Karoline Stridde

Social Media Auslese Oktober 2020

Im Oktober feierten wir 10 Jahre Instagram und zahlreiche Neuerungen, die uns damit einhergehend in den nächsten Monaten bei der App erwarten werden. Auch die anderen Plattformen und Netzwerke konnten im letzten Monat zahlreiche neue Features verkünden. Diese sollen – wie bei den Updates von Pinterest und Twitter – nicht nur für Advertiser die Benutzerfreundlichkeit erhöhen. Sie sollen auch dabei helfen, mehr Toleranz und ein positives Miteinander in der Community zu verbreiten – so gesehen beispielsweise bei TikTok. Warum außerdem eine Zwiebel bei Facebook für Aufsehen gesorgt und was der Gaming-Hit „Among Us“ mit den US-Wahlen zu tun hat? Das und noch mehr lest ihr in unserer aktuellen Social Media Auslese.

Facebook

(Noch) nicht weg vom Fenster – Facebooks 28-Tage-Attribution

War das Ganze ein falscher Alarm? Sorgenvoll blickten Advertiser dem Monat Oktober entgegen, schließlich sollte ab Mitte des Monats gelten: „Tschüss, 28-Tage-Attributionsfenster“. Unerwarteterweise hieß es dann aber, dass der Zeitraum von vier Wochen Attribution doch erhalten bleibe und die Verkürzung auf sieben Tage als maximaler Zeitraum nur ein Test gewesen sei. Aufatmen und Verwirrung gleichermaßen. Wozu dann das Ganze? Tatsächlich ist es weiterhin so, dass die 28-Tage-Attribution nur noch auf bestimmte Zeit verfügbar sein wird:

„It’s expected browser changes to cookie handling will mean the 28-day window essentially no longer works and Facebook will still have to move to 7-day default attribution.“

Vorerst hat Facebook mit dem Aussetzen des Tests demonstrieren wollen, dass die Plattform auf das Feedback von Advertisern Rücksicht nimmt, die richtigerweise beanstandet haben, dass Anzeigenoptimierung und Erfolgsmessung bei Ads damit stark eingeschränkt werden. Nichtsdestotrotz werden wir uns in Zukunft auf das kleinere Sieben-Tage-Fenster als Standardoption einstellen müssen.

Facebook und „The Social Dilemma”

Mit einem Statement reagiert der Netzwerkriese auf den im September erschienenen Netflix-Hit „The Social Dilemma“. In der recht zugespitzten Dokumentation wird u.a. durch ehemalige Mitarbeiter von Facebook, Google und Co. aufgezeigt, wie eben diese Netzwerke die NutzerInnen manipulieren, verführen und gespaltene Meinungen manifestieren, statt Menschen miteinander zu verbinden. Im Grunde nichts Neues, dennoch selten so eindringlich dargestellt. Und tatsächlich wurde unter ZuschauerInnen wohl ein gewisses Maß an Misstrauen geweckt: Viele kündigten an, ihre Accounts bei den sozialen Plattformen löschen zu wollen. Dass Facebook mit „What ‚The Social Dilemma‘ Gets Wrong“ auf die Doku reagiert, könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Netzwerk vielleicht tatsächlich eine erhöhte Deaktivierung von Accounts verzeichnet hat. Zu Beginn des PDF-Dokuments von Facebook steht über die Netflix-Eigenproduktion:

„Rather than offer a nuanced look at technology, it gives a distorted view of how social media platforms work to create a convenient scapegoat for what are difficult and complex societal problems.“

In den sich daran anschließenden sieben Punkten „Sucht“, „Du bist nicht das Produkt“, „Algorithmus“, „Daten“, „Polarisierung“, „Wahlen“ und „Desinformationen“ widerspricht Facebook im Grunde in allen Punkten der Doku. Wir nehmen aus dem Facebook-Statement jedenfalls in erster Linie mit: Interessant, dass der Riese auf diese Weise überhaupt derart schnell auf die Netflix-Dokumentation reagiert hat. Wir sind uns nicht sicher, ob diese Strategie so schlau war. 

