Projecter on Tour: Peru

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In den letzten Jahren konnte ich glücklicherweise jeweils eine Fernreise antreten. Diese nun kleine Tradition habe ich auch in diesem Jahr fortgesetzt. Ende September hat es mich für drei Wochen nach Peru verschlagen. Nach meiner Mexico Rundreise vor zwei Jahren und Thailand im letzten Jahr sollte es dieses mal wieder Zentral- oder Südamerika werden. Bei meinem Freund Peter, der im vergangenen Jahr eine ausgiebige Südamerika Rundreise erleben durfte, habe ich mich erkundigt, welches Land ihm dort am besten gefallen hat. Die überraschende Antwort war Peru. Überraschend deshalb, weil ich mich mit Peru bis dahin noch nicht auseinander gesetzt und es daher nicht auf dem Radar hatte. Den Tipp habe ich jedoch ernst genommen und kurz darauf einen Flug nach Lima gebucht. Es sollte meine bisher beste Reise werden.

Alles fing schon in Amsterdam gut an. Dort musste ich auf dem Weg von Berlin nach Lima zwischenlanden. Zwar war der Anschlussflug fast zwei Stunden verspätet, doch auf dem Flughafen kam eine Stewardess auf mich zu und meinte „Let’s see if I can get you a better seat“. Kurz darauf fand ich mich in der Business Class der KLM-Maschine wieder. Natürlich macht das einen 12-stündigen Flug durchaus angenehmer.
Gegen 20 Uhr Ortszeit kam ich in Lima an und wurde von einem Taxifahrer erwartet, der von dem Bed & Breakfast geschickt wurde, das ich kurz zuvor per E-Mail gebucht hatte. Spätestens nach einer Stunde Taxifahrt quer durch Lima, ohne Anschnallgurte und mit einem Fahrer, der es naturgemäß eilig hat, ist man mittendrin in Südamerika.

Für die ersten beiden Tage blieb ich in Lima. Genau genommen ist das schon ein Tag zu viel. Die Stadt ist mit 9 Millionen Einwohnern (das entspricht einem Drittel aller Peruaner) zwar riesig aber nicht besonders sehenswert. Das Wetter ist ein wenig bedrückend: es ist neun Monate im Jahr fast durchgängig stark bewölkt – allerdings regnet es nie. Lima liegt in der Wüste. Angelo, der Gastgeber, war äußerst hilfreich und hat mir geholfen, die kommenden Tage zu planen und Bustickets zu buchen, was aufgrund einer dezentralen Organisation der Busunternehmen zumindest in Lima gewöhnungsbedürftig ist. Die Busse selbst waren bestens ausgestattet. Dieses hohe Niveau hatte ich bisher nirgends erlebt.

Meine erste Station nach Lima war Paracas, ca. 3,5 Stunden südlich der Hauptstadt. Der überraschend kleine Ort wurde 2007 durch ein heftiges Erdbeben schwer zerstört, was auch heute noch zu sehen ist. Ich kam erst kurz vor dem Sonnenuntergang dort an und am Abend fiel der Strom in dem Ort aus. Damit endete der Tag für mich schon früh im Bett. Am nächsten Morgen ging es auf die Islas Ballestas – der einzige Grund, überhaupt in Paracas Halt zu machen. Mit Schnellbooten werden Touristen zu den einige Kilometer vor der Küste liegenden Inseln gebracht. Diese sind eine kleine Welt für sich. Während ich bis dahin überwiegend Wüste ohne Fauna gesehen hatte, treiben sich auf diesen Inseln etliche – wahrscheinlich zehntausende – Pelikane, Pinguine, viele andere Vögel und Seerobben herum. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel.

