Peer Wandiger von Selbstständig-im-Netz im Interview

geschrieben am in der Kategorie Affiliate Marketing von

Hallo Peer, du bist selbstständiger Webdesigner, Programmierer, Blogger und Affiliate. Was gibt es außerdem über dich zu berichten? 🙂
Nicht viel. 😉 Ich bin 36 Jahre alt, verheiratet und Vater von 2 Töchtern. Nach meinem BWL-Studium habe ich noch ein Aufbaukurs „Online-Marketing/eCommerce“ belegt und habe dann 6 Jahre die Websites und Shops eines mittelständischen Unternehmens betreut.

Nachdem die Firma aufgekauft und die Hälfte der Belegschaft entlassen wurde (ich auch), habe ich mich als Webentwickler 2006 selbständig gemacht. Neben Kundenprojekten habe ich von Anfang an auch an eigenen Websites/Blogs gearbeitet und konnte mir so das ein oder andere erfolgreiche Standbein aufbauen.

Dann hast du schon die ein oder andere Erfahrung mit Blogs und Selbstständigkeit gemacht. Ist es für Selbständige und Gründer aufgrund der vielen Infos auf Blogs und anderen Online-Quellen leichter oder schwerer geworden?
Sowohl als auch. Natürlich ist es schön, dass es im Web nun so viele kostenlose Informationen zur Selbständigkeit gibt. Allerdings kann das riesige Angebote auch überfordern. Denn als Gründer kann man nur schwer beurteilen, welche Artikel gut sind und welche nicht.
Ich habe mit selbstaendig-im-netz.de versucht meine eigenen Erfahrungen mit meiner Selbständigkeit zu verarbeiten. Das war auch der Grund für den Start dieses Blogs. Es sollte eine Anlaufstelle für all jene werden, die gut aufbereitete und nützliche Infos zur Selbständigkeit in Verbindung mit dem Internet suchen. Und natürlich verlinke ich auch gute Artikel im Web.

Selbständig-im-Netz ist seit 2007 online und seitdem kontinuierlich gewachsen. Wo soll es mit dem Projekt noch hingehen? Welche Ziele hast du?
Ziele sind wichtig, da man sonst nur so vor sich hinarbeitet und nicht weiß, ob man Erfolg hat.
Meine Ziele sind jedoch eher praktischer Natur und betreffen z.B. die Erstellung bestimmter Seiten, die Überarbeitung des Layouts, das Schreiben einer Anzahl von Posts im Monat etc.
Ich hatte nie ein Ziel in der Art „Bis zum 1.1.2010 möchte ich 100.000 Besucher pro Monat“. Das kann ich nur bedingt beeinflussen und deshalb macht es für mich keinen Sinn. Ich brauche Ziele, die ich 100% in der eigenen Hand habe.
Dass ich natürlich auch bestimmte Visionen habe, ist klar. So möchte ich SiN natürlich weiter ausbauen, neue Inhalte integrieren und mehr Artikel veröffentlichen.
2011 wird es unter anderem regelmäßige Mit-Autoren geben, damit ich etwas entlastet werde, das Informationsangebot aber nicht abnimmt, sondern eher noch zunimmt.
Auf meiner ToDo-Liste stehen noch eine Menge Ideen, so dass ich wahrscheinlich nie an den Punkt komme, wo mir für SiN nichts mehr einfällt.
Grundsätzlich würde ich mich aber freuen, wenn die Entwicklung genauso positiv ausfällt wie in 2010.

Auch dieses Jahr hattest du schon sehr interessant Gastartikel, ich freue mich auf die neuen Themen. Kürzlich hast du die Vorteile von Social Media für Blogs beschrieben. Welche weiteren Trafficquellen (SEO, Type-Ins, Twitter, Facebook, Feed-Abonnenten, Verlinkungen, usw.) hast du bei deinen Blogs und in welchem Verhältnis stehen diese zueinander?
Ganz vorn liegt natürlich auch bei mir Google. Rund die Hälfte der Besucher kommt von der Suchmaschine. Und das wird sicher auch noch eine Weile so bleiben.
Social Traffic von Twitter und Facebook nimmt zu, ist aber noch recht gering, wenn man die reinen Zahlen sieht. Jedoch sind darunter sehr oft andere Blogger, Webmaster, aktiver Twitterer usw. Deshalb ist dieser Social Traffic sehr wichtig, da er wieder für mehr Traffic sorgt.
Direkte Verlinkungen in anderen Blogs und Websites sind auch sehr wichtig. Zum einen gibt es direkt Besucher und die Backlinks sind natürlich wieder für Google wichtig.
Meine Feed-Abonnenten sind das Rückgrat meiner Blogs. Darunter sind sehr aktive Kommentierer und viele von meinen Stammleser empfehlen meine Artikel auch weiter.
Man sollte also Google natürlich die notwendige Aufmerksamkeit schenken und SEO betreiben, aber allein auf Google würde ich mich nicht verlassen.

50% Nicht-Google Traffic, da hast du dir ja schon eine breite Basis für deinen Traffic geschaffen. Spricht auch für die Qualität deiner Projekte.
Apropos Qualität, wie hoch ist die „Wiederbuchrate“ bzw. Zufriedenheit deiner Advertiser? Man neigt ja dazu möglichst viel aus einem Blog herausholen zu wollen, aber wo ist die Grenze?

Die Buchungslänge der Werbekunden ist unterschiedlich.
Ich habe Werbekunden, die schon seit 1 Jahr bei mir werben. Andere wiederum testen es mal einen Monat und springen dann ab.
Es hängt natürlich von den Erwartungen der Werbekunden ab und auch davon, ob die beworbenen Produkte zu meinen Lesern passen. Das ist im Vorfeld nur schwer vorauszusagen.
Ich akzeptiere zwar nur thematisch passende Werbung, aber auch da gibt es natürlich eine große Vielfalt.
Es gibt auch Werbekunden, die vor einer Weile Werbung geschaltet haben und Monate später wiederkommen.
Was die Maximierung der Werbeeinnahmen betrifft, so ist das natürlich eine Gratwanderung. Ich habe nun schon seit langem die selben Bannerplätze und es kommen auch keine mehr dazu. Auch wenn ich genügend Werbekunden hätte.

Dein 13 Wochen-Plan sieht vier kleine Affiliate-Seiten vor. Nach welchen Kriterien wählst du die Themen und Partnerprogramme für deine Projekte aus? Und wenn du uns das verraten willst, was sind deine Lieblingsthemen? 😀
Die Themenauswahl ist eine Mischung aus eigenen Hobbies/Interessen und dem Verdienstpotential.
Beides muss gegeben sein, da es ansonsten für mich keinen Sinn macht. Schließlich will ich dafür regelmäßig und langfristig Inhalte erstellen. Und natürlich möchte ich auch was verdienen.
Meine Lieblingsthemen? Ach, da gibt es viele. Ich bin ein sehr vielseitig interessierter Mensch, der auch ständig neue Sachen findet, die ihn interessieren.
Aber ich mache auch nicht aus allen Lieblingsthemen eine Website. Manche Dinge sollte einfach nur ein Hobby sein, da ich ja sonst gar nicht mehr von der Arbeit abschalten kann.

In deiner Serie zum erfolgreichen Start eines Blogs gibst du Tipps für Einsteiger. Wenn du einen neuen Blog starten würdest, wie würdest du dich an die Monetarisierung ran tasten? Klar, erst einmal guter Content, aber wie geht’s dann weiter?
Das beginnt eigentlich schon vor dem Start. Wenn ich mit einem Blog Geld verdienen will, dann schaue ich schon vorher was z.B. AdSense bringt. Sind die Klickpreise hoch, dann spricht das für Konkurrenz in diesem Bereich und das ist ein gutes Zeichen.
Ich schaue ebenfalls nach, ob es passende Partnerprogramme zu einem Thema gibt und ich überlege mir auch, ob es evtl. Direkt-Werbekunden gibt.
Letzteres ist z.B. beim Thema Film sehr schwierig. Da gibt es zwar ein großes Leserpotential und ich bin auch ein großer Film- und Kinofan. Aber mehr als Amazon und seine DVDs/Bluerays hat man da fast nicht als Einnahmequelle. Weder Partnerprogramme, noch Werbekunden.
Man sollte also schon vor dem Start ungefähr wissen, ob es sich finanziell lohnt. Und da geht es natürlich darum sehr gute Inhalte zu liefern, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden und den eigenen Blog aktiv zu vermarkten.

Also vorher den Kopf anschalten und den Markt genau analysieren und nicht einfach drauf loswerkeln 🙂 Du bist jetzt schon eine geraume Zeit selbstständig, sicherlich gab es in der Zeit einige Hürden zu überwinden. Welche Tipps kannst du Neu-Gründern mit auf dem Weg geben?
Auch wenn es mit 2 oder 3 Tipps sicher nicht getan ist, so finde ich die folgenden Punkte sehr wichtig:

  1. Durchhaltevermögen ist sehr wichtig. 95% der Webprojekte werden nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Gerade die Anfangszeit ist schwierig und es gibt keinen Erfolg über Nacht. Wer aber durchhält, der wird meist belohnt.
  2. Vermarktung ist sehr wichtig. Wer denkt, dass gute Inhalte oder Produkte reichen, der irrt sich. Bei der Informationsflut heutzutage muss man für sich werben und die potentielle Zielgruppe erreichen. Auch SEO gehört dazu, um in Google vorn dabei zu sein.
  3. Das schnelle Geld ist meist kontraproduktiv. Wer seine Leser auf die Schnelle um ein paar Euro erleichtern will, der wird langfristig kaum Erfolg haben. Bei jeder Methode zum Geld verdienen sollte man darüber nachdenken, welche langfristigen Konsequenzen das hat und man sollte sich natürlich auch selber noch im Spiegel anschauen können.

