„Superapps“, Social Commerce und ein geklauter KitKat-Laster 🍫 | Projecter Weekly #13 2026
OpenAI fühlt sich wohl ordentlich durch den Erfolg seiner Konkurrenz unter Druck gesetzt und beerdigt „Sora“ für neue, umsatzorientierte Pläne. Währenddessen wurde Anthropics „Mythos“ geleaked.
Diese Woche erfahrt ihr außerdem …
💻 welchen Einfluss der Iran-Konflikt auf die Tech-Branche nimmt,
👩⚖️ wozu Meta und Google verurteilt wurden,
📱 wie Metas neue Affiliate-Strategie aussieht.
PS: Wir wünschen euch schöne Osterfeiertage! 🌷
Entwicklungen & Trends
Iran droht Tech-Konzernen
Die iranischen Revolutionsgarden haben laut Medienberichten im Kontext der aktuellen militärischen Eskalation im Nahen Osten mit den USA Angriffe auf Niederlassungen von US-Tech-Unternehmen wie Apple, Google und Meta angedroht. Insgesamt sollen rund 18 Konzerne betroffen sein, denen vorgeworfen wird, militärische Operationen der USA zu unterstützen. Mitarbeiter*innen wurden in diesem Zuge aufgefordert, Standorte in einem Umkreis von einem Kilometer zu verlassen.
Für die Digitalbranche und Unternehmen allgemein zeigt sich damit erneut, wie stark geopolitische Konflikte auf die Tech-Industrie durchschlagen. Tech-Konzerne geraten zunehmend zwischen die Fronten und werden selbst zu strategischen Zielen, vor allem aufgrund ihrer KI-Modelle. Laut Handelsblatt erwarten außerdem bereits rund 90 % der deutschen Industrie negative Auswirkungen durch den Iran-Konflikt – etwa durch unsichere Lieferketten und steigende Kosten.
KI News
Vom Video-Hype zur Superapp? OpenAI sortiert sich neu
OpenAI zieht bei Sora den Stecker: Die Video-App und weitere darauf basierende Produkte werden eingestellt. Hauptgrund sind laut Berichten die enormen Rechenkosten – gleichzeitig will sich das Unternehmen stärker auf Bereiche konzentrieren, die klar monetarisierbar sind. Dazu zählen vor allem Enterprise-Produkte und Coding. Auch der erst kürzlich angekündigte Deal mit Disney ist damit Geschichte (wir berichteten).
Hinter der Entscheidung steckt ein größerer Strategiewechsel: OpenAI bündelt Ressourcen gezielt in profitablere Felder und stellt experimentelle Produkte, wie auch den noch groß angekündigen „Spicy Mode“, zurück. Parallel arbeitet der Anbieter – nicht zuletzt aufgrund der großen Konkurrenz durch Anthropic & Co. – am nächsten großen Schritt: der Transformation von ChatGPT zur zentralen Plattform. Es ist von einer „Superapp“ die Rede, die verschiedene Anwendungen vereinen soll. Ziel ist es, ChatGPT zu einem täglichen Begleiter für User und Unternehmen zu machen.
Finanziell wird dafür massiv aufgerüstet: OpenAI hat laut F.A.Z. Digitalwirtschaft mit 122 Milliarden Dollar eine der größten Finanzierungsrunden im Silicon Valley abgeschlossen und wird jetzt mit 852 Milliarden Dollar bewertet. Große Investoren sind z. B. Amazon, Nvidia und Softbank. Gleichzeitig wird das Werbegeschäft in ChatGPT ausgebaut, das in der Testphase mit 600 Werbekunden in den USA bereits eine jährliche Umsatzrate von über 100 Millionen US-Dollar erreicht haben soll. Die Richtung ist klar: OpenAI will weg von einzelnen Tools, hin zu einer Plattform, die alles kann und vor allem Umsatz bringt.

Ein Auf und Ab bei Anthropic
Ein neues KI-Modell namens „Mythos“ von Anthropic ist durch ein Datenleck öffentlich geworden – und gilt laut Berichten als extrem leistungsstark. Es soll bestehende Systeme wie Opus deutlich übertreffen, insbesondere in Coding, Reasoning und Cybersecurity. Gerade letzteres wird als kritisch bewertet, da das Modell hier „weit vor anderen“ liegen und potenziell missbraucht werden könnte. Anthropic bestätigte den Leak und sprach von einem Fehler. Aktuell wird das Modell nur mit ausgewählten Partnern getestet.