Zwiebeln zu sexy für Facebook

Facebook hatte die Anzeige eines Gemüseproduzenten gelöscht. Warum? Auf dem Bildmaterial der Ad sind ein paar Zwiebeln in einem Korb zu sehen, im Vordergrund liegt noch eine aufgeschnittene Zwiebel. Gelöscht wurde die Anzeige mit der Begründung, dass sie in die Kategorie „Products with Overtly Sexualized Positioning“ fiele. Die Sache hat online für viele Lacher gesorgt, hat sich mittlerweile allerdings geklärt. So entschuldigte sich Facebook in einem Statement:

„We use automated technology to keep nudity off our apps, but sometimes it doesn’t know a Walla Walla onion from a, well, you know. We restored the ad and are sorry for the business’s trouble.”

Seit Anfang Oktober ist die Anzeige daher auch wieder online. Der Gemüsehersteller verkauft die Zwiebeln in seinem Shop nun unter „Sexy Onions“ und ist damit super erfolgreich: „We’ve sold more in the last three days than in the last five years.“

Instagram

Happy Birthday Instagram

Im Oktober ist der schillernde Star unter den Facebook-Produkten 10 Jahre alt geworden. Viele Änderungen hat die App im Laufe der Zeit erlebt. Die neueste: Die Instagram- und Facebook-Messenger werden zusammengeführt. Natürlich gehen damit auch neue Funktionen einher, beispielsweise kann man jetzt auch NutzerInnen der jeweils anderen Plattform schreiben, ohne sich dafür die entsprechende App extra herunterladen zu müssen. Außerdem können bei Instagram nun auch Chats farblich individualisiert, Nachrichten an bis zu fünf Gruppen oder einzelne Personen weitergeleitet und direkt auf Nachrichten geantwortet werden. Es dauert wohl nicht mehr lange, bis die Neuerungen weltweit ausgerollt werden.

Zu diesem und weiteren Updates, die in den kommenden Monaten folgen werden, verkündet Head of Instagram Adam Mosserie anlässlich des Geburtstags:

„Over the coming months, you’ll see some major changes from us, like tabs for Reels and shopping, and some big improvements to messaging [with Messenger integrations]. We’ll look to accelerate ways for creators to make a living and for small businesses to sell their products [with Checkout enabled on IGTV and Reels].“

Auch sollen neue Funktionen entwickelt werden, mithilfe welcher Mobbing unterbunden und Fairness verbessert werden sollen und sich die NutzerInnen unterstützt fühlen. Vor allem solche Neuerungen für ein besseres Miteinander auf der Plattform würden wir sehr begrüßen. In diesem Sinne: Alles Gute, Instagram.

Live-Streams monetarisieren mit „Badges“

Instagram rollt nach einer Testphase nun die sogenannten „Badges“ auch in Deutschland nach und nach aus, mithilfe derer Instagrammer ihre Livestreams in der App monetarisieren können. Hierfür können NutzerInnen Herz-Abzeichen im Wert von 0,99 bis 4,99 US-Dollar kaufen und während des Streams verschicken. Zahlt man mehr, wird der eigene Kommentar im Livestream stärker hervorgehoben und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass dieser vom Creator gesehen wird. Eigene Fragen könnten so eher beantwortet werden. Gestartet wurde das Feature, weil Instagram eine um 70 Prozent erhöhte Nutzung von Livestreams verzeichnen konnte.

Die Badges werden in Form kleiner Herzen angezeigt.
Quelle: Instagram

TikTok

Mehr Sicherheit & Transparenz

Zwei Neuerungen wurden im Oktober bekanntgegeben, die die Plattform sicherer und transparenter werden lassen sollen. Diskriminierung von beispielsweise ethnischen Minderheiten und der LGBTQ+-Community soll entgegengewirkt und gegen Hate-Speech-Inhalte durchgegriffen werden. Die Verbreitung von entsprechend schädlichem Content und rechten Ideologien sollen so verhindert und TikTok zu einer hassfreien Plattform werden. Inhalte, die zum Beispiel durch bestimmte Ausdrücke verletzend und diskriminierend sind oder auch zur Verbreitung von Fehlinformationen beitragen, sollen erkannt und entfernt werden. 

