Exportverbot für KI – und der erste Billionär der Welt | Projecter Weekly #24 2026

Zusammenfassen mit ChatGPT

Am Wochenende musste Anthropic seine stärksten Modelle für alle Nicht-US-Bürger*innen abschalten – auf Anordnung der eigenen Regierung. Was nach Sicherheitsmaßnahme klingt, legt vor allem eines offen: wie abhängig der Rest der Welt von ein paar amerikanischen Modellen ist.

Diese Woche erfahrt ihr außerdem …

🚀  wie der SpaceX-Börsengang Elon Musk zum ersten Billionär der Welt macht,

📦  warum inzwischen fast zwei Drittel des deutschen Onlinehandels über Amazon laufen,

👩‍⚖️  und wieso ein Münchner Gericht Google erstmals für seine KI-Antworten haftbar macht.

Entwicklungen & Trends

US-Regierung zieht Anthropics Fable den Stecker

Am vergangenen Freitag hat die US-Handelsbehörde eine Exportkontrolle über Anthropics neueste Modelle Fable 5 und Mythos 5 verhängt. Anthropic musste daraufhin weltweit den Zugang für alle Personen ohne US-Staatsbürgerschaft sperren. Das betraf sogar die eigenen Mitarbeitenden ohne US-Pass, darunter den frisch von OpenAI gewechselten Forscher Andrej Karpathy. Offizielle Begründung: ein Risiko für die nationale Sicherheit, nachdem ein Jailbreak (das gezielte Aushebeln der Sicherheitssperren eines Modells) bekannt geworden war. Vor genau dieser Schwachstelle soll laut Bericht ausgerechnet Amazon-Chef Andy Jassy die Regierung bei einem Abendessen gewarnt haben. Kurzfristig angesetzte Gespräche zwischen Anthropic-Vertreter*innen und dem Weißen Haus haben zumindest bislang keine Einigung oder erneute Freigabe der Modelle bewirkt.

Interessant sind die Reaktionen auf das Verbot. 76 Security-Expert*innen haben einen offenen Brief gegen den Export-Bann unterschrieben: Er nehme den Verteidiger*innen die besten Werkzeuge, und dieselbe Schwachstelle lasse sich ohnehin auf anderen Modellen reproduzieren, u. a. mit ChatGPT 5.5. Und während in den USA über Sicherheit gestritten wird, nimmt Europa den Vorfall zum Anlass für die alte Frage nach der eigenen Unabhängigkeit. Die EU-Abgeordnete Svenja Hahn (FDP) etwa fordert in einem Gastbeitrag eine „Tech-Kehrtwende“ mit massiver Deregulierung. Sie rechnet vor, dass die EU-Initiative für KI-Gigafabriken 20 Mrd. € umfasst, während allein Meta 2026 bis zu 145 Mrd. $ in KI investieren will.

Man muss Hahns Deregulierungs-Rezept nicht teilen, um den wunden Punkt zu sehen: Wer bei Chips, Cloud und Modellen einkauft und nur die Anwendungsebene besetzt, gibt im Zweifel die Kontrolle ab – und merkt das genau dann, wenn ein anderes Land den Schalter umlegt. Insofern dürfte die Fable-Abschaltung an vielen Stellen als vielleicht nötiger Weckruf gedient haben.

Quelle: @chatgpttricks auf Instagram

Webinar-Tipp: Online Masterclass am 24. Juni

Nächste Woche Mittwoch ab 09:00 Uhr nehmen wir uns einen ganzen Vormittag Zeit, um euch in unserem ersten Masterclass Webinar die wichtigsten Strategien und Insights rund um GEO und zukunftsfähiges Performance Marketing an die Hand zu geben – konkret, praxisnah und direkt aus dem Agenturalltag, mit echten Kampagnen und belastbaren Daten für euer restliches Jahr 2026 im Online Marketing. Jetzt noch kostenfrei anmelden.

SpaceX geht an die Börse und Elon Musk wird der erste Billionär der Welt

SpaceX hat sein Börsendebüt hingelegt – und was für eines. Die Aktie stieg am ersten Handelstag um 19 Prozent und schloss bei knapp 161 $, zwischenzeitlich war das Papier 176 $ wert. Das brachte den Konzern auf eine Bewertung von fast 2,3 BILLIONEN $ und machte Gründer Elon Musk auf dem Papier zum ersten Billionär der Welt. Rund 4.400 aktuelle und ehemalige Beschäftigte werden über Nacht zu Millionär*innen. Dass der Kurs so explodierte, hat einen simplen Grund: Der Börsengang war vierfach überzeichnet, und nur etwa vier Prozent der Aktien sind überhaupt frei handelbar – wer rein wollte, musste am offenen Markt nachkaufen.

