Zurück vom IdeaLab! 2008

geschrieben am in der Kategorie Aus dem Agenturleben von

IdeaLab Am Freitag und Samstag sind wir in Vallendar bei der WHU gewesen. Die „Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung“ (kurz: WHU) ist eine private Hochschule und eine der besten Business Schools in Deutschland. Ich bin selbst vorher noch nie dort gewesen und hatte mich auch nicht besonders intensiv mit der WHU auseinandergesetzt.
Abgesehen davon, dass man der Hochschule schon äußerlich die hohen Semester-Gebühren ansieht, bin ich recht beeindruckt von den unternehmerischen Ambitionen der Studenten. Kaum einer, der nicht intensiv darüber nachdenkt, kurz nach Studienende (am besten jedoch schon vorher) ein Unternehmen zu gründen. Ich hatte damals an einer Berufsakademie (Berlin) studiert – dazwischen liegen mehrere Welten. Offenbar wird den Studenten schon in den ersten Vorlesungen eingebläut, wie attraktiv es sein kann, Unternehmen zu gründen. Dabei wird nicht zuletzt immer wieder das Beispiel der Samwer-Brüder angeführt.
Wir beschäftigen uns relativ ausgiebig mit Internet-Startups, da nicht wenige von ihnen zu unseren Kunden zählen. Mittlerweile ist mir auch klar, weshalb die Anteil an WHU-Studenten unter den Gründern so hoch ist.

Allerdings muss man auch sagen, dass diese Gründungs-Euphorie sicherlich nicht nur Sonnenseiten hat. Ganz offensichtlich denken sehr viele intensiv nach, um eine Idee (oder einen Anlass für eine Gründung) zu finden. Die Eile führt offensichtlich dazu, dass sich alle „Ideen“ auf das Internet beziehen und auch wenig ausgegoren sind. Auf innovative Technologien, die möglicherweise in den Kellern vieler Universitäten schlummern, setzt nahezu niemand. Selbst auf E-Commerce wird kaum gesetzt. Schließlich würde sowohl der Start als auch der herbeigesehnte Exit viel zu lange dauern und mit der geringen Geduld vieler heiß gemachter Studenten nicht vereinbar sein.

Das IdeaLab selbst hat für uns als passive Teilnehmer kaum Ideen offenbart. Diese sind meistens noch so geheim, dass man sie bestenfalls hinter verschlossenen Türen und nicht ohne ein NDA zu unterzeichnen bespricht. Wir hatten jedoch vor allem auch das Gefühl, dass eher die anwesenden Investoren ein paar nette Ideen in der Schublade haben und auf dem IdeaLab versuchten, umsetzungs-willige Studenten zu rekrutieren. Nicht umsonst sind viele der Vorträge von Business Angeln, VC Companies und M&A-Beratern gehalten (und gekauft) worden. Insofern hat sich die erwartete Situation (Studenten stellen den Kapitalgebern ihre Idee vor oder Kapitalgeber pitchen um die Finanzierung von Ideen) etwas umgekehrt: Studenten pitchen bei den Kapitalgebern um die Umsetzung der Ideen.

Alles in allem war es aber eine recht interessante Veranstaltung, die uns auch wieder zu einigen Kontakten verholfen hat. Die Vorträge waren mal mehr, mal weniger interessant, wurden aber zumeist sehr gut und überzeugend vorgetragen.
Der Freitag begann mit der Eröffnungsrede von Oliver Samwer und wurde fortgesetzt mit Vorträgen von CF Partners und Lukasz Gadowski. Alle drei referenzierten auch auf die aktuelle Finanzkrise und waren sich alle einig, dass die Zeit nun perfekt wäre, um in Ruhe zu gründen. Lediglich die attraktiven Exits würde es erst wieder in zwei-drei Jahren geben können. Die folgende Podiumsdiskussion zum Thema „Deutschland – ein Land der Pioniere?!“ war leider wenig spannend. Zwar gut moderiert von Robert Basic, ansonsten aber zur Hälfte fehlbesetzt.
Der letzte Vortrag des Tages wurde gemeinsam von Kolja Hebenstreit und Ehssan Dariani gehalten. Letzterer änderte kurzerhand sein eigentliches Thema und pitchte auf sehr unterhaltsame Weise um die Gunst gründungswilliger Studenten.

