Affiliate TactixX – 25.02.2014

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Vorgestern fand im ICM München die Affiliate TactixX 2014 und ich hatte die Freude, vor Ort zu sein. Dabei wurden wieder die aktuellsten und derzeit relevantesten Themen der Branche besprochen. Viele namenhafte Vertreter der Branche – von Affiliates bis Merchants, von Netzwerken bis Agenturen – waren vor Ort und diskutierten u.a. über das Customer Journey Tracking, Attributensmodelle, (Cross Device) Tracking oder Performance Display. Eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte wurde beleuchtet und ich bin bepackt mit Eindrücken und Informationen wieder nach Leipzig gereist. An den für mich wichtigsten Infos möchte ich euch teilhaben lassen, weshalb ich diese kurz für die einzelnen Sessions noch einmal zusammenfasse:

Ein Tag in die Zukunft – So digital leben wir im Jahr 2018 (Nick Sohnemann)

Wie wird unser digitales Leben 2018 aussehen? Diese Frage stellte Nick Sohnemann in seinem Vortrag und nahm uns auf eine Zeitreise. Dabei machte er für die digitale Zukunft mehrere Trends aus:

  • Gamification – die spielerische Digitalisierung von Alltagssituationen
  • Digitale Visualisierung: durch Google Glass, Kontaktlinsen usw. wird unsere Analoge Welt mit der digitalen verschmelzen und durch individuelle Informationen angereichert (Stichwort „Augmented Reality“)
  • Touch Screens: Diese werden universell, omnipräsent und auf verschiedensten Devices vorhanden sein
  • Gestensteuerung, Automatisierung (z.B. selbstfahrende Autos) und neue Möglichkeiten, Produkte erlebbar zu machen

Sein Fazit aus diesen Trends war deshalb, dass es zum einen mehr Touchpoints für Werbetreibende und Unternehmen zu (potenziellen) Konsumenten geben wird. Gleichzeitig können die Produkte virtuelle erlebt werden und damit der bisher „flache“ E-Commerce den Kunden auf ganz anderen Ebenen begegnen. Das bietet natürlich auch Affiliates wiederrum neue Chancen.

Zurück in die Zukunft – Performance Display erschließt den Longtail im Affiliate Marketing (Dr. Dorothea von Wichert-Nick, CEO Affilinet)

Recap Affiliate TactixXIn der zweiten Session des Tages stellte uns Dr. Dorothea von Wichert-Nick die neuen Pläne von Affilinet zur Erschließung des Partner Longtails vor. Diese Lösung könnte man vereinfacht auch als „Affilinet goes Adsense“ bezeichnen. Publisher bauen in ihren Seiten einfach einen Container-Code ein, welcher relevante Display Anzeigen verschiedener Advertiser darstellt. Dafür werden die Advertiser auf der einen, die Content-Publisher auf der anderen Seite in verschiedene thematische Pools zusammengefasst. Somit wird die Werbung von z.B. Möbel-Advertisern nur auf Seiten von Möbel-Publishern ausgespielt. Dieses Matching erfolgt via RTB und Ad Server. Damit steigt für Longtail-Publisher das Einnahme-Potenzial, welches auf CPC-Basis stattfinden kann. Außerdem entfällt der Einbau unterschiedlicher Codes für Werbemittel unterschiedlicher Partnerprogramme. Gleichzeitig könne der Advertiser den relevanten Longtail erschließen und dabei dennoch einen attraktiven eCPO erzielen.

Die Beta-Phase des Projektes sei bereits abgeschlossen und bald sollte diese neue Möglichkeit für alle Beteiligten zur Verfügung stehen.

Aktuelle Entwicklungen im Affiliate-Recht  (Dr. Martin Bahr)

In seinem Vortrag „Aktuelle Entwicklungen im Affiliate-Recht“ beleuchtete Dr. Martin Bahr relevante Rechtsaspekte für Affiliates und Merchants.

