Recap: SEO Day 2018

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Voller Vorfreude machten wir uns Anfang November auf den Weg nach Köln, um wieder spannenden und neuen Impulsen aus der SEO-Welt zu lauschen. Die altbewährte Location, das Rhein Energie Stadion in Köln, empfing uns bei bestem SEO-Publikum und Wetter. Vor uns lag ein Tag mit einer Auswahl von knapp 40 Fachvorträgen in 3 parallelen Slots.

In unserem Recap berichten wir über unsere Vortrags-Favoriten.

Der SEO DAY 2018 im Rhein Energie Stadion Köln

Der SEO DAY 2018 im Rhein Energie Stadion Köln

Braucht Google deine Website?

Dieser kritischen Frage hat sich nicht ohne Grund Johannes Beus von Sistrix gewidmet. Denn für bestimmte Suchanfragen zu „wetter“, „kinoprogramm“ oder „jobs“ werden mobil kaum noch organische Suchergebnisse ausgespielt. An deren Stelle hält Googles Knowledge Graph meist alle wichtigen Informationen für den Suchenden bereit, ohne dass er dafür noch eine Website besuchen muss. Johannes hält Google dennoch für die aktuell beste Option und wir SEOs müssen uns überlegen, wie wir in den kommenden Jahren mit Google auskommen.

Es führt daher kein Weg mehr an der Beschäftigung mit den Google Quality Rater Guidelines vorbei. Sistrix hat sich die verschiedenen Typen des „Search Intent“ aus den Richtlinien als Grundlage herausgegriffen, um darauf eine Untersuchung der angezeigten Suchergebnisse zu bestimmten Keywords der Typen aufzubauen und Optimierungspotentiale für uns SEOs zu identifizieren.

Johannes Beus von Sistrix erklärt, welche Potentiale wir SEOs aus Suchanfragen mit bestimmter Nutzerintention ziehen können

Johannes Beus von Sistrix erklärt, welche Potentiale wir SEOs aus Suchanfragen mit bestimmter Nutzerintention ziehen können

Die Ergebnisse zusammengefasst:

Beim Typ „Know“ handelt sich um die klassischen informationalen Suchanfragen, die der Nutzer stellt, um Informationen zu einem bestimmten Thema zu finden, und als deren Ergebnis er organische Treffer erhält. Als „Know Simple“ können einfache Suchanfragen klassifiziert werden, die Google meist selbst mithilfe von Featured Snippets oder Google Knowledge Graph bedient. Aus den untersuchten Keywords führten 36,5% zu Knowledge Graph oder Featured Snippets, mit 62,2% ist der Anteil am Traffic recht vielversprechend.

Mit „Do“ sind transaktionale Suchanfragen (z.B. iPhone kaufen) gemeint. In den Suchergebnissen werden in der Regel Anzeigen in allen unterschiedlichen Formen eingeblendet. 27,7% der untersuchten Keywords waren transaktionalen Typs. Der Anteil am Traffic betrug 15,7%.

„Device Action“ ist für SEO nicht relevant, da es sich um die Interaktion mit dem Smartphone handelt. (z.B. „Rufe meine Mutter an.“)

Beim Typ „Website“ handelt es sich um navigationale Suchanfragen. Der Nutzer sucht nach einer spezifischen Website. Als Suchergebnis erscheint ein organischer Treffer, der sich meist auch klar an den dargestellten Sitelinks identifizieren lässt. 8,7% der untersuchten Keywords enthielten Sitelinks im Suchergebnis. Der Anteil am Traffic mit 33,2% ist relativ hoch.

Visit in Person sind klassische lokale Suchanfragen. Als Suchergebnis werden Google Maps-Einträge angezeigt. 15,4% der untersuchten Keywords wiesen Google Maps Einträge auf, mit einem Anteil von 13,8% am Traffic.

