Karoline Stridde

Social Media Auslese Januar 2021

Diese Bilder in sämtlichen sozialen Netzwerken als nicht zu leugnender Angriff auf die Demokratie haben sich im Januar in unsere Köpfe gebrannt: Trump-AnhängerInnen vor dem Kapitol in Washington, deren offenen Drohungen gegen GesetzgeberInnen nicht nur Vandalismus, sondern auch Gewalttaten folgten. Chaos und fünf Tote sind die erschütternde Bilanz dieses Tages. Ein mittlerweile Ex-Präsident (🎉), der an sie „Go Home. We Love You, You’re Very Special“ twittert und daraufhin endgültig von Twitter und Co. verbannt wird. Kontroversen um Facebook und der nicht unbedenkliche Clubhouse-Hype – der Januar war nicht ohne. Diese und auch einige positive Neuigkeiten haben wir für euch in der aktuellen Auslese zusammengetragen.

Facebook

Facebook und das große iOS14 Update

Sein Tracking Opt-In hat Apple bereits vor einer Weile angekündigt: Bei diesem können sich NutzerInnen dagegen entscheiden, durch Werbepixel getrackt zu werden. Das kann die Arbeit von Werbetreibenden grundlegend verändern, die Anzeigen in den sozialen Netzwerken schalten. Bei Facebook werden die Auswirkungen wohl erst einmal am stärksten sein, generell betrifft es aber sämtliche soziale Plattformen, da sich überall die Performance der Werbeanzeigen verändern wird.

Entscheidende Änderungen sind insbesondere in den Bereichen Tracking, Targeting und Reporting zu erwarten. Alle Herausforderungen und die entsprechenden Strategien, um auf diese vorbereitet zu sein, haben wir für euch bereits in diesem Blogbeitrag zusammengetragen.

Neuer Look für Facebook Pages

Wie Facebook in seinem Newsroom angekündigt hat, sollen im Laufe der kommenden Monate diverse Updates für Facebook Pages ausgerollt werden. Das wird die Seiten von Creators und Personen des öffentlichen Lebens betreffen. Die Neuerungen sind:

Redesign und Updates sollen eine Möglichkeit sein „that makes it simpler for public figures and creators to build community and achieve their business objectives.”

Insbesondere spannend sind dabei das schlichter gestaltete Seitendesign, das einfachere Interagieren mit Fans, die Verabschiedung vom Like-Button (stattdessen nur noch Follower-Anzahl) sowie die verbesserten Sicherheitsfunktionen.

19,68 Mio. US-Dollar für Lobbyismus ausgeben? Kein Problem für Facebook

Unter den fünf großen Tech-Unternehmen Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft hat der soziale Netzwerk-Riese 2020 das meiste Geld für Lobbyismus ausgegeben. Das zeigte sich, als die Unternehmen am 21. Januar ihre Zahlen für Q4 2020 veröffentlichten. Facebook hat seine Ausgaben für Lobbyismus im Vergleich zu 2019 um 17,8 Prozent erhöht: 19,68 Mio. US-Dollar wurden ausgegeben. Das sind interessante und bedenkliche Zahlen, insbesondere mit Hinblick auf das Kartellverfahren gegen Facebook, bei dem sich das Unternehmen zu Unrecht beschuldigt fühlt. Gemeinsam mit den Zahlen wurde auch veröffentlicht, in welchen Bereichen Facebook im vierten Quartal Lobbyarbeit betrieben hat. Zu den Themen gehörten „copyright reform, election integrity, content policy, immigration and international tax policies.”

Bild Lobby Ausgaben großer Tech-Konzerne
Quelle: cnbc.com

Sweetheart-Deal von Facebook und Google

Die Vorwürfe um den geheimen Werbedeal der beiden Konzerne verdichten sich. Gerichtsdokumenten zufolge wurde Facebook bei Googles Open-Bidding-Angebot gegenüber anderen AnbieterInnen bevorzugt. Dafür soll sich Facebook verpflichtet haben, nicht mit einem eigenen Angebot in das Header Bidding einzusteigen und somit direkter Konkurrent für Google in diesem Markt zu werden. Kartellrechtlich sieht es also ganz finster aus. 