Zuerst ging er auf die lange diskutierte EU Cookie-Richtlinie ein. Diese Diskussion fand demzufolge im Februar ein Ende, da das Bundeswirtschaftsministerium festgestellt hat, dass Deutschland nichts ändern müsse und somit die Cookie-Richtline in der aktuell gängigen Praxis schon umgesetzt sei. Damit sei man als Merchant zur Zeit gut legitimiert. Zur Diskussion stand ebenfalls kurz die Mitstörerhaftung. Dabei fasste Dr. Martin Bahr den Sachverhalt folgendermaßen zusammen: Wenn ein Merchant keinen Anreiz für rechtswidrige Handlung setzt, muss er nicht haften.

Desweiteren ging er auf die Google Autocomplete-Funktion und den Fall Betina Wulff ein, wonach Google manuell in die Autocomplete-Funktion eingreifen musste. Auch beim Thema Adwords präsentierte er einige spannende Aspekte: So dürfen fremde Marken zwar als Keyword eingebucht werden, es gibt aber Ausnahmen. Dazu gehört der Fleurpo Fall und der Beate Uhse Fall. Desweiteren ging es um Pflichtangaben in Adwords Anzeigen und um die Bewerbung von Rechtsverletzungen in fremden Angeboten durch eBay.

Neue Umsätze für das Affiliate Marketing: Start-ups stellen sich vor

Im anschließenden Panel stellten sich drei Startups mit Schnittmengen zum Affiliate-Bereich. Im Panel saßen Andreas Altenburg (KRYD), Dominik Dietrich (adexda), Thilo Konzok (Asuum.com) und Moderator Andre Alpar (AKM3). Die drei Gründer warteten dabei mit sehr interessanten Geschäftsideen auf:

  • KRYD verschickt individuelle und automatisierte E-Mails an Kunden eines Unternehmens, die auf deren Nutzungsverhalten abgestimmt sind.
  • adexda hat sich darauf spezialisiert, Nutzerprofildaten über Partner zu generiert und statistische Zwillinge zu suchen, denen via Anzeigen passende Unternehmen vorgeschlagen werden.
  • asuum.com betreibt Contentmonetarisierung für Publisher durch semantische Technologie. Zu passenden Inhalten auf redaktionellen Plattformen werden entsprechende Produkte ausgespielt.

Customer-Journey-Vergütung im Affiliate-Marketing (Daniel Woyteczek)

Den aus meiner Sicht spannendsten Vortrag des Tages hielt Daniel Woyteczek von affiliatelabs. Er identifizierte als grundlegendes Problem für den Sales Rückgang im Content Long-Tail der Partnerprogramme, für technische Lösungen wie Basket Freeze oder Cookie-Weichen, das Last Cookie Wins Prinzip. In einer Case Study stellte er deshalb vor, wie sich die Umstellung des Last Cookie Wins Prinzips auf ein Attributionsmodell auswirkt und sie die Programmperformance für alle Seiten steigern kann. So konnten nach der Umstellung mehr Partner vergütet und dadurch motiviert werden. Gleichzeitig wurden die Werbekosten gesenkt und entsprechende Ersparnisse können genutzt werden. Zudem würde sich Click-Fraud und die Abhängigkeit eines Partnerprogramms von wenigen Partnermodellen reduzieren.

Allerdings ist der Aufwand für ein solches Modell hoch und Daniel Woyteczek zeigte auch auf, wie schwer es ist, ein geeignetes Attributionsmodell zu entwickeln. Dabei sind bei unterschiedlichen Branche auch unterschiedliche Modelle gefordert. Oberstes Prinzip sollte aber immer die Transparenz gegenüber dem Partner sein. Dann kann sich der Aufwand für die Einführung eines Attributionsmodells für beide Seiten lohnen.

Trend-Panel: Quo Vadis Affiliate Marketing

Sehr interessant war auch das Panel „Quo Vadis Affiliate Marketing“. Dieses war mit namenhaften Personen besetzt: Michael Kruse (belboon), Manuel Kester (BVDW), Martin Rieß (zanox), Ulrich Bartholomäus (affilinet), Sascha Schafbuch (SportScheck) und Dino Leupold von Löwenthal (explido). Merchant, Publisher, Agentur und Netzwerke diskutierten u.a. zu den Themen Customer Journey, Attribution, private Networks, Affiliate Geschäftsmodelle und vieles Weiteres mehr.

