Affiliate-Geschäftsmodelle

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Wenn ein Online-Shop als Merchant im Affiliate Marketing auftritt, gibt es eine Vielzahl an Affiliate Geschäftsmodellen mit denen eine Zusammenarbeit möglich ist. Auf der anderen Seite stehen den Affiliates damit zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, mit welchen Aktivitäten die Produkte beworben und damit Einnahmen erzielt werden können.

Da es keine einheitliche Kategorisierung gibt, basieren die Einordnungen der Affiliates in diesem Artikel auf unseren eigenen Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Affiliates.

Preisvergleiche

Preisvergleiche erstellen einen Produktüberblick durch die Integration verschiedener Onlineshops auf ihrer Webseite. Diese Produkte werden anhand bestimmter Merkmale miteinander verglichen. Meist steht dann der Anbieter des Produktes mit dem günstigsten Preis in der Liste der Onlineshops oben und nimmt so eine prominente Stellung ein.

Es gibt globale, branchenübergreifende Preisvergleiche, wie idealo.de oder guenstiger.de, die Produkte der verschiedensten Kategorien auf ihrer Seite zusammenfassen. Außerdem gibt es vertikal aufgebaute Preisvergleiche, die die Anbieter einer bestimmten Branche oder einer bestimmten Produktkategorie vergleichen (z.B. http://www.kontaktlinsen-preisvergleich.de/).

Möchte man als Affiliate einen Preisvergleich aufbauen, sollte bei der Wahl der Onlineshops darauf geachtet werden, dass im Partnerprogramm gut aufbereitete Produktdaten in Form eines Produktfeeds zur Verfügung gestellt werden. Als Advertiser hat man demnach bessere Chancen mit Preisvergleichen zusammenzuarbeiten, wenn ein qualitativ hochwertiger Produktfeed vorhanden ist.

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SEM und Google Produktsuche

SEM Affiliates schalten Anzeigen in Suchmaschinen (z.B. Google oder Bing). Je nach Suchmaschinenrichtlinien des Partnerprogrammbetreibers wird der zu bewerbende Online Shop entweder direkt verlinkt oder der Traffic wird auf eine vom Affiliate erstellte Landingpage gelenkt. Der Affiliate verdient dann Geld, wenn er möglichst gut konvertierenden Traffic über die Suchmaschinen gewinnt, so dass die Ausgaben für SEM Maßnahmen geringer sind, als die Einnahmen über die Provisionen, die sie vom Onlineshop erhalten.

Für Partnerprogrammbetreiber macht die Zusammenarbeit mit SEM-Affiliates dann Sinn, wenn sie selber gar kein, bis wenig SEM betreiben. Dann können Affiliates noch günstige Longtail -Nischen finden, die der Advertiser noch nicht selbst abdeckt. Wichtig ist in jedem Fall die Definition von konkreten Richtlinien für SEM-Publisher. Die Einbuchung der Marke des Onlineshops als Keyword wird in den meisten Fällen ausgeschlossen. Wenn ein Nutzer nach einer bestimmten Marke sucht, möchte er sowieso in diesem Online-Shop kaufen und es bedarf keiner Vermittlung durch einen Affiliate, die zusätzliches Geld kosten würde.

Einige Affiliates bewerben mit Hilfe von Produktfeeds den Merchant in der Google Produktsuche.  Zwar sind hier Werbetreibende ohne eigene Produkte (Affiliates) nicht erwünscht, allerdings fehlen die entsprechenden Kontrollmechanismen. Bis vor kurzem war die Bewerbung noch kostenfrei. Mittlerweile wird bei der Google Produktsuche wie auch bei der Anzeigenschaltung pro Klick abgerechnet.

Gutschein- und Dealseiten

Gutschein Affiliates stellen Rabattaktionen und Gutscheincodes eines Merchants für Ihre Leser zusammen. Dadurch sollen Leser motiviert werden, beim beworbenen Onlineshop zu kaufen. Für Merchants sind besonders reichweitenstarke Gutscheinseiten/Dealseiten mit eigener Community interessant. Hier wird die Werbeleistung nicht über die eigentliche Webseite erbracht. Die Leser werden auch über Facebook und Newsletter oder Apps über neuste Gutscheine informiert.

Der Übergang zwischen Gutschein- und Dealseiten ist fließend. Dealseiten sind stärker auf Schnäppchen ausgerichtet und liefern den Nutzern besonders gute Preise, z.T. mit Gutschein.