Vom zweiten Tag haben wir nicht mehr viel mitnehmen können, da wir aufgrund einiger Schikanen bei der Anfahrt erst recht spät ankamen und somit die Workshops verpassten. Der anschließende Vortrag von Michael Brehm sowie die Diskussionsrunde mit Business Angeln, VC Companies und anderen Investoren waren jedoch wieder recht interessant.

Insgesamt fand ich die zwei Tage ziemlich unterhaltsam und würde auch wiederkommen. Inhaltlich hätte ich noch mehr Nutzwert erwartet. Außerdem scheint mir die Branche, in diesem Falle stellvertretend die gründungswilligen Studenten der WHU, etwas überhitzt.

Patrick war Geschäftsführer und Experte in den Bereichen SEM und Affiliate Marketing. Nach einem BWL-Studium an der Berliner Berufsakademie „School of Economics“ und der Arbeit im Online Marketing bei Spreadshirt entwickelte er eigene Affiliate-Projekte und zusammen mit Katja von der Burg die Idee zu „Projecter“.

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  1. Gutes Fazit!

    „Außerdem scheint mir die Branche, in diesem Falle stellvertretend die gründungswilligen Studenten der WHU, etwas überhitzt.“

    Das Gefühl haben wir auch oft und es sollte den Studenten mal wieder jemand sagen, dass man mehr als nur Web 2.0 Firmen gründen kann! Dazu gehört heute nicht mehr sehr viel und durch sehr geringe Anfangsinvestitionen und schnelle Kopierbarkeit sind die Konzepte auch oft nicht wirklich spannend.

    Ich fände es auch sehr viel spannender wenn wieder mehr mit realen Produkten und Innovationen zum anfassen gearbeitet würde.

    Grüße, Nils
    (PCU Munich)

  2. sehr gute Einschätzung und sehr gutes fazit – war selber dort und fand es nur mäßig inspirierend, allerdings herausragend gut organisiert (whu ist dbzgl. benchmark in D)

    allerdings: wenn pioniere vorangehen und mit ihren innovativen gedanken und taten die masse hinter sich lassen, warum läuft dann die große masse der whu-studenten (allesamt gleich, d.h. uniformiert aussehend) in den gleichen pionier-shirts rum? seien wir ehrlich, diese uni ist herausragend für gute bwler, aber querdenkerisch und innovativ, eben wie ein pionier, sind ihre studenten nun wirklich nur selten…

  3. gleiche T-Shirts?
    sowas nennt man Branding … die Spieler einer Fußballmannschaft haben auch den gleichen Trainingsanzug an

  4. danke für den konstruktiven bericht – vlt können wir mal ausführlicher drüber reden? schließlich wollen wir uns jahr für jahr verbessern.

    zu den shirts: die leute, die letztes jahr dabei waren, kennen sicher noch die „entrepreneur“-shirts. die dinger gingen weg wie warme semmeln. branding-technisch hat da „pionier“ gut gepasst (bei ansonsten gleichem style). wollt ihr nächstes jahr ed hardy ;-)????

    bg
    sven

  5. Hi Sven,

    meld dich einfach wenn du noch etwas Feedback haben möchtest.

    Grüße
    Patrick

  6. Hey Patrick,

    alles klar, dann hab ich was falsch verstanden. Du hast schon Recht, dass nicht jeder nur um des Gründenswillen gründen sollte. Aber genrell braucht Deutschland einfach mehr Studenten, die nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und hierzu in jeder Form ermutigt werden sollten, denn Studenten können schließlich alles 😉

    Beste Grüße,

    Benny