OpenClaw-Fieber: Wenn Oma in Shenzhen Hummer züchtet 🦞 | Projecter Weekly #12 2026
The Future is now… mal wieder. Wir haben Updates von der SXSW-Konferenz und schauen uns genauer an, was OpenClaw in der Zwischenzeit mit Agentic AI gemacht hat, unter anderem in China. Idealo macht sich in ChatGPT breit und Musk und Zuckerberg müssen jeweils eine saftige Niederlage einstecken.
Diese Woche erfahrt ihr außerdem …
💰 wie viele Deutsche mit KI einkaufen wollen,
💀 wie die Welt untergehen könnte,
🎓 und wie ein SMS-Kurs die Bevölkerung AI-ready machen soll.
Entwicklungen & Trends
Amy Webbs Convergence Outlook – Das Ende der Einzeltrends
Letzte Woche fand die SXSW-Konferenz in Austin statt – und mit ihr eines der ikonischsten Rituale der Tech-Welt: Amy Webbs jährlicher Tech Trends Report. Seit 18 Jahren präsentiert die Futuristin und CEO der Future Today Strategy Group dort ihren Ausblick auf die wichtigsten Technologietrends. Millionen Downloads pro Jahr, zitiert in Vorstandsetagen weltweit.
Dieses Jahr hat sie ihn beerdigt. Wörtlich. Schwarzer Umhang, Trauerrede, Marching Band auf der Bühne. Kein Witz.
Ihre Begründung: Ein statisches PDF mit Einzeltrends ist bei Erscheinen bereits veraltet. In einer Welt, in der sich technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Kräfte gleichzeitig verschieben und gegenseitig verstärken, reicht es nicht mehr, sie isoliert aufzulisten. Stattdessen gibt es jetzt den Convergence Outlook 2026 – immer noch 318 Seiten, aber mit einem fundamental anderen Ansatz.
Webb nutzt die Metapher von Sturmsystemen: Einzelne Wetterdaten sind nützlich, aber erst wenn Drucksysteme, Feuchtigkeit und Temperatur zusammenkommen, entsteht der Sturm. Genauso verhält es sich mit den zehn „Konvergenzen“, die sie identifiziert hat – darunter Compute Shock, Agentic Economy, Post-Search Internet, The New Labor Equation, Human Augmentation und Corporate Panopticon.
Der spannendste Aspekt: Webb hat nicht nur über kreative Selbstzerstörung geschrieben – sie hat sie praktiziert. Ihr Tech Trends Report war ihr erfolgreichstes Produkt. Und sie hat ihn absichtlich zerstört, bevor der Markt es für sie tut. Ihr Argument: Wer sich an das klammert, was gestern funktioniert hat, wird nicht dramatisch scheitern – sondern langsam irrelevant werden. Das ist eine Botschaft, die über Tech-Trends hinausgeht.
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KI News
Von Shenzhen bis Silicon Valley: Wie ein Hummer die KI-Welt erobert 🦞
Die KI-Agenten-Welle hat diese Woche gleich mehrere Höhepunkte erreicht – und einen ziemlich ernüchternden Tiefpunkt.
China im OpenClaw-Rausch. Was als Open-Source-Nebenprojekt des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger begann, ist in China zum Massenphänomen geworden. „Hummer züchten“ – so nennen chinesische Nutzer*innen das Installieren und Trainieren von OpenClaw, angelehnt an das rote Logo des KI-Agenten. Tencent organisiert öffentliche Events zur Installationshilfe, bei denen Großeltern und Schulkinder Schlange stehen. Die Lokalregierung in Shenzhen vergibt kostenlose Computing-Credits und Cash-Prämien für OpenClaw-Projekte. Die Kehrseite: Chinas Cybersicherheitsbehörde CNCERT warnt vor Datenschutzrisiken und untersagt Behörden und sensiblen Branchen wie dem Bankwesen die Nutzung. Und auf Social Media boomen jetzt Bezahl-Services für die Deinstallation – nachdem Nutzer*innen vorher für die Installation bezahlt hatten. You can’t make this up.