Kaum ein paar Tage später legt SpaceX nach und übernimmt das KI-Startup Anysphere, die Firma hinter dem Programmier-Tool Cursor, für 60 Mrd. $ in Aktien. Spannend für alle, die Börsengänge beobachten: Vorhersagemärkte wie Polymarket – Plattformen, auf denen Menschen mit echtem Geld auf Ereignisse wetten – hatten den Ausgabepreis im Vorfeld fast centgenau getroffen.

Amazon frisst Wachstum im deutschen Online-Handel

Der deutsche Onlinehandel ist 2025 um 3,9 Prozent auf 92,3 Mrd. € gewachsen – aber fast 80 Prozent dieses Zuwachses gingen allein an Amazon. Der Konzern hält inzwischen 63,3 Prozent des Marktes, wie der neue HDE-Online-Monitor 2026 zeigt. Bemerkenswert ist, womit Amazon dieses Geld verdient: Vom Handelsvolumen von 69,1 Mrd. € entfällt nur noch knapp ein Viertel auf den Eigenhandel, der Rest läuft über den Marktplatz, also über Provisionen, Logistik und vor allem Werbung, die Händler*innen schalten müssen, wenn sie überhaupt gefunden werden wollen. Zum Vergleich: der größte Verfolger Otto kommt auf 7,5 Mrd. €, Amazon setzt also rund neunmal so viel um.

Jetzt bekommt aber selbst Amazon Druck durch KI. Schon 35 Prozent der Verbraucher*innen recherchieren Produkte über KI-Chatbots. Mit Googles neuem Universal Cart (einem geräte- und dienstübergreifenden Warenkorb, der direkt aus Suche, Gemini, YouTube und Gmail befüllt wird) entsteht zum ersten Mal ein ernsthafter Gegenspieler. Wenn am Ende ein KI-Concierge sucht, auswählt und bestellt, werden Händler*innen zu reinen Daten- und Logistiklieferanten heruntergestuft und ihre Sichtbarkeit hängt davon ab, wie die KI-Anbieter ihre Plattform sortieren.

Spannend im Report sind neben den Branchendaten auch die Analysen zu chinesischen Anbietern, hier ist vor allem Temu auf dem Vormarsch. Wer mit E-Commerce-Geschäftsmodellen zu tun hat, dem sei die Lektüre wärmstens ans Herz gelegt.

Quelle: einzelhandel.de

KI News

Politiker auf Autopilot – wenn die KI die Reden schreibt

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) steht in der Kritik, weil ein Zeitungs-Gastbeitrag unter seinem Namen maßgeblich von KI geschrieben wurde. Eine Recherche von fragdenstaat zeigt nun, dass das offenbar System hat: Von elf seiner analysierten Reden schlägt das Erkennungstool Pangram bei neun einen KI-Anteil von über 50 Prozent an, drei wirken vollständig KI-generiert – darunter die Neujahrsansprache, eine Gedenkrede für die Opfer des Nationalsozialismus und die Trauerrede für seinen verstorbenen Amtsvorgänger. In Voigts Gastbeiträgen tauchen außerdem wörtliche Zitate dreier Wissenschaftler auf, die sich nicht belegen lassen. Ein Neurowissenschaftler bestätigte fragdenstaat, den ihm zugeschriebenen Satz so nie geschrieben zu haben.

Die FAZ zog Konsequenzen und depublizierte Voigts Gastbeitrag, nachdem die Staatskanzlei auf die Frage nach den Quellen nur allgemein antwortete: KI sei ein „zeitgemäßes Werkzeug“, die Verantwortung bleibe beim Menschen. Voigt ist dabei kein Einzelfall – auch Digitalminister Karsten Wildberger lässt sich beim Schreiben von Reden von KI unterstützen.

Das Thema schlägt mitten in die Kennzeichnungsdebatte ein: Ab 2. August greift die Kennzeichnungspflicht des EU AI Act. Der Fall Voigt zeigt, dass es häufig nicht am Werkzeug, sondern an fehlender Transparenz und an halluzinierten Inhalten, die niemand mehr gegenprüft, scheitert.

