Recap zur SEMSEO 2014

geschrieben am in der Kategorie SEO von

Am vergangenen Freitag fand ich mich pünktlich um kurz vor neun Uhr im Dormero Hotel Hannover ein, um an der diesjährigen SEMSEO Konferenz der Abakus Internet Marketing GmbH teilzunehmen.

Die SEMSEO wurde in diesem Jahr schon das achte Mal veranstaltet und hielt auch 2014 eine ganze Reihe angesehener Speaker mit spannenden Inhalten für seine Teilnehmer bereit. Wie der Konferenzname schon vermuten lässt, erstreckt sich das Spektrum dabei vor allem auf die Bereiche Suchmaschinenmarketing und Suchmaschinenoptimierung.

Schon einen Tag vor der eigentlichen Konferenz gab es die Möglichkeit, eine Reihe von Workshops der SEMSEO University zu besuchen. Mir war es zeitlich leider nicht möglich auch schon daran teilzunehmen. Ich habe jedoch von Anwesenden gehört, dass diese mit den Workshops sehr zufrieden waren.

SEMSEO 2014 Recap (1)

Keynote von Kaspar Szymanski

Kaum war ich angekommen, füllte sich auch schon der Saal mit Anwesenden, um der Keynote von Kaspar Szymanski, seines Zeichens ehemaliger Google Mitarbeiter im Bereich Search Quality, zu lauschen.

SEMSEO 2014 Recap (2)

Schon sein Einstieg machte klar, wohin die Reise nun gehen sollte: Ausgangspunkt der sich wandelnden Suchmaschinenoptimierung seien nicht etwa modifizierte Suchmaschinen, sondern ein anderes Nutzerverhalten. Die Zukunft von SEO stand also auf der Agenda.

Die Gesellschaft wandelt sich, wird älter, womit sich auch die Nutzer von Suchmaschinen diversifizieren. Die Suchanfragen werden länger und spezifischer und die Nutzer wählerischer, da online permanent um ihre Aufmerksamkeit gebuhlt wird. Gleichzeitig sind Chancen schnell vertan, da die Masse der Google Querys nur einmal getätigt wird.  Um aus der Masse herauszustechen, sei es nötig, einen ganzheitlicheren Ansatz,  echtes „User Experience Marketing“, zu verfolgen. Brandbuilding kann nur in einer engen Verzahnung von Online- und Offlinemaßnahmen erfolgreich sein. Und wer das nicht verstanden hat, für den wird die Luft langsam dünner. Denn die Marktbereinigung habe bereits begonnen und wird in Zukunft nur noch stärker werden. Die in Deutschland heute noch so schwach ausgeprägte Dienstleistungskultur wird sich ändern müssen, da diese auf Nutzer- bzw. Kundenebene zunehmend vorausgesetzt wird. Kunden sind heute nicht mehr darauf angewiesen in Deutschland zu kaufen und Unternehmen, die dies missachten, werden sich nicht halten können.

Kaspar rät Unternehmen insbesondere die folgenden Aspekte zu beachten: Unternehmen müssen sich klarmachen, was ihr Alleinstellungsmerkmal ist. Nur so können sie in der Anbieterflut herausstechen. Unternehmen müssen sich eine eigene Community aufbauen. Der Erfolg von AirBNB zeigt, dass man so auch in gefestigten Märkten erfolgreich sein kann. Unternehmen sollten Offline-Initiativen starten, die sich online bezahlt machen. Und sie dürfen sich nicht abhängig vom organischen Traffic machen und sollten aktiv Google+, Twitter oder Facebook nutzen. Und die Kunden müssen entsprechend angesprochen werden, um Botschafter der Unternehmensmarke zu werden.

Ein toller Einstieg in den Tag von einem sympathischen und interessanten Speaker!

Marc Hildmann und Niels Dahnke – Steigerung der lokalen Reichweite

Den Anfang machte Marc Hildmann von der Schlüterschen Verlagsgesellschaft. Er ging am Beispiel einer lokalen Webseite der Frage nach, wie man Reichweite für KMUs schaffen kann. Wichtigste Online Plattformen dafür seien die eigene Webseite, Google+ Local, Verzeichnisse, Branchenbücher etc.

Er empfiehlt insbesondere, auf der eigenen Webseite die Kontaktdaten immer sichtbar einzubinden. Wichtig sei außerdem eine fokussierte Ansprache über Ratgeberseiten, eine Vorstellung der Mitarbeiter und Partner sowie nach Möglichkeit die Einbindung von Testimonials. Ziel muss es sein Kunden, zu gewinnen und Vertrauen zu schaffen. Google+ Local kann dabei als Zentrum betrachtet werden, das von möglichst vielen anderen Seiten (Gelbe Seiten, Yelp, Meinestadt, Jameda etc.) befeuert werden kann. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, die eingetragenen Daten auch konsistent zu halten. Zur Themenfindung für neue Inhalte können am besten verwandte Suchanfragen sowie Google Trends eingesetzt werden. Interessanter Abschluss war die Vorstellung vom sogenannten „Geo Fancing“, mit dessen Hilfe Kunden an bestimmten Orten über Push Nachrichten angesprochen werden können.

SEMSEO 2014 Recap (3)

Im Anschluss sprach Niels Dahnke von der Verlagsgesellschaft Madsack.

Es sei paradox, dass viele Unternehmen dem eigenen Onlineauftritt zwar eine ungemein hohe Priorität einräumen, aber gleichzeitig nur die wenigsten über eine wirkliche Strategie oder gar  Ziele verfügen.

Der Blick auf die SERPs muss am Anfang stehen: Werde ich gefunden? Wie werde ich gefunden? Wie sehen die SERPs für meine Seite aus? Was sagen die Webmaster Tools über meine Klickraten? Spreche ich die Sprache meiner Kunden? Welche Themen interessieren lokale Zielgruppen? Auch er betonte noch einmal die Verzahnung von On- und Offline-Inhalten. Auch über klassische Printwerbung in Lokalmedien lässt sich online Reichweite erzeugen – Ziel: „Machen Sie sich zum Stadtgespräch!“. Die Kette sei immer: Sichtbarkeit>>Traffic>>Conversion>>Umsatz>>Gewinn. Es lohne sich außerdem zur Unterstützung der SEO Maßnahmen zu Beginn auch lokal begrenzte AdWords Anzeigen zu schalten.

Ein interessanter Vortrag zur lokalen Optimierung, der nochmal klargemacht hat, dass diese auch Offline stattfinden muss.

Markus Hövener – Linkaufbau für Online-Shops

Direkt im Anschluss ging es weiter mit einem Vortrag von Markus Hövener von der Agentur Bloofusion zum Thema Linkaufbau für Online-Shops.

SEMSEO 2014 Recap (4)

Nach einem kurzen Abriss, warum Linkbuilding 2014 nicht mehr das Gleiche ist wie Linkbuilding 2010, ging es dann schon an sehr konkrete Tipps für Shopbetreiber bzw. deren SEOs. Diese müssen heute bei der Entscheidung, ob sie einen Link haben wollen viel wählerischer sein. Der Fokus sollte eher auf Qualität statt Quantität liegen.

Viele Shops nutzten außerdem nicht alle Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Beispielsweise bieten Hersteller oftmals Händlersuchen an, in die man Links zu Onlineshops eintragen kann. Attraktiv seien außerdem nach wie vor thematisch passende Foren mit hoher Domain Pop und Sichtbarkeit. Hierbei gilt es, die üblichen Fehler beim Foren Linkbuilding vermeiden. Auch Links von Medien können interessant sein, dabei muss aber auf eine Vermeidung einer Kennzeichnung als Advertorial geachtet werden. Auch lokale Blogs, Verzeichnisse, Organisationen, Verbände und ähnliches können für lokalen Linkaufbau nützlich sein. Hier sei es auch immer ratsam ein Auge auf die lokale Konkurrenz und deren Verlinkungen zu werfen. Bei der Kooperation mit Testblogs muss darauf geachtet werden, dass in den Beiträgen nicht erwähnt wird, dass die Produkte, über die man schreibt, gratis zur Verfügung gestellt worden sind. Im B2B Bereich können eventuell Kunden und Lieferanten gute Linkquellen sein. Außerdem seien „die besten Links immer alte Links“. Ein gutes Linkmanagement der bestehenden Links ist also wichtig. Wer verlinkt auf mich? Kann ich Unterseiten damit stärken? Gibt es tote Links? Gibt es Produktlinks, die man auf Rubriken weiterleiten kann? Das Problem vieler Shops ist außerdem, dass sie einfach nur Produkte verkaufen und selber zu wenig Profil haben.

