Hass im Netz: Wenn Events wie Olympia zum Brennglas werden | Projecter Weekly #8 2026

Zusammenfassen mit ChatGPT

KI hilft den Olympia-Sportler*innen dabei, Hasskommentare auf ihren Profilen zu filtern, während sie gleichzeitig die Basis für gefährliche Entwicklungen wie Deepfakes ist – wie immer gibt es verschiedene Seiten der Medaille.

Diese Woche erfahrt ihr außerdem …

💶  Warum Paypal vor dem Verkauf steht,

📉  Warum Anthropic Softwareunternehmen ins Wanken bringt,

🤖  Wie ihr KI optimal in euren Arbeitsalltag integriert.

Entwicklungen & Trends

Verkaufsgerüchte um Paypal

Der Bezahldienstleister Paypal ist unter anderem in Deutschland omnipräsent im Checkout von Onlineshops, kämpft aber schon seit mehreren Jahren mit der Modernisierung seiner Zahlungstechnologien und wachsender Konkurrenz. Im vierten Quartal 2025 verfehlte das Unternehmen die Gewinn- und Umsatzerwartungen, der Börsenwert sank auf 40 Mrd. Dollar (2021 waren es noch 360 Mrd.).

Diese Woche kursierten nun Gerüchte über mögliche Kaufinteressenten für Paypal – erst vage, dann mit einem konkreten Kandidaten, dem Zahlungsdienstleister Stripe. OMR hat einen ausführlichen Bericht mit verschiedenen Szenarien dazu veröffentlicht.

Der Börsenkurs profitierte jedenfalls kurzfristig von den Gerüchten und ein möglicher Verkauf dürfte wegweisend für die künftige Ausrichtung von digitalen Bezahloptionen sein. Unser Fazit: Sollten man definitiv im Auge behalten!

Claude does it again: Software-Aktienkurse stürzen ab

Wir hatten kürzlich schon berichtet, dass der Launch von neuen Plugins für Anthropics Claude Cowork für eine  „SaaS“-pokalypse sorgte – naja, vielleicht nicht ganz. Fakt ist aber, dass die Sorge um die Software-as-a-Service-Geschäftsmodelle deren Aktienkurse kräftig fallen ließ. Nun legt Anthropic nochmal nach und hat mit Claude Code Security ein Tool gelauncht, das Code auf Sicherheitsschwachstellen untersucht … und auch gleich repariert. Diesmal erwischte es die Aktien von Cyber-Security-Anbietern wie Okta, CrowdStrike und Zscaler.

Das alles hat vermutlich erstmal wenig bis keine praktischen Auswirkungen auf diese Unternehmen, zeigt aber eindrucksvoll, wie nervös Aktienmärkte, Investoren und wahrscheinlich auch die ganze Branche gerade sind. Niemand kann ganz genau vorhersagen, wie sich das Nutzungsverhalten in den nächsten Jahren entwickeln wird, ob Unternehmen wirklich auf – mit Hilfe von KI – selbstgebaute Lösungen setzen oder weiterhin etablierte Standard-Software nutzen werden. In einem Szenario könnte man sich hier fallende Lizenzpreise vorstellen, andererseits gibt es das Alternativmodell mit KI ja auch nicht kostenlos.

Letzte Chance auf unseren Ticketrabatt für die SMX 2026

Stichwort KI: Suchmarketing steht in diesem Jahr vor riesigen Chancen, aber auch vor ziemlich großen Herausforderungen. Gerade deshalb empfehlen wir euch die SMX in München als Europas führende Suchmarketing-Konferenz, wenn ihr noch auf der Suche nach sinnvollen Investitionen beim Thema Weiterbildung seid. Vom 10. bis 11. März erwartet euch ein umfassendes Programm von über 70 Sessions zu SEO, PPC, E-Commerce, Content, AI und mehr.

