Recap zur re:publica 2014

geschrieben am in der Kategorie Aus dem Agenturleben von

Die re:publica stand von Anfang an unter einem guten Stern: Es hatten sich so viele Besucher wie noch nie für das Festival der Netzgemeinde angekündigt. Etwa 6.000 Besucher waren vor Ort. Allein das Helferteam hatte so viele Mitglieder wie es Teilnehmer bei der ersten re:publica 2007 gab. 350 Sessions auf 18 verschiedenen Bühnen luden zum Zuhören und Mitdiskussieren ein. Das Motto in diesem Jahr war “INTO THE WILD” – raus aus dem gewohnten Nutzungsverhalten und rein in die Wildnis. Auch dieses Jahr öffnete die re:publica an der Station Berlin ihre Tore. Luisa und Lisett waren zwei Tage dabei und fassen hier ihre Eindrücke zusammen.

Tag 1

Opening Keynote for re:publica & MEDIA CONVENTION (∗∗∗∗∗)

Andy Bichlbaum und Mike Bonanno eröffneten mit ihrer Keynote die re:publica und die MEDIA CONVENTION, die zeitgleich stattfanden. Die Speaker sind bekannt als “The Yes Men”, deren politischen Aktionen mit der Fälschung der Webseite der WTO begannen. In der Keynote stellten Sie ihre letzte Aktion vor, bei der sie sich als Mitarbeiter des US Energieministeriums ausgaben und so bei der Homeland Security Konferenz “einschmuggelten” und ihren Plan zur Umstellung der Energieversorgung der Vereinigten Staaten auf erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030 vorstellten. Besonders amüsant: Ein Ausschnitt eines Videos, wie sie es schafften, die Konferenzteilnehmern zu einem indianischem Volkstanz aufzufordern:

Mit ihrer vorgestellten Plattform actionswitchboard.net sollen zukünftig Aktivisten und Projekte miteinander in Kontakt kommen. Dort soll sich jeder engagieren und seine eignen Projekte teilen.

Zur gesellschaftlichen Bedeutung von Elternblogs (∗∗∗∗)

Medien beeinflussen das Verhalten von Eltern in einer ganz anderen Weise, als noch zu internetlosen Zeiten. Was mache ich, wenn mein Kind Fieber hat? Sind Stoffwindeln die bessere Alternative? Diese Fragen werden im Internet beantwortet – und das immer häufiger auf Elternblogs, in Facebook Gruppen oder auf Twitter – der Online-Clan wächst stetig. Immer mehr wird dabei auch ein Wandel zu Testblogs sichtbar, denn Unternehmen sehen hier ihre Produkte gut platziert. Es heißt also, durch Objektivität authentisch zu bleiben.

Väterblogs (∗∗∗)

Diese Session schloss sich an die Elternblogs an und hätte auch gut zu einer Session zusammengefasst werden.

Bloggen Väter anders? Das Plenum war sich uneinig. Denn letztlich geht es um den Austausch und den Aufbruch von klassischen Rollenbildern – geschlechterübergreifend.

Aus dem Alltag moderner Geschichtenerzähler (∗∗∗∗∗)

In dieser Session stellten die zwei freien Mitarbeiter der WDR Onlineredaktion David Ohrndorf und Stefan Domke das sehr spannende Tool Pageflow vor, welches im Auftrag des WDR entwickelt und Anfang Mai als Open Source Projekt der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde.

Das Tool ermöglicht eine optisch sehr ansprechende Aufbereitung von Inhalten wie Reportagen (z.B. eine Reportage des WDR zum Haldern Pop Festival). Es können in einem sehr übersichtlichen Backend mehrere Seiten erstellt werden, die unterschiedlichste Inhalte haben. Neben reinen Text- oder Fotoseiten, gibt es die Möglichkeit, Videos oder Loopvideos einzubinden. Geplant ist außerdem zukünftig eine 360° Panorama Funktion zu entwickeln. Inspiriert wurde das Tool durch verschiedene sehr gut aufbereitete Inhalte in Medien wie “Snow Fall” der New York Times oder “Willkommen in Deutschland” auf Zeit.de.

