Kimi K3: Wenn Spitzenleistung plötzlich nichts mehr kostet | Projecter Weekly #28 2026
Ein Pekinger Labor veröffentlicht ein KI-Modell, das mit der Weltspitze mithält – und verschenkt es quasi. Das ist die vielleicht wichtigste strategische Nachricht des Monats. Denn wenn fast gleich gute Modelle nichts kosten, wackelt ein ganzes Geschäftsmodell.
Diese Woche erfahrt ihr außerdem …
🔓 wie KI-Modelle von OpenAI auf eigene Faust eine fremde Firma gehackt haben,
💸 wie viel Geld Alphabet und Meta gerade verbrennen, um im KI-Rennen vorn zu bleiben,
🚸 und welches Land Social Media für Unter-15-Jährige als erstes in der EU dichtmacht.
☀️ In eigener Sache: Bis zum 1. September bleiben wir im Sommertakt, dieser Weekly deckt also wieder die Nachrichten der letzten zwei Wochen ab.as mehr Lesezeit drin ist, gibt es unten einen extragroßen Lesetipp-Block als Urlaubslektüre.
Entwicklungen & Trends
Kimi K3 und Chinas KI-Offensive
Am 17. Juli hat das Pekinger Labor Moonshot AI Kimi K3 vorgestellt – mit 2,8 Billionen Parametern das größte offene Modell der Welt. Und es kann, ganz einfach gesagt, mit so ziemlich allem, was gerade auf dem Markt ist, gut mithalten. Der Unterschied steckt im Preis: Die Nutzung über die Schnittstelle kostet 3 Dollar pro Million Eingabe- und 15 Dollar pro Million Ausgabe-Tokens – bei Fable 5 von Anthropic sind allein für die Ausgabe 50 Dollar fällig. Dazu hat Moonshot die Modelldateien zum 27. Juli freigegeben, sodass andere Anbieter K3 auf eigenen Servern betreiben können. Die Börsen haben sofort verstanden, worum es geht: Der Nasdaq gab nach der Vorstellung 1,4 Prozent nach, der Nikkei fünf Prozent.
Eingebettet ist das in eine sehr bewusst inszenierte Woche: Auf der World AI Conference in Shanghai stand mit Xi Jinping erstmals der Staatspräsident selbst auf der Bühne und erklärte, KI-Entwicklung „sollte keine Soloaufführung eines einzelnen Landes sein, sondern eine Symphonie internationaler Zusammenarbeit“ – ein Kommentar zu den US-Exportkontrollen. Vor Ort hatten 29 Staaten außerdem die Gründung einer chinesisch geführten „World AI Cooperation Organisation“ mit Sitz in Shanghai unterzeichnet, darunter z. B. Russland und Indonesien. Die USA und Westeuropa sind nicht dabei.

In Washington fällt die Reaktion entsprechend gereizt aus. Michael Kratsios, Technologieberater des Weißen Hauses, wirft Moonshot vor, Anthropics Fable in großem Stil abgeschöpft zu haben – Belege dafür hat er bisher nicht vorgelegt. Finanzminister Scott Bessent kündigte Prüfungen chinesischer Open-Weight-Modelle und mögliche Sanktionen an.
Für euren Alltag ändert das erstmal wenig – niemand baut wegen eines neuen Modells den kompletten Tool-Stack um, und auf dem Laptop läuft ein 2,8-Billionen-Parameter-Modell ohnehin nicht. Interessant ist die Ebene darunter: Weil sich K3 herunterladen und selbst betreiben lässt, kann es auch bei einem europäischen Anbieter laufen. Damit gibt es erstmals eine ernsthafte Ausweichmöglichkeit, falls ein US-Anbieter die Preise anzieht oder Washington den Zugang kappt, wie im Juni bei Fable geschehen.
Alphabet und Meta verdienen so viel wie nie – und behalten nichts davon
Wie teuer das Rennen ist, das Kimi K3 gerade billiger macht, hat Alphabet vergangene Woche vorgerechnet. Der Konzern wächst weiter zweistellig: 119,8 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal (plus 24 Prozent), der Betriebsgewinn legt um 30 Prozent auf 40,8 Milliarden zu, unterm Strich stehen 112,1 Milliarden Dollar Nettogewinn – wobei der Löwenanteil davon ein Gewinn aus Beteiligungen wie SpaceX und Anthropic ist. Das Cloud-Geschäft wächst um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar, Gemini kommt inzwischen auf 950 Millionen monatlich aktive Nutzer*innen (im Februar waren es 750 Millionen), und die Suche bleibt mit einem Plus von 17 Prozent das verlässliche Sicherheitsnetz.