Nvidia macht OpenClaw enterprise-tauglich. Auf der GTC-Konferenz hat Nvidia NemoClaw vorgestellt – im Grunde OpenClaw mit Sicherheitsgurten. Ein einziger Befehl installiert die Nvidia OpenShell-Runtime, die Policy-basierte Datenschutz- und Sicherheitsregeln hinzufügt. CEO Jensen Huang wird nicht müde zu betonen: „OpenClaw ist das Betriebssystem für persönliche KI.“ NemoClaw soll jetzt die Brücke zu Enterprise-Kund*innen schlagen, mit Hybrid-Modellen (lokal + Cloud) und definierten Sicherheitsleitplanken. Steinberger selbst arbeitet mittlerweile bei OpenAI – angeworben von Sam Altman persönlich, um „die nächste Generation persönlicher Agenten“ zu bauen.
Anthropic kontert mit Dispatch. Nicht nur Nvidia setzt auf Agenten: Anthropic hat diese Woche Claude Dispatch gelauncht – eine Funktion, mit der Claude als dauerhaft laufender Agent auf dem Desktop arbeitet, während man ihn vom Handy aus steuert. Apps öffnen, Browser navigieren, Spreadsheets ausfüllen – alles remote. Der Clou: Eine persistente Session, die Kontext über Aufgaben hinweg behält. Verfügbar für Pro- und Max-Nutzer*innen, vorerst nur auf dem Mac.
Und dann die kalte Dusche. Das Paper „Agents of Chaos“ – geschrieben von 38 Forscher*innen an 13 Instituten, darunter Harvard, Stanford und MIT – dokumentiert, was passiert, wenn KI-Agenten in einer realen Laborumgebung zwei Wochen lang autonom agieren dürfen. Die Ergebnisse: Identitätsfälschung, Weitergabe sensibler Daten, unkontrollierter Ressourcenverbrauch und teilweise Systemübernahme. Das Beunruhigende: Keiner dieser Fehler brauchte einen Jailbreak oder böse Absichten. Die Agenten haben sich einfach so verhalten, weil die Anreizstrukturen es hergaben. Na dann.

Make America AI Ready: 10 Minuten am Tag gegen die Angst vor der Zukunft
Drei unabhängige Quellen haben diese Woche ein bemerkenswertes Gesamtbild zu unserem Dauerbrennerthema „KI und der Arbeitsmarkt“ gezeichnet.
Die Washington Post hat eine interaktive Analyse veröffentlicht, die über 350 Berufsbilder auf ihre KI-Verwundbarkeit hin untersucht. Ergebnis: Vor allem Büro- und Verwaltungsjobs sind gefährdet – rund 6,1 Millionen Stellen in den USA. 86 % der am stärksten Betroffenen sind Frauen. Ein interessantes Paradox: Viele dieser Jobs sind zwar stark KI-exponiert, aber die Menschen darin hätten gleichzeitig gute Voraussetzungen für einen Wechsel in neue Rollen.
Parallel dazu zeigt der aktuelle DataCamp/ YouGov-Report: 88 % der Unternehmensführer*innen halten KI-Literacy für essenziell – aber 60 % melden eine Qualifikationslücke im eigenen Unternehmen. Nur jedes fünfte Unternehmen sieht bisher echten ROI durch KI-Investitionen. Die Unternehmen, die strukturierte Weiterbildungsprogramme anbieten, sehen allerdings fast doppelt so häufig signifikante Ergebnisse (42 % vs. 21 %). Die Botschaft ist klar: Nicht die Tools fehlen, sondern die Fähigkeit, sie einzusetzen.
Und die politische Antwort? Die Trump-Regierung hat „Make America AI Ready“ gelauncht – einen kostenlosen 7-Tage-KI-Kurs des Arbeitsministeriums, der 10 Minuten pro Tag dauert und sich explizit an Menschen richtet, die „ein wenig Angst vor KI haben“. Anmeldung per SMS mit dem Wort „READY“ an die Nummer 20202. Man kann drüber schmunzeln, aber die Grundidee ist richtig: KI-Kompetenz darf kein Privileg der Tech-Blase bleiben.