E-Mail-Affiliates / Paidmailer

Dieses Affiliatemodell basiert nicht auf einer eigenen Webseite, sondern auf Listen von bestätigten Newsletter-Abonnenten. Diese werden angeschrieben und auf bestimmte Produkte des Merchants hingewiesen. Sind die Produkte/der Shop interessant und kauft der Abonnent, wird der Sale entsprechend provisioniert.

Anders ist das bei Paid-Mailern. Hier werden die Leser aufgefordert zu klicken und für Ihren Klick entsprechend durch den Affiliate mit z.B. einigen Cent belohnt. Die Qualität der Klicks ist entsprechend unrelevant/schlecht. Einige der Empfänger bestellen dennoch. So finanziert sich der Paid-Mailer.

Cashback

Cashbackseiten werden auch als Bonussysteme bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Commuityseite auf der Angebote von Advertisern gesammelt werden. Kauft ein Leser bei dem vorgestellten Online-Shop, bekommt die Community eine entsprechende Provision und reicht einen (Bruch)Teil davon in Form von Punkten an den Käufer weiter. Die Bonuspunkte können dann innerhalb der Community in Gutscheine/Barauszahlungen eingelöst werden.

Virtual Currency

Virtual Curreny bezeichnet sogenannte „virtuelle Währungen“, die bei Facebook-Applikationen und Onlinespielen verwendet werden. Affiliates in diesem Bereich sind mit Bonussystemen vergleichbar. Anstatt einer Auszahlung von Bargeld/Gutscheinen, erhalten Endkunden Bonuspunkte oder Geld in der virtuellen Währung von Software- oder Spielefirmen als Belohnung für den Online-Einkauf. Der Affiliate zahlt diese virtuelle Währung mit der vom Merchant erhaltenen Provision. Darüber sollen besonders Neukunden angesprochen und die Markenbekanntheit bei einer bestimmten Zielgruppe gesteigert werden. Die Nutzer von Online-/Facebookspielen sind dabei hauptsächlich in der Altersgruppe von zwischen 18 und 35 zu finden. Je nach Zielgruppe des Merchants, kann dieses Affiliate Geschäftsmodell interessant werden.

Content Affiliates

Content Webseiten beschäftigen sich mit einem bestimmten Themengebiet bzw. einer ausgewählten Nische des Themas. Neben professionellen Affiliateseiten, zählen auch private Blogs oder Foren zu bestimmten Themen zur Kategorie. Auf den Blogs/Webseiten werden spezifische Inhalte vermittelt und Tipps gegeben. Entsprechend zielgerichtet ist auch der Traffic, den diese Seiten liefern.

Werbenetzwerke

Banner-Communities treten als Vermarkter für Themen-Websites auf. Sie buchen auf den Themenseiten Bannerplätze und geben einen Anteil der CPO Vergütung an die Webseitenbetreiber weiter. Diese müssen sich dadurch nicht selbst in Affiliate Netzwerken anmelden und haben dennoch eine Möglichkeit zur Monetarisierung ihrer Webseite.

Außerdem gibt es Werbenetzwerke, die die Inhalte der Themen-Websites scannen und automatisch themenrelevante Textlinks zu Merchants setzen.

Layer/Pop-Ups

Pop-Ups sind sich beim surfen parallel öffnende Browserfenster, die Werbung enthalten. Sie können auch im Hintergrund geöffnet werden (Pop-Under). Da viele Nutzer Adblocker verwenden, geht der Trend zu Layern, die sich im aktuellen Browserfenster über den Inhalt legen. Schließt der Nutzer den Layer, wird schon bei diesem Klick der Cookie gesetzt und ein neues Fenster wird (z.B. im Hintergrund) geöffnet. Die Qualität des Traffics ist demnach zwar hoch, aber entsprechend schlecht bzw. unrelevant. Außerdem werden die Layer als störend empfunden, was sich negativ auf die Marke auswirken kann. Wird ein Cookie gesetzt, sobald sich ein unerwünschtes Fenster öffnet, spricht man von Cookie Dropping.

Social Media Affiliates

Zur Unterstützung der eigenen Affiliate Plattform arbeiten einige Affiliates mit Social Media Kanälen. So können über Fanseiten (z.B. mydealz) oder Gruppen Angebote zusätzlich zur eigenen Website geteilt werden. Die Produkte des Merchants werden entweder direkt verlinkt oder indirekt, indem über Social Media Links zum eigenen Affiliate Projekt gesetzt werden.

