Twittwoch Sachsen in Dresden: Über „Schwebende Aufmerksamkeit“ und „Bier 1.0“

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Fast schon ein Raunen ging durch die Zuhörermenge, als eine der Twittwoch-Gäste in der Vorstellugsrunde zugab, noch nicht bei Twitter angemeldet zu sein.

Es war die Twittwoch-Premiere in Dresden, zu der immerhin über 35 Zuhörer den Weg fanden. Man traf sich im Institut der Informatik der Technischen Universität, hörte drei Vorträge und unterhielt sich anschließend im Café Müller’s bei einem „Bier 1.0“. Die Dresdener Twittergemeinde wächst rapide, die sächsische Twitter-Szene insgesamt steckt jedoch noch in den Kinderschuhen.

twittwoch1Twittwoch ist, wenn sich Microblogging-Begeisterte treffen, die mehr oder weniger Web-2.0-erfahren sind, gespannt Blog- und Online-PR-Veteranen wie der @SaftTante lauschen und schließlich staunen, wenn von deren über 2.000 Followern die Rede ist.

Vom Saftblog, dessen Anfängen und Schwierigkeiten (man erinnere sich an die Olympia-Abmahnung), sowie von der überraschenden Resonanz und dem gesteigerten Umsatz erzählte Kirstin Walthers und ermutigte die Twittergemeinde und v.a. twitternde Unternehmen zu Offenheit, Authentizität und Ehrlichkeit. „Einen unzufriedenen Kunden in meinem Büro kann ich ja auch nicht einfach wegschicken.“

Der Unterschied zwischen früherer Offline-Kommunikation und dem heutigen (Micro-) Bloggen sei, „dass alles stehen bleibt“. Es sei jedoch bisher nicht vorgekommen, dass Blogkommentare oder fremde Tweets derart negativ waren, dass man sie hätte löschen müssen o.ä.

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Twitter sei für die SaftTante in erster Linie eine Möglichkeit, schnell zu (re-) agieren, Gedanken mitzuteilen, lustige Bilder zu teilen und habe v.a. lokale Bedeutung. Das Potential dieser Kommunikationsform würde aber bislang noch längst nicht ausgeschöpft. Das zeige sich, wenn Saftfans von anderorts Twitpics von leeren Supermarkt-Saftregalen schicken. So könnte man doch in Zukunft Vertriebsmitarbeiter einsparen…

Ein Twitter-Terminal im Konsum? Zukunftsmusik? Vielleicht. Aber Twittwoch heißt auch: Träumen von einer Zeit, in der die E-Mail schon wieder so altmodisch wäre, dass sie schon wieder Nostalgie-Charakter hätte.

Twittern innerhalb des Unternehmens? Mit Corporate Microblogging beschäftigten sich die zwei Vorträge im Anschluss, wobei der erste von Oliver Kraft gehalten wurde. Die gewonnen Umfragedaten zum Profil der Twittergemeinde, der Akzeptanz und den Erwartungen an unternehmensinterne Micro-Blogging-Dienste hatten sie zwar noch nicht komplett ausgewertet. Wir freuen uns aber auf den nächsten Twittwoch in Dresden, zu dem die Ergebnisse dann vorgestellt werden sollen.

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Hybride Peer-to-Peer-Kommunikation und gesteigerte Awareness innerhalb eines Unternehmens waren die Hashtags des Vortrags, an den sich die Präsentation des Forschungsprojektes IREKO durch Lutz Gerlach anschloss.

Forming –> Storming –> Norming –> Performing sind die Phasen der Implementierung von Microblogging in Unternehmen, z.B. zum Zwecke der Projektsteuerung.

Hochspannend war es, von den konträren Benutzergruppen zu erfahren, die sich schon nach drei Monaten herauskristallisiert hätten:

Die „Schubladenzieher“ oder „Kästchenmaler“, die an strengen bzw. stets strengeren (Tagging-) Regeln interessiert sind, Verbindlichkeit fordern („Woher weiß ich denn, dass meine Nachricht gelesen wurde?!“) und letztendlich zum Rückzug zur altbewährten E-Mail tendieren, da ihnen der Produktivitätszuwachs nicht gleich offensichtlich wird.

Diesem Phänomen gegenüber gäbe es die Nutzer mit der (erstrebenswerten) „schwebenden Aufmerksamkeit“. Sie sind fähig, Vertrauen zu haben, quer-zu-lesen sowie zu filtern.

Empfehlenswert sei es, schon frühzeitig in Bezug auf präzises Tagging zu coachen, keinen Zwang aufzuerlegen und eine hohe Fehlertoleranz zuzulassen (z.B. Rückgängigmachen durch den Nutzer).

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Vielleicht lächeln wir in zwei Jahren alle über die Anfänge dieser Twitter-Treffen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, auf dem wir uns hoffentlich noch oft begegnen, uns kennenlernen und vernetzen werden.

Beispielsweise sehen wir uns am 17. Februar in Leipzig. Da wird nämlich der nächste Twittwoch Sachsen stattfinden. Wir sind gespannt und lassen bald von uns … – lesen, was die Details zu der Location und den Vorträgen angeht. Einen Bericht über den vergangenen 1. sächsischen Twittwoch in Chemnitz gibt es übrigens auch.

Vielen Dank an die Organisatoren und Vortragenden! Man beachte @boehr @jeos @LutzGerlach @OkraftDD und natürlich @SaftTante und viele weitere interessante Gästen, die man unter #tws findet.

Man folge @projecter (sowieso) und diesem Link zu den Fotos des gestrigen Abends 😉

Jasmin war Account Managerin bei uns.

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