Affiliate Tactixx 2010 – Recap

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Auch dieses Jahr sind wir wieder auf der Affiliate Tactixx vertreten, nachdem Patrick letztes Jahr schon berichtet hatte. Um Zugabfahrtzeiten zu vermeiden, die mit einer gruseligen 4 beginnen, sind wir gestern schon angereist und haben die Chance genutzt, den SEO-Stammtisch am Vorabend zu besuchen. Das Weißbier schmeckt ja bekanntermaßen in München besser als in Leipzig und ich habe gelernt, dass man Weißbier nicht aus dem Fass, sondern aus Flaschen trinkt. Wir haben dann noch mit Julian auf seinen Geburtstag angestoßen und sind heute morgen um einige interessante Kontakte reicher bei der Tactixx angekommen.

Die Anmeldung war etwas chaotisch und wir mussten uns erstmal Schnitzeljagd-ähnlich einen Weg durch die Ausstellung der Internet World suchen, um die Tactixx zu finden, waren dann aber gerade rechtzeitig zur Keynote von Andre Alpar da. Er hat sich mit der Zukunft des Affiliate-Marketings beschäftigt, dazu eine Umfrage gemacht und die Ergebnisse in 15 Thesen präsentiert. Zum Nachlesen gab es in Lichtgeschwindigkeit eine Zusammenfassung Andres Punkt Nr. 1 war, dass Netzwerke häufig eine Doppelrolle ausüben (z.B. auch als Publisher auftreten), was er für sehr problematisch hält. Punkt 2 war die zunehmende Bedeutung von Private Networks, in die wohl vor allem Top-Publisher abwandern. Da dieses Thema auch in den folgenden Panels und Vorträgen immer wieder erwähnt wurde, ist es wohl definitiv beachtenswert. Punkt 3 schließlich ging an den Dauerbrenner Post View, wobei Andre beobachtet, dass der Einfluss nach wie vor sehr hoch ist, aber sich Post View langsam selbst kaputt macht, da das Tracking nicht sauber funktioniert. Solange Cookieweichen etc. nicht routinemäßig eingesetzt werden, geht bei der Zuordnung von Sales einfach zuviel schief.

Sehr interessante Themen, die leider im folgenden Panel zu „Trends im Affiliate Marketing“ nicht wirklich aufgegriffen wurden. Stattdessen gab es nur eine pro Forma Diskussion, wer nun den besseren Code of Conduct hat (Zanox oder der BVDW) und relative Einigkeit, dass das Tracking beim Thema Postview voll unter Kontrolle wäre. Angeblich wäre Deutschland in Sachen Affiliate Marketing auch Märkten wie USA und UK voraus, da man dort Postview noch nicht entdeckt hätte. Eine sehr gewagte Theorie, die bei mir vor allem Stirnrunzeln hinterlassen hat.

Der folgende Vortrag zum Thema „Conversion Optimierung am Online Touchpoint“ von Hansjörg Rampl von Explido ähnelte inhaltlich wohl sehr stark dem Vortrag des Vorjahres und enthielt keine neuen Erkenntnisse. Die präsentierten Conversionzuwächse sahen prozentual zwar super aus, blieben aber letztlich eher farblos, da nichts über die Rahmenbedingungen und die Ausgangsniveaus bekannt war. DASS Landing Page Optimierung ein wichtiges Thema im Performance Marketing ist, sollte wiederum bei einem Fachpublikum als bekannt vorausgesetzt werden. Ich hätte mir an dieser Stelle mehr praktisches Know-How oder konkrete Insights gewünscht.

Bisheriges Highlight des Tages war für mich das Panel mit Marcus Tandler, Ulrich Roth und Martin Sinner, die die verschiedenen Ansätze von Publishern repräsentierten und das auch sehr überzeugend rüberbringen konnten. Traffic, Content und Preisvergleich waren demzufolge die inhaltlichen Pole, die diskutiert wurden. Zitatfähige Highlights gibt‘s bei uns und anderen im Twitter mit dem Hashtag #tactixx nachzulesen 😉 Diskutiert wurden unter anderem wieder die Bedeutung der privaten Netzwerke (Top-Publisher wandern dorthin ab), Postview (Tracking funktioniert nicht gut genug, um das wirklich kontrollieren zu können) und Social Media (guter Weg, um Traffic zu bekommen, wenn auch von zweifelhafter Qualität). Mehr von solchen Panels!

Nach dem Mittagessen wurden die Sessions in einen Merchant- und einen Affiliate-Track mit jeweils 3 Themen geteilt. Ich habe mich auf den Affiliate-Track konzentriert, der mit dem Radio4SEO Panel losging, in dem Hörerfragen beantwortet wurden. Genial war die Aufbereitung der Fragen durch Marco Janck, die durch Videoeinspielungen für viele Lacher sorgte. Unser Favorit war die freundliche Asiatin, die nach jeder erfolgreich vorgelesenen Frage bezaubernd lächelte 🙂 Das Panel bestand aus Marcus Tober, Stefan Fischerländer, Thomas Mindnich und Thomas Zeithaml und beantwortete eine der Fragen ziemlich einhellig vierstimmig: NEIN!!! Weil das stereo viel schöner ist, verweise ich jetzt auf Radio4SEO, wo es das Panel voraussichtlich Ende der Woche zum Nachhören.

