Mobile SEO in der Smartphone-Ära – Was bei der mobilen Suchmaschinenoptimierung zu beachten ist

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Es mag vielen Menschen wie eine Ewigkeit erscheinen, dass der Tag noch nicht damit begann, seine Aufmerksamkeit nach dem Aufwachen intuitiv dem Smartphone zu widmen. Seit mehr als einem Jahrzehnt schleicht sich das Smartphone Stück für Stück in unseren Alltag und hat dabei ganz langsam die Vorherrschaft an sich gerissen. Die Machtübernahme des Smartphones sorgt nicht nur viele User vor einer Verstärkung ihrer Fomos, sondern auch Anbieter von Online-Auftritten um eine optimale Darstellung ihrer Inhalte auf den kleinen Bildschirmen. Schließlich lässt sich die SEO-Optimierung einer Desktop-Seite nicht zwangsläufig mit einer mobilen Seite gleichsetzen, da die einzelnen Anforderungen unterschiedlich sind. Wer als SEO mit offenen Augen durch die Welt geht, dürfte daher nicht überrascht sein, dass Mobile SEO nicht nur eine auf Konferenzen hoch gehandelte Worthülse ist, sondern bereits eindeutige Realität.

Warum Mobile SEO wichtig ist

Um die Notwendigkeit des Mobile SEO zu verstehen, ist es wichtig sich die Faktoren vor Augen zu halten, die für das Aufkommen der Sparte verantwortlich sind. Die reine Existenz von Smartphones reicht lange noch nicht aus, um Mobile SEO als ein relevantes Themenfeld zu betrachten. Schließlich sind es Menschen, die sich für diese Technik entscheiden müssen. Die Smartphone-Nutzung ist bei einigen Menschen mittlerweile so ausgeprägt, dass sie das Gerät als Erweiterung ihres eigenen Ichs sehen, ohne das sie sich ein Leben nur schwer vorstellen können. Um diese Menschen zu erreichen, benötigt es Mobile SEO.

Wer weitere Argumente für die Notwendigkeit von Mobile SEO sucht, findet diese in Zahlen. Bereits 2015 verkündete Google, dass die Anzahl der Suchanfragen auf mobilen Geräten die der auf stationären Geräten überschritten hat. Dass sich diese Situationen innerhalb der darauffolgenden Jahre zurückentwickelt hat, dürfte lediglich das Wunschdenken von Seitenbetreibern sein, die sich noch nicht mit Mobile SEO auseinandergesetzt haben. Wenig überraschend überholt Mobile den historischen Desktop nicht nur bezüglich der Suchanfragen, sondern auch hinsichtlich der täglichen Nutzungszeit. SEO-Koryphäe Rand Fishkin titelt dazu passend: „Mobile didn’t kill desktop, it just killed all our free time“. Beachtlich ist außerdem, dass Mobile SEO nicht automatisch mit der Nutzung des Internets „on the go“ zu verstehen ist. Studien zeigen, dass für die Internetnutzung oftmals das Gerät verwendet wird, welches sich am nächsten an der Person befindet, was wenig überraschend in den meisten Fällen das Smartphone ist.

Eine abschließende Begründung in der Unumgänglichkeit von Mobile SEO findet sich in der wirtschaftlichen Betrachtung der Thematik. Online-Auftritte ohne mobil angepasste Seiten verzeichnen geringere Conversion-Raten, höhere Bounce-Raten, einen niedrigen ROI und werden zu all dem durch den ausgerufenen Mobile First Index von Google zukünftig abgestraft.

Was bedeutet Mobile-Friendly?

Basierend auf den aufgeführten Argumenten für die mobile Optimierung der eigenen Website sollte Mobile SEO als unentbehrliches Projekt auf die Agenda jeder Seite gesetzt werden.  Doch was versteht sich eigentlich unter dem Begriff „Mobile-Friendly“, den Google besonders enorme Aufmerksamkeit schenkt? Eine Seite ist mobile-friendly, wenn:

  • Die Seite innerhalb einer angemessenen Zeit auf einem mobilen Gerät (Tablet & Smartphone) auch bei einer durchschnittlichen 3G Verbindung angezeigt wird
  • Die Seite generell einen ausgezeichneten Pagespeed vorweist
  • Inhalte auf der Seite entsprechend der kleinen Displays deutlich les- und konsumierbar angezeigt und strukturiert werden (kein Pinchto Zoom)
  • Ausreichend Platz für die Touch-Navigation bei der Gestaltung der Seite eingeplant werden
  • Zusätzlicher Nutzen für die Funktionen des Smartphones mit eingefügt werden
  • Die Seite auch den Suchmaschinen verständlich mitteilen, dass es sich um mobile Variante handelt

Was ist der Unterschied zwischen Mobile SEO und Desktop SEO?