Und trotzdem: Weil allein im zweiten Quartal knapp 45 Milliarden Dollar in Rechenzentren und KI-Chips geflossen sind, ist der freie Cashflow erstmals seit dem Börsengang ins Minus gerutscht. Die Investitionsprognose für 2026 hat Alphabet gleichzeitig noch einmal angehoben, auf 195 bis 205 Milliarden Dollar. Ein Konzern, der pro Quartal 40 Milliarden operativ verdient und am Ende weniger Geld in der Kasse hat als vorher – das ist die Größenordnung, in der KI-Infrastruktur inzwischen stattfindet.
Dass es sich dabei nicht um eine Google-Eigenheit handelt, hat Meta gestern Abend bestätigt. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar – nach 33 Prozent Wachstum im Vorquartal –, der Nettogewinn fiel dagegen um 14 Prozent auf 15,85 Milliarden. Die operative Marge rutschte von 43 auf 31 Prozent, belastet auch von 2,4 Milliarden Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und 1,18 Milliarden Abfindungen aus dem Stellenabbau im Mai. Der eigentliche Schreckmoment steht aber eine Zeile tiefer: Der freie Cashflow brach um 91 Prozent auf 784 Millionen Dollar ein, nach 8,55 Milliarden im Vorjahr. Die Aktie gab nachbörslich zeitweise über neun Prozent nach – und das, obwohl Meta die eigenen Investitionen für 2026 auf 130 bis 145 Milliarden Dollar anhebt. Im vergangenen Jahr waren es gut 72 Milliarden.
Zweimal dasselbe Muster in einer Woche: Rekordumsätze im Werbegeschäft, die vollständig in Rechenzentren wandern. Für Werbetreibende ist das keine abstrakte Bilanzfrage. Wer solche Summen vorfinanziert, wird sie über die Fläche wieder hereinholen müssen – über höhere Auktionspreise, über mehr Werbeplätze in KI-Oberflächen, über Funktionen, die man weniger gut abwählen kann.
Beinahe nebenbei kam aus Brüssel eine Strafe im Hinblick auf den Digital Markets Act gegen Google rein: 890 Millionen Euro, aufgeteilt in 460 Millionen für die Bevorzugung eigener Dienste in den Suchergebnissen und 430 Millionen für die Einschränkung von App-Entwickler*innen im Play Store. Google hat 60 Tage Zeit, sonst drohen Zwangsgelder.
KI News
Zwei OpenAI-Modelle brechen aus dem Labor aus
Es gibt diesen einen Typ Mitschüler, der mehr Energie ins Spicken steckt als ins Lernen. Genau das haben zwei OpenAI-Modelle vorgemacht – nur mit deutlich mehr Rechenleistung. Bei einem internen Sicherheits-Benchmark haben GPT-5.6 Sol und ein bislang unveröffentlichtes Modell eine Zero-Day-Lücke genutzt, um aus ihrer abgeschotteten Testumgebung auszubrechen, sich Zugang zum offenen Internet zu verschaffen und anschließend Hugging Face zu kompromittieren – jene Plattform, auf der die KI-Community ihre Modelle und Datensätze teilt.
Der Grund: Dort vermuteten die Modelle die Lösungen für den Test, den sie eigentlich selbst hätten lösen sollen. Vollständig autonom, ohne menschliche Anweisung. OpenAI selbst spricht laut Spiegel von einem „beispiellosen Cyber-Zwischenfall“. Hugging-Face-Chef Clément Delangue fordert von OpenAI inzwischen 100 Millionen Dollar in Form von Rechenleistung für offene Cyberabwehr sowie die vollständige Veröffentlichung der Agent-Protokolle.
Die KI-Branche streitet – über zwei verschiedene Fragen
In zwei Wochen sind zwei Unterschriftenlisten aus der KI-Branche erschienen, die Unterschiedliches verhandeln: Die eine fragt, wie offen KI sein soll, die andere, wie schnell.