Johannes‘ Einschätzung nach haben Suchanfragen zu „Website“ und „Know“ das meiste Potential für organische Suchergebnisse. Seine Empfehlungen für die nächste Zeit:

  • Werdet eine Marke, um bei Suchanfragen des Typs „Website“ angezeigt zu werden. Johannes schätzt das als Königsweg für die nächsten Jahre ein.
  • Geht in die Tiefe, um die informationalen Suchanfragen zu bedienen. Dafür sollten detaillierte und in die Tiefe gehende Inhalte geschrieben werden (auch erklärungsbedürftige Themen), die Google nicht bereits via Featured Snippet oder Knowledge Graph anzeigen kann.

Mobile Pagespeed Optimierung abseits von AMP

Es ist kein Geheimnis mehr, dass Pagespeed eine der wichtigsten Stellschrauben im SEO ist. Spätestens nach der Umstellung auf den Mobile First Index dürfte auch jedem klar sein, dass die mobilen Websiten möglichst schnelle Ladezeiten aufweisen sollten.

Gerade an mobilen Endgeräten ist der Nutzer ungeduldig und will schnelle Ergebnisse. Matthäus Michalik berichtete in seinem Vortrag auf dem SEO Day 2018 über die wichtigsten Aspekte der mobilen Ladezeitoptimierung und holte mit eindeutigen Zahlen auch den letzten Zweifler ab.

53% aller mobilen Nutzer brechen nach mehr als 3 Sekunden Ladezeit den Ladevorgang einer Website ab. Die durchschnittliche Ladezeit von mobilen Seiten beträgt 15 Sekunden.

Bei großen Seiten mit einer verlängerten Ladezeit ist es besonders wichtig, dass die sichtbaren Inhalte zuerst geladen werden. So hat der Nutzer schon früher das Gefühl, auf einer nutzbaren Seite zu sein. Bei der Performanceoptimierung der Website sollte der Nutzer im Mittelpunkt stehen. Hierbei hilft das RAIL Modell, wichtige Punkte zu identifizieren. Ziel soll es sein, die Websiteperformance für die Gegebenheiten des Users (Device, Netzstärke) zu optimieren.

Zur RAIL Messung sind folgende Tools geeignet: Chrome DevTools, Webpagetest.org und Lighthouse. Weitere wichtige Tools und Hilfestellungen bieten Pagespeed Insights und Test My Site von Google.

Hier ein paar wichtige Tipps für schnellere mobile Seiten:

  • Bilder optimieren
  • CSS reduzieren
  • HTML minifizieren
  • JavaScript reduzieren
  • Weiterleitungen vermeiden
  • Browser Caching nutzen
  • Komprimierung nutzen (GZIP)
  • Above the fold priorisieren

Erfolgsfaktor User Psychologie

Eine besonders interessante Perspektive verschaffte uns Fionn Kientzler mit seinem Einblick in die Psychologie des Users und ein paar Anregungen zur Verbesserung der User Experience. Eines seiner angebrachten Beispiele stellte die Frage voran, warum eigentlich ao.de für den Suchbegriff „Waschmaschine“ besser rankt als otto.de.

Obwohl Otto seine SEO Hausaufgaben schon ganz gut erfüllt hat, schafft es der Newcomer ao.de dem alten Hasen den Rang abzulaufen. Laut Kientzler könnte dies an der UX der jeweiligen Seiten liegen. Dafür nannte er folgende Beispiele:

  1. Weißraum – Bei otto.de gibt es 41% Weißraum, bei ao.de liegt der Anteil höher und zwar bei 69%.
  2. Filter Usability – Ist bei ao.de visuell ansprechender gestaltet und erschlägt den Nutzer nicht so sehr wie bei Otto.
  3. Ratgeberelemente – Bei ao.de gibt es einen übersichtlicheren Content Hub. Bei otto.de hingegen ist der Ratgeberbereich unübersichtlicher und entspricht eher einer SEO-Textwüste.
  4. Darstellung der Produkte – Bei otto.de ist die Darstellung uninteressant und verwechselbar.
  5. Testimonials – ao.de setzt Testimonials ein, um das Vertrauen der Nutzer zu stärken.

Zusätzlich rät Kientzler dazu, bei der Content Creation auf folgende Aspekte zu achten, um den Nutzer optimal anzusprechen und abzuholen.

  • Sinne für optische und akustische Reize stimulieren
  • Vermitteln, dass man Teil einer erfolgreichen Gruppe ist (soziale Interaktion)
  • Behalte etwas von dem, was du verdient oder kreiert hast (Verlustaversion)

Google Q/A

Googles Sprachrohr John Müller konnte leider nicht persönlich beim SEO Day anwesend sein, wurde den Teilnehmern aber per Hangout zugeschaltet. Bevor er sich den zuvor eingereichten Fragen widmete, berichtete John über Googles aktuelle Themen und gab einige Tipps.

John Müller gibt Tipps zu aktuellen SEO-Themen und beantwortet Fragen per Hangout

John Müller gibt Tipps zu aktuellen SEO-Themen und beantwortet Fragen per Hangout

Mobile First Index

Bekannte Probleme wie fehlende Texte, Bilder ohne Alt-Texte, fehlende strukturierte Daten oder Interstitials können zu Problemen bei der Indexierung führen.

Canonicals & Duplicate Content

Der Einsatz von Canonicals ist sinnvoll, wenn dadurch weniger URLs ein stärkeres Signal im Google Index abgeben können. Duplicate Content ist nicht immer kritisch für Google, wenn es mit dem Crawl-Budget vereinbar ist.

JavaScript & Chrome 41

JavaScript wird immer wichtiger, da es vermehrt zum Einsatz kommt. SEOs kommen daher nicht drum herum, sich in diese Thematik einzuarbeiten. Aktuell findet das Rendering seitens Google immer noch mit dem Chrome 41 statt. Eventuell wird es Anfang des kommenden Jahres (endlich) ein Update geben und es ist Googles Ziel, immer mit der aktuellen Chrome-Version arbeiten zu können, deren Features so bleiben sollen. Zudem soll es so sein, dass noch mehr Inhalte indexiert werden können als jetzt. Vom Scrolling her wird weiterhin nicht die Seite hinuntergescrollt, sondern mit großem Viewport gearbeitet.

Google gab vor kurzem auch neue Richtlinien zum Thema Lazy Loading heraus. Der Einsatz von JavaScript benötigt eine starke Zusammenarbeit zwischen SEO und Entwickler, denn dieser braucht umfangreichere SEO-Erklärungen.  Der Zusammenhang zwischen Crawl-Budget und JavaScript spielt eine immer stärkere Rolle. Eine hilfreiche Unterstützung ist der Einsatz von Pre-Rendering und schnellen Servern/Seiten.

Pagespeed

Bei der Seitenladezeit sollte der Unterschied zwischen Browser Speed & Crawling Speed beachtet werden.

Strukturierte Daten

Beim Thema strukturierte Daten ist sauberes HTML wichtig. Neue Markup-Möglichkeiten kommen regelmäßig hinzu. Daher ist es wichtig zu wissen, welche Arten für die eigene Website relevant sind, wie man in den SERPs erscheinen will und was man dafür braucht.

Google Search Console

Neue Funktionen werden Schritt für Schritt in die neue Search Console implementiert. Wahrscheinlich werden einzelne Berichte in der alten Search Console abgeschaltet, nachdem sie in die neue übernommen wurden.

Außerdem empfiehlt John, Bilder & Videos nicht zu vergessen, denn schönere SERPs haben immer mehr Bilder. Der neue Discover Feed kann als Trafficquelle dienen. Überlegenswert ist es auch, zu bedenken, welche Nutzer man gut über die Bildersuche ansprechen kann und wie man ihre Aufmerksamkeit bekommt. Voice Search sollten wir ebenfalls im Auge behalten.

iTunes-Optimierung

Einem Nischenthema haben sich die beiden Podcaster Fabian Jaeckert und Benjamin O’Daniel von „content:performance“ gewidmet.

Sie gaben uns Einblick in ihre Erfahrungen mit dem iTunes-Algorithmus und gaben den Zuhörern ein paar Hacks mit auf den Weg, durch deren Einsatz sie es schaffen können, mit ihrem Podcast bei iTunes ihre Sichtbarkeit zu erhalten.

Das Medium Podcast erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Während Apple schon lange standardmäßig eine Podcast App auf den iOS Geräten integriert hat, will nun auch Google mit einer Podcast App für Android-Geräte nachziehen.

Auch Spotify etabliert sich als Podcast Plattform. Mittlerweile kann dort jeder einen Feed einreichen. Apple hält jedoch noch immer die Mehrheit am Podcastmarkt.

Wie aber schafft man es nun bei iTunes gut zu ranken?

Ihren Erfahrungen nach reagiert der iTunes-Algorithmus sehr sensibel. Die Charts wechseln täglich. Aus den 4 Rankingfaktoren: Downloadzahlen, Rezensionen, Sternchenbewertungen und Abonnenten scheint vor allem der letzte für die Dynamik der Rankings zu sorgen.

Es ist wiederholt zu beobachten, dass besonders Newcomer anfangs gut ranken, da sie durch die Überführung von Followern von zuvor bereits genutzten Plattformen in kurzer Zeit einen hohen Zuwachs an Abonnenten erreichen.

Beispielrechnung, die den Einfluss der Anzahl neuer Abonnenten auf das Ranking verdeutlicht: Höhere Anteil von Neuabonnenten rankt höher

Beispielrechnung, die den Einfluss der Anzahl neuer Abonnenten auf das Ranking verdeutlicht

Wie man nun aber langfristig seine Sichtbarkeit bei iTunes optimieren kann, verraten sie uns mit diesen 5 Hacks:

Hack 1: Community

Bestehende Community pflegen und versuchen, neue Abonnenten zu generieren.

Hack 2: Werbung in Podcasts

Mit klassischem Push Marketing in anderen Podcasts mit der passenden Hörerschaft auf den eigenen Podcast aufmerksam machen.

Hack 3: organische Suche

Die iTunes Suggest Search basiert hauptsächlich auf Brands. Es ist also eine Überlegung wert, ein wichtiges Keyword mit in den Namen einzubauen. Spätestens in den Folgen sollten dann eine ausgearbeitete Keywordstrategie Anwendung finden.

Hack 4: Evergreen Content

Langfristig gesehen ist es erfolgreicher, Content zu produzieren, der kein allzu schnelles Aktualitätsverfallsdatum hat. Der Tipp hier lautet also, besser auf News und Termine zu verzichten und sich lieber einem zentralen Thema zu widmen.

Hack 5: Google SEO

Auf der eigenen Website Shownotes veröffentlichen und Infos zum Inhalt und der Zielgruppe bereitstellen.

Unser Fazit

Insgesamt konnten wir auf dem diesjährigen SEO Day wieder viel Input und neue Impulse für unsere eigene Arbeit sammeln. Vor allem Fachvorträge, die spezielle Case Studies direkt aus der Praxis vorstellten und auf allgemeines Blabla verzichteten, empfanden wir als besonders wertvoll und informativ. Wir sind uns natürlich des hohen organisatorischen Aufwands bewusst, empfanden den Zeitplan allerdings zu straff konzipiert. Denn die nur halbstündigen Vortragsslots wurden meist überzogen, und die nur 10 Minuten Wechsel-Pause führten doch zu etwas Hektik. Bis auf die Möglichkeit der Terminvereinbarung im Vorfeld war zwischendurch kaum Zeit zum Networking oder für den Besuch der Stände. Wir hoffen, dass im kommenden Jahr etwas mehr Entspanntheit in den Tag gebracht wird und wieder viele bereichernde Vorträge mit praktischen Erfahrungen & Tipps mit dabei sein werden.

Bis nächstes Jahr zum SEO DAY 2019: Außenansicht von Eingang

Bis nächstes Jahr zum SEO DAY 2019

Christin ist seit Dezember 2014 bei Projecter und als Account Managerin tätig. Ihre Schwerpunkte liegen in der Suchmaschinenoptimierung und im Affiliate Marketing.

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