Parallel dazu hat Anthropic einen juristischen Erfolg erzielt: Ein US-Bundesgericht hat vorläufig die Einstufung des Unternehmens als „Risiko für die Lieferkette“ durch das Verteidigungsministerium gestoppt. Die Richterin sieht Hinweise darauf, dass die Maßnahme eine Reaktion auf Kritik an militärischer KI-Nutzung war (wir berichteten) und damit gegen die Meinungsfreiheit verstößt. Die Anordnung wurde damit vorerst außer Kraft gesetzt. Die Regierung hat nun eine kurze Frist, um gegen die Entscheidung vorzugehen. Der Fall könnte richtungsweisend für den Umgang von Staaten mit KI-Unternehmen werden.
Weitere KI News im Ticker
🚫 Eine News von ganz besonderer Aktualität – die EU verbietet Deepfake-Pornos: Das EU-Parlament hat beschlossen, KI-Anwendungen zur Erstellung nicht einvernehmlicher pornografischer Deepfakes zu untersagen, um den Missbrauch und entsprechende Plattformangebote einzudämmen. Hoffentlich werden Opfer damit zukünftig besser geschützt und Täter*innen härter bestraft.
👓 EU bremst Meta-Brille aus: Zentrale KI-Funktionen der Brille sind in Europa aktuell nur eingeschränkt verfügbar (wir berichteten); neue EU-Vorgaben zu Datenschutz und Hardware bremsen zudem die Einführung weiterer Modelle.
🤖 Bluesky setzt auf KI-Feeds: Mit „Attie“ startet Bluesky eine neue KI-App (basierend auf Claude), mit der Nutzer*innen eigene Feed-Algorithmen per Texteingabe erstellen können – perspektivisch sogar ganze Social-Apps per „Vibe Coding“.
Affiliate Marketing
Von Content zu Conversion: Metas neue Affiliate-Strategie für Creator*innen
Meta greift im Bereich Social Commerce an und orientiert sich mit massiv erweiterten Affiliate-Tools für Instagram und Facebook an der Konkurrenz vom TikTok Shop. Creator*innen erhalten künftig die Möglichkeit, Produkte von ausgewählten Partnerunternehmen direkt in ihren Reels, Stories und Posts zu verlinken.
Das neu vorgestellte Affiliate-Partnership-Programm startet zunächst mit großen Marktplätzen wie Amazon in den USA und Shopee im asiatischen Raum. Weitere Anbindungen an Plattformen wie eBay und Temu sollen demnächst folgen. Nutzer*innen gelangen durch einen Klick auf die markierten Produkte direkt zum Checkout der jeweiligen Shops, während die Creator*innen im Gegenzug klassische Affiliate-Provisionen kassieren. Zusätzlich testet Meta eine Tagging-Option, mit der bis zu 30 spezifische Artikel aus verknüpften Brand-Katalogen direkt in einem Reel markiert werden können. Diese Tagging-Funktion soll in insgesamt 22 Märkten ausgerollt werden, wozu auch Deutschland gehört.
Ein genauer Starttermin für die deutschen Nutzer*innen wurde noch nicht offiziell bestätigt, allerdings wird ein Launch im Laufe des Jahres 2026 erwartet.
„Für die Affiliate-Branche bedeutet diese Entwicklung eine spürbare Verschiebung der Touchpoints. Wenn der Übergang von der Produktentdeckung im Video-Content bis hin zum Kaufabschluss immer nahtloser wird, entstehen neue, provisionsbasierte Vertriebswege abseits der klassischen Netzwerke. Marken können ihre Produktkataloge so direkt an die Reichweite von Creator*innen koppeln.
Für euch heißt das, dass bestehende E-Commerce-Strategien künftig stärker auf Video-Content-Partnerschaften und Social-Commerce-Integrationen ausgerichtet werden müssen.“

Senior Specialist Affiliate Marketing
Suchmaschinen
Ads in Amazons KI-Chatbot Rufus
Amazon ist in den USA mit Werbung im Rahmen ihres KI-Chatbot Rufus an den Start gegangen und hat seine Sponsored Products Prompts und Sponsored Brands Prompts für die Allgemeinheit verfügbar gemacht. Die Funktionen werden innerhalb existierender Kampagnen freigeschaltet, ein weiteres Setup ist nicht nötig. Die ausgelösten Prompts können entweder innerhalb von Suchergebnis- oder Produktdetailseiten erscheinen. Bei Klick darauf öffnet sich entweder das Rufus-Dialogfenster oder der Prompt wird direkt auf der Seite beantwortet, auf der sich die Nutzer*innen befinden.

Für werbende Unternehmen auf Amazon ist es also jetzt möglich, mehr Platz für ihre Inhalte zu gewinnen und Nutzer*innen dazu zu animieren, mehr Zeit in die Recherche ihrer Produkte zu investieren.