Der Vortrag war herrlich praxisnah und zeigte, dass Linkbuilding mit Mehrwert für Shops doch noch möglich ist. Leider kannte ich einiges schon aus einem Bloofusion Webinar.

Karl Kratz und Frank Fuchs – Future of Search

Nach einer kurzen Pause wandten sich Frank Fuchs von Microsoft sowie der allseits bekannte Karl Kratz der Zukunft der Suche zu. Und diese sei, da waren sich beide einige, vor allem conversational.

Bing möchte so etwa langfristig in der Lage sein, auch eine „langsame Suche“ anzubieten.

Im Ergebnis würde die Suche dann zwar eine längere Dauer in Anspruch nehmen, dafür aber viel genauer auf den einzelnen Nutzer zugeschnitten sein.

Die Sprachsuche á la Siri kommt und das heißt für SEOs herauszufinden, welche Fragen gestellt werden, und die besten Antworten dafür zu liefern. Dafür gäbe es nach Karl zwei Möglichkeiten: 1. Fragen, die schon gestellt worden sind und 2. Fragen, die noch nie gestellt wurden. Für erstere seien etwa Rezensionen eine gute Grundlage, um Fragen abzuleiten. Für die Entwicklung von Fragen, die noch nie gestellt wurden, eigneten sich hingegen Matrizen aus universellen Fragetermen (W-Fragen) sowie universellen Betrachtungsebenen (finanziell, administrativ, Richtlinien, Prozesse, Produktion, Umwelt etc.). Richtig angewandt können so eine große Menge Fragen identifiziert und systematisch mit hochwertigen Inhalten beantwortet werden.

Conversational Search bedeutet für Karl aber auch Responsive Design. Und responsiv bezieht sich in diesem Zusammenhang nicht nur auf das Design, sondern auch die Inhalte. Nutzer haben mobil andere Erwartungen an Inhalte als an ihren Desktops. Der gleiche Inhalt sollte somit in unterschiedlichen Umfang für unterschiedliche Geräte aufbereitet werden.

Ein Vortrag mit zwei wirklich unterhaltsamen Experten, der noch einmal toll aufgezeigt hat, wo die Reise für uns alle hingehen wird.

Florian Retzer – Bing Ads

Florian Retzer, Search Advertising Lead bei Microsoft, stellte vor allem Neuigkeiten von Bing und Bing Ads vor. Die enge Verzahnung von Bing mit Microsoft Windows 8.1, Office und Windows Phone zeige dabei, dass sich Bing immer mehr als eigene Technologie verstehe.

Die wichtigsten Themen für Bing Ads in 2014 sind:

  • Mobile First – alle neuen Features stehen auch immer für alle Devices zur Verfügung
  • Simplicity – die Arbeit mit Bing Ads soll einfacher gemacht werden
  • Data – Bing will mehr Daten zur Verfügung stellen, bspw. für verbessertes Targeting und Scheduling
  • Scale

Interessant fand ich dabei vor allem die Möglichkeiten der Bing Ads Intelligence, einem Tool zur Keywordrecherche, das mit Excel funktioniert. Da meine Berührungspunkte mit Bing Ads bisher nur sehr gering waren, war mir diese Möglichkeit neu. Ausprobieren konnte ich es leider noch nicht, aber habe es definitiv vor.

Malte Landwehr und Christian Scherg – Online-Reputation-Management

Ist der Ruf erst ruiniert… Jeder weiß wohl wie es weitergeht. Ganz so ungeniert lebt es sich mit einem geschädigten Ruf jedoch gar nicht. Das gilt umso mehr für ein Unternehmen. Malte Landwehr und Christian Scherg nahmen dies zum Anlass, einen wirklich interessanten Vortrag über Online-Reputation-Management zu halten.

Im Schnitt ließen sich nach Aussagen der beiden gut 22% des Umsatzes auf die Reputation zurückführen. Von ihr machen unter anderem Kunden, Journalisten und Geschäftspartner ihre Entscheidungen abhängig.  Nicht nur deshalb muss die eigene Reputation aktiv geschützt und gestaltet werden. Durch die starke Nähe von On- und Offlinewelt kann es zu „Skandalisierungsspiralen“ kommen, die das Unternehmen nachhaltig schädigen können.

Malte Landwehr sprach in diesem Zusammenhang von SERP Domination, worunter er versteht, die eigenen Suchergebnisseiten auch mit eigenen Seiten und Inhalten zu befüllen bzw. „dominieren“. Die Realisierung setzt sich aus vier Schritten zusammen:

1. Monitoring (wie sehen die SERPs für das Unternehmen, Tochterunternehmen, Dienstleister, Personen, Marken etc. aus?), 2. Analyse („Baustellen“ ändern, „Potenziale“ pushen und „Gift“ verstecken), 3. Planung und 4. Content-Erstellung (Unternehmen ein Gesicht verpassen, Transparenz, Inhalte mit Mehrwert, soziale Verknüpfungen, Kunden zum Bewerten animieren und an Dienstleistung und Produkt arbeiten).

Wichtig sei außerdem, dass „Gleiches mit Gleichem“ verdrängt wird. Negative Foren- oder Blogbeiträge auf der ersten Suchergebnisseite kann man am besten mit positiven neuen Beiträgen begegnen. Außerdem sollte vermieden werden, problematische  Assoziationen mit der Marke oder des Unternehmens weiter zu stützen, indem man nun positiv über beides berichtet. Die Problemwörter sollten tunlichst aus dem Content herausgehalten werden, um Google Suggest nicht noch mehr Nähe zu suggerieren. Falsche Bewertungen auf Bewertungsportalen oder Rezensionen erkenne man recht einfach daran, ob sie sehr allgemein geschrieben ist oder wirklich konkret wird.

Insgesamt für mich das Highlight des Tages, da dieser Bereich für mich tatsächlich etwas ganz Neues war und im Zusammenhang mit Negative SEO potenziell auch eine starke Relevanz für die alltägliche Arbeit hat.

Nils Dreyer und Jens Claussen – Content Marketing

Da ich rechtzeitig meinen Zug erwischen musste, konnte ich nur noch die ersten zehn Minuten des Vortrages mitnehmen. Vorgestellt wurde eine recht komplexe Formel, die dafür genutzt werden kann, um zu entscheiden, ob sich SEO Maßnahmen lohnen oder der Traffic über andere Quellen (Bsp. AdWords) sinnvoller sein können. Ob das Ganze praktikabel ist, vermag ich aufgrund meiner zu kurzen Anwesenheit leider nicht so recht einzuschätzen.

Fazit

Vielen Dank an die Abakus GmbH für die tolle Konferenz. Ich hatte einen wirklich interessanten Tag auf der SEMSEO 2014, der dank netter Leute und toller Inhalte wirklich wie im Fluge verging. Ich komme gerne wieder.

SEMSEO 2014 Recap (5)

Fabian war von April 2013 bis Juni 2017 Teil des Projecter Teams.

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  1. Hi Fabian,

    schöner Recap! 🙂 Hat mich gefreut, dich wiederzusehen. Bis zur nächsten Konferenz bestimmt!

    Liebe Grüße nach Leipzig

    • Hallo Gesa,

      Danke euer Recap hat mir auch sehr gefallen und ich hab mich ebenfalls über ein bekanntes Gesicht gefreut 🙂 Gerne bald mal wieder!

      Viele Grüße zurück nach Hamburg

  2. Schade, dass du so früh los bist. Der letzte Vortrag – die Site Clinic – war für mich der mit Abstand interessanteste.

    • Ja das ist schade. Vielleicht ergibt sich ja mal wieder eine Gelegenheit bei der man dann gemeinsam zurückfahren kann 😉

  3. Hi Fabian,

    THX für den detaillierten Recap und ich freue mich natürlich besonders, dass Dir der Vortrag von Malte und mir so gut gefallen hat…

    Bis zum nächsten Mal

    Christian Scherg

  4. Gibt es diese auch 2018?