten und den Erwartungen gerecht zu werden.

In Bezug auf Mobile Marketing bin ich mir etwas unsicher, wobei zweifelsohne ein aufsteigender Trend zu erkennen ist. Meine Webseiten sind leider noch nicht für mobile Endgeräte optimiert, wobei ich zu gegebener Zeit garantiert auch noch darauf ein Auge werfen werde. Speziell auf eCommerce bezogen ziehe ich den Umgang am Desktop oder Laptop, jedoch dem mit Smartphones oder Tablets vor.

Zur schnellen Informationsbeschaffung eignen sich mobile Endgeräte hervorragend, jedoch bin ich eher skeptisch, was die Verlagerung des Online-Shoppings auf mobile Endgeräte angeht. Die Geräte werden oft immer kleiner und bieten aufgrund dessen auch nicht die selbe Usability wie beispielsweise ein Desktop-PC. Seien es wichtige Nebeninformationen, die aufgrund der optimierten Darstellung auf kleinen Geräten fehlen, oder einfach die fehlende bequeme Handhabung mit Maus und Tastatur.

Ich persönliche würde zurzeit den Online-Konsum auf die herkömmliche und altbewährte Art und Weise vorziehen. Laut Google Analytics habe ich bereits auch schon Zugriffe über mobile Endgeräte wie dem iPhone, iPad oder Adroid-Geräten, die allerdings weniger als 1% der Gesamtbesucher ausmachen.

Tino:

Das ist verhältnismäßig wenig, da hätte ich mit einer deutlich höheren Zahl gerechnet. Zumal man zur Informationsbeschaffung oft über Smartphone oder Tablet online sucht und du auch mit allgemeinen Keywords wie „Geschenkidee“ in den Top10 rankst und nicht allein auf den Longtail gehst.

Zu guter Letzt würde ich noch einmal Google in den Raum werfen. 🙂 Deren Aktivitäten könnten in Bezug auf das Affiliate Marketing einen nicht unwesentlichen Einfluss nehmen. Siehst du dahingehend die Gefahr, dass Google selbst zur Konkurrenz für Affiliates verschiedener Bereiche (Preisvergleiche, Flug- & Hotelsuche oder gar Geschenke) wird?

Martin:

Wenn man sieht wie oft und welche neuen Märkte Google erschließt, ist das schon denkbar. Es ist durchaus möglich, dass Google in dieser Richtung noch tätig wird. Wenn man bedenkt, was Google allein durch Adwords für Einnahmen hat, kann es auch nicht am Budget fehlen. Es wird sich sicherlich einiges ändern, womit man heute noch nicht rechnet. Vielleicht ist sogar irgendwann die komplette erste Suchergebnisseite von Google erwerblich. Was das für alle anderen bedeuten würde, wäre mit Sicherheit klar.

Tino:

Das wäre allemal interessant, aufgrund der Vormachtstellung von Google auch gar nicht so abwägig. Aber über die Auswirkungen sollte man sich lieber nicht den Kopf zerbrechen.

Ich danke dir an dieser Stelle schon einmal für das aufschlussreiche Interview! 🙂

Eine persönliche Frage hätte ich da auch noch: Arbeitest du neben your-presents.de eigentlich noch an anderen größeren Projekten? Wenn ja, zu welchen Themen?

Ansonsten kannst du an dieser Stelle natürlich auch sehr gerne auch noch Oma, Opa, Verwandte etc. grüßen. 😉

jazzy-shirt

Martin:

Neben your-presents.de arbeite ich hauptberuflich als Mediengestalter bzw. Webdesigner bei einem Softwarehersteller für Customer Relationship Management. Hier liegt meine Hauptaufgabe darin, den kompletten optischen Auftritt im richtigen Licht erstrahlen zu lassen. Dazu gehört neben dem Webauftritt auch das Designen von Printmaterialien und die Gestaltung des Interface-Designs der Software.

Alle Webprojekte, die ich betreibe, entstehen dabei also nebenberuflich. Angefangen hat das mit der Faszination für „Mass Customization“ mit meinem Projekt http://www.jazzyshirt.com/. Hier konnte ich meine ersten positiven Erfahrungen auf diesem Gebiet, speziell für das Bedrucken von individuellen T-Shirts, sammeln. Mit Spreadshirt, dem Unternehmen dahinter, stehe ich dabei oft in persönlichem Kontakt und Informationsaustausch, woraus eine tolle Partnerschaft entstand.

Die Anzahl der gesamten Projekte, die ich betrieb oder noch betreibe, hat bis zum heutigen Zeitpunkt stetig abgenommen, da ich heute mehr Wert auf Qualität statt Quantität lege und dabei natürlich auch der zeitliche Aspekt eine nicht sehr unwesentlich Rolle spielt. Anfänglich war es schon ein kleiner Traum, sich auf diesem Gebiet hauptberuflich auszurichten, wobei ich jetzt sagen muss, dass es ziemlich schwer und zudem sehr unsicher ist, alleine mit dem Betrieb von Webseiten einen zufriedenstellenden Lebensunterhalt zu verdienen. Was die Zukunft angeht bin ich also noch ziemlich offen und werde sehen, wohin mich mein Weg leitet.

Ich danke für das entgegengekommene Interesse 🙂

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