Statistiken zur Internetnutzung – Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2017

geschrieben am in der Kategorie Social Media Marketing von

Die Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2017 sind da und überraschen mit einer methodischen Weiterentwicklung, die dringend nötig war.

Die Erhebung der Daten für die ARD/ZDF-Onlinestudie jährt sich 2017 bereits zum 20. Mal. Grund genug, endlich auf Entwicklungen zu reagieren, die für eine Bevölkerungsstudie zur Internetnutzung nicht weiter vernachlässigt werden dürfen. So wurde der Fragenkatalog der Studie angepasst, um nicht mehr allein danach zu fragen, ob der Nutzer gestern online war, sondern detailliert abzufragen, welche Tätigkeiten er gestern online ausgeübt hat. Dieser Schritt sei vor allem deshalb notwendig gewesen, weil die Internetnutzung zum Teil gar nicht mehr bewusst verlaufe. Die Kommunikation über Messenger wie WhatsApp sei demnach häufig von den Befragten nicht mit in Betracht gezogen worden – mache aber einen wichtigen Bestandteil der Internetnutzung aus.

Folgen der detaillierteren Abfrage

Die Aussage, „neun von zehn Deutschen online“ kann aufgrund der neuen Abfrage nicht direkt mit den Ergebnissen aus 2016 gleichgesetzt werden, die ergaben, dass 84% der Deutschen das Internet nutzten. Angesichts der neuen Nutzungsabfrage, gilt schließlich, je detaillierter eine Tätigkeit abgefragt wird, desto höher sind auch die erhobenen Werte. Gemäß der pauschalen Abfrage aus den Vorjahren läge die Internetnutzung der Deutschen deshalb bei konstanten 83,1% und nicht bei 89,8 %. Die neuen Werte bringen jedoch aufgrund ihrer Kleinteiligkeit eine weitaus höhere Validität mit sich, weshalb die Weiterentwicklung der Studie als wichtiger Meilenstein angesehen werden kann.

Die Aufteilung der Abfrage zur Internetnutzung erfolgt seit diesem Jahr in drei Bereichen:

  • Nutzung medialer Inhalte (u.a. Videos bei YouTube, Netflix o.ä. schauen; Musik bei Spotify streamen, Podcasts hören, Artikel lesen)
  • Individualkommunikation (u.a. Messenger, E-Mail)
  • sonstige Internetnutzung (Online-Shopping, kurze Recherchen, Onlinespiele, surfen)

Durchschnittlich verbringen die Nutzer täglich 149 Minuten online. Die meiste Zeit davon (71 Minuten) verwenden sie für die sonstige Internetnutzung. Doch wenn die Altersgruppen einzeln betrachtet werden, zeichnet sich bei den jungen Nutzern (14 bis 29-Jährige) ein anderes Bild. Diese sind zum einen fast doppelt so lange online (249 Minuten) und nutzen zum anderen vor allem mediale Inhalte (116 Minuten).

Entwicklung_Onlinenutzung

Entwicklung der Onlinenutzung in Deutschland 1997 bis 2017 (Quelle: ard-werbung.de)

Mehr Musik, weniger Video

Weiterhin zeigt die Studie, dass die Nutzung von Audioinhalten, wie das Streamen von Musik oder Radio hören, stark angestiegen ist. Gegenüber den Zahlen aus 2016 ist der Anteil der Nutzer um 13% gestiegen. Für das Schauen von Videos gilt allerdings das Gegenteil. Hier ist die Reichweite um 3% gesunken. Einzeln betrachtet, verzeichnen nur Streaming-Portale wie Netflix und Amazon Prime einen Anstieg in der Reichweite (plus 11%). Dies ist vor allem auf die Nutzer in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen zurückzuführen. Für diese ist das Streamen von Filmen und Serien zum festen Bestandteil des Alltags geworden: 88% nutzen Video on Demand-Dienste mindestens einmal pro Woche.

Die Zahlen zur mobilen Nutzung des Internets sind leicht stagniert. Während es zwischen den Jahren 2015 und 2016 noch eine deutliche Steigerung von 10% gab, sind die Nutzerzahlen im letzten Jahr nur um 2% angestiegen. Der Anstieg ist zudem vor allem auf die Erschließung der mobilen Nutzung für ältere Nutzer zurückzuführen. In der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen stieg die Reichweite um 5%.

Facebook, Instagram, Twitter: keine Reichweitensteigerung

In der Kategorie der sozialen Netzwerke, zu der die Studie auch den Messengerdienst WhatsApp zählt, kann vor allem Letzterer eine Steigerung der Reichweite um 6% gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. So nutzen 55% der Befragten täglich WhatsApp und 64% nutzen es wenigstens einmal pro Woche. Demgegenüber stehen die Nutzerzahlen von Facebook, Instagram, Twitter und Snapchat. Diese verzeichnen allesamt eine Sättigung in der Reichweit und haben zum Teil sogar Reichweitenverluste (Facebook: 2% weniger als im Vorjahr). Bei genauerem Betrachten der einzelnen Altersgruppen wird jedoch deutlich, welche Plattformen besonders für junge Nutze (14 bis 19 Jahre) relevant sind: Instagram nutzen 51% der Teenager mindestens einmal wöchentlich, Snapchat liegt bei 43%. Die visuelle Suchmaschine und Inspirationsquelle Pinterest scheint für ARD und ZDF noch kein relevantes Netzwerk zu sein – sollte aber zeitnah in den Fragenkatalog aufgenommen werden.

Die ARD/ZDF-Onlinestudie hält zudem fest, dass Fernseher und Radio als Medien gegenüber dem Internet noch immer Spitzenreiter sind. Aber auch hier sind bereits Trends abzusehen, da 81% der 14- bis 29-Jährigen ihr Smartphone häufiger nutzen als die traditionellen Medien.

Geraetenutzung_2017

Gerätenutzung 2017 (Quelle: ard-werbung.de)

Fazit:

Mit der methodischen Weiterentwicklung der ARD/ZDF-Onlinestudie kann die Internetnutzung in Deutschland nun adäquater erhoben werden, was zur Validität der Studie beiträgt. Auch die neue Unterteilung in die drei verschiedenen Nutzungsarten ist eine angemessene Reaktion auf die Entwicklung der Netzstruktur. Dass die jungen Altersgruppen ihre Zeit im Internet vor allem für die Rezeption medialer Inhalte verwendet, bestätigen auch die gestiegenen Reichweitenzahlen von Streaming-Diensten. Die Entwicklung der sozialen Netzwerke hingegen stagniert. Für die nächste Studie wäre der Einbezug von Pinterest als relevantem Netzwerk wünschenswert.

Sarah ist seit Oktober 2017 als Trainee Teil des Projecter Teams. Sie übernimmt die Betreuung von Kunden in den Bereichen Social Media Marketing und Suchmaschinenmarketing


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  1. Hallo Sarah,
    Ich finde den Beitrag überaus interessant und bedanke mich recht herzlich für die Zusammenfassung der Online Studie.
    Ist doch recht interessant zu wissen, wie die Internetnutzung in Deutschland aussieht, u.a. wie Social-Media Plattformen generell dabei abschneiden.