„Aber ich habe doch bereits eine optimal optimierte Desktop-Seite, warum sollte ich Wert auf Mobile SEO legen?“ Trotz des enormen Werts von mobiler Suchmaschinenoptimierung mag dieser Gedanke oftmals ausschlaggebend für die niedrige Priorisierung für Mobile SEO sein. Doch eine stationäre SEO Performance ist bei weitem nicht mit einer mobilen SEO Performance gleichzusetzen. Grund dafür sind:

  • die deutliche Einschränkung des sichtbaren Bereichs auf mobilen Geräten im Vergleich zu stationären Geräten
  • die ersten Platzierungen gewinnen mobil noch mehr an Wert, da bezahlte Suchergebnisse mobil noch prominenter angezeigt werden
  • ein unterschiedliches Suchverhalten auf mobilen Geräten im Vergleich zum Desktop
  • die Notwendigkeit der angepassten Strukturierung der Inhalte auf mobilen Geräten
  • geringe Geduld bei der mobilen Mediennutzung (Stichwort: Pagespeed)

Mobile SEO – Status Quo

Ist die finale Entscheidung hinsichtlich der SEO Optimierung getroffen, sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen, sondern zunächst ein Bild der Lage geschaffen werden. Für eine erste Einschätzung bezüglich der mobilen SEO Performance eigenen sich besonders folgende Tools:

Mobile SEO Maßnahmen

Vor der Umsetzung individueller Mobile SEO Maßnahmen sollte zunächst Klarheit darüber herrschen, welche Struktur hinter einer mobil optimierten Seite herrscht. Grundsätzlich lässt sich diese in drei einzelne Unterpunkte splitten: technisches SEO, User Experience und Content-Optimierung. Dabei handelt es sich keineswegs um unbekannte Punkte, schließlich sollten sie bereits umfänglich bei der Desktop-Variante der Seite berücksichtigt werden. Dennoch finden sich in jeder Kategorie Kleinigkeiten, die sich gegenüber dem klassischen Desktop-SEO unterscheiden.

Technisches SEO

Oberste Priorität sollte in dem Bereich des technischen SEO die Optimierung des Pagespeeds sein. Google selbst hat nicht zuletzt mit dem Mobile First Index und der Berücksichtigung des Pagespeeds als Rankingfaktoren der mobilen Suche den Stellenwert extrem verdeutlicht. Großes Augenmerk sollte ebenso in der Unterbindung von Pop-Ups auf mobilen Seiten liegen. Der Einsatz dieser Technik führt ebenso zur Abstrafung. Weitere technische Aspekte, die berücksichtigt werden sollten, sind:

  • keine Blockierung von JavaScript, HTML oder CSS
  • Beschränkung der Redirects
  • Viewport Angaben im Quelltext als Mitteilung an Google

In den Bereich des technischen SEO steht zudem die Frage nach der Umsetzung einer mobilen Seite, wobei grundsätzlich drei Möglichkeiten bestehen. Detaillierte Informationen finden sich im Developer Bereich von Google.