Auf das nächste Thema zur Universal Search Optimierung von Herbert Hartung war ich besonders gespannt, da das Thema für die von uns betreuten Online Shops zunehmend wichtig wird (Google Produktsuche). Der Vortrag ging auch soweit informativ los und gab Hinweise, welche Optimierungskriterien dazu beitragen können, um für die Universal Search Ergebnisse zu ranken. Abenteuerlich wurde es dann beim Thema Google Base für Affiliates. Offiziell ist es von Google verboten, Kataloge mit Affiliate-Links hochzuladen. Das macht inhaltlich auch absolut Sinn, da der Mehrwert für den Suchenden natürlich am größten ist, wenn die Ergebnisse ihn direkt in den entsprechenden Shop bringen und ein Umweg über einen Affiliate-Link überhaupt keinen Nutzen bietet. Da wir ja nun aber auf der Affiliate Tactixx sind, fand ich es soweit verständlich, dass auf Möglichkeiten eingegangen wurde, wie Affiliates dennoch Base für sich nutzen können. Die angesprochenen Methoden liefen aber ziemlich schnell auf groben Spam hinaus und machen im Grunde den ganzen Sinn der Produktsuche hinfällig. Aus Shopbetreiber-Sicht (mit echten Produkten und so 😉 ) dürfte das weit jenseits der Schmerzgrenze gewesen sein. Für eine Fachkonferenz war das meiner Meinung nach deutlich zu Black und vor allem unseriös.

Last but not least gab es noch einen sehr detaillierten und informativen Vortrag zum Thema Linkbuilding für Affiliates von Christoph Cemper.
Simon widmete sich in der Zwischenzeit dem Merchant-Track und hörte den Vortrag von Marc Brandecker von 1& 1 über deren Affiliate Programm. Offenbar war es Diskussionspunkt und Erkenntnis zugleich, dass 1 & 1 zu dem Schluss gekommen ist, dass Affiliates, die auf ihren Brand bieten, keine zusätzlichen Sales bringen und dies demzufolge nicht mehr tun dürfen. Überraschend war hier vor allem die Tatsache, dass das überhaupt diskutiert werden musste. Interessant war die Strategie von 1 & 1, ihre Affiliate-Werbemittel in Abstimmung mit den anderen Abteilung an das Aussehen der „normalen“ Werbemittel anzupassen, da so die allgemeinen Branding-Effekte verstärkt werden und wohl auch die Performance gesteigert wird.

Weiter ging es wieder vereint mit einem Vortrag zu Social Media im Affiliate Marketing von Benedikt Köhler von ethority. Der Vortrag bot eine gründliche Zusammenfassung der möglichen Maßnahmen, leider aber keinerlei Neuigkeiten oder Diskussionsstoff. Da das Thema nach wie vor auf weite Skepsis stößt, hätte ich mich hier mehr Kontroverse bzw. einen Ausblick auf mögliche Entwicklungswege gewünscht. Mit Informationen vollgepackt war der folgende Vortrag zu internationalem Affiliate Marketing von Albrecht Fischer von CJ, der auf etliche Fallstricke und Problemfelder bei der Internationalisierung von Partnerprogrammen hinwies.

Abschluss der Veranstaltung ist das Panel „Quo Vadis Customer Journey“, indem sich Agentur- und Netzwerk-Vertreter mit der Vergütungsfrage beschäftigen. Häufig sind an einem Sale mehrere Instanzen in der Vorbereitung beteiligt, wenn der Kunde z.B. zunächst nach einem generischen Begriff googelt, dann auf einen Affiliate-Banner klickt und am Ende über eine Brand-Anfrage bei Google in den Shop gelangt und kauft. Momentan gewinnt der letzte Cookie, was nicht unbedingt die optimale Abrechnungsmethode ist. Sehr gewagt finde ich aber die These von Sabine Haase von Affilinet, dass das Affiliate Marketing unter SEM leidet. Das würde ich gerne mit Zahlen belegt sehen, da in der Praxis auch der umgekehrte Fall (der Affiliate Cookie „gewinnt“) häufig genug vorkommt. Natürlich ist auch Postview auch hier wieder ein Thema, da es von den Panel-Teilnehmern als „erster Schritt in Richtung einer faireren Vergütung“ gesehen wird (Hendrik Seifert von Kupona). Als bekennender Postview-Skeptiker könnte man genau das auch genau andersherum sehen. Aus dem Publikum regt sich zudem einiger Widerspruch, der auf das Auslassen sämtlicher Offline-Werbemaßnahmen in der Diskussion der Customer Journey hinweist. Gerade beim Schalten von Fernsehwerbung können gleichzeitige Postview-Kampagnen zu einer massiven Doppelvergütung von Sales führen und den Merchant sehr viel Geld kosten. Einhellige Meinung aus dem Panel: Das Tracken und Einbinden von Offline Maßnahmen ist nicht möglich und muss deswegen aus der Customer Journey Berechnung ausgelassen werden. Damit macht man es sich doch aber viel zu einfach und handelt in keinster Weise im Sinne des Merchants, der natürlich all seine Kanäle betrachten muss, ob nun online, offline, View oder Click-basiert. Hier besteht offenbar noch extrem viel Diskussionsbedarf und auch das Thema Postview ist so aktuell und umstritten wie immer.

Genug geschrieben – wir freuen uns jetzt auf die Tactixx Networking Party und viele interessante Gespräche und Kontakte!

Nachtrag: Mittlerweile sind weitere Berichte von der Affiliate Tactixx online:
Veranstalter Markus Kellermann von explido
Inga von Jochen Schweizer
Zusammenfassung des Linkbuilding-Vortrags
Zusammenfassung des Radio4SEO Panels

Katja ist Geschäftsführerin und gründete 2008 zusammen mit Patrick Hundt die Agentur Projecter. Wenn sie gerade nicht im Büro anzutreffen ist, geht sie klettern, bergsteigen, skifahren, snowboarden, tauchen oder windsurfen. Katja freut sich auf Kommentare & Feedback!

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