Erste Frage: offen oder geschlossen? Am 24. Juli forderten 25 Tech-Konzerne – darunter Nvidia, Microsoft und Meta – die US-Regierung in einem offenen Brief auf, keine „verfrühten Beschränkungen“ für frei herunterladbare Modelle zu erlassen. Passend dazu gründete sich darauf die „Open Secure AI Alliance“, darunter Mitglieder wie Nvidia, IBM und Microsoft. Nicht dabei: Anthropic, Google und OpenAI – also genau die Anbieter, die ihre Modelle verkaufen, statt sie zu verschenken. Die Linie verläuft entlang der Geschäftsmodelle: Wer Chips und Rechenzentren vermietet, will möglichst viele frei laufende Modelle. Wer die Modelle selbst verkauft, eher nicht.
Zweite Frage: schnell oder langsam? Vier Tage später kam ein Statement, das nicht von den Konzernen stammt, sondern von ihren Beschäftigten. Über 1.200 Mitarbeitende der großen Labore haben „Pacing the Frontier“ unterzeichnet, darunter Anthropic-CEO Dario Amodei, OpenAIs Chefwissenschaftler Jakub Pachocki und Shengjia Zhao von Meta AI. Sie fordern keine Pause, sondern die Werkzeuge, um überhaupt bremsen zu können: Washington solle international daran mitarbeiten, das Tempo der KI-Entwicklung steuerbar zu machen.
Sam Altman nannte den Vorfall im Podcast „Invest Like the Best“ einen „extrem sciencefiction-artigen Cyber-Zwischenfall“. Mark Zuckerberg hält dagegen: In einer WSJ-Kolumne wundert er sich über die Weltuntergangsstimmung unter KI-Entwickler*innen, und in der Financial Times warnt er davor, chinesische Modelle zu sperren.
Für uns ist daran vor allem eines interessant: Die Debatte wird nicht mehr zwischen Branche und Regulierung geführt, sondern direkt innerhalb der Branche. Wir bleiben dran.
KI-News im Ticker
🚀 Anthropic bringt Claude Opus 5. Seit vergangenem Freitag ist Opus 5 verfügbar – in den Claude-Apps, in Claude Code und über die Schnittstelle. Interessanter als die Leistung ist das Preisschild: In mehreren Benchmarks zieht das Modell am hauseigenen Spitzenmodell Fable 5 vorbei, kostet aber die Hälfte.
💬 Private Claude-Chats landeten in der Google-Suche: Wer bei Claude einen Chat über die Teilen-Funktion weitergibt, erzeugt eine öffentliche Adresse. Über eine einfache Suchabfrage ließen sich daraufhin nun Tausende geteilte Chats und Artefakte bei Google finden – darunter z. B. US-Sozialversicherungsnummern. Die Einträge sind inzwischen aus den Suchergebnissen verschwunden.
🧊 Google friert Gemini ins Silizium. Unter dem Namen „Frozen v2“ arbeitet der Konzern an einem Chip, in dem Teile der Gemini-Architektur ein fester Bestandteil sind.
⚡ Drei neue Gemini-Modelle, eines fehlt weiter. Google hat Gemini 3.6 Flash, 3.5 Flash-Lite und 3.5 Flash Cyber veröffentlicht. Auf das große 3.5 Pro warten wir weiter – laut Bloomberg hakt es bei der Code-Qualität.
📓 NotebookLM heißt jetzt Gemini Notebook. Google hat sein Recherche-Tool umbenannt und handlungsfähiger gemacht.
🇪🇺 Microsoft steckt Milliarden in Mistrals Rechenzentren. Die beiden bauen ihre Partnerschaft aus: Tausende Nvidia-Chips für europäische Kapazitäten, Mistral Medium 3.5 und OCR 4 laufen künftig in Microsoft Foundry und Copilot Studio – auf Wunsch komplett ohne Internetverbindung. Zielgruppe sind regulierte Branchen, die ihre Daten nicht in eine US-Cloud geben dürfen.
📱 OpenAI baut Hardware. Gemeinsam mit Ex-Apple-Designer Jony Ive entsteht ein mobiler, bildschirmloser Smart Speaker mit Akku, Kamera, Sensoren und beweglichen mechanischen Elementen, als KI-Begleiter im Haushalt gedacht.
Suchmaschinen
Google kennzeichnet KI-Werbung
Im My Ad Center gibt es künftig den Reiter „Wie diese Anzeige erstellt wurde“, über den Nutzer*innen sehen, ob generative KI im Spiel war. Bei Anzeigen aus Googles eigenen KI-Werbetools wird das automatisch gesetzt – wer andere Tools nutzt, muss selbst deklarieren. Für uns in der EU relevant: Hier (sowie in Indien und New York) erscheint das Label direkt an der Anzeige, nicht versteckt im Menü. Wer generative Elemente in Paid-Kampagnen einsetzt, sollte die internen Freigabeprozesse also jetzt anfassen und nicht erst, wenn die Kennzeichnung fehlt.