Islas Ballestas

Islas Ballestas

Da der Tag noch jung war und der Bus erst am späten Nachmittag weiterfuhr, habe ich noch eine kleine Tour durch das Nationalreservat mitgemacht, das überwiegend aus Wüste und schönen Küstenausblicken bestand. Später fuhr ich weiter nach Huacachina, eine kleine Oase umgeben von Sanddünen, die hunderte Meter hoch sind. Nach Huacachina kommt, wer mal mit einem Buggy quer durch die Wüste heizen möchte. Mit diesen Höllenmaschinen ging es die Dünen rauf und runter. Zwischenzeitlich stoppte der Fahrer immer wieder für eine Portion Sandboarding. Wer schon nicht snowboarden kann, wird erst recht nicht auf diesen Brettern die Sanddünen herunterfahren können. Die Alternative ist, liegend kopfüber die Düne herunterzurutschen. Was noch recht harmlos anfing, steigerte sich zu immer höheren und steileren Dünen. Doch die größte Gefahr bestand nur darin, sich die Arme gehörig zu verbrennen, wenn sie bei der Abfahrt über den Sand schleifen. Den Rest des Tages habe ich mit einem guten Buch am Pool verbracht. Zum ersten Mal war der Himmel nicht bedeckt.

Sand Buggy

Sand Buggy

Huacachina

Huacachina

Am Abend bin ich weitergefahren nach Nasca. Diese kleine Stadt selbst hat nicht viel zu bieten, ist allerdings sehr bekannt für die Nasca Linien. Dabei handelt es sich um jahrhundertealte Formen und Figuren, die von den damaligen Völkern quer durch die Wüste gezeichnet wurden. Man erkennt sie ausschließlich aus der Luft. Aufgrund dieser Linien hat sich der Tourismus in Nasca prächtig entwickelt. Die meisten Touristen fliegen in kleinen Propellermaschinen für 30 Minuten über die Wüste, um die Linien zu bewundern. Diesen Flug habe ich auch gebucht, würde es heute aber nicht noch einmal machen. Der Flug ist relativ teuer und damit wir Touristen bessere Fotos schießen können, werden viele scharfe Kurven geflogen, die meinem Magen nicht gut bekommen sind. Man muss auch sagen, dass man bei einigen Linien schon sehr genau hinschauen muss, bevor man sie überhaupt erkennt. Dazu kommt, dass drei Tage nach meinem Flug eines dieser Flugzeuge abgestürzt ist. Allzu sicher ist es also auch nicht. Wer diesen Flug nicht macht, kann dann aber auch genauso gut Nonstop durch Nasca durchfahren.

Nasca Linien - der Affe

Nasca Linien - der Affe

Am späten Abend bin ich nach Arequipa aufgebrochen. Hier kommt man zum ersten Mal in die Berge, da Arequipa immerhin schon auf 2.300 Meter Höhe liegt. Von Arequipa aus ist eine zweitägige Tour zum Colca Canyon die wohl beste Option für alle, die nicht wahnsinnig viel Zeit mitbringen. In diesen zwei Tagen verbringt man zwar insgesamt 10 Stunden im Bus, doch man sieht auch sehr Unterschiedliches. Zum Beispiel überquert man einen Pass auf 4.910 Meter Höhe. Dort wird die Luft schon richtig dünn! Vor, während und nach diesen Höhen empfiehlt es sich, Coca-Tee zu trinken oder Coca-Blätter zu kauen (nicht vom Taubheitsgefühl auf der Zunge beunruhigen lassen 😉 ), um mit der Höhe besser zurecht zu kommen. In der folgenden Nacht hatte ich dennoch zum ersten und einzigen Mal mit der Höhenkrankheit zu kämpfen. Symptome in diesem Fall: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit. Üblicherweise führt diese Tour am ersten Tag nach Chivay, wo man in verschiedenen Unterkünften untergebracht wird. Kurioserweise war ich der einzige, der nicht Chivay sondern die Alternative Yanque gebucht hatte. Der Hintergrund war, dass man in diesem Ort auch noch etwas trekken und mit einem Guide die Gegend erkunden konnte. Das hat sich in jedem Fall gelohnt. Unter all den schönen Landschaften in Peru war die in Yanque wohl die schönste. Mein Guide sprach ungefähr drei Worte englisch, ich vielleicht 20 Worte spanisch und trotzdem war es ein vergleichsweise kommunikativer Ausflug 😉 Höhepunkt des Trekkings waren die Hot Springs, die in einer gewaltigen Schlucht direkt an einem Fluss gelegen waren. Und das fast ohne Touristen. Schöner kann man nicht entspannen.

