POP – Recap zur re:publica 2018

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Neongrün und viele Seifenblasen – nein, das ist nicht die Loveparade, sondern die diesjährige re:publica. Unter dem Motto „POP“ wurde es diesmal grell, bunt und genauso spannend wie jedes Jahr. So ging es um Popkultur in all ihren Facetten aber auch Populismus und dessen Rolle im Pop. Steffen, Ecki und Fabian berichten von drei Tagen voller platzender Seifenblasen, Erkenntnis und spannender Talks.

Über 1100 Personen standen während der dreitägigen Veranstaltung auf mehr als 20 Bühnen, mit einer er Quote weiblicher Speaker von 49% – eine organisatorische Meisterleistung.  Die größte Herausforderung bestand für die Besucher somit vorrangig darin die Rosinen aus der Masse an Talks herauszupicken. Mit Größen wie Chelsea Manning oder Ranga Yogeshwar war auch der Starfaktor unter den Speakern erfüllt – doch auch inhaltlich konnten viele Talks überzeugen.

Unsere liebsten Sessions

Wer sonst nur schnöde Branchenveranstaltungen gewöhnt ist, kennt meist schon das Problem der zu vielen parallelen Sessions. Die re:publica hebt das noch einmal auf ein anderes Level mit besagten 20 Bühnen. Umso mehr freut es einen, wenn man da die richtige Session erwischt. Dabei gibt es auch immer Neues zu entdecken und es muss nicht immer nur der re:publica „Altmeister“ Sascha Lobo sein. In der Playlist findet sich deshalb eine Auswahl der für uns spannendsten Sessions.

Was bleibt?

Fabians Gedanken:

Am Ende stellt sich nach so einer Veranstaltung immer die Frage, was nimmt man mit? Nicht nur für einen selbst, sondern auch als Organisation. Auf den üblichen Branchenveranstaltungen ist dies meist offensichtlich, hier ein neues Feature oder dort ein neuer Prozess. Ein Erlebnis wie die re:publica lässt einen dagegen vor allem darüber nachdenken, wie man sich in seiner digitalen Arbeit versteht und welche Werte man in der Netzgemeinde vertreten möchte – ob nun als einzelner oder eben als Unternehmen.

Die re:publica ist dafür eine wichtige Plattform und Veranstaltung. Sie hilft zum Weiterdenken, bietet neue Blickwinkel, lässt auch kritische Stimmen zu Wort kommen und vereint den persönlichen mit dem beruflichen Nutzen. Sie hat vor allem gezeigt, wie wichtig der Austausch und das Engagement der Netzgemeinde ist. Besonders in Zeiten, in denen Menschen für die Äußerung ihrer Meinung Strafverfolgung droht oder man nicht mehr so recht weiß, was nun wahr oder falsch ist. Und auch netzpolitische Themen wie die DSGVO, die vermutlich grad unsere gesamte Branche umkrempelt, finden dort gefühlt immer ein bisschen früher statt. Darum lohnt sich der blick über den Tellerrand allemal.

Eckis Eindruck:

Die re:publica setzt Maßstäbe. Das steht fest. Natürlich schlägt die re:publica eine andere Richtung ein als übliche Marketing Summits, doch das ist gut so. Vorträge über Neuerungen im digitalen Zeitalter sind sicher, wie das Amen in der Kirche. Doch zu selten, wird die Metaebene hinter diesen Entwicklungen thematisiert. Genau diese „Nische“ besetzt die re:publica und schafft es hoffentlich den allgemeinem Arbeitsalltag mit frischen digitalen Gedanken zu durchlüften.

Selbst meine mittlerweile sechste re:publica hat es wieder geschafft den digitalen Alltag bei Seite zu legen und Platz für neue Gedanken zu machen, die im Alltag keinen Raum finden. Auch wenn ich ein großer Freund thematischer Schwerpunkte von Veranstaltungen bin, konnte mich „POP“ nur bedingt überzeugen. Was mitunter auch an den Themen des Vorjahres liegen mag, die deutlich politischer und aktivistischer ausgelegt waren. Aber wahrscheinlich nimmt sich das Internet auch mal eine Pause.

Mein Highlight der re:publica war mit Abstand das Screening von „The Cleaners“. Der Dokumentarfilm von Hans Block und Moritz Riesewieck begleitet die sogenannten Content Moderatoren in Asien und offenbart dabei einen extrem fragwürdigen Umgang mit den Menschen, die dafür sorgen, dass wir selber nicht tagtäglich mit verstörenden Inhalten konfrontiert werden.

Ebenfalls sehr beeindruckend war Richard Gutjahrs Talk. Durch reinen Zufall war er sowohl bei dem Attentat in Nizza sowie dem Amoklauf in München vor Ort, was Verschwörungstheoretiker dazu brachte ihre kruden Gedanken über ihn weltweit in Umlauf zu bringen. Gutjahr beschrieb dabei, wer er lernte mit dieser Situation umzugehen.

Meine weiteren Highlights:

Steffens Eindruck:

In den letzten Jahren war ich bereits auf unzähligen Konferenzen. Zur re:publica hat es mich jedoch das erste Mal verschlagen. Viel zu spät, wie ich im Nachhinein feststellen musste. Die re:publica ist ein großartiges Event, um das „bigger picture“ nicht aus den Augen zu verlieren. Ist die Macht einiger TECH-Giganten (Stichwort: GAFA) zu groß? Werden Maschinen uns bald kontrollieren? Was bedeutet Digitalisierung für die Arbeit auf der ganzen Welt? Ebnet die Digitalisierung den Weg für den Extremismus? All diese Fragen wurden von teils hervorragenden Rednern aufgeworfen und bis in die späten Abendstunden mit in die Gespräche getragen. Immer wenn man das Gefühl hat, dass die eignen Scheuklappen den Blick zu stark verengen, dann kann ein re:publica Besuch bei dem ein oder anderen bestimmt Wunder bewirken.

Ecki startete im Juni 2016 zunächst als Trainee und ist nunmehr Account Manager bei Projecter. Dabei ist er zuständig für die Bereiche Social Media und SEO. Vor Projecter studierte er an der Hochschule Anhalt Online Kommunikation. Privat ist er noch immer auf der Suche nach dem heiligen Snapchat Gral.

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  1. Großartiger Artikel, gefällt mir sehr gut.