Zeitgleich hat Google Bilder zum 25. Geburtstag ein neues Gesicht bekommen: Die Startseite wird zu einem personalisierten Feed mit Sammelfunktion – die Pinterest-Anleihen sind schwer zu übersehen. Der Feed startet zunächst nur auf Englisch, in den USA und am Desktop; Deutschland ist noch außen vor. Außerdem zieht der Bildgenerator Nano Banana 2 in die AI Overviews ein, sodass sich Bilder direkt aus der Suche heraus erzeugen lassen.
ChatGPT Ads wird ein richtiges Werbenetzwerk
OpenAI hat ein größeres Funktionspaket für ChatGPT Ads ausgerollt, und die Liste liest sich wie ein Google-Ads-Changelog aus den frühen Jahren: Conversion-optimierte Kampagnen mit oCPC-Gebotsstrategie, durchschnittliche Tagesbudgets über einen rollierenden Sieben-Tage-Zeitraum, automatisches Budget-Pacing, geografische Ausschlüsse, Anbindung an AppsFlyer und Adjust für App-Messung, erweitertes Conversion-Matching über gehashte Kundendaten und eine Bulk-API für Massenanlagen. Produktanzeigen bekommen zudem Karten mit Preis und Sternebewertung.
Das klingt unspektakulär, ist aber der Moment, in dem aus einem Testformat ein steuerbarer Kanal wird. Der DACH-Raum fehlt weiterhin – wer international ausspielt, kann ChatGPT Ads aber ab jetzt ernsthaft in die Mediaplanung nehmen, statt es als Experiment zu führen.
Social Media
Frankreich sperrt Social Media für Unter-15-Jährige
Die französische Nationalversammlung hat am 21. Juli mit 279 zu 81 Stimmen ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren verabschiedet, der Senat mit 243 zu 2. Ab dem 1. September dürfen keine neuen Konten mehr angelegt werden, bestehende Konten werden nach einer Übergangsfrist von vier Monaten zum 1. Januar 2027 geschlossen. Ausgenommen sind Online-Enzyklopädien sowie Bildungsangebote.

YouTube und WhatsApp bleiben zum Videoschauen und privaten Chatten nutzbar, müssen aber für ihre netzwerkartigen Funktionen eine Altersprüfung einführen. Parallel wird das Handyverbot an Schulen auf die Oberstufe ausgeweitet.
Ob das hält, ist offen: Viele Politiker*innen wollen den Verfassungsrat einschalten, und die EU-Kommission hat Nachbesserungen beanstandet, weil sie eine Zersplitterung in nationale Regeln fürchtet. Uns beschäftigt vor allem die praktische Seite. Die australische Erfahrung zeigt, dass Verbote ohne belastbare Altersverifizierung vor allem eines produzieren: Umgehung. Trotzdem heißt das für die Planung etwas Konkretes: Wer junge Zielgruppen in Frankreich erreichen will, sollte ab Herbst mit spürbar kleineren adressierbaren Reichweiten rechnen.
Facebook wird zu TikTok – und zerfällt dabei in Einzelteile
Facebook hat angekündigt, dass die App noch dieses Jahr in einer neu gedachten Variante getestet wird, die beim Öffnen direkt ein Vollbild-Video zeigt. Der klassische Feed rutscht damit auf einen zweiten Tab. Getestet wird zunächst in Ländern mit hoher Videonutzung. Der Anlass ist wenig überraschend: Meta hat laut eigenen Angaben im ersten Quartal 2026 plattformübergreifend 20 Millionen Nutzer*innen verloren.
Gleichzeitig läuft die Zerlegung von Facebook in seine Einzelteile: Der Marketplace mit monatlich 430 Millionen angebotenen Artikeln bekommt mit „Seller“ eine eigene App, Gruppen laufen seit Mai in der Reddit-artigen App „Forum“, und das Creator Studio kehrt als eigenständige Anwendung zurück. Für Marken heißt das im Endeffekt: Facebook ist kein Kanal mehr, sondern mehrere. Wer dort Communities pflegt, sollte im Blick behalten, in welcher App die eigene Zielgruppe künftig überhaupt noch landet.