Responsive Design: Dynamic Serving: Seperate Domian:
  • Googles Favorit
  • Server Side Technology
  • Andere URLs gegenüber der Desktop-Variante
  • Seite erkennt das Gerät und passt den Inhalt automatisch an
  • Je nach verwendetem Gerät werden verschiedene Dateien an den Browser gesendet
  • Unterschiedliche Inhalte als auf dem Desktop
  • Geeignete Maßnahme für Aufnahme in den Mobile First Index
  • URLs bleiben identisch
  • rel=’canonical‘ & rel==’alternate‘ Verweis auf die Desktop Variante
  • „viewport“ Angabe im Head Bereich
  • Vary Header í Mitteilung an Google für mobil optimierte Inhalte
  • Versuch, Gerät des Nutzers zu erkennen inkl. Weiterleitung zu passender Seite

Neben diesen drei Varianten soll die Progressive Web App (PWA) nicht außer Acht gelassen werden. Sie kombiniert die Vorteile einer nativen Smartphone App mit denen einer üblichen Web-App, so z.B. unterliegt die App keinen Regularien der App Stores. Seitens der User muss keine App heruntergeladen werden und gewohnte Standardfunktionen wie Push Notifications sind möglich. Bisher war die Nutzung PWAs ausschließlich auf dem OS von Android möglich, jedoch stellt sich Apple zukünftig darauf ein.

User Experience

Der auffälligste Unterschied zwischen Mobile und Desktop SEO ist zweifelsohne die User Experience. Bildschirme auf dem Smartphone und Tablet zeichnen sich nicht bloß durch eine kleinere Größe aus, sondern besonders durch die Touch-Navigation. Deshalb müssen im Mobile SEO deutlich andere Geschütze aufgefahren werden, um die Bedürfnisse der User zu befriedigen. Um sich den Nutzern bestmöglich zu präsentieren, sollten diese Stellschrauben berücksichtigt werden:

  1. Anpassung der angezeigten Schriftgröße an die verschiedenen Bildgrößen
  2. Ausreichend Freiraum zwischen den klickbaren Elementen sowie eine angemessene Größe der interaktiven Elemente
  3. Klickbare Untermenüs, damit eine automatische Weiterleitung zur Startseite vermieden wird
  4. PinchtoZoom ist ein absolutes No Go
  5. Unterstützende Funktionen des Smartphones berücksichtigen (z.B. Anruf-Funktion bei Klick auf die Telefonnummer)
  6. Aufmerksamkeit auf strukturelle Gestaltung der Seite legen

Content Optimierung

Mobile First ist nicht nur die Ansage von Google, auch vielen Publishern ist der Wandel zum Smartphone bewusst. Aus diesem Grund arbeiten große Seiten seit längerer Zeit mit einem Content Management System, dessen Inhalt primär auf mobile Seiten ausgerichtet wird (BuzzFeed war in diesem Bereich einer der ersten Vorreiter).

Grundsätzlich sollte bei der Erstellung mobiler Inhalte an die variierende Nutzung gegenüber des Desktops gedacht werden. Die Aufmerksamkeitsspanne beträgt auf dem Smartphone nur ein Bruchteil derer auf dem Desktop. Inhalte müssen dementsprechend übersichtlich und leicht verständlich erstellt werden. Die optimale Aussteuerung von mobilen Inhalten benötigt ein vollkommen neues Mindset. Dieses zu verstehen und anzuwenden ist eine der größten Herausforderungen für die Content-Erstellung in der mobilen Ära.

Aus SEO Perspektive ist weiterhin zu beachten, dass sowohl den Titles wie Descriptions mobil weniger Pixel zustehen als auf dem Desktop. Eine vollständige Anzeige auf dem Desktop garantiert daher keine optimale Anzeige auf dem Smartphone. Zudem erhalten strukturierte Daten entsprechend des komprimierten Bildschirm eine deutlich erhöhte Aufmerksamkeit und sollten nicht auf der Mobile SEO Agenda vergessen werden.

Fazit

Mobile SEO ist viel mehr als die gleiche Herangehensweise nur auf kleinerem Bildschirm. Mobile SEO verlangt eine andere Denke, schärfere Kritik an der eigenen Seite und nochmals größere Konkurrenz als auf dem Desktop. Wer in der mobilen und digitalen Öffentlichkeit(zukünftig) relevant sein will, kommt um Mobile SEO nicht herum.

Ecki startete im Juni 2016 zunächst als Trainee und ist nunmehr Account Manager bei Projecter. Dabei ist er zuständig für die Bereiche Social Media und SEO. Vor Projecter studierte er an der Hochschule Anhalt Online Kommunikation. Privat ist er noch immer auf der Suche nach dem heiligen Snapchat Gral.

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