#1 Verklickt & Zugenäht – Ist Facebook tot?

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Zugegebenermaßen sah es für Facebook schonmal besser aus. Das musste selbst Mark Zuckerberg zuletzt eingestehen, als er vor Investoren die Zukunft von Facebook präsentierte. War es früher der NewsFeed, der die Menschen zu Facebook brachte sind es heute Gruppen und Stories. Die Kommunikation vollzieht sich stetig weg von der öffentlichen Kommunikation weiter in den privaten Raum. Wenn Teile Facebooks denn überhaupt so genannt werden können. Dazu gesellen sich gesättigte Nutzerzahlen, lediglich der asiatische Lebensraum und die in den Quartalsberichten liebevoll als „Rest of World“ bezeichneten Gebiete sorgen derzeit auf Facebook für Wachstum der Nutzer.

Auch anderweitig sind viele Baustellen auf Facebook zu finden: Publisher und Seiten beschweren sich über den fortlaufenden Rückgang der organischen Reichweite, die Presse berichtet verstärkt über negative Auswirkungen von Facebook auf die Gesellschaft und zuletzt reihte sich ein Datenskandal an den nächsten.

„Alles kein Problem, schließlich gehören Instagram und WhatsApp zum Imperium von Facebook dazu“ mögen Einige an dieser Stelle denken. Richtig, doch wir fokussieren uns in dieser Podcast-Episode tatsächlich allein auf Facebook und stellen uns u.a. folgende Fragen:

  • Ist Facebook noch relevant?
  • Was unternimmt Facebook, um auch in Zukunft neue Nutzer zu gewinnen bzw. aktuelle Nutzer zu halten?
  • Sollten neue Unternehmen noch auf Facebook aktiv werden?
  • Ist Facebook als Marketing-Kanal noch lukrativ?

Neben unseren Gedanken haben wir uns Input auf der AllFacebook Marketing Conference von verschiedenen Social Media Marketing Experten eingeholt und sind bereits an dieser Stelle auf einige Kontroversen gestoßen. Im Folgenden finden sich die Antworten der Experten („Ist Facebook tot?“).

Lars Budde | ehemals T3N Angestellter | Freelancer

„Ich glaube man muss da unterscheiden zwischen Facebook dem sozialen Netzwerk und Facebook dem Unternehmen. Das soziale Netzwerk hat tatsächlich Reichweiten-Probleme. Nicht nur in Deutschland, auch in anderen sehr etablierten Regionen. Das Unternehmen hat natürlich durch Instagram und WhatsApp Reichweiten, die tendenziell eher weiter wachsen und sich etablieren. Facebook als Unternehmen hält sich noch sehr wacker. Facebook als Netzwerk wird zumindest in den nächsten zwei bis drei Jahren spannend, inwiefern sich die Preise dort entwickeln, weil der Wettbewerb steigt und die Reichweite sinkt. Vom Tod kann man noch nicht reden, aber zumindest von einer Stagnation.“

Thomas Hutter | CEO | Hutter Consult

„Also im Moment, wenn wir Statistiken und Werbeaktionen betrachten, merken wir davon noch relativ wenig. In meinem privaten Umfeld wird gefühlt sogar wieder etwas mehr gemacht auf Facebook. Ich persönlich merke bei mir, dass so langsam aber sicher gewisse Ermüdungserscheinungen auftreten. Ich überlege mittlerweile sehr genau, was ich auf Facebook teile und was nicht. Aber das Facebook „tot“ ist, würde ich nicht behaupten.“