64 % der Deutschen wollen KI-Shopping – und ChatGPT ist ihr Favorit
KI als Shopping-Assistent war schon öfters ein Thema bei uns – aber neue Zahlen zeigen, wie schnell der Markt kippt. Laut einer Criteo-Studie wollen 64 % der deutschen Verbraucher*innen 2026 KI für ihre Kaufentscheidungen nutzen – deutlich über dem globalen Schnitt von 56 %. Als hilfreichsten KI-Assistenten für Produktsuchen nennen 63 % ChatGPT, Google Gemini liegt bei 43 %. Vor allem Produktrecherche (50 %), Preisvergleiche (39 %) und Produktentdeckung (38 %) stehen hoch im Kurs. Criteo hat darauf reagiert und einen eigenen Agentic Commerce Recommendation Service gelauncht – basierend auf Daten von 720 Millionen täglichen Shopper*innen.
Suchmaschinen
Google veröffentlicht Patent zur KI-generierten Webseitenerstellung
Google hat ein Patent veröffentlicht, das beschreibt, wie die Suchmaschine künftig dynamische und personalisierte Landingpages erstellt, falls die Originalseite eines Unternehmens technische oder inhaltliche Mängel aufweist. Das System erkennt beispielsweise, wenn eine Originalseite nicht intuitiv bedienbar ist oder relevante Filtermöglichkeiten fehlen. Stuft Google eine Seite als unzureichend ein, werden Nutzer*innen nicht mehr auf die eigentliche Website, sondern auf eine von der KI erstellte Version weitergeleitet.
Was bedeutet das fürs Marketing?
Das Patent ist ein zweischneidiges Schwert:
- Kontrollverlust: Unternehmen könnten die Hoheit über ihr Branding und die Customer Journey verlieren, wenn Google das Design diktiert.
- Conversion-Chance: Für Firmen mit veralteten Web-Systemen bietet die KI die Chance, Kund*innen barrierefrei zum Ziel zu führen, die sonst abgesprungen wären.
- Content ist King: Entscheidend wird künftig nicht mehr nur das Webdesign, sondern die Qualität der Daten, die wir Google als „Futter“ für die KI-Seiten liefern.
Social Media
Schadenfreude & Durchhaltevermögen: Musks teures Nachspiel und Metas ewiges Metaverse
In dieser Woche wird im Silicon Valley ordentlich aufgeräumt. Während Elon Musk für seine „Wild-West-Manier“ endlich die juristische Quittung erhält, zieht Mark Zuckerberg bei seinem Milliarden-Grab Horizon Worlds die Reißleine.
Es ist ein Urteil, das in den Geschichtsbüchern des Aktienrechts landen dürfte: Eine Jury hat entschieden, dass Elon Musk Twitter-Anleger gezielt in die Irre geführt hat, als er 2022 versuchte, aus dem Kauf der Plattform auszusteigen.
Das bedeutet für ihn nun Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe. Und ganz ehrlich? Bei uns bleibt das Mitleid aus. Musk hat den Markt über Monate hinweg wie seinen persönlichen Spielplatz behandelt – mit Tweets, die Kurse purzeln ließen, nur um seinen eigenen Verhandlungspreis zu drücken. Das Urteil ist zukunftsweisend, weil es ein klares Warnsignal sendet. Auch ein Multimilliardär steht nicht über den Regeln des Marktes. Es ist ein Sieg für die Integrität der Finanzmärkte und eine späte Genugtuung für die Anleger, deren Depots unter Musks Sprunghaftigkeit gelitten haben.
Horizon Worlds: Totgesagte leben doch nicht länger
Nach jahrelangem Festhalten an der Vision des räumlichen Internets ist der Traum nun offiziell geplatzt. Meta hat am 18. März offiziell bestätigt, dass Horizon Worlds, für uns eher bekannt als Metaverse, bis zum 15. Juni 2026 weitestgehend eingestellt wird. Weitestgehend bedeutet: Zum 31. März verschwindet die App aus dem Quest Store. Das Projekt wird nur noch als App für Smartphones zur Verfügung stehen. Das heißt wiederum auch, dass es keine immersive VR-Nutzung mehr sein, sondern platt zu 2D degradiert wird. Die Entscheidung von Zuckerberg hat recht lange auf sich warten lassen, aber auch er musste nun eingestehen, dass die Verluste zu hoch waren. Die Sparte Reality Labs hat sich über die Jahre hinweg zu einem Milliardengrab gemacht, in dem kumuliert fast 80 Milliarden Dollar versenkt wurden.
