How To: Liveberichterstattung mit Instagram Stories

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Stell dir vor, es ist bauma Mediendialog und von 71.000 Facebook-Fans, 4.100 Twitter-Followern, 5.100 LinkedIn-Fans und immerhin 1.200 Instagram-Followern kann nur ein kleiner Bruchteil hin. Denn zum exklusiven Pre-Event der bauma 2019, der immerhin größten Messe der Welt (im April werden 600.000 Besucher erwartet), waren nur knapp 200 Journalisten und 400 Vertreter von Ausstellern geladen, um vorab einen Einblick zu bekommen, was sie bei der Baumaschinen-Messe erwartet.

Der ideale Case also, um unserem langjährigen Kunden ein „Live“-Paket zu schnüren, bestehend aus Berichterstattung bei Twitter, LinkedIn, Facebook und erstmals auch Instagram (Stories). Es war für uns als Agentur in diesem Umfang eine Premiere und deshalb wollen wir nun, nachdem wir Anfang Februar 2019 mittlerweile schon ein weiteres großes Event live in den Stories begleitet haben, unsere größten Learnings aus den beiden Einsätzen mit dir teilen.

7 Learnings aus der Liveberichterstattung mit Instagram Stories

Learning #1: Das beste Equipment ist nichts wert, wenn du es nicht verstehst/tragen/ benutzen kannst.

Schon bei der Equipment-Frage haben wir intern viel diskutiert. Hat es noch den „Charme“ von Instagram Stories, einer Darstellungsform, die ideal ist für unmittelbare, persönliche Kommunikation, die auch mal etwas „trashy“ sein darf, wenn wir mit vier Kameramännern und -frauen anrücken sowie drei Stativen, externem Licht, Ansteckmikros, einer Drohne und Kamerakran?

Wir bei einer Teamstärke von zwei Mitarbeitern pro Live-Einsatz haben uns letzten Endes für folgendes schlankes Setup entschieden und würden es immer wieder tun:

Instagram Liveberichterstattung Stativ

Ein Blick durch unseren “Lichtring”

Instagram Stories sind keine Hollywood-Produktion und es reicht in den meisten Fällen völlig, das Smartphone in den Stabilisator zu spannen und sich damit “wackelfrei” durch den Raum zu bewegen. Bei Interview-Sequenzen, für die wir Protagonisten an einen fixen Ort im Raum geholt haben, haben wir das Stativ mit Leuchtring aufgestellt und das externe Mikrofon eingestöpselt – fertig war das Setup.

Was wir für das nächste größere Event umsetzen möchten: ein zweites, gleichwertiges (!) Handy, im Idealfall sogar das identische Modell, da es so möglich wäre, simultan an zwei Devices zu drehen und, noch viel wichtiger, zu schneiden. Das „gleichwertig“ ist so wichtig, da sich sonst a) die Kamera-Qualitäten unterscheiden und der Look damit nicht einheitlich wäre und sich b) das Story Layout an den jeweiligen Device anpasst und Schriften, Sticker oder Bildausschnitte verrutschen könnten.

Learning #2: Live ist live (nanananana) – aber: Ein gutes Storyboard ist alles

An Stories von Live-Events stört mich oft, dass sie der Devise folgen: einfach auf alles draufhalten, was sich bewegt und sofort „raus damit“. Dadurch entstehen chaotische Bilder, die den Zuschauer mehr verwirren, als wirklich einen Einblick in das Event und seine Atmosphäre zu geben. Deswegen haben wir zwei Wochen vor dem Einsatz begonnen, mit Hilfe der Veranstaltungsagenda ein Storyboard zu stricken. Auch hier galt der Grundsatz: Wir wollen nicht den nächsten „Avatar“ drehen, sondern dem Kunden, uns und damit dem User einen roten Faden bieten, an dem wir uns entlang hangeln, ohne dabei die Flexibilität für spontane Einfälle zu verlieren. Deshalb haben wir ein Grundgerüst für folgende Punkte festgelegt:

  • Wo müssen wir uns zu welcher Uhrzeit aufhalten?
  • Welches Motiv sollten wir zum entsprechenden Termin fotografieren/filmen?
  • Wollen wir einen O-Ton aufnehmen, wenn ja, mit wem und wie könnte der lauten?
  • Welches Text-Overlay könnte Sinn machen?
  • Wie viele Stories wollen wir der Sequenz widmen?

Ja, die Erstellung des Storyboards hat einiges an Zeit in Anspruch genommen, aber tatsächlich haben wir uns am Ende zu 90 % an den genauen Ablauf der Pläne gehalten und abseits davon sogar „Notfall“-Material produzieren können, falls ein Teil des Storyboards nicht so „instagramable“ sein sollte wie gedacht.

Im Storyboard legten wir außerdem den „Look“ der Stories fest, d.h.: Welche Schrift verwenden wir und wie ordnen wir sie an, gibt es einen Schrifthintergrund, der der Corporate Identity des Kunden möglichst nahe kommt? Englische oder deutsche Sprache? Passt es in unser „Wording“, GIFs zu verwenden? Und zuletzt auch: Wie viele Stories wollen wir am Tag überhaupt produzieren?

Learning #3: Produzier vor, was du vorproduzieren kannst.

