Wer kontrolliert euren Desktop? Die KI-Riesen im Showdown | Projecter Weekly #16 2026
Apple-CEO Tim Cook tritt ab, die Desktop-Agenten-Schlacht ist eröffnet worden und ein Roboter rennt einen Halbmarathon-Weltrekord.
Diese Woche erfahrt ihr außerdem …
🎯 warum Prediction Markets längst nichts mehr für Nerds sind,
🇺🇸 wo Anthropics Mythos schon (heimlich) genutzt wird,
🇪🇺 wie schnell die neue Alters-Check-App der EU gehackt wurde
(Spoiler: sehr schnell).
Entwicklungen & Trends
Tim Cook übergibt Apple-CEO-Posten an John Ternus
Nach knapp 15 Jahren an der Spitze ist Schluss: Tim Cook tritt zum 31. August 2026 als Apple-CEO ab und wird ab dem 1. September vom bisherigen Hardware-Chef John Ternus beerbt. Im Anschluss an den CEO-Posten „als größtes Privileg seines Lebens“ wird er Vorstandsvorsitzender. Dass Ternus übernimmt, hatte die Branche seit Monaten erwartet, spannend ist eher das Timing.
Unter Cooks Führung ist der Börsenwert von 350 Mrd. US-Dollar im Jahr 2011 bis heute auf 4 Billionen US-Dollar gewachsen. Aber genau jetzt, wo der iPhone-Umsatz boomt und Apple operativ auf einem Höhepunkt steht, hapert es bei KI. Ternus erbt also die vielleicht schwerste Baustelle des Konzerns: Apples KI-Strategie wirkt neben Google, OpenAI und Anthropic wie aus einer anderen Zeit. Dass The Information berichtet, Apple habe gerade mehrere hundert Entwickler*innen aus dem Siri-Team auf ein AI-Coding-Bootcamp geschickt, spricht Bände: Was für den Rest der Branche längst zum Handwerk gehört, muss Apple wohl intern erstmal aufholen.
Welcher Trend kommt als Nächstes? Fragt die Wettmärkte
Spannende These aus der jüngsten Last Week Tonight-Folge des Talkshow-Moderators John Oliver: Prediction Markets wie Polymarket und Kalshi sind längst mehr als eine Spielwiese für Wahlprognose-Nerds. Ganz einfach erklärt, kann man auf solchen Plattformen auf alles wetten: das Wetter, Produkt-Releases oder TikTok-Trends. Sie sind quasi ein Frühwarnsystem für das, worüber in den kommenden Wochen alle sprechen.
Die Mechanik dahinter: Wer mit Geld abstimmt, bringt Information ins Spiel, die klassische Medien oft erst zeitverzögert aufgreifen. Marketing-Teams kann das dabei helfen, Narrative zu erkennen, bevor sie durchschlagen. Aber jetzt der Haken: Diese Märkte sind manipulierbar. Insider*innen wetten vor öffentlichen Ankündigungen, Prominente steuern Quoten durch gezielte Wortmeldungen, und manchmal schafft die Wette selbst den Anreiz zum Ereignis – bei WNBA-Spielen flogen z. B. Intimprodukte aufs Feld, nachdem genau darauf gewettet wurde.
Die US-Aufsicht CFTC könnte bald eingreifen. Bis dahin gilt: Als Trend-Radar sind Polymarket & Co. interessant – solange man genauer hinschaut.

KI News
Die KI-Riesen wollen auf euren Desktop
Eine Woche, vier Desktop-Ankündigungen: Anthropic hat Claude Opus 4.7 released und sofort mit Claude Design nachgelegt. OpenAI hat Codex so radikal umgebaut, dass es sich wie ein neues Produkt anfühlt. Google hat endlich eine Gemini-App für den Mac ausgerollt. Und Perplexity hat Perplexity Comet für Max-Subscriber live gestellt. Dass alle gleichzeitig auf den Desktop drängen, ist kein Zufall – die AInauten haben es nett zusammengefasst: Wer auf eurem Betriebssystem sitzt, hat dieselben Rechte wie ihr selbst – Dateien lesen, Terminal-Befehle feuern, APIs aufrufen, Workflows laufen lassen, ohne dass ihr eine Taste drückt.