Wie die Bevorzugung konkret aussah? Beim Kampf um die Werbeplätze soll Facebook von Google mehr Informationen und einen Zeitvorteil erhalten haben. Eine gewisse Anzahl an Auktionen sollte Facebook gänzlich automatisch gewinnen, wie die New York Times berichtet.

Und Facebooks Part? “Facebook said it would bid on at least 90 percent of ad auctions when it could identify users, and promised minimum spending levels up to $500 million per year. It also asked Google to avoid using bid info to skew ad auctions in its favor.”

Facebook und Google bestreiten die Vorwürfe. Wie allerdings von t3n festgehalten, gibt es bei der Abmachung der beiden Konzerne wohl eine Klausel, die beinhaltet, dass sie einander bei juristischen Problemen unterstützen.

Hacker können Telefonnummern von NutzerInnen kaufen

Es würde uns ja auch freuen, könnten wir positive Neuigkeiten über Facebook berichten, aber es passiert zu viel Bescheidenes. Ein weiterer Aufreger im Januar: Dank eines Telegram Bots können Hacker die Telefonnummern von angeblich über 500 Mio. Facebook-NutzerInnen einsehen. Wie bitte, was? Wie The Verge und Vice Ende Januar berichten, können Hacker auf einem Cybercrime-Forum die Telefonnummern für 20 US-Dollar je Nummer kaufen. Der Bot vereinfacht die Interaktion zwischen den kriminellen „BesitzerInnen“ des Datensets an Telefonnummern und interessierten Hackern: Es kann einfach geprüft werden, ob die Daten, an denen Interesse besteht, auch wirklich vorhanden sind. So braucht es beispielsweise nur eine Facebook ID, um die (an dieser Stelle noch teils unkenntlich gemachte) zugehörige Telefonnummer zu finden. Auch andersherum funktioniert der Bot. Sieht man auf diese Weise, dass die Daten existieren, können dann besagte 20 US-Dollar gezahlt werden und man erhält Zugriff. 

Alon Gal, Co-Founder des Cybersecurity-Unternehmens Hudson Rock hat auf den Bot aufmerksam gemacht und sagt: „It is important that Facebook notify its users of this breach so they are less likely to fall victim to different hacking and social engineering attempts.”

Aber: Dass dieses Datenset an Telefonnummern besteht, ist leider nicht neu. Erstmals aufgetaucht ist es 2019. Der einfache Zugang zu diesen Daten, der seit Mitte Januar durch den Bot möglich ist, ist das, was ExpertInnen aktuell Sorge bereitet. Auf das Alter des Datensets beruft sich Facebook und dass eben „nur“ NutzerInnen betroffen seien, die ihre Nummer vor August 2019 hinzugefügt haben. Vielen Dank, das ist wirklich sehr beruhigend, es handelt sich ja lediglich um ein massives Sicherheitsproblem. Hoffen wir, dass zumindest der leichte Zugang zu den Daten dank des Bots bald nicht mehr möglich ist.

Instagram

Instagram: Mit Content Publishing API Beiträge vorplanen

In einem Blogpost wurde angekündigt, dass für Business-Konten auf Instagram ab sofort ein neues Feature ausgerollt wird, mit welchem über DrittanbieterInnenplattformen Beiträge geplant und gepostet werden können. Damit wird die Instagram-Graph-API-Plattform um eine praktische Funktion erweitert. Dank der neuen Content Publishing API können Unternehmen innerhalb von 24 Stunden 25 Beiträge veröffentlichen. Manuell kann dann trotzdem noch weiterer Content hochgeladen werden. Da vor allem größere Unternehmen oftmals über mehrere Profile hinweg gleichzeitig arbeiten, kann der automatisierte Prozess durch die API reichlich Zeit und Nerven sparen. Zwar war es bereits möglich, Beiträge vorzuplanen, allerdings nicht mit Scheduling Tools von DrittanbieterInnen wie Buffer oder Hootsuite. Alex Choi äußert sich in dem Blogpost folgendermaßen:

„We’ve heard from businesses that they don’t publish content to Instagram spontaneously […]. […] With the Content Publishing API, businesses can now more easily plan campaigns and build internal processes around publishing content using the platform of their choice.“

Gelaunched: Professional Dashboard auf Instagram

Auf Instagram gibt es ein neues Dashboard. Ok, so neu ist es nicht: Auf die Insights, die es liefert, konnten Unternehmen bereits zuvor zugreifen. Allerdings sollen die Funktionen des Professional Dashboards insbesondere kleinen bis mittleren Unternehmen und Creators helfen, bei allen wichtigen Neuerungen der Plattform immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. So ist es „[…] a central destination to track performance, access and discover professional tools, and explore educational information curated by Instagram.”

 Die drei Hauptfunktionen des Dashboards sind demnach: Performance tracken, das eigene Geschäft erweitern (z.B. durch Tools für mehr Effizienz) und auf dem Laufenden bleiben durch bspw. Lerninhalte. Auf dem Dashboard findet man all das gebündelt. In Zukunft sollen noch weitere Funktionen hinzukommen.

Twitter

Mit Birdwatch gegen Fehlinformationen

Das Forum Birdwatch soll ein Community-Projekt sein, bei dem sich Twitter-NutzerInnen freiwillig daran beteiligen können, Desinformationen Einhalt zu gebieten. So sollen Inhalte moderiert werden und Tweets Label zugewiesen bekommen. Durch das neue Moderations-Tool Birdwatch können Tweets also mehr Kontext und zusätzliche Informationen erhalten. Mithilfe solcher Notizen kann dann öffentlich geklärt werden, ob ein Tweet falsche Behauptungen enthält.

Twitter Vice President of Product Keith Coleman äußert sich dazu: „We believe this approach has the potential to respond quickly when misleading information spreads, adding context that people trust and find valuable.“

Bis jetzt ist noch nicht klar, ob das neue Feature erst einmal ein Test bleibt, für den nur einige Twitter-NutzerInnen freigeschaltet werden oder ob es zeitnah gänzlich ausgerollt wird.

Twitter akquiriert Newsletter-Plattform Revue

Wie Twitter in einem Blogbeitrag angekündigt hat, kauft es die Newsletter-Plattform Revue. NutzerInnen des Kurznachrichtendienstes können so eigene Newsletter erstellen, die sich monetarisieren lassen.

„Revue will accelerate our work to help people stay informed about their interests while giving all types of writers a way to monetize their audience – whether it’s through the one they built at a publication, their website, on Twitter, or elsewhere.“ 

Mithilfe von Revue werden außerdem hilfreiche Audience Insights ermöglicht. Beispielsweise können Wachstum und Engagement einfach im Auge behalten werden. Twitter-NutzerInnen erhalten die Pro Features von Revue kostenlos, dafür erhält die Revue-Plattform wie bisher fünf Prozent der Einnahmen.

Snapchat

Snap: Geld verdienen mit VR

Man kann es nicht oft genug sagen: Wer noch immer glaubt, Snapchat sei ein Nischennetzwerk für Jugendliche, welches man ignorieren könnte, der verpasst was. Snap Inc. wartet mit immer neuen, innovativen Entwicklungen auf, die sich für Advertiser richtig lohnen können.

