Beatrix Dombrowski

Social Media Auslese Juli 2020

Der Juli lieferte coole neue Tools und eine überraschende Kursänderung. Während Mark Zuckerberg es bislang ablehnte, Falschinformationen innerhalb von Donald Trumps Beiträgen zu markieren, wurde bei einem Beitrag nun eine offizielle Informationsquelle verlinkt. Instagram schafft mit Reels in Deutschland und Frankreich eine Alternative zu TikTok. Twitter wurde von einem neuen Hack erschüttert und nimmt die Arbeit gegen Verschwörungstheorien auf der eigenen Plattform auf.

Facebook

Custom Metrics für den Werbeanzeigenmanager

Facebook hat endlich Custom Metrics für den Werbeanzeigenmanager ausgerollt. Die Funktion gab es für die Berichte schon lange, nun kann man Metriken wie CVR, KUR oder durchschnittliche Warenkörbe auch direkt im Manager anlegen und als Spalte im Setup speichern.

Für die Metrik muss ein Name festgelegt werden. Außerdem, ob es sich um einen numerischen Wert, eine Prozentzahl oder einen Betrag in Kombination mit einer Währung handelt. Zum Schreiben der Formel kann entweder ein Feld zur Texteingabe genutzt oder über ein Dropdown-Menü nach Standard-Metriken gesucht werden. Auch die Festlegung von Zugriffsoptionen ist Pflicht. Die Custom Metric kann sowohl für die eigene Person als auch für alle Personen im Business Manager freigegeben werden. Optional stehen noch 350 Zeichen in einer Beschreibung zur Verfügung, um z. B. umfangreiche Formeln zu erklären. Diese wird später auch als Overlay angezeigt, wenn die Custom Metric in der Spaltenübersicht genutzt wird.

Custon Metrics im Facebook Werbeanzeigenmanager
Bildquelle: thomashutter.com

Untersuchung der Algorithmen

Facebook und Instagram haben neue interne Forschungsteams aufgestellt, welche untersuchen sollen, ob die Algorithmen hinter den Netzwerken vorurteilsfrei gegenüber schwarzen, hispanischen und anderen unterrepräsentierten NutzerInnen arbeiten.

In der Vergangenheit trat Facebook bereits wegen Problemen im Umgang mit diesen Fokusgruppen negativ in Erscheinung. Beispielsweise ermöglichte ein Filter Werbetreibenden, Minderheitengruppen für Kampagnen in den Bereichen Stellenangebote und Wohnraum auszuschließen.

Neues Layout für Pages

Facebook Pages sollen ein neues, übersichtlicheres Layout erhalten. Die Abbildung stellt die neue Version, die aktuell an einer begrenzten Nutzergruppe getestet wird, der alten Darstellung gegenüber. Auffällig ist, neben dem weggefallenen Like-Button, die prominente Positionierung des Profilfotos und der Story Highlights. Statt den Likes wird jetzt die Anzahl der Follower ausgewiesen. Insgesamt wurde die Menge an Informationen auf das Nötigste reduziert.

Neues Layout für Facebook Pages
Bildquelle: Facebook

Zusätzlich sollen SeitenbetreiberInnen zukünftig neue Funktionen zur Verfügung stehen. Die Abbildung zeigt links wie einfach zwischen privatem Profil und verwalteten Seiten gewechselt werden kann. Auf einer neuen Edit-Access-Seite kann dann auch mobil der Zugriff von Personen auf eine verwaltete Seite angepasst werden. Pages Insights sollen innerhalb des neuen Designs Auswertungen zu einzelnen Beiträgen ermöglichen.

Neues Layout auch für Facebook Pages Insights
Bildquelle: Facebook

Hate Speech

Ein plötzlicher Kurswechsel fand im Umgang mit Donald Trumps Beiträgen statt. In der letzten Auslese haben wir noch berichtet, dass Mark Zuckerberg Facebook nicht als “arbiter of truth” sieht. Nun wurde ein Beitrag Trumps mit einem Hinweis auf eine offizielle Regierungsseite markiert.