Wieder im sichtbaren Bereich – Die Renaissance der Postview-Kampagne (Eric Pütz, adyard)

Wieder im sichtbaren Bereich – Die Renaissance der Postview-Kampagne Eric Pütz‘ (adyard) Session war ein Plädoyer für Postview-Kampagnen. Dabei versuchte er nicht nur, mit gängigen Vorurteilen gegenüber Postview aufzuräumen, sondern auch die Wirksamkeit in einer Case Study zu untermauern: So unternahm adyard einen Wirksamkeitstest. Dazu wurde die Performance einer echten Postview Kampagne mit der einer Fake Kampagne (sprich mit gleichen Ziel URLs, aber anderen Bannern) verglichen. Die Annahme dabei ist, dass wenn Post View wirkungslos wäre, beide Kampagnen gleich performen müssten. Das Gegenteil war der Fall, die echte Kampagne lieferte 75% mehr Sales als die Maskierte.

Intersant war auch die Neuerung, welche er vorstellte: Visible Views. Diese sollen zur Steigerung der Performance  und der Qualität beitragen.  Dabei werden die Werbemittel nachgeladen (und dann erst das View-Cookie gesetzt), wenn der Nutzer dort hin scrollt.

Tracking-Alternativen für das Affiliate Marketing (Heiko Staab, Traffective)

Mit „Tracking-Alternativen für das Affiliate Marketing“ ging Heiko Staab von Traffective auf verschiedene Tracking-Messverfahren, Methoden und Anwendungsfelder ein. Gleich zu Beginn überraschte er mit der interessanten Zahl, dass fast 30 Millionen Personen in Deutschland regelmäßig Cookies löschen oder diese unterdrücken. Damit wird Cookie-basiertes Tracking immer schwieriger. Alternativen sind beispielsweise URL-Tracking via Session-ID oder Fingerprint Tracking. Hier würde es beispielsweise ausreichen, 4 Merkmale (z.B. Timestamp, Bildschirmauflösung, Device ID, Schriftarten, Browsertype, Browser-Plugins,…) zu erfassen, um 85% der User eindeutig wiederzuerkennen. Ein genaues Tracking und einheitliches Tracking ist dann wiederrum Basis für eine Deduplication, das Tracking der Customer Journey, die Konfiguration der Touchpoints und die Konfiguration der Attribution.

Mobile Affiliate Tracking – State of the Union (Ingo Kamps, cayaday | Thomas Bilz, zanox)

Ingo Kamps von cayaday und Thomas Bilz von zanox beleuchteten in der letzten Session des Tages Aspekte des Mobile Affiliate Trackings. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass  der Absatz mobiler Endgeräte (Tablets & Smartphones) stetig steigt. So waren 2013 80% aller neuen erworbenen internetfähigen Geräte mobile Devices. Auch steigen die mobilen Sales bei Zanox kontinuierlich. Besonders interessant ist, dass mobile die Umsätze doppelt so hoch gewachsen sind wie die Sales, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Warenkörbe mobile höher sein müssen. Zwar lag der Anteil mobiler Sales in Deutschland 2013 noch bei ca. 6%, ist im Vergleich zum Vorjahr aber um 94% gewachsen. Unterscheidet man Smartphone und Tablet, so zeigt sich, dass Smartphones einen Anteil von ca. 15% an mobilen Transaktionen haben, 75% der Transaktionen aber von Tablets generiert werden.

An das Tracking werden dabei sehr hohe Anforderungen gestellt: Conversions zwischen Computer und Mobile, Mobile Web und Mobile App, das Tracking zwischen Websites, mobile Websites, Apps, App Installs, InApp-Purchases und deren Verknüpfung sind große Herausforderung. Darüber hinaus ist auch Cross-Device Tracking ein Thema und die Kombination dessen mit der Customer Journey.

Das war die Affiliate TactixX 2014…

…und es hat sich gelohnt. Mit viel Input aus Gesprächen, Sessions und Panels, mit vielen Visitenkarten und mit vielen Ideen bin ich wieder zurück nach Leipzig gereist. Ich freue mich auf die nächste TactixX!

Daniel war von Juli 2012 bis Januar 2016 Teil des Projecter Teams.

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