Instagram in der Unternehmenskommunikation – Wie sinnvoll ist das?

geschrieben am in der Kategorie Social Media Marketing von

Schnappschüsse vom Mittagessen oder ein #selfie vor dem Badezimmerspiegel – dass Instagram längst mehr ist, als ein virtuelles Foto-Sharing, haben schon einige Unternehmen entdeckt. Doch wie sinnvoll ist Instagram neben Twitter, Google+ und Facebook in der Unternehmenskommunikation?

Instagram hat über 200 Millionen monatliche User und ist dabei als Kanal für die Unternehmenskommunikation mehr als nur einen Gedanken wert. Bislang wird Instagram noch hauptsächlich privat genutzt. Gerade in Deutschland ist man als Unternehmen auf dieser Plattform somit noch first mover.

Quelle: http://instagram.com/press/

Quelle: http://instagram.com/press/

Bevor es losgeht: Strategische Überlegungen

Zunächst sollten natürlich gründliche Vorüberlegungen angestellt werden, bevor man als Unternehmen den Sprung auf Instagram wagt:

  • Welche Ziele sollen mit dem Einstieg in Instagram verfolgt werden?
  • Welche optischen Eindrücke über das Unternehmen sollen via Instagram vermittelt werden?
  • Gibt es bereits aus anderen Social-Media-Kanälen passendes Material, Bilderserien oder andere Anknüpfungspunkte?
  • Welche optischen Erkennungsmerkmale machen das Unternehmen aus?

Wer nach diesen Überlegungen immer noch keine Idee hat, welche Bilder er auf Instagram posten soll, hält sich am besten von diesem Netzwerk fern und behält seinen Fokus weiterhin auf Facebook etc. Dabei sein ist eben nicht alles.

Das Profil als Visitenkarte

Profilbild: Wie in jedem anderen Social-Media-Kanal ist das Profilbild ein erstes Aushängeschild. Auf einer durch und durch visuell ausgerichteten Plattform wie Instagram sollte sich das Profilbild in das Konzept der übrigen Bilder einfügen. Hier kann das gleiche Bild wie auf Facebook, Google+ etc genutzt werden, bspw. das Firmenlogo. Aber auch Teamfotos, ein Schnappschuss, der das Logo anderweitig kreativ in Szene setzt, oder ein Bild des Produktes mit dem höchsten Identifikationswert sind möglich.

Biografie: Für den Infotext auf Instagram stehen nur 200 Zeichen zur Verfügung. Diese sollten also mit Bedacht genutzt werden. Die Biografie sollte den Nutzer neugierig auf das Unternehmen machen. Über einen entsprechenden Link auf die eigene Firmenhomepage können dann weitere Informationen zur Verfügung gestellt werden.

Zur Erhöhung des Wiedererkennungswertes sollten hier die gleichen Begriffe und Formulierungen wie in anderen Social-Media-Auftritten genutzt werden. Hier können auch andere Social-Media-Profile verlinkt werden.

Accounts folgen: Für die Branche des Unternehmens relevanten Marken und Personen sollte gefolgt werden. Passende Instagramer können durch die normale Suchfunktion nach Kontakten oder durch die Funktion „vorgeschlagene Nutzer“ gefunden werden. Außerdem gibt es ein „Erforschen“-Feature, mit dem man durch Eingabe von individuellen Keywords User oder andere Unternehmens-Profile entdecken kann.

Instagram für die Unternehmenskommunikation richtig nutzen

Wenn das Konzept steht und das Profil angelegt wurde, kann es losgehen.

Eines sollte von Anfang an bedacht werden: Instagram ist kein Schaufenster für Produktfotos. Der Kontakt mit (potentiellen) Kunden sollte im Vordergrund stehen. Natürlich können beliebte/neue/extravagante Produkte via Instagram in Szene gesetzt werden, doch sollte dies nicht die Masse der Postings ausmachen. In Bilderserien können beispielsweise Anwendertipps und Tutorials gegeben oder einzelne Schritte bei der Herstellung des Produkts gezeigt werden. So wird einerseits das konkrete Produkt vorgestellt, anderseits erhalten Follower dadurch  interessante Insights.

Daneben eigenen sich Fotos mit privatem Charakter: Mitarbeiter bei der Arbeit (dabei muss der Schreibtisch auch nicht immer klinisch aufgeräumt sein), Teamevents, Schnappschüsse von Konferenzen. Solche Bilder sind unterhaltsam und dennoch markenorientiert. Durch einen „Blick hinter die Kulissen“ können Follower einen engeren persönlichen Bezug zur Marke aufbauen und sich stärker mit dem dazugehörigen Lifestyle identifizieren.

Den Fotos sollten charakteristische Hashtags zugefügt werden – sinnvoll ist die Verwendung von Hashtags, die einen thematischen Bezug zur Marke und den Produkten aufweisen. Das müssen nicht immer zwingend der Firmenname oder das erfolgreichste Produkt sein, auch markante Keywords zu aktuellen Aktionen, Veranstaltungen oder Nischenthemen sind denkbar. Ein Hashtag kann auch aus mehreren Worten bestehen, hier wird auf Leerzeichen verzichtet. Außer einem Unterstrich sind Sonderzeichen nicht erlaubt. Um automatisch eine crossmediale Vernetzung mit weiteren Social-Media-Profilen zu schaffen, können die gleichen Hashtags zusätzlich auf Google+, Twitter & Co. gesetzt werden. Aber Vorsicht bei Duplicate Content!

