Betrugsversuche im Affiliate Marketing

geschrieben am in der Kategorie Affiliate Marketing von

Worauf sollte man als Merchant bei der Auswahl der Partner achten? Wie kommt man Betrügern auf die Schliche? Und welche Betrugsmöglichkeiten gibt es im Affiliate Marketing überhaupt?
Das Affiliate Marketing lebt von und nur durch die Partner die daran teilnehmen. Jedoch kommt es immer wieder vor, dass nicht alle Partner nach den Regeln des Merchants spielen, diese missachten oder sehr großzügig auslegen.

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Im Folgenden werden einige der möglichen Betrugsmöglichkeiten durch Affiliates und entsprechende Lösungsvorschläge vorgestellt.

Brand Bidding

Brand Bidding bezeichnet das Bieten auf eine Marke. In diesem Fall das Bieten des Affiliates auf die Marke des Merchants z.B. über Google AdWords. Der Merchant hat in der Regel die Möglichkeit, seine Regeln für das Brand Bidding beim Setup des Programms festzulegen. Üblicherweise wird den Affiliates nicht erlaubt auf die Marke des Merchants zu bieten, da Nutzer die nach der Marke suchen meist keine Neukunden sind. Brand Bidding beinhaltet nicht nur das Bieten auf die Marke an sich, sondern auch auf alle möglichen Falschschreibweisen. Hier sollte der Merchant auf der Hut sein und regelmäßig auch die Vertipper und ähnlich klingende Worte überprüfen. Das Bieten auf Falschschreibweisen ist für den Affiliate ein lukratives Geschäft, da der Einrichtungsaufwand zu Beginn recht gering ist und die Kosten sich sehr gut steuern lassen. In diesem Zusammenhang sollte auch nicht nur Google AdWords sondern auch Bing bzw. Yahoo überprüft werden. Auch wenn der Traffic im Vergleich zu Google oftmals deutlich geringer ausfällt, so macht er bei großen Online Shops einen erheblichen Teil der Nutzer und somit auch des Umsatzes aus. Sie zahlen als für Verkäufe, die Sie auch ohne das Brand Bidding eines Affiliates erhalten hätten.

Cookie Dropping

Cookie Dropping per iframe

Cookie Dropping beschreibt das Setzen eines Cookies ohne den dafür nötigen Klick zu generieren. Konkret bedeutet das z.B. das Laden eines 1×1-Pixel-großen iFrames auf der Seite des Affiliates. Die für den Besucher unsichtbar geladene Seite verweist dabei auf die Seite des Merchants. Durch das Laden der Seite wird ein Aufruf simuliert und der Cookie beim Nutzer gesetzt ohne dass dieser eine Aktion ausgeführt hat.

Cookie Dropping per Redirect

Eine weitere Möglichkeit, einen Cookie zu droppen, ist der Redirect. Affiliates können – für den Benutzer ebenfalls unsichtbar – einen Link mit einem Redirect versehen. Dieser verzögert das Laden der gewählten Seite und somit können in dieser Zeit einer oder mehrere iFrames mit Hilfe von Partnerlinks eingebunden werden. Somit kann der Affiliate durch einen Klick auch mehrere Cookies gleichzeitig beim Benutzer hinterlassen.

Cookie Dropping per Layer-Ad

Eine weitere Möglichkeit ist das Laden der Merchant Seite in einem Layer. Dieser legt sich über die eigentlich Webseite und der Cookie wird beim Benutzer gesetzt.

Fake-Bestellungen

Eine Falschbestellung eines Affiliates ist eine Bestellung die vom Affiliate selbst über seinen eigenen Partner-Link erfolgt. Die Bestellung wird mit falschem Namen und falscher Adresse per Nachnahme bestellt. Im System wird die Bestellung zunächst richtig getrackt. Im Normalfall gleicht der Merchant seine Sales mit den Sales im Netzwerk ab und kommt der Falschbestellung so auf die Schliche – tut er dies allerdings nicht, so zahlt der Merchant Versandkosten für das nicht zustellbare Paket und die Provision an den Affiliate.

Zurücksenden der Ware

Das Bestellen von Produkten beim Merchant über den eigenen Link und das anschließende Zurücksenden kann bei Nicht-Abgleich der Sales im Warenwirtschaftssystem mit den Sales im Affiliate Netzwerk dazu führen, dass der Affiliate für einen Sale vergütet wird, der überhaupt nicht zustande gekommen ist.

Affiliate Hopping

Der Affiliate meldet sich beim Affiliate Hopping über mehrere Netzwerke beim gleichen Partnerprogramm an. Klickt der Nutzer dann auf der Seite des Affiliates auf einen Partner-Link so werden z.B. mittels eines Redirects Cookies für mehrere Netzwerke gesetzt. Ist auf der Seite des Merchant keine Cookie-Weiche oder ein anderes System zur Auswahl des Cookies installiert, wird der Sale in mehreren Netzwerken getrackt und der Affiliate erhält die Provision mehrmals. Diese Art des Betrugs kann entweder durch ein rigides „last-cookie-wins“ System oder durch einen simplen Abgleich der Sales ausgehebelt werden. Im Netzwerk hat man zudem die Möglichkeit, sich den Klickzeitpunkt anzeigen zu lassen. Fällt dieser auf die exakt gleiche Sekunde kann man sich sicher sein, dass es sich hier um Betrug handelt.

Gutscheine

Eine weitere Möglichkeit ist das Anpreisen von Gutscheinen für Merchants, für die es keine Gutscheine gibt. Rankt man mit der Kombination aus „Merchant Gutschein“ gut, so kommt der Traffic von allein. Findet der Nutzer keinen richtigen Gutschein auf der Seite so hat er sich wahrscheinlich trotzdem bereits einen Cookie eingefangen. Entweder durch den Klick auf „jetzt Gutschein anzeigen“ oder durch das Laden der Zielseite im Hintergrund bzw. über einen iFrame. Nicht alle Gutscheinseiten bedienen sich dieser Praktiken, es kann aber durchaus vorkommen.

Zusammenfassung

Die meisten Betrugsversuche von Affiliates lassen sich durch ein regelmäßiges Sales-Clearing und durch Monitoring der eigenen Marke in allen Bereichen des Internets (also auch Facebook, Twitter, Youtube, …) aufdecken bzw. entdecken. Den Affiliate dazu zu bringen, mit den unlauteren Methoden aufzuhören, ist meist nicht schwer. Entweder durch nettes Bitten – was meist bereits zum gewünschten Erfolg führt oder durch den einfachen Ausschluss aus dem Programm. Die Druckmittel liegt hierbei allein beim Merchant.


Affiliate Marketing Agentur

Ralf ist seit April 2010 bei Projecter und aktuell Key Account Manager mit dem thematischen Schwerpunkt SEM. Er hat an der HTWK Leipzig ein Medientechnikstudium absolviert und außerdem praktische Erfahrungen in New York und Berlin gewonnen. Er freut sich über Feedback & Kommentare von euch!

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  1. Hallo Ralf,

    zunächst einmal vielen Dank für deinen informativen Beitrag.

    Nur stellt sich mir noch die Frage wie ich Cookie Dropping erkennen kann? Insbesondere dann wenn der Affiliate wohlmöglich auch nicht bei allen Seitenbesuchern dropped und so auch für den Affiliate Manager “unsichtbar” agiert.

    Das Verhältnis der Conversion im Vergleich zu anderen Partnern ist das eine. Aber eine Art Beweis des unlauteren Wettbewerbs ist das Andere.