Kleiner Tipp: Mit unserem Code projectermuc26 erhaltet ihr 15 % Rabatt auf eure Tickets. Sehen wir uns dort? 🤝🚀

Amazon und Shopify kontrollieren die Hälfte des amerikanischen E-Commerce

Die beiden E-Commerce-Riesen Amazon und Shopify haben nicht nur Europa fest in der Hand. Laut aktuellen Zahlen entfielen 2025 die Hälfte der US-amerikanischen E-Commerce-Umsätze auf die beiden Anbieter – 35,7 % auf Amazon und 14 % auf Shopify. 2021 waren es noch zusammen 43 %. Amazon fungiert als zentrale Shopping-Destination, Shopify dagegen als „Betriebssystem“ für Millionen einzelner Shops, die jeweils unter eigener Marke verkaufen. Das Spannende daran ist weniger der Wettkampf „Amazon vs. Shopify“, sondern dass sich der Markt praktisch um zwei Modelle organisiert hat: zentraler Marktplatz (Amazon) versus dezentrale Direct-to-Customer-Infrastruktur (Shopify).

Für Marken heißt das: Wer wachsen will, landet fast zwangsläufig in einem (oder beiden) Ökosystemen – und der harte Wettbewerb spielt sich zunehmend in der „anderen Hälfte“ ab, wo alle weiteren Player um Aufmerksamkeit, Traffic und Händler kämpfen. Wobei „andere Hälfte“ sehr relativ ist, wenn man in Betracht zieht, dass Amazon in Deutschland bereits über 60 % des E-Commerce-Umsatzes bei sich konzentriert.

Quelle: Marketplace Pulse

KI News

Wenn wir schonmal beim Thema KI-Optimierung sind: So werdet ihr zur Quelle für ChatGPT & Co.

Im Vergleich zu Anthropic scheint OpenAI – statt über die Software – den Weg über die Unternehmen zu gehen, um sich in Zukunft von anderen KI-Entwicklern abzugeben: Das Unternehmen hat laut Reuters nämlich eine sogenannte „Frontier Alliance“ mit Beratungsriesen wie BCG, McKinsey, Accenture und Capgemini gegründet. Die Allianz soll es ermöglichen, KI-Agenten auf Basis von OpenAIs neuer Plattform Frontier tief in zentrale Geschäftsprozesse zu integrieren.

Ziel ist es, Unternehmen nicht nur Werkzeuge zu verkaufen, sondern bei der echten, nachhaltigen Implementierung und Transformation zu begleiten. Der Konkurrenzdruck durch Google, Anthropic & Co. dürfte diesen Schritt beschleunigt haben …

Kostenfreies Webinar

Mehr als nur Prompts: Google Gemini, Gems & NotebookLM im Marketing-Alltag

KI ist schnell getestet – aber selten gut integriert. In unserem nächsten Webinar am Mittwoch, den 11. März 2026, zeigen euch unsere Kolleginnen Johanna Stelter und Hanna Bürger, Mitglieder unseres internen AI Teams, wie ihr KI in eigene Tools integriert, durch smarte Routinen sofort Zeit einspart und internes Wissen im Team nutzbar macht.

Internationale Datenschutzbehörden warnen vor Deepfakes

Ein weltweites Bündnis aus über 60 Datenschutz- und Aufsichtsbehörden, darunter auch der Europäische Datenschutzbeauftragte, hat eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie vor den wachsenden Gefahren durch KI-generierte Deepfake-Bilder und -Videos warnen. Darin fordern sie Tech- und KI-Entwickler vor allem mit Fokus auf den Schutz von Minderjährigen und auf wachsenden Problemen wie nicht-konsensualer Pornografie und Rufschädigung zum Handeln auf. Denkbar seien eine lückenlose Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte, technische Sperren gegen Missbrauch und einfache Wege, unzulässige Inhalte löschen zu lassen. 

Social Media

Hass gegen Athlet*innen, nicht nur bei Olympia

Menschen, die im öffentlichen Interesse stehen, sind häufig Hasskommentaren in Social Media ausgesetzt. Bei sportlichen Großereignissen wie Olympia wird das Thema aber noch brisanter und bekommt zum Glück aber auch mehr Aufmerksamkeit. Während der olympischen Winterspiele berichteten viele internationale Sportler*innen von heftigen Anfeindungen im Netz, vor allem nach Wettkämpfen, die nicht ideal liefen.