Yanque

Yanque

Am nächsten Tag führte die Tour uns schließlich zum Colca Canyon, der angeblich zweittiefste Canyon der Welt. Das Highlight dort sind die Kondore, die sich oft morgens gegen 08:30 Uhr blicken lassen und ihre Runden drehen.
Vor und nach diesem Abstecher nach Yanque habe ich in Arequipa nach weiteren Ausflügen gesucht. Ganz oben auf meiner Wunschliste stand eine Down Hill Mountainbike Tour von einem der ca. 6.000 Meter hohen Vulkane (nicht von ganz oben herab). Leider ist es dazu nicht gekommen. Im Oktober ist in Peru touristische Nebensaison. Daher waren zu meiner Zeit gar nicht allzu viele Touristen in Peru unterwegs, was jedoch die Buchung von nicht ganz so populären Touren schwer machte, da es selten genügend Teilnehmer gab.
An meinem letzten Tag in Arequpia habe ich mich für eine Wildwasser Rafting Tour entschieden. Die Ausrüstung war nicht so wie ich sie mir vorgestellt hatte – doch es war trotzdem ein schönes Erlebnis mit einem, auch in der Trockenzeit, noch ausreichend wilden Fluss 😉

Rafting

Rafting

Am späten Abend stand die nächste Nachtfahrt an. Dieses mal sollte es nach Cusco gehen. Ursprünglich wollte ich noch einen Abstecher zum Titicacasee bei Puno machen, allerdings soll dieser nicht allzu spektakulär sein und ist mit mehr langen Tagesbusfahrten verbunden, wodurch ich 3-4 Tage verloren hätte. Cucso hingegen gilt als DIE Anlaufstation in Peru. Das merkt man auch sofort nach der Ankunft. Nirgends sonst wird man alle 10 Minuten angesprochen, ob man nicht etwas kaufen möchte oder zu verschenken hätte. Cusco liegt auf 3.200 Meter Höhe und ist damit schon eine andere Hausnummer. Die Stadt ist zudem recht hügelig und anfangs hat man mit der Kondition zu kämpfen.
Schon am zweiten Tag bin ich in Richtung Machu Picchu aufgebrochen. Unter allen touristischen Pilgerstätten in Südamerika ist Machu Picchu die bekannteste und populärste. Leider führt das auch zu absurd hohen Preisen. Zu Machu Picchu führt keine Straße, das heißt, man kommt um den Zug nicht herum. Für etwa vier Stunden Fahrt pro Richtung knöpft PeruRail den Reisenden $119 ab. Wer sehr zeitig bucht, kommt immerhin noch mit $96 davon. Mit dem Zug erreicht man zunächst Aguas Calientes, eine kleine Stadt am Fuße des Berges Machu Picchu. In ganz Peru lässt sich keine touristischere Stadt finden, denn ihr nahezu einziger Zweck ist, Touristen zu beherbergen, die am nächsten Tag früh morgens zu Machu Picchu aufbrechen wollen. Um 05:20 Uhr war ich nicht wie erwartet einer der ersten sondern gefühlt einer der letzten an der Busstation. Um 7 Uhr öffneten die Tore für Wayna Picchu – eine Bergspitze von der aus man einen hervorragenden Blick auf die verlorene Stadt hat. Der Aufstieg dauert etwa eine Stunde und ist angesichts der ohnehin gewaltigen Höhenlagen in der Gegend nicht ganz einfach. Umso schöner ist es, sich als einer der ersten auf die riesigen Steine auf Wayna Picchu zu legen. Erst nach ca. anderthalb Stunden bin ich wieder abgestiegen, um mir Machu Picchu genauer anzuschauen. Auch wenn an diesem Tag sicherlich 2.000 Touristen in Machu Picchu waren, ist das noch vergleichsweise harmlos gewesen. Anfang 2010 war die Gegend von vielen Erdrutschen und Überschwemmungen betroffen – vor allem die Bahnstrecke in Richtung Machu Picchu, so dass die Stadt für zwei Monate nicht mehr erreicht werden konnte. Aus diesem Grund sind in diesem Jahr in ganz Peru vergleichsweise wenige Touristen unterwegs gewesen.