Kurswechsel in der Markierung politischer Statements auf Facebook
Bildquelle: Screenshot

Facebook und Instagram fordern Nutzer zum Maske tragen auf

Aufgrund der steigenden Corona-Infektionen in den USA kündigte Facebook an, dass Hinweise im Feed der Facebook- und Instagram-App zum Tragen von Stoffmasken aufrufen werden. Auf Facebook gelangen NutzerInnen mit einem Klick zum Info-Center oder auf eine offizielle Regierungsseite, wo sie mehr Informationen erhalten. Instagram bietet nur eine Weiterleitung zur Regierungsseite.

Facebook und Instagram fordern die NutzerInnen zum Tragen von Masken auf
Bildquelle: Screenshot von theverge.com

Instagram

Launch von Instagram Reels

Nach der Testphase in Brasilien und (nach dem Verbot von TikTok) in Indien ist Instagram Reels nun endlich auch in Deutschland und Frankreich verfügbar.

Das Format ist stark an den chinesischen Konkurrenten angelehnt. Von 15-sekündigen Videos über Spezialeffekte bis hin zu Hintergrundmusik lässt Reels nichts missen. Nach der Testphase sind die Videos sowohl in den Stories als auch im Feed, in Nutzerprofilen und im Entdecken-Bereich abrufbar.

Es sind bereits spannende Artikel zum Start von Instagram Reels erschienen. OMR hat das Potential des neuen Features im Vergleich zu TikTok untersucht. Zum Vergleich arbeiten sie auch den Wettbewerb zwischen Instagram Storys und Snapchat auf. Für alle, die nach Best Cases für eigene Projekte suchen, hat Futurebiz Reels von Oatsome, WESTWING Deutschland und Red Bull Deutschland zusammengetragen, die gut performt haben.

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Twitter

130 Accounts von Hack betroffen

Twitter musste im Juli einen Vertrauensverlust in die eigenen Sicherheitsmaßnahmen einstecken. Ein Hacker verschaffte sich Zugang zu insgesamt 130 Accounts. Zuvor hatte er sich in einen firmeninternen Slack-Channel eingeschlichen, in dem MitarbeiterInnen Informationen zu Administrations-Tools der Plattform teilten.

Der Umfang des Hacks war enorm: Bei 45 der betroffenen Accounts wurden Passwörter zurückgesetzt und Tweets veröffentlicht. Auf Direktnachrichten wurde bei 36 Accounts zugegriffen und von bis zu acht Profilen wurden persönliche Daten über das Your Twitter Data Tool heruntergeladen.

Twitter kündigte unter anderem firmenweite Workshops für mehr Schutz gegen Social-Engineering-Methoden an.

Maßnahmen gegen QAnon

Als positiv zu bewerten ist hingegen Twitters Vorgehen gegen Hate Speech und Verschwörungstheorien. Twitter will aktiv gegen “Handlungen, die potentiell zu Offline-Schäden führen” vorgehen. Aus diesem Grund wurden 7.000 Accounts gelöscht, die Verbindungen zur QAnon-Bewegung aufweisen. Die Gruppierung ist in der Vergangenheit durch antisemitische Botschaften und Symbolik aufgefallen.

Weitere 150.000 Profile werden laut einem Unternehmenssprecher voraussichtlich von kommenden Schritten gegen Verschwörungstheorien auf der Plattform betroffen sein.

TikTok

Self-Service-Plattform in Deutschland

TikTok stellte im Juli eine Self-Service-Marketing-Plattform in Deutschland vor. Damit will der Anbieter kleine und mittelständische Firmen in der Covid-19-Pandemie beim Online-Marketing unterstützen. Die Plattform wird weltweit sukzessive eingeführt und steht ab dem Herbst in Deutschland zur Verfügung.

Außerdem: TikTok sieht sich als Teil einer weltweiten Gemeinschaft, die während der aktuellen Krise stark getroffen wurde. Um KMUs zu unterstützen, stellt TikTok 100 Millionen Dollar in Form von Werbekrediten zur Verfügung. TikToks Back-to-Business ist weltweit verfügbar. Kleinunternehmen in Deutschland können den Kredit ab Einführung der Self-Service-Marketing-Plattform im Herbst beantragen.

Andere Kanäle

Social Media Nutzung

Wie erwartet ist Facebook die unangetastete Nummer eins der Social Media Plattformen und kann knapp 2,5 Milliarden aktive NutzerInnen pro Monat vorweisen. Statista veröffentlichte die aktuellen Nutzerzahlen der 15 am häufigsten genutzten Social Media Plattformen und Messenger-Dienste. Facebook Inc. dominiert dabei deutlich gegenüber dem chinesischen Konkurrenten Tencent Inc. Für weitere Zahlen aus dem Social Media-Universum empfehlen wir den Digital 2020 July Global Statshot von Datareportal. Außerdem aktualisieren wir regelmäßig unsere Übersicht zu den aktuellen Social Media Nutzerzahlen auf unserem Blog.

Aktuelle Nutzerzahlen der Netzwerke
Bildquelle: statista.com

Erster Einblick in die neuen Emojis

Neue Emojis
Bildquelle: Emojipedia

Nachdem wir bereits über die geplante Verschiebung der Emoji-Unicode-14-Veröffentlichung berichtet haben, können wir nun einen ersten Blick auf die Emojis werfen, die Google und Apple diesen Herbst veröffentlichen werden. Das Highlight unter den Neuzugängen ist dabei eine putzige Schildkröte, die leider nur auf Android-Geräten verfügbar sein wird.

Snapchat launcht Snap Minis

Snapchat stellt Werbekunden ein spannendes neues Format zur Verfügung. Snap Minis sind Micro-Apps, die innerhalb der Snapchat-App genutzt werden können. Im verlinkten Artikel findet ihr einen spannenden Best Case von Headspace. Die Meditations-App baute Snap Minis mit Achtsamkeits- und Meditationsübungen, die NutzerInnen zu weniger Stress während der Corona-Pandemie verhelfen sollen.

Und sonst so?

Von Bielefeld über eine flache Erde bis hin zu Corona – Verschwörungstheorien existieren in vielen Lebensbereichen und sowohl regional als auch länderübergreifend. Mit QAnon entstand 2017 eine weitere Bewegung, die an die Korruption einer Regierung glaubt – in diesem Fall die der US-Regierung. Für alle, die bisher noch nichts von dieser Verschwörungstheorie gehört haben, ist der ausführliche Überblick von Deutschlandfunk zu empfehlen.

Neben Twitter, Reddit und Facebook geht nun auch TikTok gegen Inhalte der Bewegung vor und blockiert ab sofort zugehörige Hashtags. Gelöscht werden die Videos jedoch nicht, sodass sie potentiell im For You Feeds erscheinen können. NutzerInnen, die bereits in die QAnon-Blase eingetaucht sind, erreichen sie also weiterhin. Unterbinden lässt sich die Bewegung auf diese Weise auf TikTok nicht.

Wer einen Eindruck von Filterblasen bekommen möchte, kann das Projekt TheirTube besuchen. Basierend auf Interviews mit echten YouTube-NutzerInnen wurden hier sechs Beispiele für Filterblasen geschaffen. Klickt man auf eine der simulierten Blasen, wird gezeigt, welche Videos der YouTube-Algorithmus vorschlagen würde und wie eine Homepage für Mitglieder der jeweiligen Filterblase aussehen könnte. Je nach Filterblase steigert sich der Gruselfaktor, wenn man sich durch Videos der verlinkten Verläufe klickt.

Eine persönliche Erfahrung mit Verschwörungstheorien und Filterblasen wird im Podcast Rabbit Hole geschildert. Caleb Cain driftete durch die Empfehlungen des YouTube-Algorithmus immer stärker ins rechte Milieu ab und analysiert in Rabbit Hole seinen extensiven Verlauf auf der Plattform.

Zum Schluss noch eine Leseempfehlung für alle, die eine Antwort auf Aussagen wie “Aber wir wissen doch gar nicht, ob die Apollo 11 wirklich auf dem Mond gelandet ist.” suchen: Der Wirtschaftsjournalist Dr. David Robert Grimes stellte eine Formel auf, um zu berechnen, wie viele Menschen nötig wären, um eine Verschwörung vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. Um beispielsweise die Mondlandung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin zu vertuschen, wären circa 400.000 Personen notwendig gewesen. Und selbst dann wäre die Täuschung innerhalb von 3,68 Jahren aufgeflogen.

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