Geschichte twittern (∗∗∗∗∗)

Hier wurde die Erfolgsstory von @9Nov38 vorgestellt. Die Idee von Geschichtsstudenten, die Reichsprogromnacht in Echtzeit auf Twitter nachzuerzählen. Dabei war es das Ziel, alle Informationen durch Quellen zu belegen und stets nachvollziehbar zu machen. Dies ermöglichte ein Blog, der parallel ins Leben gerufen wurde. Ein voller Erfolg! Denn die erwarteten 300 bis 500 Follower wurden mit 11.000 Follower mehr als übertroffen. Klar, dass das Projekt viele Nachahmer gefunden hat.

Looking for Freedom (∗∗∗)

David Hasselhoff war der Stargast auf der re:publica. Er wurde von Mikko Hypponen eingeladen, dessen Manifest zur digitalen Freiheit vorzustellen und zu unterstützen. Nachdem ihn das Publikum aufgefordert und das Lied selbst angestimmt hat, sang er dann auch. Aber natürlich nicht nur für irgendeine Freiheit, sondern passend zum netzpolitschen Motto der re:publica für “digital freedom” 😉

Sie werden nicht glauben, was Sie hier sehen! (∗∗∗∗∗)

Jonny Haeusler lud uns in seiner Session zu einer interaktiven Spielshow mit Poll Everywhere ein. Per Tweet oder Browser konnten wir seine Fragen beantworten. Die Antwort gab es live auf der Leinwand – viele Lacher inklusive.

Poll

Rede zur Lage der Nation (∗∗∗∗∗)

Darauf waren alle gespannt – was hatte Sascha Lobo in diesem Jahr zur Lage der Nation zu sagen? Es war ein Appell an uns alle, uns gemeinsam mehr für die Freiheit des Internets einzusetzen und von einer Hobby-Lobby zu einer professionellen Lobby zu werden. Allein liken und tweeten reiche dafür nicht aus. Die “Netzgemeinde” müsse auch Bereitschaft zeigen, dafür zu investieren. Die Spähangriffe scheinen derzeit wieder in Vergessenheit zu geraten und der Druck auf die Politik wird schwächer – damit das nicht passiert, fordert er uns auf, uns zu mobilisieren (und hat vorsichtshalber die Domains www.netzgemeinde.deund www.internetministerium.degekauft).

Tag 2

Supergeiler First Kiss – Viralität nur gegen Kohle? (5 von 5 Sterne)

Was bewegt Menschen dazu, zu teilen? Wie entsteht eine virale Rakete? Am besten durch eine einfache Botschaft, Bildstärke, Emotion, Witz und Dringlichkeit. Dazu unterhielten sich Marco Vollmar (WWF), Juliane Leopold (Zeit), Christian Brandes (Schlecky Silberstein), Melanie Goemmel (WWF), Martin Giesler (Journalist). Alle waren sich einig, dass es wichtig ist, Multiplikatoren einzusetzen und auf echte Geschichten zu zählen. Gekaufte Viralität funktioniert nicht immer, ist aber in jedem Fall unglaubwürdig und macht User auf lange Sicht misstrauisch.

Viralität

Willkommen in meinem Wohnzimmer. Lifestyle-Blogs. (∗∗∗)

Die Unterhaltung hat leider nicht ganz gehalten, was sie versprochen hat. Es wurde diskutiert, warum die anwesenden Lifestyle-Bloggerinn bloggen, worüber sie bloggen und warum sie welche Dinge aussparen.

Don´t believe the hype! – Netzpolitik im Mainstream (∗∗∗∗)

Zwiegespräch von Markus Beckedahl (netzpolitik.org) und Kai Biermann darüber wie Netzpolitik in den Mainstream kam und warum. Diskutiert wurde auch, was es braucht, damit sich mehr Leute mit Netzpolitik beschäftigen.

Bloggers attacked in the courtroom: how to fight back (∗∗∗∗)

Naini Jansen von der MLDI (Media Legal Defence Initiative) zeigt anhand verschiedener Case Studies, verschiedenste Schicksale verfolgter und inhaftierter Blogger und Journalisten auf der ganzen Welt. Zudem stellte sie Maßnahmen vor, wie die MLDI vor Gerichten für die Journalisten kämpft.

