Projecter on Tour: Tiefschnee im Engadin

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Um dem allgemeinen Bürotrend zu Tropenreisen im Winter entgegenzuwirken und außerdem mal wieder zu beweisen, dass das Layout unserer Webseite NICHT zufällig gewählt ist, habe ich im Januar das Flachland weit hinter mir gelassen und zwei Wochen lang die Schweizer Bergwelt heimgesucht. Schneetechnisch wäre das ausnahmsweise sogar mal nicht nötig gewesen, da es zuletzt in den 70er Jahren soviel Schnee in Leipzig gab wie in diesem Winter. Kurz vor unserer Abfahrt wurden dann auch noch beeindruckende Eiszapfen-Gallerien von den benachbarten Dächern entfernt, um das Leben der ohnehin glatteisgeplagten Passanten zu retten.

Skifahren in Livigno
Der Tiefschnee im Engadin war dann aber auch wirklich nicht zu verachten und teilweise von perfekt pulvriger Konsistenz. Wir waren zwar schon Leipzig-Frost-trainiert, aber Nächte unter -20 Grad und Tagestemperaturen im deutlich zweistelligen Minusbereich führten zu Ausrüstungs-Aufrüstungs-Tendenzen (vor allem im Handschuh- und Wollsockenbereich). Fairerweise muss man dazu sagen, dass sich das Kälteproblem auf über 3000 Metern Höhe natürlich verschärft 😉
Rennfahrer
Aufgrund einer ungewöhnlich stabilen Wetterlage ohne weiteren Neuschnee sank die Lawinenwarnstufe auf mäßig bis gering, so dass wir Skitouren in höheren Lagen angehen konnten, die normalerweise erst späteren Wintermonaten vorbehalten sind. Der erste Versuch, den Il Chapütschin (3386 m) zu besteigen, endete zwar circa 100 Höhenmeter unter dem Gipfel, da aufgrund noch mangelhafter Akklimatisierung der Aufstieg zu lange gedauert hatte. Die 1000 Höhenmeter Tiefschneeabfahrt ins Roseg-Tal war allerdings umso traumhafter und entschädigte auch für etwas angefrorene Zehen. Andere Menschen haben wir an dem Tag auch nicht gesehen, die Begegnungen beschränkten sich auf Gämsen und Schneehühner. Ganz unten auf den Langlaufloipen im Roseg-Tal haben wir dann ein paar abendliche Langläufer auf dem Rückweg erschreckt 😉
Tiefschnee
Ein paar Tage später sind wir dem Chapütschin noch einmal zu Leibe gerückt und waren diesmal erfolgreich. Die letzten Gipfelmeter mit Steigeisen an den Skistiefeln waren zwar sehr gewöhnungsbedürftig, aber der Ausblick von oben hat sich gelohnt. Die besagten 1000 Höhenmeter Tiefschnee waren in der Zwischenzeit erstaunlicherweise unberührt geblieben, so dass wir nur noch zwei Spuren danebenlegen mussten.
Auf dem Chapütschin
Und was ist sonst noch so passiert? Nach Jahren vergeblicher Versuche sind wir diesmal endlich in den Genuss der „Glüna Plaina“ gekommen – des Vollmondfahrens an der Diavolezza. Dieses kann nur stattfinden, wenn der Himmel wolkenlos ist, da sonst das Licht des Vollmondes nicht mehr ausreichen würde. Die kilometerlange Abfahrt bei dieser speziellen Beleuchtung ist ein einmaliges Erlebnis, da sich die Stimmung der Bergwelt im Vergleich zum Tage grundlegend verändert. Beeindruckend waren auch die Einheimischen, die die Piste offenbar wie ihre Westentasche kannten und trotz eingeschränkter Sicht mit ungefähr vierfacher Geschwindigkeit an uns vorbeirauschten.
Vollmondpanorama

Glüna Plaina Geister
Der Skinachwuchs in der Familie hat seine durchschnittliche Geschwindigkeit in diesem Urlaub auch ungefähr vervierfacht und scheint somit in die bergsüchtigen Fußstapfen der Großen zu treten. Gewisse Tendenzen zum Tiefschnee und abseits der Pisten fahren waren ebenfalls zu beobachten.

Schlitteln mit Headlamp

Ganz zum Schluss gab es zur Ergänzung des sportlichen Portfolios noch ein Vergnügen, dass ich als echter Flachlandtiroler bislang nur in der Abfahrtslänge 30 Meter kannte: Schlitteln! Geht ungefähr so: Man läuft 4 Kilometer den Berg hoch, redet wie ein Wasserfall auf leicht demotivierte Kinder ein, die jeden Eiszapfen spannender finden als bergauf laufen, schlägt sich oben in einer urigen Hütte den Bauch voll und rauscht dann die 4 Kilometer in halsbrecherischer Geschwindigkeit mit einem klassischen Holzschlitten Modell „Davos“ wieder runter. Das machte allen Beteiligten soviel Spaß, dass die eben noch demotivierten Kinder die 4 Kilometer am liebsten gleich wieder hochgelaufen wären, um nochmal zu fahren.

Porsche-Fahrtraining in St. Moritz
Immerhin konnten wir bei unserer Rückkehr nach Leipzig feststellen, dass die 30 Meter Abfahrtsvariante noch zur Verfügung steht, da die Schneedecke sich schon wieder geschlossen hatte. Und der Fockeberg ist ja auch… ein bisschen hoch.

Ein kleines Schmankerl gibt es noch zum Schluss: Zu unserer großen Belustigung macht man in St. Moritz alles ein bisschen anders… zum Beispiel das Winterfahrtraining! Das muss natürlich stilecht mit Porsches stattfinden, siehe nebenstehendes Bild. Und auch vor dem Cabriofahren wurde dort nicht zurückgeschreckt, wobei das bei dem spritzenden Schnee schon eher eine nasse und somit fast wieder sportliche Angelegenheit war.

Katja ist Geschäftsführerin und gründete 2008 zusammen mit Patrick Hundt die Agentur Projecter. Wenn sie gerade nicht im Büro anzutreffen ist, geht sie klettern, bergsteigen, skifahren, snowboarden, tauchen oder windsurfen. Katja freut sich auf Kommentare & Feedback!

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