Unsere Storyboards sahen wiederkehrende Elemente vor: Bei Interviews blendeten wir die Fragen auf einem großflächigen, leicht transparenten Hintergrund ein, am Morgen präsentierten wir die Highlights des Tagesprogramms. Anstatt sich vor Ort zwischen den vielen Terminen damit beschäftigen zu müssen, wie diese Visuals aussehen, haben wir sie einfach schon vorher im Office (bzw. im Zug zum Kunden) produziert, mit Hilfe von Tools wie Canva oder dem Buffer Stories Creator. Natürlich sollten sie trotzdem zum Look der anderen, wirklich live gedrehten Story-Elemente passen. Auch vorgeschnittenes „Notfall-Material“ auf Halde zu haben, gibt einem im stressigen Live-Setting ein Gefühl der Sicherheit, weshalb wir noch am Abend O-Töne und Clips für den nächsten Tag geschnitten haben.

Learning #4: Verlier nicht den Feed und andere Netzwerke aus den Augen.

Gedrehtes Material, das am Ende nicht in den Stories verwendet wird, mag vielleicht den Speicherplatz verstopfen, aber trotzdem gilt: bloß nicht löschen. Viele, vor allem längere Clips, eignen sich zwar nicht sofort für die Berichterstattung in den Stories, trotzdem könnten sie zu einem späteren Zeitpunkt wertvoll sein. Ein Beispiel: Wir drehten während einer Veranstaltung einen O-Ton mit Ski-Star Felix Neureuther, in dem er darüber spricht, was seine Erwartungen für die kommende Ski-WM sind. Für die Stories war sein O-Ton a) zu lang und b) mit zu wenig Bezug zur Live-Berichterstattung. ABER: In der Sekunde, in der er bei der Ski-WM im schwedischen Are auf das Podest fährt, wird dieser Clip unfassbar wertvoll und wir können ihn sofort (da schon vorgeschnitten) als Feed-Post oder in anderen Netzwerken veröffentlichen.

Learning #5: Interaktion ist alles.

Instagram bietet einige Möglichkeiten, den User miteinzubeziehen. Und egal, wie wenig Follower der Account am Anfang noch haben mag: Nutze diese Möglichkeiten! Und noch viel wichtiger: Trete mit deinen Zuschauern in Kontakt. Wir haben auf jede Erwähnung, auf jede Vertaggung und Nachricht reagiert und sei es nur, indem wir sie geliked haben. Der Sinn der Liveberichterstattung durch Instagram Stories ist auch, dass Daheimgebliebene oder Menschen, die gar nicht die Chance haben, zu dem Event zu kommen (zum Beispiel bei einer B2B-Messe) einen möglichst tiefen Einblick bekommen also lass dich gerne auch mal von ihnen steuern. Frag, was sie sehen möchten und wenn die Antwort nur halbwegs spannend ist: Geh genau dort hin und erfülle dem User diesen Wunsch.

 

Learning #6: Denke wie ein Influencer – zeig dein Gesicht (wenn es Sinn macht).

Der Unterschied zwischen Bloggern, die von dem Event berichten und uns, die wir für den offiziellen Veranstaltungs-Account berichten, ist gar nicht so groß (bzw. sollte nicht so groß sein). Klar können wir in der Regel noch häufiger “hinter die Absperrung” und es ist leichter, Interviewpartner zu gewinnen, wenn der offizielle Name des Veranstalters auf dem Eintrittspass steht. ABER: User sehen in beiden Fällen gerne Gesichter und Emotionen. Ein O-Ton des Veranstalters oder des Bürgermeisters, der sich zu den Besucherzahlen äußert, mag für die Lokalpresse und einen Post bei LinkedIn spannend sein, in den Stories ist dieser Termin aber kein Muss. Stattdessen kann es den User hier reizen, den Instagram-Reportern bei ihrer “Journey” zu begleiten (und sie durch die in Learning #5 genannten Mittel sogar zu steuern) und einen emotionalen Eindruck von hinter den Kulissen zu bekommen.

Learning #7: Neue Follower durch Instagram Live-Berichterstattung

Zum Zeitpunkt der Liveberichterstattung waren beide Accounts noch sehr jung und damit meine ich: wenige Wochen alt. Die Live-Stories sollten also auch dazu dienen, neue Follower zu generieren. Und Spoiler: Das hat sehr gut geklappt. In einem Fall konnten wir die Abonnenten-Zahl verdoppeln, im zweiten sogar verdreifachen. Die Präsenz von Instagram-Reportern, die den ganzen Tag mit Smartphone rumwuseln und später ihr Stativ aufbauen, sorgt in Kombination mit Offline-Werbung wie Aufstellern mit dem Account-Handle oder der prominenten Platzierung von offiziellen Hashtags für einen Follower-Boost, der mit “normalem” Content, aber auch mit gesponserten Anzeigen, nicht in so kurzer Zeit erreichbar wäre.

Fazit: Instagram Stories als Tool zur Liveberichterstattung sollte für jede Konferenz, jedes Festival, jede Party-Reihe oder generell jedes Event, das visuell halbwegs den Bierbank- und BBQ-Charakter übersteigt, eine ernstzunehmende Option sein. Der Content, der in dieser kurzen Zeit produziert wird, ist auch in den nächsten Monaten noch extrem wertvoll und verhilft uns bzw. unseren Kunden sicher noch zum ein oder anderen weiteren Follower.

Seit November 2018 unterstützt Susanne als Specialist die Content & Creative-Abteilung. Eigentlich wollte sie immer Journalistin werden, entdeckte aber während eines US-Auslandssemesters in ihrem Journalistik-Studium die Marketing-Welt für sich und möchte seitdem Unternehmen mit gutem Social Media- und Blog-Content versorgen sowie mit den richtigen Ad-Strategien dafür sorgen, dass diese Inhalte auch gesehen werden. Das tut sie unter anderem für verschiedene Veranstaltungen der Messe München (z. B. die bauma, "größte Messe der Welt") und den Apple-Händler GRAVIS.

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