„Snap has been working to enhance its appeal to businesses beyond traditional social-media advertising. That potential seems to be coming into focus now with analysts increasingly eyeing the company’s innovation pipeline.“ 

Der neueste Clou: Es bringt Unternehmen auf seine Snap Map und NutzerInnen virtuell in die Geschäfte – so der Plan. Produkte wie Schuhe sollen hier virtuell anprobiert werden können. Wenn man bedenkt, wie erfolgreich Snapchat seine Stories mit bspw. Full Screen Video Ads monetarisiert hat, ist es nicht abwegig, dass auch das Konzept um die virtuellen Geschäfte auf der Snap Map zu einem monetarisierbaren Geschäft wird. So merkt das Netzwerk an: „All of our platforms share the same powerful monetization infrastructure, which drives strong ROI for our advertising partners.“

Investoren sind an den virtuellen Einkaufsmöglichkeiten durch Snap Maps bereits interessiert. So könnte Snap seine Kartendienste in Zukunft zu einer regelrechten AR-Cloud weiterentwickeln.

Bild Snapchat Snap Maps
Quelle: wsj.com

Pinterest

Nun auch auf Pinterest: Story Pins

Natürlich zieht nun auch Pinterest beim Story-Hype mit und ermöglicht das Stories Feature auf seiner Plattform. Nachdem im September letzten Jahres ein Beta-Test gestartet wurde, werden Stories nun für alle NutzerInnen nach und nach ausgerollt. Wie bei anderen Netzwerken auch, befinden sich die Stories oberhalb im Home Screen. Dennoch sind die Story Pins ein wenig anders als man es von Instagram und Co. kennt. Die Stories bei Pinterest verschwinden nicht nach 24 Stunden, sondern bleiben innerhalb eines Pins bestehen. So soll mit ihrer Hilfe ermöglicht werden, einem normalen Pin mehr Kontext zu geben. Ansonsten ist ihr vertikales Format samt der Gestaltungsmöglichkeiten bisher das gleiche, das NutzerInnen bereits auf den anderen Netzwerken erleben. Dennoch sieht es danach aus, dass das Format nach und nach diverse Updates erhalten wird. So wurden einigen NutzerInnen beispielsweise „multi-participant Stories“ angezeigt, mit denen ausgewählte Gruppen an Pinnern hervorgehoben werden sollen. SocialMediaToday hat bei Pinterest nachgefragt, was es mit potentiellen Updates zu den Story Pins auf sich hat und folgendes Statement erhalten:

We’re continuously testing new ways for creators to reach communities of people looking for ideas to try and for Pinners to discover and follow other people who share their passions and interests.

Story Pins könnten sich so definitiv zu einer wichtigen Strategie für Creator auf Pinterest mausern.

Youtube

Optimierte Hashtag-Suche

Wie onlinemarketing.de berichtet, optimiert Youtube die eigenen Suchfunktionen und liefert nun Landingpages für Hashtags. Damit reagiert das Videoportal auf die zunehmende Beliebtheit der Suche mithilfe von Hashtags. Klicken NutzerInnen bei einem Video auf einen Hashtag in der Beschreibung, so werden sie nun auf eine neue Seite weitergeleitet. Hier sehen sie Videos, die ebenfalls den Hashtag in ihrer Beschreibung haben. Auch über „youtube.com/hashtag/suchbegriff“ kann die entsprechende Landingpage erreicht werden. Die Suche mit Hashtag-Begriffen soll zusätzlich in nächster Zeit ermöglicht werden. 

Endlich: Youtube sperrt „KenFM“

Im Januar hat Youtube den Verschwörungserzähler Ken Jebsen nun endgültig seiner Plattform verwiesen und dessen Youtube-Kanal „KenFM“ gesperrt. Im November waren seine Videos bereits zeitweise gesperrt, seit Mai 2020 konnte er schon keine Werbeeinblendungen mehr nutzen, um mit seinen bedenklichen Inhalten Geld zu verdienen. Der in der neurechten Szene prominente, ehemalige RBB-Journalist hat fortlaufend gegen die Nutzungsbedingungen des Videoportals verstoßen. Zuletzt hielt er sich mit seinen Verschwörungserzählungen nicht an die Covid-19-Richtlinien Youtubes. 