Etwa die Hälfte des Influencer-Budgets geht an Micro und Nano
Der Influencer-Markt verschiebt sich: Laut einer Emarketer-Prognose fließen 2026 knapp 45 Prozent der US-Influencer-Budgets an Creator mit weniger als 20.000 Follower – und haben sich damit seit 2021 mehr als verdoppelt. Nanoinfluencer mit unter 5.000 Follower kommen inzwischen auf fast 20 Prozent. Bemerkenswert, denn vor fünf Jahren lagen sie noch bei gut drei Prozent. Insgesamt sollen US-Creator dieses Jahr 21 Milliarden Dollar einnehmen.
Und das sind keine Marken mit Mini-Budget: Das Wall Street Journal nennt Target, American Eagle und SoulCycle unter denen, die mit Creatorn ab teilweise 500 Followern arbeiten. Der Grund ist der: Weil die Feeds kaum noch zeigen, wem man folgt, garantiert eine große Gefolgschaft keine Sichtbarkeit mehr. Damit wird die Rechnung zunehmend eine andere – nicht ein Creator mit einer Million Follower, sondern fünfzig mit zweitausend, die ihre Nische wirklich erreichen.
Social Media News im Ticker
🦌 Meta bleibt der Platzhirsch. Trotz aller Umbauten hat Meta weiterhin die mit Abstand größte Reichweite aller sozialen Netzwerke – ein nützlicher Realitätscheck, bevor man Budgets vorschnell umschichtet.
🔌 Reddit erwägt, Google abzuklemmen. Der 2024 geschlossene Deal, der Reddit rund 60 Millionen Dollar im Jahr für KI-Trainingsdaten einbringt, läuft aus – und intern wird diskutiert, Google den Zugriff zu entziehen, weil die KI-Antworten in der Suche den Traffic wegfressen.
🎶 Instagram lässt Musik nachträglich tauschen. Mit „Replace Audio“ lässt sich der Sound unter bereits veröffentlichten Posts und Karussells nun austauschen, ohne Likes, Kommentare und Reichweite zu verlieren.
🏷️ Instagram kennzeichnet KI-Inhalte sichtbarer. Passend zu den Transparenzpflichten des AI Act rollt Meta ein neues Info-Label für KI-generierte Inhalte aus, zunächst unter iOS.
🕸️ Kommt MySpace zurück? Zum Start einer Dokumentation über die Plattform bestätigte der Eigentümer Chris Vanderhook, dass ihm MySpace weiterhin gehört und sie es relaunchen wollen – „sobald der richtige Zeitpunkt gekommen ist“. Ein Datum, ein Produkt oder eine Zahl nennt niemand, das ist also eher Nostalgie-PR als Roadmap.
Content Piece der Woche
„Odysseus: The Fall“ – Hieß der Film nicht anders? 🏛️
Genau: Parallel zu Christopher Nolans „The Odyssey“ (mit 250 Millionen Dollar Budget) bringt das Startup Fountain 0 im Spätsommer einen vollständig KI-generierten Gegenentwurf: 135 Minuten, gebaut mit Kling, Nano Banana, Claude und Gemini, für eine mittlere fünfstellige Summe. Aufschlussreich als Studie darüber, was technisch geht – und wo die Lücke zur Erzählkunst bleibt. Den Trailer dazu könnt ihr euch hier anschauen:

Lesetipps & Empfehlungen
Falls ihr noch ein paar Minuten übrig habt …
📚 Ihr wollt KI verstehen? – Krautreporter hat eine Leseliste (€) zusammengestellt, die aus einer Leserumfrage entstanden ist. Darin unter anderem eine Chronik des Aufstiegs von OpenAI, ein Buch über die versteckten Kosten des KI-Booms und eines über die Arbeitsbedingungen entlang der KI-Wertschöpfungskette.
🖨️ Die ChatGPT-Flyer-Pandemie – 404 Media hat sich angesehen, wie KI-generierte Flyer und Plakate den öffentlichen Raum fluten (€): krumme Bildunterschriften, halluzinierte Öffnungszeiten, sechs Finger an der Hand des lächelnden Handwerkers. Der Text ist unterhaltsam und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass generischer KI-Output inzwischen sichtbar aus den Feeds auf die Straßen herausschwappt – und dass sich Sorgfalt genau deshalb wieder lohnt.
🔊 Conserve The Sound – Ein Online-Museum für verschwundene Geräusche: Wählscheibentelefon, Diaprojektor, Kassettenrekorder, Schreibmaschine. Nebenbei eine hübsche Erinnerung daran, wie stark Klang Markenerinnerung prägt – Sound-Branding wird selten so anschaulich wie hier.
