BERT: 5 Fragen und Antworten zum großen Google-Update

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Google bezeichnet es als eines der größten Updates der letzten Jahre: nach den USA hält nun auch in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern das BERT-Update Einzug in den Suchalgorithmus. Doch was genau bedeutet das nun für die Suchergebnis- und für die SEO-Arbeit? Wir klären die fünf wichtigsten Fragen zum großen Google-Update.

Was ist BERT?

Haben sich Ernie und Bert nun getrennt und letzterer einen lukrativen Job beim Suchmaschinengiganten ergattert? Nein, das ist nicht der Fall. BERT bedeutet Bidirectional Encoder Representations from Transformers und ist eine neuronale, netzwerkbasierte Technologie, um Sprache besser zu verstehen. Google nutzt diese Technologie, um bei Suchanfragen den Inhalt und vor allem den Kontext der einzelnen Wörter zueinander besser zu verstehen. Insbesondere die Bedeutungserkennung kleinerer Füllwörter wie „für“ oder „zu“ soll durch BERT deutlich verbessert werden und Google somit helfen, die eigentliche Absicht von längeren Suchanfragen zu verstehen.

Damit will Google nicht nur das Kontext-Verstehen von Suchanfragen verbessern, sondern Nutzern auch ermöglichen, „natürlicher“ zu suchen. Dadurch will die Suchmaschine vermeiden, dass Nutzer erst umständlich ihre Suchanfrage umformulieren müssen, damit Google die eigentliche Suchintention (besser) versteht. BERT zielt dabei vor allem auf Featured Snippets ab, die Google zielgerichteter ausspielen will. Aber auch die regulären organischen Suchergebnisse sollen durch das Update verbessert werden.

Warum ist das BERT-Update wichtig für Google?

Google selbst spricht davon, dass rund 15% der täglichen Suchanfragen auch für die Suchmaschine neu sind. Diese bislang unbekannten Suchanfragen will Google natürlich auch direkt richtig verstehen, um den Nutzern das bestmögliche Sucherlebnis zu bieten. Zudem steht ein neuer Trend am Horizont: Voice Search.

Immerhin 27% der weltweiten Smartphone-Nutzer verwenden Voice Search und diese werden logischerweise eher in ihrer natürlichen Sprechweise suchen. Google muss also darauf vorbereitet sein, dass seine Nutzer verstärkt Dinge fragen, wie „Hey Google, wann ist am Sonntag der letzte Einlass im Zoo?“ und nicht „Hey Google, Zoo Leipzig letzter Einlass Sonntag“. Genau an dieser Stelle soll BERT zum Tragen kommen und die eigentliche Suchabsicht hinter diesen langen Aussagen verstehen.

Wann wurde BERT ausgerollt und wie viele Suchanfragen betrifft es?

Google hat BERT bislang in zwei Phasen ausgerollt. Man begann zunächst am 24. Oktober 2019 damit, das Update in den USA live zu schalten und zu testen. Am 9. Dezember 2019 erfolgte dann etwas überraschend das Rollout für 70 weitere Sprachen, darunter auch Deutsch. Grundsätzlich werden die weit verbreitetsten Sprachen nun von BERT berücksichtigt, darunter auch Arabisch, Chinesisch, Tschechisch, Französisch, Japanisch, Spanisch, Russisch und Türkisch.

Wie viele Suchanfragen von BERT tatsächlich betroffen sind, hängt laut Danny Sullivan von der jeweiligen Sprache ab. Grundsätzlich könne man jedoch davon ausgehen, dass, wie im US-Englischen, bei etwa 10% der Suchanfragen das BERT-Update zum Einsatz kommt.

Wie verändern sich die Ergebnisse für die Suchanfragen?

Konkrete Beispiele für das bessere Kontextverständnis liefert Google bislang nur für US-englische Suchanfragen. Eines dieser Beispiele ist „2019 brazil traveler to usa need a visa“. Das Wort „to“ ist hierbei besonders wichtig für den Kontext: es geht um Brasilianer, welche in die USA einreisen wollen und nicht umgekehrt. Die Wichtigkeit des Wortes „to“, also der Zusammenhang des Reisewegs von Brasilien in die USA, war Google vor BERT nicht wirklich bewusst und hat eher Ergebnisse ausgespielt, welche die Einreise von US-Amerikanern nach Brasilien behandelten. Nun versteht Google die Bedeutung von „to“ jedoch besser und liefert entsprechende Ergebnisse.

Ein anderes Beispiel ist die Suchanfrage nach „math practise books for adults“, also Mathe-Übungsbücher für Erwachsene. Vor BERT hat Google hierbei auch Ergebnisse für entsprechende Bücher für „young adults“, also junge Erwachsene ausgespielt. Nun erkennt der Algorithmus, dass „Erwachsene“ hierbei aus dem Kontext gerissen ist und sich die Suchanfrage wirklich nur auf Erwachsene bezieht.

Was bedeutet BERT für die SEO-Arbeit?

Grundsätzlich dürfte BERT dafür sorgen, dass auch für komplexere Longtail-Suchanfragen bessere Ergebnisse erscheinen und so Nutzer wirklich auf den gewünschten Seiten landen. Die Qualität des Traffics einzelner Seiten sollte also durchaus steigen. Natürlich bedeutet dies auch, dass Traffic an anderer Stelle verloren geht. Möglicherweise handelte es sich dabei sowieso um weniger nützlichen Traffic, da Google die Suchintention der Nutzer vor dem BERT Update falsch verstanden hatte. Der etwaige Traffic-Verlust sollte somit verschmerzbar sein.

Zudem will Google BERT auch dafür verwenden, den Inhalt von Websites besser zu verstehen. Texte können also (noch) natürlicher geschrieben werden und müssen sich künftig nicht durch ungelenke Formulierungen nach der Suchmaschine richten. Die Inhalte einer Website sollten sich ja schon lange eher an Nutzer richten und nicht für Google geschrieben sein. Mit dem Algorithmus-Update unterstreicht Google dies noch einmal.

Michael startete im Juni 2018 bei Projecter und betreut aktuell als Specialist Kunden im SEO-Bereich. Sein Fokus liegt dabei auf den Bereichen technisches SEO, Wordpress-SEO und Web Analytics. Hier betreut er Kunden aus unterschiedlichsten Branchen wie den Zoo Leipzig oder Lavazza Professional.

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  1. Danke Michael! Ich bin u.a. für SEO im Shop von https://www.art-more.de/ verantwortlich. Wir haben tatsächlich kräftig vom BERT-Update profitiert und deutliche Sprünge in den SERP´s gemacht. Und zwar exakt zum Jahreswechsel auf 2020! Impressionen und Klicks sind rapide gestiegen. In den Positionen sieht man auch bisher unerreichte Werte. Unsere Produkte sind leider viel schwerer zu beschreiben als ein Sportschuh. Aus diesem Grund kommt es bei uns sehr auf Longtail an. Jetzt weis ich auch warum wir auf einmal viel besser aufgestellt sind! Und ich weis jetzt auch genau, das unsere Texterin von Ihren zu sehr verschachtelten Texten, abstand nehmen muss. Speziell zum Thema Voice-Anfragen!

    P.S.: Ich wäre Dir sehr verbunden, wenn Du mir über die Lesbarkeit eine Einschätzung geben könntest:
    Lesbarkeit
    Flesch-Reading-Ease: 18 Sehr schwer zu lesen
    Wiener Sachtextformel (#1): 16 Gut lesbar ab 16 Schuljahren (bzw. Fortführende Bildung)
    Wiener Sachtextformel (#4): 16 Gut lesbar ab 16 Schuljahren (bzw. Fortführende Bildung)

    Besten Dank im Voraus!
    Peter Helfrich

    Ich würde Dir auch gerne ein paar Screenshots unserer Auswertungen zukommen lassen.