Blick von Wayna Picchu auf Machu Picchu

Blick von Wayna Picchu auf Machu Picchu

Machu Picchu Standardblick

Machu Picchu Standardblick

Zurück in Cusco habe ich noch zwei weitere Touren ins Umland unternommen, doch natürlich kam nichts mehr an Machu Picchu heran. Wenn sich ähnlich viele Touristen in viel kleineren Inkastätten drängen, ist das nur noch bedingt interessant 😉
Allerdings hatte ich ein weiteres (letztes) Highlight geplant. Von Cusco aus ging es auf eine viertägige Reise in den Manu Nationalpark. Dort befindet sich eine wundervolle Lodge mitten im Halbnebelwald. Schlafen nur unter einem Schilfdach, mit der Natur auf Tuchfühlung, die unterschiedlichsten Geräusche Tag & Nacht. Abgesehen von zwei Ausflügen durch den Wald um Tiere zu beobachten, waren diese Tage zur reinen Entspannung gedacht. Das beste an diesem Ausflug war jedoch die Anreise. Anstatt nur mit dem Auto den beschwerlichen Schotterweg entlang zu schleichen, ging es mit dem Mountainbike 50km bergab (Höhenunterschied 2.000 Meter). Das hat richtig Spaß gemacht! Auch auf dem Rückweg konnten wir noch einmal 40km mit dem MTB zurücklegen. Trotzdem es überwiegend bergab ging, kann eine solche Fahrt ganz schön anstrengend sein, da man bei hoher Geschwindigkeit permanent durchgeschüttelt wird.

Mountain Bike Tour

Mountain Bike Tour

Lodge im Halbnebelwald

Lodge im Halbnebelwald

Als auch dieser Ausflug vorbei war, neigte sich mein Urlaub dem Ende entgegen. Ich hätte von Cusco nach Lima zurückfliegen können, doch die weitaus ökonomischere Option war die 21-stündige Busfahrt, die nicht annähernd so schlimm war, wie man meinen könnte. Geschlafen habe ich im Bus allerdings nicht viel, da wir durch Serpentinen fahrend hin und her geschüttelt wurden. Am nächsten Tag ging auch schon der Flieger zurück nach Berlin, über Amsterdam. Auch während des Fluges habe ich kaum geschlafen. Diese 48 Stunden Rückreise im Wachzustand hat sich jedoch letztendlich ausgezahlt: während man aufgrund der Zeitverschiebung aus Südamerika kommend normalerweise nicht einschlafen kann, hatte ich damit keine Probleme und kam sofort in den neuen Rhythmus rein. Die erste Rückkehr aus dieser Richtung ohne Jetlag 🙂

Die Reise nach Peru war mein bisher bester Urlaub. Das Land ist sehr gut zu bereisen und man ist in drei Wochen bestens ausgelastet, ohne sich zu langweilen oder ständig das gleiche zu sehen. Ich kann jedem nur empfehlen, Peru auszuprobieren. Natürlich ist es allerdings wesentlich teurer als nach Asien zu fliegen.
Trotz der vielen Erlebnisse bin ich dieses Mal sogar dazu gekommen, vier Bücher zu lesen (+ ca. 10 Zeitschriften), die ich an dieser Stelle noch empfehlen möchte. Ein gutes: Tokyo Year Zero von David Peace und drei sehr, sehr gute: Eating Animals von Jonathan Safran Foer, Too Big to Fail von Andrew Ross Sorkin und Kite Runner von Khaled Hosseini.

Patrick war Geschäftsführer und Experte in den Bereichen SEM und Affiliate Marketing. Nach einem BWL-Studium an der Berliner Berufsakademie „School of Economics“ und der Arbeit im Online Marketing bei Spreadshirt entwickelte er eigene Affiliate-Projekte und zusammen mit Katja von der Burg die Idee zu „Projecter“.

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  1. Wow, du hast ja wirklich richtig viel erlebt. Irgendwie habe ich jetzt das starke Bedürfnis, auch mal nach Südamerika zu fliegen 🙂 Irgendwann mal auf jeden Fall…