Ein Tag ohne Facebook–eine Chronik der Grausamkeiten!

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Neeeeiiiiiiiiiheeeeeeen. Ein Schrei geht durch das Projecter Büro. Er scheint sich kollektiv aus den aufgerissenen Mündern der Mitarbeiter gelöst zu haben und schwebt nun erdrückend über der Szenerie. Doch was ist passiert? Ist der Strom oder noch schlimmer die Kaffeemaschine ausgefallen? Hat der Postbote das Paket voller Swarovski-Kaffeetassen fallen gelassen? Nein, stattdessen wurden an diesem Tag unsere schlimmsten Befürchtungen wahr! Facebook verabschiedete sich für einen ganzen Tag aus unser aller Leben. Wir schreiben den 30.02.2012! Nach langer Zeit des Verarbeitens haben wir uns entschieden, die Chronik dieses für uns tragischen und traumatisierenden Tages niederzuschreiben. Eine Art geschriebene Therapie – aber lest selbst!

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Alles begann mit dem besagten Aufschrei. Wir waren ratlos. Was war geschehen und was würde als nächstes passieren? Sollte der Facebook-Absturz nur der Auftakt zum Weltuntergang sein? Wir entschieden uns, zunächst Ruhe zu bewahren. Schließlich ist es in den meisten Situationen, außer vielleicht auf mitreißenden Konzerten, immer erst einmal angebracht, Ruhe zu bewahren. Für viele von uns hatte es schließlich ein Leben vor Facebook gegeben. Ärgerlich war es natürlich schon, dass wir nicht auf unsere Facebook-Seiten zugreifen konnten. Aber wer hätte ahnen können, dass dies das geringste Problem dieses schicksalsreichen Tages sein sollte?

Aber beginnen wir doch am Anfang des Tages..

9:30 Uhr: Tino will eigentlich nur kurz absprechen, was er heute noch aus dem Supermarkt mitbringen soll. Den Einkaufszettel, der zu Hause auf dem Küchentisch liegt, hat er natürlich vergessen. Normaler Weise würde er jetzt über den Facebook-Chat eine kurze Nachricht der Nachfrage absenden. Da dies heut nicht möglich ist, vertraut er auf sein Gedächtnis. Später im Supermarkt wird er die Tomaten für die Tomatensoße vergessen.

11:15 Uhr: Franzi arbeitet gerade so konzentriert wie noch nie. Keine Facebook-Meldung, die ihre Aufmerksamkeit fesselt oder sie von den wichtigen Dingen des Lebens ablenkt. Was sie nicht ahnt… während sie auf einer Welle der Produktivität reitet, verabreden sich ihre Freunde, die sie während ihres Auslandssemesters in England kennengelernt hat, in einer Facebook-Gruppe zu einem Re-union-Treffen. Da Franzi sich den ganzen Tag nicht meldet und ihre Freunde denken, sie hätte kein Interesse, wird sie aus der Gruppe ausgeschlossen. Sie wird niemals von diesem Treffen erfahren.

13:45 Uhr: Wie immer hatte sich Rebekka auf die Facebook Geburtstagsbenachrichtigungen verlassen. Doch ohne Facebook auch keine Benachrichtigungen! So vergisst sie an einem einzigen Tag die Geburtstage ihrer Schwester, ihrer fünft besten Freundin und eines bekannten Hamsters.

15.37Uhr: Hätte Helene an diesem Tag einen Blick in ihren Facebook Newsfeed werfen können, hätte sie erfahren, dass eine Freundin in Sydney eine Hochzeit in einer Schlachterei plant. Hätte sie diese Nachricht gelesen, hätte sie ihrer Freundin nicht nur abraten, sondern auch nach Australien fliegen können. So sieht sie drei Monate später verdutzt die Hochzeitsfotos ihrer Freundin, auf denen nicht Helene, wohl aber die Braut weinend in einem blutbefleckten Brautkleid zu sehen ist. Sie kann sich keinen Reim machen und lässt es…

17: 52 Uhr: Auch Nadja hätte an diesem Tag wohl lieber einen Blick in ihren Newsfeed werfen sollen. So verpasst sie 10 lustige Katzenvideos, ein Status Update über die emotionale Stimmung mindestens 12 ihrer Facebook-Freunde, die lustigste bild.de Schlagzeile des Jahrzehnts, diverse Umfragen zu ihren Lieblingsfilmen, Lieblingsorten, Lieblingsmenschen und Lieblingsmuskeln, sowie die Trennung einer ihrer Freundinnen, die sie später zusammen mit ihrem Ex-Freund zum Essen einladen wird. Mist!

18:58 Uhr: Katja schaltet sonst gelegentlich abends bei einem der zahlreichen Facebook-Spiele ab. Stattdessen spielt sie heute mit ihrer Familie Rommee. Sie verliert.

20:44 Uhr: Stefanies Lieblingsband hat sich entschieden alle Tickets für ihr geheimes Konzert am nächsten Wochenende in Leipzig über Facebook zu verlosen. Eine nette Idee, hätte Steffi an diesem Tag wie gewohnt die Neuigkeiten bei Facebook gelesen. Denn die Band wird sich nach dem Gratiskonzert auflösen.

22:30Uhr: Simones Kater verhält sich an diesem Tag besonders lustig. Wahrscheinlich war es der lustigste Tag in ihrem gemeinsamen Leben. Hätte Simone das Video ihres Katers ins Internet gestellt, wären beide nicht nur zur Internetberühmtheiten aufgestiegen, Simone wäre zukünftig auch durch die Talkshows dieses Landes getingelt und stinkreich geworden. So wird niemals jemand von den Geschehnissen zwischen Simone und ihrem Kater erfahren!

23:12 Uhr: Valeska und Janine sind auf der Suche nach einem Geburtstagstipp für eine gemeinsame Freundin. Valli hatte schon seit Wochen über ein Geschenk gegrübelt. Ihre Freunde diskutieren derweilen über ein passendes Geschenk in einem Facebook Gruppenchat. Da Valli und Janine nicht online sind, werden sie ausgeschlossen. Neben dem coolsten Geschenk des Jahrhunderts stellt Vallis und Janines Freundin am Tag ihres Geburtstags die geschenkte Topfpflanze der Beiden.

0:00 Uhr: Der Tag endet – Gott sei Dank!

Nadja hat von 2011 bis April 2013 als Praktikantin und danach als Werkstudentin bei uns gearbeitet.

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  1. Hmm. Gar nicht einfach hier ein Fazit zu ziehen. Einige Punkte sprechen mal wieder dafür, das dieses FB reine Zeitverschwendung ist. Auf der anderen Seite sieht man aber auch einige Vorteile von FB.
    Das einzige was man wohl sagen kann ist “das Leben vor Facebook”… Ja das gab es und es hat funktioniert.
    Jetzt muss wohl jeder für sich entscheiden, ob FB mehr Vor- oder Nachteile hat… :)

  2. ..für Peter war es ein Tag wie jeder andere auch. Denn wie im wahren Leben, hat er auf Facebook auch keine Freunde.

    Als Hahn im Korb hat es Tino auch nicht leicht. Vielleicht war er deshalb auch ganz froh, dass die – mehr oder weniger lustigen – Katzenvideos seiner Arbeitskolleginnen ihn nicht zur Weißglut getrieben haben.

  3. Es würde mir Wahrscheinlich noch nicht einmal auffallen, wenn Facebook einen Tag lang ausfallen würde :)

  4. Ich kann nur Lisa zustimmen. Ich bin wenn es hochkommt 2- bis 3-mal in der Woche in FB, so dass ich es auch gar nicht bemerken würde. Aber es ist schon ein wenig erstaunlich wie sehr man sich an Facebook oder auch andere Social-Media Plattformen gewöhnt hat. Es ist fast schon so eine Art Abhängigkeit entstanden.
    Vg.

  5. Ohne Facebook kann ich mir das Leben auch nicht mehr vorstellen, vor allem, weil ich es auch für die Arbeit nutze, das ist unumgänglich.
    Abgesehen von der Arbeit, könnte ich es im privatem gut ausschalten, da hätte ich keine Probleme mit.
    Musste aber ein paar mal Grinsen, wie selbstverständlich Facebook doch geworden ist.
    Lg Carmen