Spotify

Podcast Ads in Deutschland

Mit dem Siegeszug der Podcasts im vergangenen Jahr war es nur eine Frage der Zeit, bis Podcast Ads auch nach Deutschland kommen. Seit Januar ist es nun soweit. Nicht nur die Vorteile von Podcast Ads können Advertiser nun ab sofort in fast allen Original und Exclusive Shows nutzen, sondern auch das Tool “Streaming Ad Insertion”.

Durch den Trend hin zum Streaming ist der Erfolg von Podcast Ads wesentlich leichter messbar als noch zu der Zeit, als man Podcasts eher heruntergeladen hat. So können Spotify Podcast Ads durch Streaming Ad Insertion bestätigte und messbare Ad Impressions liefern anstelle von Downloads. Dadurch werden Zielgruppen-Insights und Ad-Performance-Daten ermöglicht, mithilfe welcher Advertiser ihre Werbestrategie fortlaufend optimieren können. Für den gewünschten Spotify Podcast müssen nur Ads gebucht werden, die dann als Pre-, Mid- und Post-Roll Ads verfügbar sind.

Weitere Netzwerke

Der Hype um Clubhouse

Im Januar herrschte in halb Deutschland ganz schön viel Aufregung um die Clubhouse-App. Bereits im April 2020 in den USA gestartet, kam sie bei uns in den letzten Wochen mächtig in Schwung. Wo ist die ersehnte Einladung, nur iPhone-NutzerInnen können sie downloaden (?!), oh nein, der Room ist bereits voll und wie ist das hier eigentlich mit Datenschutz? Die Stimmen schwankten zwischen purer Begeisterung und Bedenken um gewisse Grauzonen, in denen sich die App bewegt. Die Audio-Chaträume mit ihren Live-Gesprächen und Diskussionen, an denen erst einmal potentiell sämtliche ZuhörerInnen teilnehmen können, hat viele auf die Plattform gezogen. Denn hier fühlt man sich Personen, die man mitunter so niemals treffen könnte, auf einmal ganz nah. Und weil hier nun einmal Exklusivität suggeriert wird, ist man dann mit dem/der ExpertIn vermeintlich schnell auf Augenhöhe. DatenschützerInnen sind hingegen nicht begeistert. Zur Datenverarbeitung ist noch nicht viel bekannt, aber was man bspw. weiß: Clubhouse legt Schattenprofile an. Bei der Anmeldung muss man Clubhouse Zugriff auf sein Telefonbuch gewährleisten, nur dann kann man Freunde einladen. Diese Telefonnummern nutzt die App dann mitunter, um Profile von Leuten anzulegen, die es zwar in den Telefonbüchern gibt, die aber nicht auf Clubhouse angemeldet sind. Na toll.

Die Whatsapp-Kontroverse, alternative Messenger und .. ICQ?!

Dass Whatsapp immer wieder in der Kritik steht, wissen wir. Zuletzt ging es um eine Kontroverse betreffend eines Updates der AGBs des Messenger-Dienstes. Durch dieses sollten angeblich mehr NutzerInnendaten mit Facebook geteilt werden. Die neuen Nutzungsbedingungen haben zu einem Ansturm auf alternative Messenger geführt. Das betrifft neben Signal und Threema auch Telegram. In der App gab es innerhalb von drei Tagen 25 Millionen Neuanmeldungen. Whatsapp wird trotz der Verluste zwar weiterhin mit Abstand Marktführer bleiben, der Image-Schaden ist trotzdem passiert. Außerdem ist es interessant, wie sensibel NutzerInnen dann doch bei Bedenken um den Schutz der eigenen Daten reagieren. Mit der Suche nach Whatsapp-Alternativen tritt nun selbst Urgestein ICQ wieder ins Rampenlicht – zumindest in Hongkong. t3n nimmt allerdings vorneweg: „Wer jetzt allerdings überlegt, aus Datenschutzgründen von Whatsapp zu ICQ zu wechseln, dem sei gesagt, dass ICQ mittlerweile dem russischen Internet-Konzern Mail.ru gehört. Die Betreiber werden regelmäßig mit Datenschutz-Vorwürfen konfrontiert.“

Parler: Kann uns dieses Wiedersehen nicht erspart bleiben?!

