Thesen zur Zukunft von SEO Affiliates

geschrieben am in der Kategorie Affiliate Marketing von

Dieser Gastbeitrag basiert in weiten Teilen auf meinem Vortrag “10 Thesen für die Zukunft von SEO Affiliates“ von der SEO Campixx 2014 in Berlin. Daniel hat an der Session teilgenommen und mir freundlicherweise angeboten, für den Projecter Affiliate Blog einen zusammenfassenden Gastbeitrag zu schreiben. Wichtig ist mir dabei, dass es sich rein um meine subjektive Meinung handelt und dass es zumindest Ausnahmen gibt, die meine „Regeln“ bestätigen.

Für SEOs, die ihr Geld primär über Affiliate Marketing verdienen, sind die Zeiten durchaus anspruchsvoller geworden. Google geht mit Updates mit niedlichen Tiernamen wie Panda und Pinguin verstärkt gegen Thin Content vor oder reduzierte den Einfluss von beliebten Affiliate Techniken wie Exact Match Domains oder Links von Expired Domains. Wo sie den Affiliates die Rankings lassen, da wird aber auch gerne mitverdient. In lukrativen Bereichen wie Autoversicherungen oder Kreditkarten wird Google gleich selbst zum Super-Affiliate.

Auch große Brands lernen das Internet immer besser verstehen und setzen sich mit ihren enormen Budgets und großer Bekanntheit weit oben in den Suchergebnissen fest. Gibt es also zukünftig noch Platz für SEO Affiliates und wenn ja, wo und wie? Ich denke, dass man auch zukünftig noch mit Affiliate Marketing nachhaltig gutes Geld verdienen kann. Es ist allerdings anspruchsvoller geworden. Im Folgenden möchte ich daher einige Thesen aufstellen, die aus meiner persönlichen Erfahrung stammen und die als Denkanstöße dienen sollen.

1. Erfolgreiche Affiliates sollten bereit sein Dinge zu tun, die andere nicht tun wollen.

Affiliate zu sein hat in der Vergangenheit auch oft bedeutet: Tricks anwenden, Arbeit vermeiden, Hintertürchen finden. Wenn es mit zu viel Aufwand verbunden ist, ist es für Affiliates schnell „nicht skalierbar“ und wird nicht mehr weiter beachtet. Dies kann für genau diejenigen Chancen auftun, die bereit sind das zu tun, was andere nicht tun wollen.

Typische Probleme

Linkaufbau ist in der Vergangenheit für Affiliates immer die Jagd nach guten und leicht erschließbaren Linkquellen gewesen. Das eigene Projekt stand und musste mit Links befeuert werden. Jeder Link, den man selbst irgendwie aufbauen konnte (Forum, Blogkommentar, Artikelverzeichnis), wurde geholt oder günstig über Hilfskräfte aufgebaut. Trusted Links von höherer Qualität hat man bei bekannten Linkbrokern einfach gegen Einmalzahlung eingekauft. Freiwillig verlinkt ja schließlich sowieso niemand auf ein kommerzielles Affiliate Projekt.

So macht man’s besser

Man kann den Linkaufbau für Affiliates auch ganz anders angehen. Man kann durchaus sehr bekannte Seiten dazu bringen, kostenlos auf eine Affiliateseite zu verlinken. Entscheidend ist hierbei allerdings das Linkziel. Besonders gut funktioniert dies zum Beispiel mit Testberichten von Produkten. Hierfür ist es aber nötig, das Produkt zu bestellen und auch wirklich zu testen. Als Faustformel gilt für mich:

  • mindestens 2000 Wörter unterteilt in Kategorien, die alle relevanten Aspekte abdecken
  • 10 bis 20 Produktfotos im authentischen Anwendungskontext
  • mindestens 1 Video z.B. vom Unboxing

unboxing-video-im-fernglas-testbericht

Dies wird natürlich sehr aufwändig (gerne 8 Stunden Arbeit oder sogar mehr) und es entstehen zusätzliche Kosten (wenn man das Produkt nicht mehr zurückgeben kann) und diesen Aufwand sind die meisten nicht bereit zu investieren. Wer dagegen genau diesen Aufwand treibt, kommt an Links, von denen andere Affiliates nur träumen können. Online Shops verlinken gerne auf solche Testberichte. Hersteller rühmen sich teilweise sogar in ihren Pressebereichen mit einem Test. Und diese Links sind auch langfristig relevant und senden meist signifikant direkten Traffic.

Diese Art Links aufzubauen ist sogar eher mit Pressearbeit zu vergleichen als mit klassischem Linkbuilding. Es gibt eine ganze Reihe von erfolgreichen Beispielen für Technikprodukte oder im Modebereich oder auch im Haus und Gartenumfeld.

2. Erfolgreiche Affiliates betreiben 1 richtiges Projekt statt 100 kleiner dünner Projektchen.

In den Augen von Google sollte man zeigen, dass man ein echtes Unternehmen ist, und auch Dinge tun, die richtige Unternehmen tun (Stichwort Real Company Shit). Was verstehe ich unter einem “richtigen“ Projekt? Das ist aus meiner Sicht Folgendes:

  • Richtige Projekte sollten soziale Profile mit echten Fans und Interaktionen haben.
  • Richtige Projekte haben eine Branddomain und echten Brandtraffic (Type Ins und Brandsuchanfragen bei Google).
  • Richtige Projekte treten wie eine echte Firma auf (z.B. Mitgliedschaft in der Handelskammer, Yelp Profil mit Bewertungen etc.).
  • Richtige Projekte beziehen einen signifikanten Teil ihres Traffics über Kanäle außerhalb der organischen Suche (z.B. Newsletter, Referral-Links etc.)

Die Logik ist ganz einfach: Wer das alles umsetzen möchte, kann es schlicht nicht für 100 (oder auch nur 10) Projekte gleichzeitig. Man sollte sich daher – zumindest am Anfang – unbedingt auf ein einzelnes Projekt fokussieren.

Typische Probleme

Auch ich habe in der Vergangengeit das gemacht, was gut funktioniert hat. Mein Portfolio bestand aus einer großen Menge an Domains nach dem Muster “keyword-kaufen“ oder “keyword-vergleich“ und den Top-Level-Domains .net, .org und .biz. Ein WordPress mit selbstgebautem Logo konnte man relativ schnell aufsetzen. Content wurde günstig zugekauft (5 Texte je 500 Wörter und 3 Sterne Qualität) und publiziert. Monetarisiert wurde über eine einfache Vergleichstabelle mit den passenden Anbietern aus dem Themenumfeld. Für schnelle Rankings auf den Hauptkeywords sorgte ein berüchtigter Affiliatelinkmix – bestehend hauptsächlich aus Artikelverzeichnissen, Bookmarks und Blogkommentaren.

Die Arbeit des Affiliates beschränkte sich darauf, neue Projekte zu schaffen und an seinen Prozessen etwas zu optimieren. Gelegentlich fiel bei Google mal ein Projekt in Ungnade, aber die übrigen haben das immer kompensiert. Panda und Pinguin haben dieses Modell allerdings deutlich erschwert.

So macht man’s besser

Ein schönes Beispiel für eine Affiliate Brand ist der Affiliate Marketing Blog von Rae Hoffman, auch bekannt als Sugarrae. Rae war früher auch als klassischer Crash-and-Burn Affiliate mit vielen kleinen Keyworddomains unterwegs. Mittlerweile betreibt sie aber einen Blog, der als echte Marke bekannt ist. Er verfügt über ein Logo mit Wiedererkennungswert, es gibt soziale Profile auf Twitter und Facebook, die regelmäßig gepflegt werden und ein Newsletter sorgt für zusätzlichen wiederkehrenden Traffic.

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Man merkt auch schnell, dass hinter diesem Blog ein echter Mensch bzw. ein Unternehmen steht. Das Authorship Markup ist integriert, es gibt eine richtige “Über mich“ Seite, auf der sogar YouTube Videos mit Interviews eingebunden sind. Auf der Startseite sind auch einige Zeitungslogos abgebildet, in denen sie Gastbeiträge veröffentlicht oder Interviews gegeben hat.

Ein nicht geringer Teil des Suchmaschinentraffics dürfte über Brandsuchen (“Sugarrae“) oder Navigational Searches (“Sugarrae Genesis WordPress Review“) auf die Seite gelangen. Für Google bedeutet dies ohne Zweifel: Wenn wir diesen Blog aus den Ergebnissen nehmen, dann werden ihn viele Menschen vermissen. Genau diese Signale muss man dem Suchgiganten senden.

Für die These hat mich im Übrigen ihr sehr bekannter Blogpost aus dem Jahr 2007 “How to Survive the Affiliate Evolution“ inspiriert.

3. Erfolgreiche Affiliates diversifizieren ihr Einkommen.

Man sollte sich nicht von einzelnen Partnerprogrammen abhängig machen, selbst wenn man dort Premium-Konditionen genießt und gut verdient. Ein diversifiziertes Einkommen wird in Zukunft immer wichtiger und Affiliates sollten auch auf Nicht-Affiliate-Kanäle wie AdSense oder Direktvermarktung setzen.

Typische Probleme

Ein Affiliate betreibt Projekte, die in einem bestimmten Themenkontext angesiedelt sind. Besonders beliebt sind Mobilfunkpartnerprogramme. Hier verdient der Affiliate gutes Geld, da er für viele Begriffe wie “neuer Handyvertrag“ und “mobiler Flatrate Vergleich“ gute Rankings mit seinen Projekten hat. Er bewirbt die Hauptprogramme der 4 großen Anbieter und einige kleinere unabhängige. Bei 2 Programmen genießt er Premiumkonditionen und wird regelmäßig zu Publisher-Events nach Dubai oder Barcelona eingeladen. Er verdient gutes Geld, ist sich aber nicht bewusst, dass fast sein ganzes Einkommen von nur 2 Partnerprogrammen in der gleichen Branche abhängig. Damit setzt er sich einer großen Zahl an existenzbedrohenden Risiken aus wie z.B.:

  • einer der beiden Merchants geht in die Insolvenz
  • einer der beiden Merchants führt eine neue Attribution mittels Customer Journey ein, wodurch die Umsätze um 75% zurückgehen
  • das Netzwerk, im dem beide Merchants aktiv sind, stellt von monatlichen auf quartalsweise Auszahlungen um
  • einer der Merchants schaltet Postview frei, wodurch die Umsätze um 85% einbrechen

So macht man’s besser

Der Affiliate monetarisiert sein wichtigstes Projekt über eine Vielzahl an Partnerprogrammen und verteilt diese bewusst über mehrere Netzwerke. Er achtet penibel darauf, dass kein einzelnes Programm mehr als 20% seiner Gesamteinnahmen verdient. Er setzt trotz der vergleichsweise niedrigen Provisionen und geringen Cookielaufzeiten auf das Partnerprogramm von Amazon. Neben den Affiliate-Einnahmen verdient er auch einen vierstelligen Betrag im Monat über AdSense. Die Anzeigenblöcke hat er allerdings so eingebaut, dass keine Partnerumsätze kannibalisiert werden. Da seine Seite eine hohe Markenbekanntheit in der Nische hat, hat er auch 2 Deals über Direktvermarktung, die ihm jeweils 500 Euro monatlich für ein Banner im sichtbaren Bereich einbringt.

Durch die geschickte Streuung seiner Einnahmen auf Programme, Netzwerkke, AdSense und Direktvermarktung kann er ruhig schlafen und setzt sich keinen größeren Risiken aus. Dass er insgesamt etwas weniger verdient als der Telco-Super-Affiliate nimmt er dafür gerne in Kauf.

4. Erfolgreiche Affiliates setzen auf Evergreen Content.

Jeder Content ist irgendwann alt und irrelevant. News Content wird besonders schnell alt und muss immer wieder ersetzt werden. Evergreen Content dagegen bleibt immer bzw. lange relevant und muss nur selten angepasst werden. Affiliates sollten Evergreen Content aufbauen und pflegen, da sie so ein immer größeres Archiv an Artikeln schaffen und dadurch auch die Einnahmen immer weiter steigern. News Content dagegen muss immer wieder ersetzt werden, um das gegenwärtige Einkommenslevel zu halten.

Typische Probleme

Content ist King und viel hilft viel ist die Regel, nach der viele Affiliates vorgehen. Sascha Pallenberg ist ein typischer Vertreter dieser Szene. Der Techblogger von Mobilegeeks bestreitet auch einen Teil seiner Einnahmen aus dem Amazon Partnerprogramm. Typischerweise werden an einem Tag 5 oder mehr Artikel mit aktuellen News aus der Branche veröffentlicht. Sales dürften dabei eher aufgrund der hohen Reichweite entstehen und dem beim Amazon Partnerprogramm bekannten Cross-Selling. Allerdings muss auch jeden Tag etwas gepostet werden, damit der Traffic nicht abreißt.

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So macht man’s besser

Brian Lam war ähnlich lange als Techblogger beschäftigt und hat viele Beiträge tagesaktuell veröffentlicht. Mittlerweile arbeitet Brian an seinem Projekt The Wirecutter und schreibt nur noch sehr selten. Auf seiner Seite stellt er die besten Produkte aus jeder Kategorie vor. Z.B. findet man dort das beste Tablet (derzeit das iPad Mini), die besten Wireless Kopfhörer (momentan Sennheiser RS 160) oder auch den besten Gaming Laptop (aktuell Toshiba Qosmia X75). Hier gibt er mit seinem Wissen aus über 10 Jahren Techbloggervergangenheit eine subjektive Empfehlung und zitiert auch die Meinungen aus anderen Publikationen. Die URLs bleiben hierbei übrigens immer bestehen, selbst wenn sich die Produkte einer Kategorie ändern. Hauptsächlich ist Brian damit beschäftigt, neue Produkte zu testen bzw. seine bestehenden Seiten zu aktualisieren. Somit kann er auch viel Zeit dem Bilderbuch-Affiliate-Lifestyle widmen: Er surft an den schönsten Stränden der Welt und aktualisiert seine Seite gelegentlich auch aus der Hängematte.

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Vor kurzem wurde er sogar von Venture-Capital-Legende Marc Andreessen in einem längeren Artikel als Vorzeigeexemplar für digitale Geschäftsmodelle im Bereich News erwähnt.

Ausblick

Affiliate Marketing ist mit Sicherheit anspruchsvoller geworden. Wer noch auf die Methoden und Techniken setzt, die vor 3 Jahren gut funktioniert haben, der wird langfristig nicht erfolgreich sein. Thin Affiliates haben in meinen Augen kaum noch Chancen und gerade Affiliates müssen sich auch zukünftig ständig anpassen. Wer sich aber konsequent weiterentwickelt, wird meiner Meinung nach auch zukünftig noch als Affiliate Geld verdienen können.

Über den Autor

Johannes Hansen ist seit 2008 im Bereich Affiliate Marketing mit eigenen Projekten tätig. Heute fokussiert er sich nahezu ausschließlich auf sein Shopping- und Schnäppchenportal Rabattzauber.de. Der Traffic für seine Projekte kommt zum überwiegenden Teil über den Kanal der organischen Suchmaschinenoptimierung.

An dieser Stelle erscheinen gelegentlich Gastartikel von verschiedenen Experten des Online Marketings.

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  1. Grad wenn ich die Angebote von Fiverr so anschaue, dominieren leider viel zu oft noch die Ansichten für 5$ mal schnell ein paar Backlinks zu kaufen, anstatt echten Affiliate-Mehrwert zu bieten.