Google schreibt eure Titel um: KI-Experiment mit Folgen
Google geht über das bloße Kürzen von Meta-Titles hinaus und experimentiert derzeit mit einer dynamischen Anpassung von Titles in den Suchergebnissen. Laut Berichten von The Verge nutzt Google dabei generative KI, um Titel umzuformulieren. The Verge nennt hier sogar Beispiele, bei denen die ursprüngliche Bedeutung der Inhalte verloren geht.
„Das bedeutet einen potenziellen Kontrollverlust darüber, wie eure Marke und Webseite in den Suchergebnissen wahrgenommen werden. Wenn der Kontext eines Artikels durch die Automatisierung ignoriert wird, kann dies die Erwartungshaltung der Suchenden verfälschen und die gestalterische Freiheit der Urheber*innen einschränken.
Die Folgen dieser automatisierten Eingriffe können vielfältig sein – von schwankenden Klickraten bis hin zu Missverständnissen bei eurer Zielgruppe, wenn ein Titel nicht mehr exakt zum Inhalt der Seite passt. Es empfiehlt sich daher, die Darstellung eurer wichtigsten Seiten in der Suche aktuell genauer im Auge zu behalten, um auf ungewollte Textänderungen durch Google reagieren zu können.“

Specialist Content & Konzepterin
Social Media
US-Jury verurteilt Meta und Google in historischem Prozess
Ein Gericht in Los Angeles hat die beiden Konzerne Meta und Google für die psychischen Schäden einer jungen Nutzerin haftbar gemacht: Die Algorithmen seien kein bloßer Service, sondern eine gezielt konstruierte Suchtfalle.Viele Nutzer*innen der Plattformen spüren das seit Jahren, jedoch wurde es nun erstmals juristisch festgestellt.
Das Urteil? Insgesamt 6 Millionen Dollar müssen die Konzerne zahlen. Davon gehen 3 Millionen Dollar als Schmerzensgeld an die Klägerin und die anderen 3 Millionen sind Bußgeld. Meta muss davon den Löwenanteil von 70 % tragen. Die Jury gab der Klägerin recht: Instagram und YouTube, die Plattformen, die sie schon seit Kindheitstagen nutzte, haben bei ihr Depressionen und Angstzustände verursacht. Als Grund dafür gelten Funktionen wie Infinite Scroll oder Autoplay. Erstmals war also nicht der Content die Angriffsfläche, sondern das Produktdesign der Plattformen selbst. Das US-Recht schützt mit Section 230 nämlich Plattformen davor, für die Inhalte ihrer Nutzer*innen haftbar gemacht zu werden.
Erste Stimmen gehen von einem ähnlich großen Durchbruch wie bei den Tabak-Prozessen in den 90er Jahren aus. Damals wurde von den involvierten Konzernen die Suchtwirkung von Nikotin geleugnet. YouTube brachte zunächst noch das Argument, dass es keine Social-Media-Plattform sei, jedoch ohne Erfolg. Wenig überraschend, dass die Konzerne nun in Berufung gehen. Spannend hingegen ist, dass es inzwischen über 2000 weitere anhängige Klagen gibt, die eine größere Lawine lostreten könnten.
Fast zeitgleich wurde Meta in einem weiteren Prozess in New Mexico zu einer Rekordsumme von 375 Millionen Dollar verurteilt. Während es im kalifornischen Prozess primär um die manipulative Suchtwirkung der Algorithmen ging, lag der Fokus in New Mexico auf einem anderen düstereren Kapitel: dem Versagen beim Schutz vor sexueller Belästigung und „Grooming“. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Konzern trotz interner Warnungen systematisch weggeschaut hat, als Minderjährige auf Instagram ins Visier von Pädophilen gerieten. Die juristische Schlinge zieht sich an mehreren Fronten für Social-Plattformen also gleichzeitig zu.
Weitere kurze Social Media News im Überblick
📱 Social Media ist die News-Quelle Nr. 1: Laut einer Studie von Sprout Social nennen 49 % der Befragten Social Media als nützlichsten Kanal, um Breaking News zu entdecken.
👀 Anonymes Story-Viewing per Abo? Meta testet aktuell eine kostenpflichtige Instagram-Version für rund ein bis zwei US-Dollar mit Pro-Features – verfügbar derzeit u. a. in Mexiko, Japan und den Philippinen.
📊 Reddit macht seine Pro-Tools für Publisher kostenlos: inklusive RSS-Import, KI-gestützten Community-Empfehlungen und erweiterten Analytics.
Meme der Woche
Habt ihr nach dieser Woche auch Lust auf KitKat? Der Diebstahl von über 400.000 Riegeln in einem LKW ist zum viralen Meme geworden – und zahlreiche Brands sind aufgesprungen. Jede Menge kostenlose Aufmerksamkeit also für KitKat selbst.