Sycophancy, oder auch: Wenn sich die KI zu gut erinnert

Und weiter geht’s mit dem „Problem-KI-Block“ diese Woche: Erinnerungsfunktionen gelten als eines der großen Versprechen der nächsten KI-Generation. Die Tools merken sich Vorlieben und frühere Gespräche und werden dadurch hilfreicher, man muss nicht ständig nachprompten und nachbessern. Eine Studie des KI-Unternehmens Writer deckt die Negativseiten dieser Funktion auf. Bekommt ein Modell Zugriff auf Nutzerannahmen und Langzeitgedächtnis, wird es anfälliger für Sycophancy – also dafür, der Person nach dem Mund zu reden, statt deren Annahmen unabhängig zu prüfen. In einem Test mit Finanzagenten und acht führenden Modellen sank die Treffsicherheit um 17 bis 71 Prozent, sobald die Erinnerungsfunktion aktiv war.

Das ist deshalb heikel, weil das Problem nicht aus einem Fehler entsteht, sondern aus dem Feature selbst: Je mehr Kontext über uns die KI speichert, desto eher übernimmt sie unsere blinden Flecken. Für den Einsatz in sensiblen Feldern – Finanzen, Gesundheit, aber auch datengetriebenes Marketing – heißt das: Mehr Personalisierung fühlt sich besser an, macht das Ergebnis aber nicht automatisch verlässlicher.

Quelle: Writer Engineering

China gewinnt die KI-Wahrnehmungs-Schlacht

Falls ihr euch noch nicht bewusst wart, dass es eine Wahrnehmungs-Schlacht gibt … offenbar schon! Die USA kontrollieren nach wie vor die meiste KI-Spitzentechnik, aber in der öffentlichen Wahrnehmung kippt das Bild. Eine Umfrage des Instituts Public First unter rund 18.000 Menschen in 15 Ländern zeigt: In 11 Ländern sehen die Befragten inzwischen eher China als die USA an der Spitze der KI-Entwicklung. Deutschland ist dabei am skeptischsten gegenüber der US-Führung: nur 23 Prozent sehen die USA vorn, 46 Prozent China. Gleichzeitig sinkt in den USA selbst die Zuversicht: Der Anteil derer, die KI für die Gesellschaft positiv finden, fiel von 39 (2024) auf 31 Prozent. In China dagegen fürchten laut einer Untersuchung des University College London weniger als 10 Prozent, dass KI ihnen den Job kostet.

Der Hintergrund ist strategisch: Chinas Labore setzen auf offene, effiziente Modelle statt auf einige wenige, teure Spitzenmodelle und laut dem KI-Institut der Stanford University ist der Qualitätsabstand inzwischen fast geschlossen. Während also in den USA Studie um Studie KI als Jobkiller analysiert und die Regierung gerade den Zugang zu Anthropics Modellen einschränkt, wirkt das Bild in China deutlich optimistischer. Auch in unserer Wahrnehmung kamen in den letzten Wochen aus China eher positivere Nachrichten und konstruktivere Entwicklungen, auch wenn das nicht unbedingt in jedes Weltbild passt.

Suchmaschinen

Suchmaschinen News im Ticker

⚖️ Das Landgericht München hat Google zur Unterlassung verurteilt, nachdem die AI Overviews zwei Münchner Verlage fälschlich mit Betrugsmaschen in Verbindung gebracht hatten. Die Begründung des Gerichts ist die eigentliche Nachricht: Weil die KI Inhalte in eigenen Worten und nach eigener Struktur formuliert, sind die Overviews eben keine bloßen Suchergebnisse mehr, sondern eigene Aussagen – für die Google haftet, selbst nach einer Abmahnung.

💬 Daran anknüpfend, zeigt eine Studie der Cornell University, wie leicht sich KI-Antworten manipulieren lassen: Schon ein 13 Wörter kurzer Kommentar auf Reddit, Wikipedia oder Quora reicht, um die Deep-Research-Funktionen von ChatGPT und Google zu beeinflussen und Werbe- oder Spam-Inhalte in deren Antworten zu schleusen. Die Agenten zitieren nutzergenerierte Inhalte in etwa der Hälfte aller Anfragen.

