Google Suggest – Die Idee und seine Tücken
12. Juli 2010 von JuliaWir haben uns bereits daran gewöhnt. Tippt man die Anfänge eines Wortes in den Suchschlitz bei Google ein, so erhält man automatisch Vorschläge zur vollständigen Suchanfrage. Dieser auf Ajax beruhende Dienst heißt Google Suggest und wird bereits seit März 2009 angeboten. Doch wie kommen die Vorschläge zustande? Wer profitiert davon? Und wem könnte Google Suggest schaden? Diese Fragen möchten wir klären.
Zunächst zur allgemeinen Funktionsweise. Google selbst schreibt: “Vorschläge zu Suchbegriffen auf Google.de werden vom Google Suggest-Dienst unterstützt. Google Suggest kommuniziert während Ihrer Eingabe mit Google, um Ihnen entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Wenn Vorschläge bereitgestellt werden, [...] verwendet Google Informationen zu der relativen Beliebtheit von häufigen Suchanfragen, um die Vorschläge in eine Rangfolge einzuordnen.”
Das heißt, es werden allgemein relevante Suchanfragen generiert. Das soll dem Suchenden helfen, seine Suchanfrage schneller zu finden. Er muss nicht mehr die komplette Suchanfrage eintippen und erhält zusätzlich neue Vorschläge für seine weitere Suche. Mittlerweile werden sogar Tippfehler erkannt. “Telefom” fürht trotzdem zu Telefon und “Kriese” schlägt Krise vor. Das spart Zeit und ist nützlich. Bei Eingabe eines “F” wird als Erstes Facebook vorgeschlagen, bei einem “W” erscheint web.de und bei einem eingetippten “A” wird Amazon vorgeschlagen. Merkwürdig ist, dass bei vielen einzelnen Buchstaben sofort Unternehmen genannt werden.
Auffällig ist auch, dass Unternehmens-Webseiten, die den Suchbegriff in der Domain aufweisen, hier auftauchen. Nehmen wir beispielsweise das wort “Auto”. Sofort erscheinen als Vorschlag autoscout24.de und automobile.de. Andere Anbieter der Branche, die nicht das Wort “Auto” im Titel tragen, werden nicht aufgezeigt. Es entsteht ein Vorteil für die genannten Seiten. Sie werden wesentlich häufiger geklickt. Man spricht vom Suggest Push. Die Konkurrenz wird ins Abseits gedrängt.
Kritiker bemängeln ebenfalls, dass die Suchenden durch die Vorschlagsliste abgelenkt werden könnten. So vergisst man beim Lesen der Suggestions schnell, wonach man eigentlich gesucht hat und wird bei der Recherche nach einem Thema womöglich in eine andere Richtung gedrängt.
Google Suggest gibt auf den ersten Blick die relevantesten Suchanfragen wider. Dabei ist es viel mehr als nur eine Vorschlagsliste. Google Suggest kann auch Meinungen widerspiegeln. Weil eben relevante und häufig gesuchte Anfragen ausgewertet werden, ergibt sich ein Stimmungsbild der Bevölkerung. Interessant dabei ist, dass nur die Informationen aus dem Land des Suchenden verarbeitet werden. Für in Deutschland lebende gilt also Folgendes: tippt man “Schwule sind” ein, so ergibt sich sofort die Antwort “ekelhaft”. Chinesen sind hässliche Tierquäler, Twitter ist Schwachsinn und Spanien wird Weltmeister 2010. Das funktioniert auch mit einzelnen Buchstaben. Ganz klar, dass nach dem diesjährigen deutschen Sieg beim Eurovision Song Contest ein eingetipptes “U” genügt, um “Unser Star für Oslo” als Vorschlag zu erhalten.
Dass dabei diskriminierende Aussagen generiert werden, möchte Google eigentlich unterbinden. Deshalb erscheint bei Eingabe von “Juden sind” oder “Schwarze sind” kein einziger Vorschlag. Das Ganze ist noch nicht ausgereift. Denn zu Christen und Moslems gibt es doch wiederum Vorschläge, die die gesamte Religion denunzieren. Hinweise zu auffälligen Suchvorschlägen nimmt Google weiterhin entgegen.
Auch tiefgreifende Probleme der Gesellschaft können schnell identifiziert werden. Probleme, die offenbar viele Deutsche plagen. Wie z.B. “Meine Arbeit kotzt mich an”, “Meine Katze ist rollig” oder “Darf ich mit meiner Cousine schlafen”.
Fazit: Google Suggest kann Zeit sparen und neue Ideen für die eigene Suchanfrage liefern. Es werden die Daten zu den beliebtesten und häufigsten Suchanfragen berücksichtigt. Somit sind die Erwähnungen bei Google Suggest nicht käuflich und auch nicht von Google vorgegeben. Beweis: “Google ist” eingeben.
Ein paar weitere, teils lustige, teils schockierende Vorschlagslisten findet ihr in unserem Blogbeitrag “Google enthüllt: zerrüttete deutsche Familien” aus dem vergangenen Jahr.
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Bei Google Suggest kommen manchmal Vorschläge, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll:
Sachen zum ausprobieren:
Ich habe…
Ich heiße…
Kann ich mich selbst…
Warum…
Ich rieche…
Warum ist mein…
Meine Schwiegermutter…
Hilfe ich bin…
Why is…
usw. usf.
Manchmal sieht man in Google echt merkwürdige Saqchen, wenn man Buchstaben eingibt, allerdings hab ich es auch oft so gehabt, dass ich nach etwas bestimmtes gesucht habe und aber von Google “abgelenkt” wurde und was ganz anderes geguckt habe.
Hallo Julia, super Artikel um einen ersten Einblick in das Thema Suggest zu bekommen. Ich habe heute im Internet ein bisschen gestoßen und bin auf einen ebenfalls tollen Artikel gestoßen: http://www.solife.cc/blog/google-suggest-funktionsweise-risiken-analyse.html
Da geht’s auch um die Nachteile die Google Suggest zum Beispiel für Brands und auch kleinere Unternehmen haben kann.
@Clemens Ja, manche Vorschläge sind zu lustig um wahr zu sein. Es dürfte für Google schwieriger als gedacht zu sein, problematische Wörter zu filtern