Durchhaltevermögen wird von vielen Selbstständigen genannt, die Zeiten des schnellen Euros scheinen vorbei zu sein. Wenn es diese überhaupt mal gegeben hat. Wie wichtig erachtest du den Punkt Fachwissen? Oder bist du eher der Typ, der erst einmal anfängt und sich peu á peu Wissen bei Bedarf aneignet?
Man muss nicht der Top-Experte bei einem bestimmten Thema sein. Aber man sollte mehr wissen, als die eigene Zielgruppe.
Ich schreibe in meinen Blogs z.B. nur ungern über Themen, die ich selber nicht getestet habe. So habe ich erst spät über Affiliate Marketing geschrieben, weil ich erst dann die Erfahrungen und das Know-How hatte.
Wer über Dinge schreibt, von denen er keine Ahnung hat, der wird nicht weit kommen und die Leser merken das schnell.
Aber man muss, wie schon gesagt nicht alles wissen. Das geht heutzutage ja als Selbständiger auch gar nicht.
Und wo man wirklich Defizite hat, da sollte man sich auch nicht scheuen und auf externe Experten zurück greifen. Das ist zumindest besser, als selber halbgare Ergebnisse abzuliefern.
Und natürlich lernt man jeden Tag dazu. Vor allem durch das „Tun“. Vorbereitung ist wichtig und ich lese auch gern Fachbücher etc. Aber dann sollte man auch zur Umsetzung kommen und da lernt man täglich neues.

Du gehst sehr transparent mit deinen Blog-Einnahmen um und präsentierst monatlich deine Umsätze. Diese Offenheit kennt man nur von ganz wenigen Blogs. Ist das eine Vertrauensschaffende Maßnahme für deine Leser?
Das hat sicher mehrere Gründe.
Zum einen veröffentliche ich die Einnahmen seit langem. Auch als ich nur wenig verdient habe. So sollten damals die Leser regelmäßig sehen, wie sich der Blog entwickelt und wie sich bestimmte Maßnahmen ausgewirkt haben.
Heute ist daraus eine sehr umfangreiche Historie geworden und man kann die Entwicklung von Selbständig im Netz sehr gut nachvollziehen.
Vertrauen soll dadurch natürlich auch entstehen. Wenn ich über „Methoden zum Geld verdienen im Internet“ schreibe, dann soll natürlich auch klar sein, dass ich damit auch arbeite und erfolgreich bin. Leider gibt es viele „Geld verdienen“-Blogs, die mit 7,50 Euro im Monat „nach Hause gehen“.
Natürlich fängt jeder klein an. Aber bevor ich in die Welt hinaus schreibe, dass ich anderen erklären kann wie sie Geld verdienen, sollte ich es selber auch tun.
Das gilt natürlich auch für viele andere Themen.
Nicht zuletzt ist es aber natürlich auch eine Werbemaßnahme. Viele Leser finden es interessant und toll, von meinen Blog-Einnahmen zu lesen. Und sie werde genauso davon motiviert wie ich, als ich vor Jahren die Einnahmen-Artikel von US-Bloggern bewundert habe.

Ich denke, auch aus deinen Antworten kann man sich Motivation für neue Projekte ziehen. Peer, vielen Dank für das interessante Interview und deine Zeit. Als Selbstständiger oder Affiliate kann man sich einige Tipps für die eigenen Projekte und die Herangehensweise an diese herausziehen. Vielen Dank und schon mal eine frohe Weihnachtszeit!
Dir auch 🙂


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  1. Durchhaltevermögen ist wie schon oben genannt das A und O um sich erfolgreich ein eigenes Standbein aufbauen zu können. Schnellen Erfolg gibt es nicht. Aber hart erarbeiteten und der ist es wert.

  2. Schönes Interview mit guten Erfahrungswerten.

    Warum Peer, hast du eigentlich noch keine eigene Fanpage zu SIN, das würde sich doch sicherlich auch anbieten bei dir, oder?!?

  3. Danke für das tolle Interview. Ich durfte dadurch schon einiges lernen und wünsche Peer weiterhin maximale Erfolge.

    Herzliche Grüße aus dem verschneiten Spaichingen
    bernd schimanski
    (der gern mit Worten spielt)

  4. Ich kenne keinen anderen Blogger in Deutschland, der einen so guten Einblick über die Selbständigkeit im Internet gibt. Im augenblick versuche ich das im kleinen nachzumachen.