Wie haben wir uns über diese Meldung gefreut: Die Tech-Giganten Apple, Amazon und Google hatten Parler verbannt. Es wurde von Stores und Servern entfernt und aus dem Amazon Hosting Service gekickt. Wiederholt wurde auf der Plattform zu Gewalt aufgerufen. Auch der Sturm auf das Kapitol in Washington ist zum Teil auf das Netzwerk zurückzuführen. So heißt es seitens Apple in einem Statement: ”We have always supported diverse points of view being represented on the App Store, but there is no place on our platform for threats of violence and illegal activity. Parler has not taken adequate measures to address the proliferation of these threats to people’s safety.”

Es war so schön, Parler in der Versenkung verschwinden zu sehen, doch dann tauchte die Website tatsächlich wieder auf. Wie? Anscheinend hat sie einen neuen Host gefunden: Epik hat die Website übernommen. Epik wiederum hat eine Vorliebe für ExtremistInnen-Netzwerke und Nazi-Plattformen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Weitere Unternehmensnews

Reddit, Gamestop und der Börsenwahnsinn

Im Januar ging die Aktie der Einzelhandelskette Gamestop durch die Decke. Und das, obwohl dem Unternehmen an der Börse schon lange Zeit die drohende Insolvenz vorhergesagt wurde. Mitverantwortlich für den plötzlichen Run auf die Gamestop-Aktie waren Reddit-NutzerInnen der Subreddit r/WallStreetBets. Als sogenannte Robinhood-Trader haben sie sich auf der Plattform abgesprochen, um in die Aktie zu investieren. Ende Januar hat Gamestop so zumindest auf dem Papier eine unglaubliche Wertsteigerung erfahren: Es ging für das Unternehmen um mehr als zehn Milliarden US-Dollar in die Höhe, wie nytimes.com berichtet. „[It] […] has to do with a mix of traditional investing, rampant enthusiasm, stock market mechanics and the belief that anyone with a Robinhood account can meme a fortune into existence.“

Weil es an dieser Stelle zu umfangreich wäre, die Mechanismen des Börsenmarktes zu erklären, soll hier nur als Hilfe zum Verständnis des Ganzen festgehalten werden:

Von Vine zu Byte zu Clash

Wie The Verge berichtet, wurde TikTok-Konkurrent Byte vom anderen TikTok-Konkurrenten Clash aufgekauft. Byte selbst war eigentlich der Nachfolger von Vine, doch als die App vor einem Jahr an den Start ging, konnte sie dem Erfolg von TikTok schon nicht mehr ernsthaft entgegenwirken. Das ganze Jahr 2020 hindurch unterhielt Byte eher eine kleine, sehr eigene Community. In den Mainstream soll es nun mithilfe der Übernahme von Clash gehen. Clash selbst launchte im Sommer 2020 und funktioniert im Grunde genauso wie TikTok. Nun plant Clash, seine Monetarisierungsoptionen in Byte zu integrieren und die App auch unter dem Namen „Clash“ zu rebranden. „The company hopes to make a short-form video app with rich monetization tools that allow creators to easily get paid.“ So soll es Funktionen wie Trinkgeld und wiederkehrende Zahlungen geben. Creators sollen so mehr Unabhängigkeit bei der Gestaltung ihrer Inhalte erhalten. Wir werden sehen, ob es der App gelingt, sich wirklich gegen die Konkurrenz abzuheben.

Microsoft Patent für Chatten mit Verstorbenen

Klar, ein Patent ist erst einmal nur ein Patent und bedeutet nicht, dass etwas auch wirklich umgesetzt wird. Dennoch hat diese Meldung Unbehagen bei uns ausgelöst: So wurde Microsoft das Patent mit dem Namen  „Creating a conversational Chat Bot of a specific Person“ zugesprochen. Und diese Chatbots können auch auf Verstorbenen basieren. Der Independent berichtet: „The patent describes creating a bot based on the ‘images, voice data, social media posts, electronic messages’, and more personal information.“

Laut Microsoft kann der Bot für alles Mögliche stehen: Familienmitglieder, Freunde, Berühmtheiten, fiktive Charaktere – und auch Verstorbene werden nicht explizit ausgeschlossen. Es braucht nur persönliche Daten jeglicher Form, mit denen eine KI gefüttert wird. So kann der Chatbot dann eine Person nachahmen. Das kommt euch bekannt vor? Auch eine “Black Mirror”-Folge („Be Right Back“) handelt von dem Chatbot eines Verstorbenen. Uns wäre es lieber, wenn sich ein Tech-Konzern solch eine dystopische Serie nicht zum Vorbild nehmen würde.

Und sonst so?

#impeachbidennow – K-Pop Fans trenden den Hashtag

Die Amtseinführung am 20. Januar von Joe Biden wollten zahlreiche frustrierte Trump-AnhängerInnen nicht akzeptieren. Daher versuchten sie, mit dem Hashtag #impeachbidennow ein Amtsenthebungsverfahren gegen Biden einzufordern. Hat nicht geklappt. Stattdessen haben K-Pop Fans (=Fans koreanischsprachiger Popmusik) den Hashtag übernommen und auf sozialen Netzwerken wie Twitter weltweit zum Trenden gebracht, indem sie ihn mit irrelevanten K-Pop Memes und Fancams überflutet haben. Damit wollten sie erreichen, dass Hass-Beiträgen und Hetze gegen Biden keine Plattform gegeben wird.

Das war nicht das erste Mal, dass K-Pop-AnhängerInnen politisch aktiv wurden: Während der “Black Lives Matter”-Bewegung haben sie Hashtags wie #alllivesmatter oder #whitelivesmatter auf die gleiche Weise zugespammt. Auch hier fluteten sie diese mit unzähligen K-Pop Videos in der Hoffnung, es weißen Supremacists und deren SympathisantInnen schwerer zu machen, miteinander zu kommunizieren. Ebenso haben sie zu Trumps Blamage bei seiner Rallye in Tulsa, Oklahoma beigetragen. Dieser stand in der 19.000 Plätze umfassenden Arena vor halb leeren Rängen. Mit ihrem Streich (sich für die Veranstaltung registrieren, tatsächlich aber nicht teilnehmen) waren K-Pop Fans und TikTok-NutzerInnen wohl zwar nicht direkter Grund für die leeren Plätze. Sie hatten aber Trumps Wahlkampfteam blamiert, die zuvor kommunizierten, eine Million Menschen würde ihn sehen wollen.

Bernie geht um die Welt

Am 20. Januar hat die Welt mit Joe Biden nicht nur den neuen US-Präsidenten begrüßt. Auch wurden an diesem Tag legendäre Memes von Senator Bernie Sanders geboren. Auslöser war ein Foto von ihm, auf welchem er herrlich grimmig dreinzublicken scheint: Auf einem Klappstuhl in ausgesprochen entspannter Körperhaltung und mit übergroßen Wollhandschuhen wohnte er Bidens Amtseinführung bei. Das Foto war Gold wert und perfektes Meme-Material.

Was erwartet uns 2021? Auch an diesem Jahresbeginn darf er nicht fehlen: der alljährliche Ausblick in die Social-Media-Landschaft von Jörgen Camrath. Wieder einmal hat er Spezialisten der Branche zu Wort kommen lassen, die hier ihre Einschätzungen über anstehende Entwicklungen teilen. Von Desinformationen über Community-Arbeit und die wichtigsten Plattformen für 2021 – diesen Beitrag sollte man lesen.

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