Tom Thaler | Facebook Advertiser

„Nein! Also die Frage ist leicht zu beantworten. Weder privat noch beruflich. Auch dieses Thema „Jugendliche und junge Menschen sind nicht mehr auf Facebook“ – mag sein, dass das politisch so gesehen oder gewünscht wird. Der Facebook Ad Manager spricht da aber eine andere Sprache. Wir spielen auch an unter 20 jährige Leute gleich viele Ads aus, wie vor einem halben oder vor einem Jahr. Und auch das gesamte Budget, welches bei Facebook ausgegeben wird, ist aus meiner Sicht nicht zurück gegangen – auch nicht nach der DSGVO. Da gab es zugegeben natürlich auch ein wenig Verunsicherung.  Aber am Ende des Tages sind die Budgets nicht zurückgegangen. Ein paar größere Kunden waren dann vor allem im Mai, bevor es dann so richtig losgegangen ist, ein bisschen nervös. Facebook hat ja dann reagiert, meiner Meinung leider eineinhalb Jahre zu spät. Das ganze Thema hätten sie 2017 schon angehen können. Es ist halt so wie es ist, die Mühlen mahlen auch bei Facebook langsam. Ich denke auch, dass sie dieses ganze Thema unterschätzt haben. Sie haben wahrscheinlich versucht, so glaube ich es, das ganze Thema Rund um den europäischen Datenschutz auszusitzen. So wie Facebook schon viele Probleme speziell in Europa ausgesessen hat. Dann kam der „Cambridge Analytica Skandal“ und auf einmal war das Chefsache. Und dann hat Facebook ja auch reagiert. Und die jetzige Lösung ist vielleicht nicht perfekt, aber sie ist praktikabel. Sowohl für Agenturen, als auch für Werbekunden selbst. Also meine Antwort auf die Frage: Facebook ist sicher nicht tot und wird auch in den nächsten Monaten nicht sterben. Ganz im Gegenteil, Facebook hat in den letzten sechs Monaten mehr Features herausgebracht, als wahrscheinlich in den letzten sechs Jahren zuvor.“

Matthias Mehner | CMO | Messenger People (ehemals WhatsBroadcast)

„In der organischen Reichweite – auf jeden Fall! In der Community – auf jeden Fall! Mittelfristig wird Instagram oder WhatsApp Facebook definitiv den Rang ablaufen.“

Carsten Ulbricht | Bartsch Rechtsanwälte

„Facebook, tot? Das sehe ich gar nicht. Wir dürfen als Kanzlei relativ viele Mandanten beraten und merken, das Interesse nimmt weiter zu. Es ist weiterhin ein relevantes Thema. Im Gegenteil – es gibt viele sehr traditionelle Unternehmen, die das Thema erst jetzt für sich entdecken. Insoweit habe ich keine Bedenken, dass es anders weitergeht. Was aus meiner Perspektive extrem spannend ist, dass Facebook natürlich sieht, dass wir hier in Europa mit der DSGVO anders mit Daten umgehen. Wenn Facebook hier Geschäfte machen will, müssen sie sich unseren Vorgaben ein Stück weit unterwerfen. Das ist ein Prozess, der hat nicht immer ganz gut geklappt hat. Seit dem wir die DSGVO haben, sehen wir das Facebook sich bewegt und verstanden hat, dass man datenbasierte Geschäftsmodelle eben nur unter Geltung der DSGVO umsetzen kann. Das ist für mich spannend zu beobachten.“

Steffi Kegel | Director Social Media & Advertising | eprofessional

„Das ist eine spannende Frage! Ja, ich bin natürlich auch nicht Marc Zuckerbergs bessere Hälfte und kann hier die non-plus-ultra Antwort geben. Ich glaube sie haben es tatsächlich schwer. Wir merken beispielsweise an steigenden TKPs, dass es ein Thema sein wird, was uns in Zukunft noch weiter verfolgen wird. Zu Facebook, dem Unternehmen, gehört ja auch Instagram und WhatsApp – das wird jetzt nicht so schnell den Bach runter gehen. Aber Facebook als Plattform, wachsende Nutzerzahlen haben sie zwar nicht, aber tot würde ich dazu jetzt nicht sagen. Es bleibt spannend, ob sich alles auf Instagram und Co. verlagert, oder ob Facebook da irgendwie contenseitig noch die Kurve hinbekommt. Wir werden es sehen!“

Marc Rosenkranz | Head of Social Media | Invia

„Ich denke nicht, dass Facebook tot ist. Für unser Unternehmen besitzt Facebook eine sehr hohe Relevanz. Wir finden unsere Kernzielgruppen auf Facebook. Natürlich stellt sich in letzter Zeit fest, dass sich die Altersstruktur der Plattform immer weiter nach oben bewegt und das Facebook neuen Herausforderungen im Bereich Datenschutz und Datensicherheit gegenübersteht. Unterscheiden muss man dabei natürlich noch zwischen Facebook als Kernmarke und Facebook als Konzern. Als Konzern ist Facebook mit WhatsApp und Instagram noch extrem gut aufgestellt, auch wenn Facebook als soziales Netzwerk an Relevanz verliert. Die anderen Standbeine des Konzerns werden immer wichtiger und auch im Marketing perspektivisch eine deutlich größere Rolle einnehmen.“

Peter Mästel | Head of Social Media | UCS

„“Facebook tot”, das ist natürlich immer eine lustige Geschichte. Wenn wir von Facebook sprechen, sprechen wir immer vom Feed. Was im Feed gerade passiert ist der Content Schock. Es wird immer mehr Content, und deshalb ist natürlich auch der Wettbewerb härter. Am Schluss gehört Instagram, Facebook und WhatsApp zu dem Konzern Facebook. Als Marke bzw. Agentur kann man nicht sagen, dass Facebook tot ist. Die Kanäle verändern sich zu einander. An dieser Stelle müssen sich die Strategien ändern. Am stärksten merkt man es natürlich an den vertikalen Formaten, den Stories, die schon der mit am stärksten genutzte Kanal ist.“

Robert Seeger | Social Media Berater

„Nein, Facebook ist überhaupt nicht tot. All die, die es heute laut zu Grabe tragen, sind die, die morgen dann wieder dabei sind. Facebook wird weiter leben, es ist Teil unseres Lebens geworden – vielleicht mittlerweile eine Spur älter, aber auch die Älteren sind ja nicht sofort tot.“

 

Alle Folgen von „Verklickt & Zugenäht“ findet ihr auf:

Ecki startete im Juni 2016 zunächst als Trainee und ist nunmehr Account Manager bei Projecter. Dabei ist er zuständig für die Bereiche Social Media und SEO. Vor Projecter studierte er an der Hochschule Anhalt Online Kommunikation. Privat ist er noch immer auf der Suche nach dem heiligen Snapchat Gral.

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  1. Facebook tot, würde ich nicht sagen. Ich glaube, dass weniger Menschen Inhalte auf Facebook teilen, deswegen aber nicht weniger Zeit auf Facebook verbringen. Was ich aber glaube, ist, dass die jüngeren Generationen nicht mehr so viel mit Facebook anfangen können und Snapchat oder Instagram vorziehen.

    • Hi Andree, zu dem gleichen Resultat kommen wir ja letztendlich auch in unserer Episode. Nach neuesten Zahlen liegt das Verhältnis von monatlich aktiven Nutzern zu täglich aktiven Nutzern bei stolzen 69% (32 Mio. aktive Nutzer, davon 23 Mio. täglich). Die veröffentlichten Inhalte wandern immer mehr in geschlossenre Räume, weshalb der Eindruck entsteht, dass weniger Inhalte veröffentlicht werden. Faccebooks große Herausforderung besteht an dieser Stelle diese Räume zu monetarisieren. Besonders bei Gruppen wird dieser Punkt interessant.

      • Hi, das sind interessante Zahlen und ein interessantes Nachwort. Besten Dank dafür! Gerade zu (Klein-)Business-Zwecken ist Facebook, denke ich, schon für viele noch sehr attraktiv. Aber die Leute schauen dann vielleicht doch ein bisschen mehr drauf, was sie von sich preisgeben. Deswegen vielleicht auch die Gruppen. Letzte Frage: Die 32 Mio. aktiven Nutzern beziehen sich auf was? Weltweit? Frohes Wochenende!