Instagram kann auch in Offline-Aktionen eingebunden werden. Bestes Beispiel: Carlsberg. In ausgewählten Bars konnten User die Happy Hour um 5 Minuten verlängern, indem sie ein Foto mit dem Hashtag #happybeertime und dem Namen der Bar posteten. Gleichzeitig konnten die Gäste auf einem Monitor die verbleibende Zeit der Happy Hour live verfolgen. Die Besucher bekamen ihr Bier etwas länger zum halben Preis und Carlsberg erreichte im Gegenzug eine riesen Publicity und viele Inhalte via Instagram.

Ansonsten heißt es: am Ball bleiben. Kommentare müssen beantwortet, auf den Content von Followern muss eingegangen werden. Regelmäßige Postings können mit einem Redaktionsplan eingetaktet werden.

Fünf allgemeine Tipps

Instagram hat die erfolgreichsten Marken gescannt und daraus folgende Empfehlungen für Unternehmen abgeleitet:

  1. Authentizität wahren

Stets im individuellen Tonfall kommunizieren, sich nie verstellen, sondern mit einer ehrlichen und offenen Art die Persönlichkeit der Marke wiederspiegeln.

  1. Erfahrungen teilen

Einblick in die Welt der eigenen Marke gewähren und den Lifestyle, die Werte & Visionen mit aktiven und potentiellen Kunden teilen.

  1. Schönheit zeigen

Neben den Vorteilen und Funktionen der eigenen Produkte vor allem das Besondere und Schöne darin darstellen. Mit Charme und Attraktivität Fans gewinnen.

  1. Interaktionen wecken

Eine Bewegung mit einer auf die Marke zugeschnittenen Idee schaffen, die Fan-Gemeinde inspirieren und zum Mitmachen anregen.

  1. Zielgruppe kennen

Was mögen Fans insbesondere an meinen Produkten? Warum folgen mir welche Personen? Interessen und Vorlieben identifizieren und diese in Aktionen umwandeln.

Fazit

Instagram ist keine Verkaufsplattform, die Unternehmen als Produktkatalog nutzen sollten. Eine authentische und kundennahe Kommunikation steht hier im Vordergrund. Zudem sollte beachtet werden, dass Links auf Instagram (außer in der Profilbeschreibung) nicht funktionieren. Daher ist kein bedeutender Traffic-Lieferant für die eigene Website. Der Blick über den Tellerrand lohnt sich aber vor allem für Unternehmen, deren Zielgruppe die 15- bis 30-Jährigen mit Hang zu Emotionen umfasst, trotzdem zweifelsohne.

Steffen unterstützt seit November 2012 das Projecter-Team. Ihn verschlug es bereits 2007 im Zuge seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften nach Leipzig. Über ein Auslandsstudium im Marketing und die Google Online Marketing Challenge war der Weg zum Online Marketing bei Projecter nicht weit.

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  1. Instagram in die Unternehmenskommunikation mit einzubeziehen, kann den Level auf Awareness beachtlich pushen. Jedoch besteht die Gefahr buchstäblich unterzugehen, bei der breiten Masse. Daher stimme ich dir bei deinen 5 Tipps absolut zu.

  2. Im Bezug auf das Einbinden von Medienkanälen, die sich primär auf die visuelle Darstellung von etwas beziehen, stehe ich persönlich etwas kritisch entgegen. Natürlich ist es richtig, dass ein Einblick hinter die Kulissen gewährt werden kann und es ist ebenfalls hinlänglich bekannt, dass Kunden/Fans/Follower gerne diese Blicke nutzen.
    Doch gerade dieser Punkt hat bei mir ein paar Fragen aufgeworfen. Zum Beispiel gibt es Personen, die absolut gegen den Trend sind, sich persönlich auf Bildern der Öffentlichkeit des Internets preiszugeben, unabhängig von der Situation, in der sie abgelichtet werden. Wie aber nun möchte ein Unternehmen an diesem Punkt sicher gehen, dass wirklich niemandem bei dem Blick hinter die Kulissen sprichwörtlich auf die Füße getreten wird? Immer wieder nachfragen? Extra retuschieren? Oder dann dieses Segment einfach weglassen?

  3. Tolle Ableitung und schöner Artikel, Steffen. Instagram ist eine tolle Plattform mit einer immer weiter anwachsenden Anzahl an Nutzer. Ob Unternehmen hier stattfinden müssen, hängt aber auch immer stark von der Branche bzw. dem Unternehmen ab. Viele Unternehmen sehen den Hype um Instagram und legen sich ein Profil an, wobei sich evtl. die Konzentration auf die anderen Kanale mehr auszahlen würde. Nur dabei sein, ist in einigen Fällen nicht unbedingt der richtige Weg. Du hast es ja eingans in deinem Artikel angesprochen, wie wichtig die strategische Vorüberlegung ist und nach wie vor den Unternehmen schlicht weg ignoriert wird.