Google+: Ende des Dornröschenschlafs?

geschrieben am in der Kategorie Social Media Marketing von

Es war einmal der bekannte Suchmaschinenriese Google, der im Juni 2011 seinen jüngsten Schützling Google+, Spitzname G+, auf den Markt der sozialen Netzwerke entlässt. Mit Fernsehwerbung stilvoll und voller Emotionen angekündigt, vereint Google Plus bereits in den ersten drei Monaten weltweit 24,7 Millionen Mitglieder. Frisch gelauncht, zieht es seine Kreise durch die Online-Welt und verschmilzt mit der Zeit immer mehr mit den anderen Google-Zöglingen Gmail, Maps und Suchmaschine.

Seit September 2012 schmückt sich G+ laut Google-Manager Vic Gundotra mit weltweit über 400 Millionen Nutzern, wovon monatlich 100 Millionen aktiv sind. Doch wo kommen bereits nach einem guten Jahr all die Nutzer her und was machen sie mit G+, wenn doch offensichtlich nur wenig Nutzerinteraktion stattfindet? Viel diskutiert und verglichen mit dem Platzhirsch Facebook, haben sich in den letzten Monaten Vorzüge und Nachteile herauskristallisiert, Theorien über die im letzten Quartal so rasant angestiegene Nutzerzahl verbreitet und auch die Zukunftsprognosen schwanken zwischen Happy End und dramatischem Abgang. Grund genug, sich das Leben von G+ mal genauer anzuschauen.

Prognose zu den weltweiten Nutzerzahlen von G+

G+ erstes Jahr

Nachdem die Euphorie nach dem Launch etwas abgeflacht ist, wachsen die Nutzerzahlen nur noch gemächlich an. Erst als im April 2012 der Babyspeck verschwindet und G+ einen rundum neuen Look verpasst bekommt, steigt die Zahl der Schaulustigen wieder an. Nach dem Make-Over kann G+ nicht nur optisch, sondern auch mit mehr Nutzerfreundlichkeit punkten. Auch die in G+ integrierten Dienste werden stetig erweitert, so wurde zum Beispiel der Google Play Store, Google Events und Search Plus Your World eingeführt. Nach und nach fingen auch Unternehmen an sich zu präsentieren, aber nicht mal annähernd so erfolgreich wie bei Facebook. Ikea zum Beispiel erreicht bei Facebook mehr als 1,2 Millionen Fans, bei G+ gerade mal 6.100. Es passiert zwar viel mit Google+, aber es wird einfach nicht zum sozialen Meeting Place, sondern eher zum Service-Melting Pot.

Ikea bei G+

Ikea bei Facebook

Familienbande Google – Was G+ von seinen Geschwistern gelernt hat

Einmal angemeldet, entfaltet sich die ganze Welt von Google und seinen Angeboten, die alle miteinander verknüpft sind. Meldet man z.B. ein Gmail- oder Youtube-Konto an, kann man damit gleichzeitig einen Blog erstellen und hat automatisch einen Account für G+. Alle Inhalte, die dann auf YouTube oder Blogger veröffentlicht werden, erscheinen auch bei G+. Barrierefreiheit oder Datenmissbrauch? Das muss jeder für sich entscheiden, aber deutlich wird, dass Google alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzt, um Google+ zu füttern und die darüber generierten Informationen weiter zu nutzen, zum Beispiel für Search Plus Your World. Das ist die personalisierte Suche, die seit Anfang 2012 aktiv eingeführt wurde. Bei einer Suchanfrage, z.B. Fernseher oder Restaurant Berlin, werden Kommentare und Bewertungen von Freunden aus dem Google+ Netzwerk angezeigt. Die Zeit fasst die Entwicklung kurz zusammen: „Die Suchmaschine wird zu einer Ich-Maschine“.

Was für Privatpersonen datenschutzrechtlich zu weit geht, ist vor allem für kleine lokale Unternehmen ein Vorteil. Denn Google bietet via Google+ Local die barrierefreie Nutzung verschiedener Dienste wie Maps, Bewertungen und Google-Suche. Ohne viel Anstrengung haben auch kleine Unternehmen die Chance, sich mit detaillierten Infos und Bewertungen auf Google Maps und in der organischen Suche einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Aus SEO-Gründen macht es also definitiv Sinn, sich mit Google+ anzufreunden.

SMM_Banner_2012

G+ und seine automatischen Freunde

Google würde es nie zulassen, dass eines seiner Dienste ungenutzt bleibt. Liebevoll integriert in das mächtige Suchmaschinen-Netzwerk wird G+ einfach bei allen anderen Diensten mitgeliefert, was auch die hohe Nutzerzahl erklärt. Jeder ist angemeldet, aber kaum einer nimmt es wahr. „We might one day all be using Google+ but still think that no one is using it“ heißt es in dem amerikanischen Blog gigaom.com. Eigentlich gibt es auch keine einzelnen Dienste von Google mehr. Es gibt nur noch einen und diesen zu umgehen wird immer schwieriger. Zum Beispiel wurde der Author Tag eingeführt. Super Sache, wenn man mehr Aufmerksamkeit für seine Artikel, Blogbeiträge und ähnliches möchte. So ein Foto des Autors neben dem Artikel spricht einen ja auch persönlich mehr an. Das Foto erscheint aber nur, wenn man bei G+ bzw. bei Gmail angemeldet ist. Somit hat Google wieder zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Mehr Nutzer und neuer Informations-Inputkanal für Google+. Mit den Schnittstellen zu Blogger, Youtube und mit dem Author Tag hat sich auch eine spezielle Nutzergruppe und Mentalität herausgebildet. So ist z.B. Nr. 1 der Top 200 deutschsprachigen Google+-Nutzer Sascha Lobo. Gesamte Übersicht: http://gpluscharts.de/

Author Tag

Fazit

Die Königin unter den sozialen Netzwerken wird Google+ in naher Zukunft nicht werden, obwohl es beste Voraussetzungen dafür hätte. Besonders der unkomplizierte Live-Videochat für Gruppen ist z.B. für Unternehmen, die ohnehin Drive, Kalender und Docs nutzen, interessant. Aber das allein reicht nicht aus, um Facebook die Nutzer abzuwerben. Author Tag, Blogger, YouTube  und Gmail zwingen den Nutzern zwar ein G+-Account auf, aber genutzt wird es deshalb noch lange nicht.

Ob G+ den blauen Konkurrent vom Thron stürzt und die Welt in Kreise aufteilt, ist abzuwarten. Vielleicht hat G+ auch eine ganz andere Bestimmung. Als Schnittstelle der verschiedenen Google-Dienste erfüllt es nämlich seine Aufgaben und liefert Informationen, die bares Geld wert sind und für ein personalisiertes Web-Erlebnis sorgen, für den, der es zulässt. Den größten Nutzen bietet G+ derzeit für SEO-Maßnahmen. So können vor allem kleine Unternehmen ihre Chance nutzen, besser gefunden zu werden und gleichzeitig im Suchergebnis detaillierte Informationen und Bewertungen mitzuliefern.

Jennifer war bis August 2013 Teil des Projecter-Teams. Im Oktober 2012 ist sie als Praktikantin bei uns eingestiegen und unterstützte uns danach als Texterin.

Einen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder

  1. Hallo Jennifer!

    Danke für Deinen sehr unaufgeregten Beitrag! 🙂 Zum Thema Reichweite G+ vs. Facebook erlaube ich mir ein passendes Gegenbeispiel zu liefern:

    1,4 Mio „Follower“ bei Google+ bei weniger als 100 Tausend „Followern“ bei Facebok. Das schafft Wil Wheaton.

    Ich selber halte G+ tatsächlich für das „bessere“ Netzwerk, allerdings arbeitet das Henne-Ei-Problem für Facebook. Wer neu in die Social Media einsteigt sieht: oh – 2 meiner freunde sind bei Google +, aber 12 bei Facebook – also geht dieser Anfänger zu Facebook. und beim übernächsten Anfänger steht es dann schon 2:13 😉

    Nichtsdestotrotz dürfte es einen ganz objektiven Gradmesser für den Erfolg von G+ geben: Sobald die Zahl der „Katzenbilder“ 5% der veröffentlichten Fotos erreicht, ist G+ etabliert – so lange genieße ich noch als Nerd die angebliche Stille im angeblich leeren Raum. 🙂

    Liebe Grüße von schräg gegenüber!

    Markus

    • Hallo Markus,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Es kann gut sein, dass G+ sich in Zukunft zu einem fachspezifischen Netzwerk entwickelt und Facebook das Netzwerk für die Alltagskommunikation bleibt. Wir können gespannt sein, was sich in Zukunft am Social Media tut. Dass sich G+ längst etabliert hat, lässt sich auch gar nicht bestreiten. Google sorgt schon für ausreichend Reichweite und Nutzung.

  2. Hallo Jennifer,
    Danke für deinen Artikel.
    Im letzten Quartal 2012 konnte Google+ sich nach Facebook den zweiten Platz sichern. Insgesamt sollen 25 Prozent aller Internet-Nutzer mindestens 1x im Monat Google+ genutzt haben, Facebook kommt dabei auf wenig überraschende 51 Prozent.Auf Platz 3 einreiht im Oktober 2006 Google aufgekaufte Youtube mit 21 Prozent monatlicher Nutzung..
    Lassen wir G+ noch 1 Jahr, und der landet auf Platz 1 .

    Mir persönlich Google Plus macht Spaß

    LG

  3. Hallo erst mal ein Danke and Jennifer für diesen super Artikel.ich denke auch das G+ Facebook bald einholen wenn nicht sogar Überholen wird .
    Sie hatten bzw habe nur das Problem das sie den Start verschlafen haben .
    Aber ich glaube nicht das google das schon in diesem Jahr schaft denn Facebook schläft ja auch nicht und macht immer wieder neue sachen .Denke das wird schon noch 2-3 Jahre dauern

  4. Ich könnte mir das nicht vorstellen das Google je Facebook einholen wird und wenn dann erst in drei bis vier Jahre nur das Problem, bis dahin gibt es dann was Neues was die zwei in den Schatten stellen wird, auf jeden Fall ist es meistens so.
    Und immer hin ist Google knapp hinter Facebook. Ob jetzt Facebook oder Google ist für mich egale weil ich stehe sowieso nicht so auf social Netzwerk für mich ist es mit der Zeit zu langweilig geworden, würde mich freuen wenn endlich was spanender kommen würde.

  5. Die Frage ist doch brauchen wir Facebook 2? Sollen wir nun alle die gleichen Konversationen, Bilder, Fotos von Essen nun auch bei Google+ einstellen?
    Ich finde es eigentlich sehr erfrischend, Themen relevante Informationen zu erhalten und nicht den Standard Spam. Man müsste es eben auch nur anders verkaufen!
    Ich empfinde Google+ als eine sehr gute Plattform, die eben bisher nicht von soviel Spam lebt. Natürlich wenn man den Erfolg einer sozialen Plattform von täglichen Beiträgen abhängig macht ist natürlich G+ von Facebook klar weit abgeschlagen…
    Aber ist dies die richtige Bemessungsgrundlage?