Ähnlich wie bei der Anzeigenschaltung über Google Adwords ist auch eine Anzeigenschaltung über Facebook möglich. Diese kann dazu genutzt werden, Fans für die Facebookseite zu gewinnen oder um direkt externe Angebote zu verlinken.

Post View

Im Affiliate Marketing wird eine Conversion in der Regel dann vergütet, wenn der Käufer zuvor auf einen Link des Affiliates geklickt hat – also Post Click.

Beim Post View werden ausgewählte Affiliates mit reichweitenstarken Werbeflächen auch dann vergütet, wenn ein Käufer das Werbemittel nur gesehen hat und dann kauft. Dadurch können Merchants Reichweite erzielen, die auch zum Branding sinnvoll ist. Auf der anderen Seite werden dadurch viele Sales auf CPO-Basis vergütet, die auch so zu Stande gekommen wären.

Retargeting

Retargeting Affiliates buchen Werbeflächen auf einem großen Portfolio an Webseiten und zeigen Besuchern dort individuelle Werbemittel von Shops, die zuvor besucht wurden. Diese Banner basieren auf getrackten Daten zur Webseitennutzung des Besuchers. Die Bewerbung erfolgt so gezielt wie möglich, was die Conversionrate erhöhen kann. Auf der anderen Seite kann Retargeting von Nutzern auch negativ aufgefasst werden, wenn sie sich zu oft im Web „verfolgt“ fühlen. Eine beschränkte Anzahl an Impressionen des Retargeting Werbemittels pro Nutzer kann daher sinnvoll sein.

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E-Mail Retargeting

E-Mail Retargeting ist eine Sonderform des Retargetings. Affiliates in diesem Bereich sind darauf spezialisiert, Kaufabbrecher in den Kaufprozess zurückzuholen. Eine Vielzahl der Onlineeinkäufe, bei denen bereits Produkte im Warenkorb lagen, wird abgebrochen. Diese Käufer werden mit individuellen Mails (mit Darstellung des Warenkorbes) einmalig nach dem Kauf angeschrieben. In der Mail befindet sich ein Link zurück zum Shop. Wenn der Nutzer dadurch zurück zum Shop kommt und kauft, erhält der Affiliate die entsprechende Provision. Die Conversionrate bei diesem Modell ist sehr gut. Diese Affiliates haben vom Shop mehr Informationen als andere Affiliates und damit bessere Chancen Sales zu generieren. Demgegenüber steht der hohe technische Aufwand, den die Affiliates zu leisten haben.

Empfehlungsmarketing

Affiliates stellen den Merchants in diesem Geschäftsmodell die technische Lösung zur Freundschaftswerbung auf verschiedenen Kanälen zur Verfügung. Die Abwicklung der Prämien für geworbene Freunde übernehmen die Publisher. Für den technischen/administrativen Aufwand werden Sie mit der Provision  vergütet.

Browser Toolbars

Dabei handelt es sich um Browsererweitertungen, die der Affiliate seinen Nutzern zum Download anbietet. Wenn der Nutzer auf einer Shopseite ist, bekommt er einen Hinweis, wenn die Toolbar einen Gutschein zur Verfügung stellen kann. Neben Gutscheinen können Toolbars auch als Preisvergleich eingesetzt werden. Das entsprechende Plugin, schlägt dann andere Shops vor, die das Produkt anbieten und preiswerter sind. Bei Nutzeraktion (Klick auf Gutschein, günstigeren Preis) wird der entsprechende Cookie gesetzt.

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten bei der Arbeit im Affiliate Kanal. Sowohl für die Affiliates, als auch für die Merchants. Unsere Kategorisierung dient nur zur ungefähren Einordnung der verschiedenen Geschäftsmodelle. Viele Affiliates verbinden auch mehrere Modelle, um nachhaltiger zu arbeiten.

Eine schöne Übersicht über die Relevanz der verschiedenen Affiliate Geschäftsmodelle gibt es in Anlehnung an eine Studie des Affiliate Netzwerkes CJ bei Affiliate Boy.

Mit welchem Geschäftsmodell habt ihr als Affiliate/Merchant gute Erfahrungen gemacht? Was hat euch nicht zugesagt?

Luisa betreut als Account Managerin Kunden im Affiliate Marketing und bei der Suchmaschinenoptimierung. Sie freut sich auf neue Meinungen und einen regen Austausch.

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  1. Schöne Zusammenstellung. Könnt ihr noch Pretargeting mit aufnehmen? 🙂

    • Hallo Tibor,

      danke für den Hinweis. Das werden wir gern noch mit aufnehmen. Viele Grüße, Luisa