💰 Laut Adobe Analytics kaufen Besucher*innen, die über ChatGPT, Gemini & Co. auf einen Shop kommen, mit 54 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit und geben pro Besuch 53 Prozent mehr aus. Was ein Beleg dafür ist, dass KI-Suchmaschinen-Optimierung mittlerweile immens an Relevanz gewonnen hat. 

PS: Ihr braucht Support beim Thema GEO? Schreibt uns einfach. 💌

Social Media

„We’re giving children their childhoods back“

Der britische Premier Keir Starmer hat ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige angekündigt und nennt es das weitreichendste weltweit. Betroffen sind alle großen Plattformen – TikTok, Instagram, YouTube, Snapchat, Facebook und X sowie Online-Gaming –, während reine Messenger wie WhatsApp und Signal ausgenommen bleiben. Anders als beim australischen Vorbild sollen außerdem KI-Companions (Chatbots als Gesprächspartner) für unter 18-Jährige komplett gesperrt werden. In Kraft treten sollen die Regeln im Frühjahr 2027, bis dahin muss die Medienaufsicht Ofco ein System zur Altersverifizierung aufbauen.

Wie schwer die Durchsetzung wird, zeigt uns Australien: Auch Monate nach dem Verbot nutzen noch immer rund 61 Prozent der eigentlich gesperrten Jugendlichen die Plattformen weiter. Plattformbetreiber warnen außerdem erwartbar vor einer Abwanderung in „unregulierte Alternativen“. Meta und YouTube sehen sich selbst als sichere, kuratierte Umgebung. Für Deutschland ist der Termin im Kalender der 24. Juni: Dann stellt eine Expertenkommission ihre Empfehlung vor, die voraussichtlich keine pauschale Sperre, sondern eine differenzierte Zugangsbeschränkung beinhalten wird.

Für alle, die junge Zielgruppen ansprechen, wird die Plattformwahl damit zur Strategiefrage. Entsprechende Reichweite bei Jugendlichen ist künftig nicht mehr so selbstverständlich planbar.

Social Media News im Ticker

🤳 LinkedIn baut einen B2B-Creator-Marktplatz. Mit dem neuen Creator Marketplace sollen Marken passende Branchenstimmen direkt im Campaign Manager finden. Sortiert nach Branche, Jobfunktion und Standort, mit Fokus auf Fachkompetenz statt reiner Reichweite (Start vorerst in Nordamerika). Laut einer von LinkedIn beauftragten YouGov-Befragung sagen 82 Prozent der B2B-Marketer, dass Creator die Glaubwürdigkeit bei Entscheider*innen erhöhen, und 70 Prozent, dass Käufer*innen Expertenwissen mehr vertrauen als den Marken selbst. Influencer Marketing kommt damit endgültig im B2B an.

🛒 Influencer*innen treiben den Kaufrausch bei Jugendlichen. Eine Mediensucht-Sonderanalyse der DAK-Gesundheit und des UKE zeigt: 47 Prozent der 10- bis 17-Jährigen werden über Social-Media-Werbung auf Produkte aufmerksam, 40 Prozent über Influencer-Empfehlungen. 12,2 Prozent geben bis zu 1.200 € pro Jahr in Onlineshops aus, 1,2 Prozent davon gelten laut der Analyse bereits als problematische Käufer*innen. Beliebt sind neben den üblichen Plattformen auch Temu und Shein, die besonders wegen ihrer Glücksspiel-ähnlichen Mechaniken auffallen.

Content Piece der Woche

„Doobie Scoot Canoe“ – wie ein Song Amerika dazu bringt, Deutsch zu lernen

Der größte Hype kann auch aus einem Missverständnis entstehen: Der Song „Gut genug“ von Shirin David, der Band Blumengarten und Kitschkrieg geht gerade in den USA viral – und das ausgerechnet, weil kaum jemand versteht, worum es geht. Denn statt der eigentlichen Zeile „Du bist gut genug“ hören Amerikaner*innen auf TikTok und Instagram: „Doobie Scoot Canoe“. Das sorgt wiederum für massig Interaktionen und Kommentare. Hier könnt ihr selbst mal reinhören. 🎧

Quelle: KITSCHKRIEG und Blumengarten auf YouTube

Lesetipps & Empfehlungen

Falls ihr noch ein paar Minuten übrig habt …

guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments