Verdient sich Yahoo! etwas dazu?

geschrieben am in der Kategorie Affiliate Marketing,SEO von

Simon Erdem hat eine interessante Entdeckung gemacht, die durchaus Diskussionsbedarf mit sich bringt. Für einige Top-Suchbegriffe wie ‚Reisen‘, ‚Urlaub‘, ‚Handy‘ oder ‚Auto‘ verlinkt Yahoo! manche Suchergebnisse nicht direkt zur Ziel-Webseite sondern nur über den Umweg diverser Umleitungen (Redirects). Teilweise dienen diese sicherlich einfach dem Tracking, was nicht weiter ungewöhnlich ist. Zum Teil tauchen in den Redirects jedoch URLs auf, die jedem Affiliate bekannt sein dürften: „http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=302541…“ ist eine Tracking URL des Affiliate Netzwerks affili.net. Ebenso werden URLs vom Netzwerk zanox in den Suchergebnissen von Yahoo! gefunden.

Laut Seo Solutions taucht dabei unabhängig vom Suchbegriff stets der Link des gleichen Partner Accounts (302541), was darauf schließen lässt, dass ein einziger Affiliate (= Yahoo!?) an den Besuchern verschiedener Webseiten, die mit ganz unterschiedlichen Suchbegriffen gefunden werden, mitverdient.

 

Erklärungsversuche:

1.) Yahoo! lässt sich organische Rankings bezahlen und rechnet über Affiliate Netzwerke ab.

Das halte ich jedoch für äußerst unwahrscheinlich, da eine solche Information den endgültigen Untergang von Yahoo! besiegeln würde und man dieses Risiko sicherlich nicht eingehen würde. Bezahlte Rankings sind schließlich überhaupt nicht im Sinne des Users und würden sicherlich nicht toleriert werden.

2.) Es handelt sich dabei um die sogenannte Paid Inclusion. Über das Yahoo! Programm „Search Submit Pro“ können Kunden für das zeitnahe Listen von Webseiten / URLs bezahlen. Dieses Modell hat jedoch keinerlei Einfluss auf das Ranking sondern sorgt nur dafür, dass URLs schnell in den Index aufgenommen werden. Dies ist insbesondere für Webseiten mit tausenden von Seiten, die schnell indexiert werden müssen (z.B. eBay), interessant. Die Abrechnung erfolgt auf Basis von Klicks (CPC).

Allerdings scheint mir auch diese Antwort nicht allzu plausibel. Weshalb sollte die Paid Inclusion über Affiliate Netzwerke abgewickelt werden? Sicher, es ist eine einfache Lösung. Allerdings verdienen die Netzwerke in diesem Fall mit und das ist völlig überflüssig und somit eigentlich kaum denkbar. Man kann doch wohl annehmen, dass Yahoo! in der Lage sein wird, ein eigenes Tracking auf die Beine zu stellen oder zumindest andere externe Partner zu wählen, die billiger und im Tracking zuverlässiger sind als Affiliate Netzwerke.

Bei rent-a-SEO wird der Fall so interpretiert, dass es sich dabei zwar um Paid Inclusion handelt, die URLs allerdings vom Kunden geliefert werden und insofern auch Tracking Codes enthalten sein können. Jedoch stellt sich auch hier die Frage: warum sollten ITS, Mobile.de & Co. hier die Affiliate Netzwerke ins Boot holen und sie finanziell partizipieren lassen?

3.) Ein weiterer Ansatz könnte sein: Yahoo! monetarisiert einfach die organischen Suchergebnisse und verdient sich etwas dazu.

Eigentlich eine clevere Idee, die jedoch Zündstoff enthält. Ich gehe davon aus, dass es keinen Einfluss auf das Ranking geben wird, insofern ist das erstmal unproblematisch. Allerdings haben sich die Merchants das sicherlich anders gedacht. Organischer Suchmaschinen-Traffic gilt schließlich gemeinhin als kostenlos beziehungsweise wurde möglicherweise schon viel Geld für SEO ausgegeben um überhaupt auf diese hohen Positionen zu kommen und nun muss für diesen Traffic auch noch Yahoo! und das Affiliate Netzwerk bezahlt werden.

Fazit: Es lässt sich nicht so einfach klären, wie die genauen Hintergründe dieser Entdeckung sind. Allerdings hat es immer etwas Anrüchiges wenn bei organischen Rankings Geld in die Taschen der Suchmaschine fließt und das scheint hier der Fall zu sein.

Mittlerweile gibt es auch eine Stellungnahme eines Yahoo! Mitarbeiters bei semager.de. Demnach soll es sich tatsächlich nur um das offizielle Paid Inclusion Modell handeln. Allerdings löst das nicht die oben genannten Zweifel an dem Sinn dieses Verfahrens auf.

Patrick war Geschäftsführer und Experte in den Bereichen SEM und Affiliate Marketing. Nach einem BWL-Studium an der Berliner Berufsakademie „School of Economics“ und der Arbeit im Online Marketing bei Spreadshirt entwickelte er eigene Affiliate-Projekte und zusammen mit Katja von der Burg die Idee zu „Projecter“.

Einen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder