Im Dezember habe ich dieses Jahr schon frühzeitig die Flucht ergriffen und das Weihnachtsgeschäft hinter mir gelassen. Dies war notwendig geworden, da der Flugpreis sich bei einer Rückkehr Anfang Januar mindestens verdoppelt hätte. Offenbar ist es der überwiegenden Zahl der Fernreisenden wichtig, auch noch Silvester im Urlaub zu verbringen (entsprechend leer war auch die Thai Airways Maschine am 31.12.2009).
Bangkok
Nach nicht ganz 11 Stunden Flug bin ich am 10.12. in Bangkok angekommen. Mit dem Airport Express ging es sofort ins touristische Zentrum, zur Khao San Road. Für jemanden wie mich, der zum ersten Mal nach Asien reist, kommt das einem Kulturschock gleich. Eine gerade mal 400m lange Straße, die aufgrund hunderter Straßenhändler und etlicher Touristen so eng ist, dass man nur noch zu Fuß durchkommt. Mein Spitzname auf der Khao San war im übrigen “Big Boss”.
In der Hauptstadt gibt es einiges zu sehen: Grand Palace, Wat Pho und viele andere Wats (Tempel), Flussfahrten, China Town, Nachtmärkte und riesige Einkaufscenter, die es locker mit hiesigen Shopping-Tempeln aufnehmen können. Die Kontraste zwischen arm und reich sind groß.
Bangkok nervt jedoch auch. Obwohl ich ein Fan von Großstädten bin, war ich nach drei Tagen froh, endlich rauszukommen. Hoher Lärmpegel und Smog sowieso. Leider haben sich für meinen Geschmack zu viele Thais in Bangkok darauf spezialisiert, Touristen abzuzocken. Tuk Tuk-Fahrer, die einen nicht fahren, wenn man nicht auf der Fahrt noch einen maßgeschneiderten Anzug kauft, Taxi-Fahrer, die einen absichtlich am falschen Busbahnhof absetzen und seriös wirkende Thais, bei denen einem erst nach 2-3 Minuten dämmert, was die wahren Absichten sind.
Kanchanaburi
Mit dem Bus ging es ins nur 2,5h entfernte Kanchanaburi, eine meiner besten Stationen. Kanchanaburi war mir vorher überhaupt kein Begriff, hat aber eine interessante und bewegende World War II Geschichte hinter sich. Dort befindet sich zum Beispiel die berühmte (aber in unserem jungen Büro eher unbekannte) Brücke am Kwai. Während des zweiten Weltkrieges hat die japanische Besatzungsmacht eine Eisenbahnstrecke von Thailand nach Burma bauen lassen – in Rekordtempo und überwiegend von Kriegsgefangenen, die dabei zu Hunderttausenden ums Leben kamen. Dabei entstanden u.a. die Death Railway Bridge und die River Kwai Bridge. Neben entsprechenden Museen und Besichtigungen von Brücken kann man rund um Kanchanaburi viel machen: Tiger streicheln, Elefanten reiten, kleine Wasserfälle bestaunen oder einfach auf der Dachterasse einer wirklich guten Unterkunft mit Blick auf den River Kwai entspannen.


Ayutthaya
Nach ein paar Tagen ging es mit einem Minibus weiter nach Ayutthaya, einer früheren Hauptstadt Thailands, die vor allem viele Tempel zu bieten hat. Noch immer etwas Bangkok-geschädigt habe ich es wenn möglich vermieden, Tuk Tuks oder Taxis zu nutzen und habe viel zu Fuß erledigt. Die fast 35 Grad hat man dabei auch gemerkt. Die Unterkunft in Ayutthaya war sehr einfach aber von einem umso netteren Schwestern-Paar betrieben, die einem bei allen Angelegenheiten bestens weiterhelfen konnten. An meine Reservierung konnten sie sich leider nicht erinnern, haben mich dann für die erste Nacht aber persönlich in eine andere Unterkunft gebracht und mir dort ein Zimmer organisiert.
Das Highlight von Ayutthaya war eine Fahrt mit einem Longboat rund um die Innenstadt (wird von einem Fluss umrundet) mit Stops bei mehreren eindrucksvollen Tempeln.
Chiang Mai
Dann kam die Zugfahrt. Ich war zunächst von 8 Stunden ausgegangen, dann sollten es doch fast 11 sein und am Ende waren es ca. 12 Stunden. Die Landschaft ist sehr beeindruckend und eine zeitlang ist es auch ganz lustig mal mit einem local Zug durch Thailand zu fahren. Die erste Hälfte der Strecke war nach ca. 4 Stunden absolviert, so dass ich weiterhin Hoffnung auf insgesamt 8 Stunden hatte. Leider dauerte die zweite Hälfte ganze 8 Stunden, da das Tempo im “Dschungel” nicht allzu hoch war. Die Klimaanlage fiel nach ca. 5 Stunden aus, somit war es nicht mehr ganz so gemütlich und irgendwann wurde es naturgemäß auch dunkel. Insgesamt aber in jedem Fall ein Erlebnis!
Chiang Mai ist in jedem Fall eine Reise wert. Die meisten Individual-Touris starten von dort aus wohl zu Trekking-Touren durch kleine Bergdörfer. Aufgrund einer gewissen Bequemlichkeit habe ich daran jedoch nicht teilgenommen und es vorgezogen, mich zu entspannen. In Chiang Mai habe ich erstmals ein Moped gemietet (3 Euro / Tag!). Das hätte ich schon früher tun sollen, hatte aber lange Respekt vor dem Linksverkehr und Straßenschildern, die ich nicht entziffern konnte. Der Straßenverkehr entspricht natürlich nicht deutschen Standards aber wenn man erstmal in den “Flow” hineinfährt, ist es nicht mehr allzu kompliziert.
Leider hat es mich an Heiligabend erwischt. Vielleicht waren die Krabben nicht mehr gut. Jedenfalls verbrachte ich den Abend und den ersten Weihnachtstag in Bett und Bad.
Sukhothai
Danach ging es mit dem Bus weiter nach Sukhothai. Eine noch frühere Hauptstadt Thailands mit – man kann es sich mittlerweile denken – einer Menge Tempeln. Die Stadt ist geteilt in New-Sukhothai und Old-Sukhothai. Während die alte Stadt wirklich schön ist und sich viele Tempel in einer Art Park mit kleinen Seen befinden, ist New-Sukhothai wirklich ausgesprochen hässlich. Unnötig zu erwähnen, wo ich die zwei Tage überwiegend verbracht habe. Danach ging es schon wieder zurück nach Bangkok. Die kleine Stadt Sukhothai hat einen Flughafen, der wirklich schön und außergewöhnlich klein ist. Bevor man ins Flugzeug steigt, verneigt sich das gesamte Flughafenpersonal verabschiedend vor den Passagieren.


Die letzten anderthalb Tage verbrachte ich wieder in Bangkok, allerdings in einer ruhigeren Ecke fernab der Khao San Road. Dabei trieb ich mich in Shoppingcentern herum, ohne jedoch nennenswert eingekauft zu haben.
Achso, während der drei Wochen habe ich drei Bücher lesen können, die alle auf ihre Art empfehlenswert sind: The Corrections, Freakonomics und The Wind-Up Bird Chronicle.