Die spannendste Ansage kommt von Anthropic: Claude Design ist aktuell als Research Preview für alle bezahlten Abos verfügbar und macht aus einem Prompt einen echten Prototypen – als PDF, URL, PPTX, Canva-Export oder HTML. Figmas Aktie ist am Launchtag um ganze sieben Prozent eingebrochen; gleichzeitig hat Canva auf der Canva Create 2026 ihre AI 2.0 mit sechs neuen Workflows und einem eigenen Canva Design Model vorgestellt. Der Creative Stack wird gerade komplett neu gemischt. Adobe gefällt das mit Sicherheit alles ganz und gar nicht …
OpenAI kontert währenddessen mit dem Codex-Umbau: Der KI-Anbieter bringt einen neue Marketplace mit über 90 Plugins, parallele Agents und – das wohl interessanteste Feature – die Heartbeats. Diese sollen den Codex-Thread im wahrsten Sinne des Wortes „lebendig“ halten und in festen Intervallen Tools wie Slack, Gmail und den Kalender durchforsten, um sich bei relevanten Themen zu melden. Klingt stark nach OpenClaw, jetzt von OpenAI.
Googles Gemini für den Mac ist dagegen noch eher ein erster Aufschlag: es ermöglich einen schnellen Chat auf dem Desktop, aber ohne NotebookLM-Integration und ohne tiefe OS-Einbindung. Windows-Nutzer*innen bekommen vorerst gar nichts (bzw. eine englischsprachige Google-Search-App als Trostpreis). Bemerkenswert ist trotzdem die Marktbewegung dahinter: Laut Similarweb-Zahlen aus Q1 2026 ist ChatGPTs Web-Marktanteil von 87,2 auf 68 Prozent abgerutscht – Gemini ist von 5,4 auf 18,2 Prozent gewachsen.
Unser Tipp: Wer in naher Zukunft auf dem Desktop zur ersten Anlaufstelle wird, gewinnt die nächsten Jahre. Das Wettrennen läuft und wir halten euch natürlich auf dem Laufenden.

Claude: Zu beliebt, zu teuer, zu erfolgreich
Anthropic durchlebt Höhen und Tiefen gefühlt gerade im Tagestakt: Erst wurde das Unternehmen am Sekundärmarkt erstmals mit einer Billion Dollar bewertet und hat damit OpenAI überholt. Hintergrund: Der annualisierte Umsatz ist in nur vier Monaten von neun auf 30 Milliarden Dollar gestiegen, getrieben vom Enterprise-Geschäft rund um Claude Code. Kurz darauf kündigte Amazon an, zusätzlich zu den bisherigen 8 Milliarden weitere 5 Milliarden Dollar in Anthropic zu stecken – und in den kommenden Jahren sollen es bis zu 25 Milliarden werden.
Gleichzeitig meldet Anthropic Probleme, die andere gern hätten: Die Claude-Server sind regelmäßig überlastet, es gibt Outages, Nutzer*innen klagen über plötzlich limitierte Responses, OpenClaw wurde gekappt, und die Preise steigen in Wellen. Anthropic hatte aus Kostengründen weniger Rechenkapazität gesichert als alle anderen großen Labs – und mit Agentic Coding & Co. geht jetzt die Rechnung nicht mehr auf. Die 20-Dollar-KI-Flatrate ist vorbei, der Markt steuert auf Output-basierte Abrechnung zu.
Gut für die Margen, schlecht für den Service. Und genau in diese Gemengelage springt OpenAI: Laut Axios mobilisiert der Konzern Consulting-Partner, um Codex vor allem in Unternehmen zu skalieren und Anthropic-Kund*innen zurückzuholen. Beide KI-Anbieter steuern parallel auf IPOs zu, die noch in diesem Herbst kommen könnten. Wir bleiben für euch dran.

