Das Google Mobile Update kritisch betrachtet

geschrieben am in der Kategorie SEO von

mobilegeddon

Gestern war es soweit! Google hat mit dem nächsten großen Rundumschlag begonnen und mobile Optimierung als Rankingfaktor eingeführt. Viel haben wir persönlich von „Mobilegeddon“ noch nicht spüren können. Was nicht ist, kann aber noch werden. In der Regel gab Google Updates bisher meistens dann bekannt, wenn die Rankings schon erschüttert wurden. Johannes Müller, Webmaster Trends Analyst bei Google Zürich hat in einem Hangout erklärt, dass der Rollout des angekündigten Updates etwa 1-2 Wochen dauern wird. Für den, der diese Woche auf dem Schreibtischstuhl sitzt und ungeduldig der Dinge harrt, die da angekündigt wurden, möchten wir vier wichtige Punkte kritisch beleuchten.

1. Sichtbarkeitsindizes mit Vorsicht genießen

Toolanbieter wie Moz, Sistrix und Searchmetrics haben alle an einem mobilen Sichtbarkeitsindex gearbeitet, denn das Update wird dazu führen, dass sich Desktop und mobile Suchergebnisseiten zukünftig stark differenzieren. Sistrix bietet beispielsweise kostenlos einen

Vergleich dieses Indexes an. Auch in der kostenpflichtigen Toolbox kann man mittlerweile viele Daten differenziert zwischen Mobile und Non-Mobile betrachten. Wie ohnehin im SEO sind allerdings die Indizes bekannter Toolhersteller nur von untergeordneter Bedeutung! Am Ende des Tages ist der organisch erzeugte Traffic­­ & dessen Qualität bzw. monetärer Wert entscheidend. Ein Index berücksichtigt weder, welche Suchanfragen für meinen Umsatz ausschlaggebend sind, noch werden die unzähligen Suchen einbezogen, die aus langen Phrasen bestehen und kein messbares Suchvolumen auf sich vereinen. Das Hauptaugenmerk sollte daher auf der Entwicklung der Daten des eingesetzten Trackingtools liegen! Google Analytics bietet beispielsweise vorgefertigte Segmente an, mit Hilfe derer man Zugriffe über Tablet, Smartphone oder Desktop differenziert betrachten kann.

2. Vorsicht vor falschen Rückschlüssen

Wie bedeutsam mobiler Traffic auf der eigenen Seite ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Fakt ist, dass der mobile Erstkontakt entscheidend für weitere Kontakte sein kann. Hier darf man sich nicht von getrackten Leads oder Umsätzen täuschen lassen. Dabei kommt das Segment mobiler Endgeräte im Vergleich mit dem Desktop Segment meist deutlich schlechter weg. Leider ist das Cross-Device Tracking jenseits von Social Media Plattformen, die von der Selbstidentifikation der User durch Logins profitieren, noch immer ein Trauerspiel. Es lässt sich kaum feststellen, wie viel Prozent der mobilen User später auf einem anderen Endgerät wiederkehren da z.B. Google Analytics rein Cookie-basiert arbeitet und auf diese Cookies noch nicht einmal zugreifen kann, wenn der Nutzer nur den Browser wechselt. Bei der Interpretation der Trackingdaten sollte man neben Cross-Device Effekten auch im Hinterkopf behalten, dass es meist eine sogenannte Conversion Gap gibt. Das bedeutet, dass nach dem initialen Kontakt mit dem Shop einige Tage vergehen können, bevor ein Kauf getätigt wird. Ein sehr komplexes Szenario könnte folgendermaßen aussehen:

  1. Der mobile Traffic über die organische Suche geht aufgrund gesunkener Sichtbarkeit zurück.
  2. In den nächsten Tagen macht sich dieser Rückgang auch im Brand-Traffic über Desktopgeräte leicht bemerkbar, da nun teilweise der mobile Initialkontakt fehlt.
  3. Erst nach weiteren Tagen wird der Trafficrückgang deutlicher und es zeigt sich, dass der Umsatz zurückgeht.

Da Besucher- und Umsatzzahlen täglich schwanken sowie Saisonalitäten und Aktionen weitere Einflüsse haben, lassen sich Rückschlüsse auf die Auswirkungen des Google Updates nur mit großer Vorsicht ziehen.  Berücksichtig werden muss darüber hinaus, dass die mobilen Suchergebnisse auch in den letzten Wochen schon stark in Bewegung waren. Searchmetrics vermutet sogar, dass Google schon vor dem 21. April mit dem Rollout begonnen hat.

Fakt ist, dass der Anteil mobiler User im Netz weiter steigen wird. Dementsprechend sollte jeder, dessen Geschäftsmodell nicht auf Leads & Umsätze über die organische Suche verzichten kann, das Thema mobile Optimierung ernst nehmen.

3. Vorsicht, auch mobil optimierten Seiten kann es an den Kragen gehen.

Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass das Update weit mehr bringen soll, als schwindende Sichtbarkeit für nicht-mobile Seiten. Bedeutend ist, dass Android-Apps & Web-Apps zukünftig prominenter auf den Suchergebnisseiten platziert werden sollen. Das bedeutet automatisch einen Sichtbarkeitsverlust für alle anderen Seiten, die um betroffene Keywords konkurrieren, z. B. Portale mit Bewertungen und Übersichten für Smartphone Spiele. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass auch mobil optimierte Seiten den Kürzeren ziehen.

4. Mobilegeddon nüchtern betrachtet

Google wird mit dem Update keinen neuen mobilen Index einführen, sondern Suchergebnisseiten zwischen Desktop und Tablett auf der einen sowie Smartphones auf der anderen Seite weiter differenzieren. Die mobile Optimierung ist dabei auch wieder nur ein weiterer Faktor von vielen. Letztendlich zählt immer noch die Qualität des Contents, die Sauberkeit des Quellcodes und die Bekanntheit der Seite im Netz (Links & Erwähnungen). Wer hierbei gut aufgestellt ist muss möglicherweise nur wenig zu befürchten. Aus Nutzersicht macht es auch keinen Sinn, nicht mobil optimierte Webseiten mit sehr gutem Inhalt gegen mobil optimierte Seiten mit sehr schlechtem Content zu tauschen. Da mittlerweile Nutzersignale an Gewicht gewinnen, werden sich sicherlich einige der ersten stärkeren Schwankungen des Updates in den darauf folgenden Wochen einpegeln, da der Nutzer eine eindeutigere Sprache spricht, als modifizierter Quellcode.

Fazit

Die mobilen Rankings waren in Bewegung und werden es zukünftig bleiben. Wer noch keine mobil optimierte Seite hat, darf gespannt sein, was die Änderungen für Auswirkungen haben werden. Wichtig ist, dass bei der Auswertung die richtigen Daten mit angemessener Nüchternheit betrachtet werden.

Für all jene, die sich dem Projekt mobile Seite annehmen möchten, gibt es morgen in unserem Blog eine schöne Checkliste über die entscheidenden Maßnahmen und Kriterien. Allerdings heißt es hier: nichts überstürzen! Eine mobile oder responsive Webseite mit schlechter Nutzerführung wird schlechte Nutzer-Signale generieren und bringt nachhaltig wenig Erfolg.

Hannes war von März 2014 bis Juli 2016 Teil des Projecter Teams.

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  1. Danke Hannes Richter für den besonnenen Artikel und für die kritische Betrachtung. Die Aquisition von Kunden über „Handies“ – Google schließt bei dem Begriff mobile Ausbringungen auf Tablets aus – wird in den nächsten Jahren zunehmen. Daran gibt es keinen Zweifel. Daher tut Google gut daran, Anbieter in die mobile Suchoptimierung zu zwingen.
    In unserem Fall (Reiseveranstalter) führte das zu einem kompletten Relaunche, der aber vor September nicht abgeschlossen werden sein wird. Unsere Seite und Reisesuchmaschinen sind einfach zu komplex.
    LISA! Sprachreisen hat seinen Focus immer auf den Brand gesetzt, ähnlich wie Fielmann. Wenn man nach Sprachreisen in der Google-Suchmaschine sucht, gibt es unten einen Link „lisa“. Das bedeutet, dass viele User nach den vier Buchstaben suchen, wenn Sprachreisen meinen.
    Somit sind wir auch bei dem Update auf der sicheren Seite. Wir aquirieren zwar keine Neukunden auf mobilen Geräten. Kunden, denen unsere Marke ein Begriff ist, finden uns doch.
    Ich kann an unserem Beispiel nur betonen, wie wichtig es ist, seinen Brand auch außerhalb der Suchmaschinen zu optimieren.

    Viele Grüße

    Christian Geng
    LISA! Sprachreisen Leipzig

    • Ich finde das Google Update auch in jeder Hinsicht sinnvoll. Damit wird die Marktmacht wesentlich sinnvoller eingesetzt, als bei anderen Grundsatzentscheidungen. Zum Bsp., dass viel Textmasse weit oben auf Kategorieseiten Vorteile mit sich bringt. Schon bemerkenswert, wie Google das Layout im Netz bestimmt.

      • Das Layout bestimmt Google vielleicht nicht, aber die Layoutstruktur sicherlich. Das hat aber für Unternehmen und Webseitenbetreiber Vorteile, da Google ja messen kann, welche Layoutstruktur zum Transport von Informationen ideal ist.

      • Mit der Struktur ist das Layout ja maßgeblich beeinflusst. Ich sehe das etwas kritischer, denn die „Messungen“ sind immer noch viel zu sehr Text-bezogen. Bilder können Informationen auch sehr gut transportieren. Google ist allerdings noch nicht in der Lage, diesen Informationsfluss nachzuvollziehen.

  2. Danke für diesen ausführlichen Artikel, wenn man es bedenkt, das heute fast 50 % der User mit den Smartphones die Seiten besuchen, war es auch notwendig diese anzupassen. Die Suchmaschinen legen Wert auf Content, aber ich schließe mich deiner Meinung das auch Bilder sehr viele Informationen an den man geben können. Ich habe das Gefühl, dass es auch die User interessiert.

    • Ref. Andrea: das können wir anhand unserer Zahlen nicht bestätigen.
      50% Zugriffe durch „Handies“ ist viel zu hoch gegriffen.

    • Schön, dass er dir gefallen hat. Schlecht ist es definitiv nicht, wenn mobile Optimierung etwas „angeschoben“ wird.