So verpatzte der Eislauf-Favorit Ilia Malinin völlig überraschend seine Kür, bekam keine Medaille und berichtete danach von den enormen psychischen Belastungen durch Hate Speech. Der Deutsche Olympische Sportbund stellte wie schon bei den Sommerspielen in Paris den Athlet*innen einen KI-Filter zur Verfügung, der – auf den eigenen Social-Media-Profilen angewendet – Hasskommentare herausfiltert. 

Jeder zweite Deutsche befürwortet ein X-Verbot

Die Geduld mit Elon Musks Plattform X scheint, für uns nicht überraschend, zu schwinden: Laut einer aktuellen, repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag von HateAid und People vs Big Tech spricht sich etwa die Hälfte der Deutschen für ein Verbot der Plattform aus, sollte diese weiterhin gegen europäisches Recht verstoßen.

Vom Informations-Netzwerk zum „Instrument der Rechten“? Kritiker*innen werfen Musk vor, X seit der Übernahme systematisch in ein politisches Werkzeug verwandelt zu haben. Besonders alarmierend ist auch, dass der plattformeigene KI-Assistent Grok die Erstellung und Verbreitung von Millionen sexuell missbräuchlicher Deepfakes (NCII) ermöglichte. Wir können dazu nur sagen: Zum Glück gerieten Grok und X schon darüber in eine massive öffentliche Kritik. Ob die EU-Kommission auf die aktuelle Umfrage reagiert, wird sich zeigen.

Und wo wir einmal beim Thema sind: Ja, das sind Dinge, die Elon Musk wirklich verkündet hat.

Kleinere Social Media Updates

🤖 Pinterest versinkt im KI Slop: Pinterest User klagen aktuell über eine wachsende Flut an KI Content. Besonders kritisch: Die automatische Moderation löscht derzeit vermehrt echte, handgezeichnete Werke, da sie diese fälschlicherweise als KI-Inhalte einstuft. Dies führt zu einem massiven Vertrauensverlust innerhalb der Community.

🔞 Die Debatte um Social-Media-Mindestalter geht weiter: Die CDU fordert nun ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren, während die CSU, der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sowie Kinderschutz- und Lehrerverbände eher für Medienkompetenzausbau statt für Verbote plädieren. Irland plant bereits nationale Beschränkungen und möchte das Thema 2026 auf EU-Ebene vorantreiben.

🇩🇪 Bundeskanzler Friedrich Merz spricht sich für eine Klarnamenpflicht im Internet aus. Das solle die Hemmschwelle für Hassrede erhöhen. Mal davon abgesehen, dass dies Tech-Giganten wie Meta, TikTok & Co. weniger interessieren dürfte, trifft die Aussage schon direkt bei den eigenen Koalitionspartnern auf wenig Zustimmung: Die SPD lehnt ab, Netzaktivist*innen kritisieren den Vorstoß weiterhin als Gefahr für die Pressefreiheit.

🇺🇸 Ein US-Portal gegen EU-Sperren: Das US-Außenministerium arbeitet laut Berichten an „freedom.gov“, um EU-Bürger*innen Zugriff auf in Europa blockierte Inhalte zu ermöglichen. Das Portal soll inklusive VPN-Funktion auch Inhalte wie Hassreden oder Propaganda zugänglich machen, die nach EU-Recht verboten sind. Die Seite ist bereits online, zeigt derzeit aber nur die Ankündigung „Freedom is Coming“.

Lesetipps & Empfehlungen

Falls ihr noch ein paar Minuten übrig habt …

Wir wollen an dieser Stelle wirklich nicht zum Faulsein motivieren – oder vielleicht doch? Dieser Krautreporter-Artikel bietet euch eine sehr erfrischende Auseinandersetzung mit dem Thema Nichtstun, warum das für uns alle überlebensnotwendig ist und ganz eventuell hatten wir wegen der etwas ruhigeren Nachrichtenlage diese Woche tatsächlich Zeit, den Beitrag in Ruhe zu lesen.

Und falls ihr genau jetzt eine Pause braucht, empfehlen wir diese tollen und mal ganz anderen Fotos von den Olympischen Spielen des Atlantic-Magazins, auch für Nicht-Wintersport-Fans lohnenswert.

Auf der Suche nach noch mehr Lesestoff? Die Longlist des International Booker Prizes 2026 wurde veröffentlicht.

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