Bleiben wir bei Anthropic: Pentagon & NSA nutzen Mythos
Kleine Fortsetzung zur Mythos-Geschichte aus Weekly #15: Axios berichtet, dass die NSA das Anthropic-Modell Mythos Preview aktiv einsetzt – obwohl das übergeordnete Pentagon Anthropic offiziell als „Supply-Chain-Risiko“ eingestuft und auf eine schwarze Liste gesetzt hat.
Was die NSA jetzt genau mit Mythos macht? Das, wofür das Modell letzte Woche in der Cybersecurity-Welt berühmt geworden ist – also die hauseigenen Systeme nach Sicherheitslücken durchsuchen. Währenddessen argumentiert das Militär weiter vor Gericht, genau diese Fähigkeiten seien eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Wir fassen zusammen: Es ist kompliziert. Und politisch. Und ein ziemliches Lehrstück darüber, dass „Blacklist“ und „Realität“ in der US-Sicherheitsarchitektur offenbar zwei verschiedene Dinge sind …
Was ChatGPT & Co. den Nutzer*innen wirklich wert sind
Eine neue Stanford-Studie beziffert den privaten Nutzen generativer KI allein in den USA auf durchschnittlich 172 Milliarden Dollar im Jahr 2026 – ein Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Kern wird dabei gemessen, wie viel Geld die befragten Amerikaner*innen verlangen würden, wenn sie einen Monat lang auf ChatGPT & Co. verzichten sollten. Der dabei genannte Durchschnittswert liegt mittlerweile bei 124,50 Dollar, ein Anstieg seit Juli 2025 um 27 %.
Das Spannende an der Zahl: Sie übertrifft die Umsätze der Anbieter um ein Vielfaches. Produktivitätsstatistiken und BIP erfassen diesen Wohlfahrtsgewinn bisher nicht – was die laufende Debatte um die „wahre“ ökonomische Wirkung von GenAI neu anheizt. Wer die Studie im Kontext sehen will: Auch der Stanford AI Index Report 2026 ist gerade erschienen.
Suchmaschinen
Webinar: Mit Demand Gens Video-Power echtes Kaufinteresse wecken
Wartet ihr noch darauf, dass Kund*innen nach euch suchen, oder weckt ihr schon aktiv neues Interesse? Klassisches SEA stößt oft an Grenzen, wenn das Suchvolumen stagniert. Unsere SEA Team Lead Laura Nelle zeigt euch in unserem nächsten Webinar am Dienstag, den 5. Mai 2026, wie ihr mit Demand Gen aktiv Nachfrage erzeugt, bevor die Konkurrenz es tut. Jetzt schon mal anmelden!
Google plant mehr Insights zum Traffic über AI
Darauf warten viele SEO-Verantwortliche seit Monaten: In der Google Search Console gibt es erste Anzeichen für einen neuen Bericht namens AI Contribution Report. SEO Südwest berichtet, dass Google offenbar plant, Website-Betreiber*innen transparent zu machen, wie viel Traffic und Sichtbarkeit über AI-Features wie die AI Overviews entsteht. Das wäre ein echter Game Changer – aktuell ist der Blick auf den KI-Traffic nämlich noch weitgehend eine Blackbox.
OpenAI will das 100-Milliarden-Werbegeschäft
OpenAI drückt aufs Werbegas: Anzeigen in ChatGPT werden günstiger, und der Ad-Rollout läuft jetzt auch in Australien, Neuseeland und Kanada. Premium-Abos bleiben weiter werbefrei,, der Free- und Go-Tarif ist die Werbefläche.
Laut Berichten peilt OpenAI außerdem 100 Milliarden Dollar Werbeumsatz bis 2030 an. Zum Vergleich: Der globale Werbemarkt (ohne China) liegt knapp unter 1 Billion Dollar. Das wäre also grob ein Zehntel des gesamten Kuchens – für ein Unternehmen, das erst seit zwei Jahren überhaupt Anzeigen ausspielt.