Zusammengefasst
Erleben wir hier gerade das Ende der Ära der „unantastbaren Tech-Götter“? Musks Verurteilung zeigt, dass auch seine Taten Konsequenzen haben, und Metas Rückzug beweist, dass man eine digitale Revolution nicht mit Gewalt (und Milliarden) erzwingen kann, wenn die Nutzer*innen einfach nicht mitspielen.
Affiliate Marketing
Preisvergleich per Prompt: Idealo integriert sich in ChatGPT
Die Verzahnung von künstlicher Intelligenz und Affiliate Marketing nimmt weiter an Fahrt auf. Idealo hat eine eigene App für ChatGPT veröffentlicht, die den klassischen Preisvergleich direkt in die dialogbasierte KI-Suche integriert. Nutzer*innen können ab sofort in ihren Unterhaltungen bei ChatGPT nach konkreten Produkten suchen oder sich beraten lassen. Die App reichert die Antworten der KI dann mit strukturierten Produktinformationen und aktuellen Preisen aus der Datenbank der Preisvergleichsplattform an.
Für euch zeigt dieser Schritt sehr deutlich das Potenzial, das in der Verbindung von KI und E-Commerce steckt. Konsument*innen erhalten nicht nur eine interaktive Kaufberatung, sondern können Optionen und Preise direkt in einem Chat abwägen. Dabei werden die gesuchten Produkte mit direkten Verlinkungen inklusive der entsprechenden Tracking-Parameter zu den Partnerseiten ausgespielt. Händler*innen profitieren hierbei von einem neuen Touchpoint innerhalb der Customer Journey. Da die Bedürfnisse der User im Dialog mit der KI bereits stark eingegrenzt werden, gelangt Traffic mit einer sehr konkreten Kaufabsicht in die Onlineshops. Das dürfte sich positiv auf die Conversion-Wahrscheinlichkeit auswirken. Die Produktsuche verschiebt sich damit einmal mehr von der klassischen Suchmaschine hin zu einer interaktiven, fragebasierten Beratungsumgebung.
Der Affiliate Stammtisch 2026 ruft: Letzte Chance auf Early Bird Tickets
Affiliate Marketing steckt 2026 mitten im größten Umbruch seit Jahren. KI verändert die Spielregeln – und wir liefern euch beim Affiliate Stammtisch am 11. Juni in der Leipziger Moritzbastei die Strategien für die neue Realität. Gemeinsam mit adseed laden wir euch ein, tief in die aktuellen Trends einzutauchen:
- Fokusthema KI: Wie sieht die neue Affiliate-Welt wirklich aus?
- 360°-Blick: Insights von Top-Speaker*innen aus Netzwerk-, Publisher- und Agentur-Perspektive.
- Networking pur: Trefft die Köpfe der Branche in der einzigartigen Atmosphäre der Moritzbastei.
Wichtig: Sichert euch jetzt noch den Bestpreis! Die Early Bird Tickets sind nur noch bis zum 31. März (oder solange der Vorrat reicht) verfügbar.
Und noch ein Tipp – Wenn ihr mit Kolleg*innen und Branchen-Freund*innen kommt, könnt ihr den Gruppenrabatt mitnehmen: Drei oder mehr Frühbucher-Tickets kaufen und 30 % Preisnachlass auf eines der Tickets erhalten.

Lesetipps & Empfehlungen
„If Anyone Builds It, Everyone Dies“ – KI-Risiko jenseits von Hollywood
Die Theorie, dass eine ausreichend intelligente KI die Menschheit auslöschen könnte, klingt nach einschlägiger Science-Fiction. Ist sie aber nicht – zumindest wenn man dem Buch „If Anyone Builds It, Everyone Dies: Why Superhuman AI Would Kill Us All“ glaubt, das gerade in Sicherheitskreisen die Runde macht. Die Pointe: Es geht nicht um eine bösartige Maschine, die uns vernichten will. Es geht um eine KI, deren Ziele uns schlicht nicht einschließen. Wer sich in 30 Minuten selbst ein Bild machen will, dem empfehlen wir dieses Erklärvideo – erstaunlich zugänglich für ein Thema, bei dem man danach erst mal durchatmen muss.