Lohnt sich Online-Journalismus überhaupt noch? Das Problem der Monetarisierung (∗∗∗∗∗)

Spannende Diskussion von Sascha Pallenberg (Blogger, mobilegeeks.com), Richard Gutjahr (Journalist und Blogger, gutjahr.biz), Claudia Heydolph (Medienhistorikerin) und Philipp Banse (Journalist). Die diskutierte These: Mainstream Medien machen sich die Werkzeuge der Blogger zu Nutze und besetzen die allermeisten Nischen. Bis vor einiger Zeit waren die Blogger die Journalisten mit Onlinefokus, das ändert sich nun, wenn sich die alten Medien neu positionieren. Außerdem diskutierte die Runde über andere Möglichkeiten zur Monetarisierung außer der reinen Bannerwerbung. Vorgestellt wurden verschiedene Ertragsmodelle wie ein Onlinekiosk, bei dem pro Artikel gezahlt wird oder ein GEZ Modell für Onlinemedien.

Fazit: Wenn es dem Leser einfach gemacht wird zu zahlen und der Preis nachvollziehbar ist, werden sie auch bereit sein für wirklich guten Content zu bezahlen.

By bye Gatekeeper: Wer bestimmt die Themen im Netz? (∗∗∗∗)

In dieser Session wurde zwei Twitter-Projekte vorgestellt, die ungeahnte Popularität erlangen konnten: #aufschrei & #schauhin.

Twitter ist ein Raum, in dem sich Themen entwickeln können, die die üblichen Gatekeeper der Massenmedien vielleicht so nicht auf dem Schirm hatten. Im Anschluss daran gelangen die Themen in die Massenmedien.

Nest with the Best: Data-driven Assurance for You (∗∗∗∗)

Angekündigt als Weltpremiere stellten die Speaker als Google Mitarbeiter Google Nest vor. Das neue Produkt beinhaltet verschiedene tolle Features. Warum sollte man seine Daten schützen wollen, wenn Google Bye nach dem eigenen Tod eine Webseite mit den schönsten E-Mail Zitaten zusammenstellt? Schön auch die Hardware Google Bee: eine Drohne, die die Liebsten unterwegs immer im Auge behält. Besonders gut kam die App Google Hug an. Der User findet über diese App in seiner näheren Umgebung Menschen, die unbedingt eine Umarmung nötig haben. Im Saal wurde die App bei Jan Josef Liefers fündig. Schade nur, dass die Pressestelle von Google die Satire der Speaker schon vor der Session “enttarnt” hat.

re:publica 14

Fazit

Uns hat es sehr gut gefallen auf der re:publica. Von der Orga über Location bis hin zu den Sessions – alles war super organisiert. Im nächsten Jahr gern wieder!

Alle offiziellen Tweets der re:publica Twitter Page findet ihr hier:


Weitere Recaps zur Re:publica 14 findet ihr hier:

http://www.medienspinnerei.de/blog/republica-2014-tag-2/

http://blog.echobot.de/messen-kongresse/republica-2014-into-the-wild/

http://www.digitalmediawomen.de/2014/05/08/plaene-und-das-leben-republica-2014-so-war-tag-2/

http://www.indiskretionehrensache.de/2014/05/republica-2014/

http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/2014-05/rp14-recap-und-kleine-blogschau-zum-ersten-tag-der-republica-2014/

http://www.basicthinking.de/blog/2014/05/07/internetkonferenz-republica-will-das-netz-den-geheimdiensten-wieder-entreissen-2/

http://www.andersundsehr.com/blog/in-eigener-sache/republica-2014-recap

Luisa betreut als Account Managerin Kunden im Affiliate Marketing und bei der Suchmaschinenoptimierung. Sie freut sich auf neue Meinungen und einen regen Austausch.

Einen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder

  1. Hallo Luisa, danke fürs Feedback und die Zusammenfassung. Ich war bei Lifestyleblogs: Kannst Du mir sagen, was Deine Erwartungshaltung war und warum sie nicht so erfüllt wurde? Schöne Grüße, stepanini

    • Hallo stepanini,
      ich hatte mir eine lebhaftere Diskussion und etwas mehr neue Erkenntnisse erhofft. Die Idee, dass das Publikum mit auf die Bühne kommt, fand ich super, doch das Gespräch kam irgendwie nicht so richtig in Schwung. Es lag weniger an den Inhalten, als an der Stimmung. Vielleicht solltest du das nächste Mal die Moderation übernehmen, deine Einführung in das Panel hat mir richtig gut gefallen.
      Viele Grüße
      Lisett

  2. Hallo Luisa

    danke für das Recap und die Aufnahme meiner Session über bloggende Väter. Die Zukunft wird es zeigen, ob es da einen Aufbruch gibt und in welche Richtung es geht.
    Ich sehe, dass es immerhin so viele Punkte wie für David gab 😉