Social Media
EU-Alters-Check – fertig präsentiert, in 2 Minuten gehackt
Die EU-Kommission hat eine quelloffene Alters-Check-App vorgestellt, die per Ausweis oder Bankverbindung das Alter prüft und plattformübergreifend funktionieren soll. Frankreich, Spanien, Griechenland, Dänemark und Irland wollen sie in den kommenden Monaten einführen. Es gibt aber ein „kleines“ Problem: Ein Sicherheitsforscher hat die App in unter zwei Minuten kompromittiert. Verschlüsselte PINs werden ohne Identitätsverknüpfung gespeichert, und der Brute-Force-Schutz lässt sich per Konfigurationsdatei abschalten. Nice try …
Passend dazu meldet sich Familienministerin Karin Priens Expertenkommission zu Kinder- und Jugendschutz im Netz zu Wort: Altersbeschränkungen allein „greifen zu kurz“. Gefordert wird eine Gesamtstrategie aus Regulierung, Prävention und Bildung. Wir sehen das ähnlich und bleiben gespannt, wie lange der politische Reflex „Verbot“ noch die populärste Antwort bleibt.
Snap entlässt Mitarbeitende – und gibt der KI die Schuld
Snap hat angekündigt, rund 1.000 Mitarbeiter*innen zu entlassen – das sind rund 16 Prozent der Belegschaft. Die offizielle Begründung: man müsse sich auf die KI-Transformation konzentrieren, Strukturen verschlanken, Prioritäten klären. Man kennt’s. Weniger offiziell: Snap kämpft seit Jahren mit Wachstum und Marge, der Snapchat-Marktanteil gegen TikTok und Instagram erodiert, und der Aktienkurs dümpelt. Dass ausgerechnet jetzt einige Stimmen laut werden, OpenAI solle Snap übernehmen, sagt wohl alles über die Lage.
Social-Kurz-News im Überblick
🐇 Meta vs. Playboy: Das Landgericht Düsseldorf hat entschieden, dass Metas Sperrung der deutschen Playboy-Facebook-Seite (1,8 Mio. Follower) rechtswidrig war. Meta hatte die Seite ohne konkrete Begründung deaktiviert, der Verlag klagte mit Verweis auf die Pressefreiheit – und bekam Recht. Ein kleines Signal mit großer Wirkung: Willkürliche Plattform-Sperren lassen sich in Deutschland vor Gericht angreifen.
💬 WhatsApp Plus: Meta testet gerade ein Abomodell für WhatsApp, zunächst auf Android. Für monatlich 2,49 Euro bekommen Nutzer*innen exklusive Gestaltungsoptionen und die Möglichkeit, bis zu 20 Chats anzupinnen. Damit reiht sich WhatsApp in den Reigen der Meta-Apps ein, die gerade alle mit Abo-Modellen experimentieren.
🎸 Co-AI-chella: Auf dem diesjährigen Coachella sind laut Daily Mail und The Verge massiv KI-Influencer aufgetaucht – Avatare wie @GrannySpills, @digitallucas oder @its_gigi_mae, die gemeinsam mit echten Prominenten inszeniert werden, ohne jegliche Kennzeichnung. Die Folge: Marken können sich günstig einen Festivalauftritt buchen, ohne jemals vor Ort zu sein. Finden wir eher schwierig – für echte Creator, für Eventveranstalter und nicht zuletzt für alle, die im Feed noch glauben wollen, was sie sehen.
Ein humanoider Roboter hat den Halbmarathon-Weltrekord in Beijing gebrochen 🤖🏃
Mehr als 300 humanoide Roboter und 12.000 Menschen sind in Beijing zum Halbmarathon gestartet. Das Ergebnis: Der Roboter Lightning der chinesischen Smartphone-Marke Honor absolviert die 21 Kilometer in 50 Minuten und 26 Sekunden – sieben Minuten schneller als der menschliche Weltrekord von Jacob Kiplimo. Zum Hintergrund: China investiert massiv in humanoide Robotik und chinesische Hersteller werden bei dem Thema als führend angesehen.
Wir wissen nicht, ob wir das beeindruckend oder beunruhigend finden sollen …