Apropos entfernter Content: Genau dafür rollt TikTok ein neues Benachrichtigungs-Feature aus, das Creators transparenter aufzeigen soll, warum deren Content mitunter aus dem Netzwerk entfernt wurde. Gleichzeitig sollen mit Hilfe des neuen Benachrichtungssystems erneute Verstöße gegen die Richtlinien der Plattform vorgebeugt werden. Nachdem TikTok für die eigenen Richtlinien immer wieder in der Kritik stand und beispielsweise Inhalte von behinderten oder übergewichtigen TikTokern entfernt wurden, ist die App mit der neuen Transparenz-Offensive anscheinend auf einem guten Weg:

„Explaining our enforcement actions while reminding people of our policies has helped reduce the rate of repeat violations, and visits to our Community Guidelines have nearly tripled. We’ve also seen a 14 percent reduction in requests from users to appeal a video’s removal. We believe this helps foster greater understanding of the kind of positive content and welcoming behavior that makes our community thrive.“

Wir werden im Auge behalten, ob die neuen Anpassungen wirklich zum Schutz der NutzerInnen beitragen.

Twitter

Tweet-Composer für Advertiser

Es ist ein kleines Update, Werbetreibende werden sich dennoch freuen: Twitters neuer Tweet-Composer. Die so erneuerte Oberfläche des Anzeigenmanagers von Twitter ermöglicht es Werbetreibenden, strukturierter und einfacher auf der Plattform zu posten. Der bekannte Social-Media-Insider Matt Navarra hat die Neuerungen entdeckt und fasst sie zusammen: 

Der Tweet-Composer liefert neue Features

Vor allem ein neues, intuitives Design, die Echtzeit-Vorschau von Tweets und ein Tweet-Duplication-Tool für größere Kampagnen stechen demnach beim neuen Tweet-Composer hervor. Ab wann das leicht navigierbare Tool auch in Deutschland genutzt werden kann, steht noch nicht fest.

Trumps Twitter-Account gehackt (?)

Hier verkündet er bedenkliche Entscheidungen, droht Gegnern, feuert Leute – Twitter ist für Donald Trump das Kommunikationsmedium schlechthin. Kaum vorzustellen, wenn jemand anderes – insbesondere so kurz vor den Wahlen – darauf Zugriff hätte. Dabei ist angeblich genau das laut eigenen Aussagen dem niederländischen „ethical hacker“ und Sicherheitsexperten Victor Gevers gelungen. Und wie? Er habe geraten: Nach vier missglückten Versuchen habe sein fünfter Einloggversuch mit Hilfe des Passworts „maga2020!“ (Abkürzung von Trumps Wahlslogans „Make America Great Again“) wohl gesessen. Seinen Zugriff habe Gevers allerdings nicht für eigene Zwecke missbraucht, sondern Twitter und das Weiße Haus informiert. Laut Mashable dementiert das Netzwerk diesen Vorfall, vom Weißen Haus gibt es bisher kein Statement. Was Gevers Glaubwürdigkeit stützt: Bereits 2016 wurde Trumps Twitter-Passwort – damals „yourefired“, das ist kein Scherz – geknackt. Auch vor vier Jahren gelang das Hackern aus den Niederlanden, und einer von ihnen war Gevers. Dieser twittert selbst zu der aktuellen Angelegenheit:

Gevers verweist auf erhöhte Passwortsicherheit

Pinterest

Fünf neue Merchant-Tools

Pinterest hat im Oktober eine Reihe neuer Funktionen angekündigt, die Marketern mit Hinblick auf die anstehende Weihnachts-Shoppingzeit zu mehr Reichweite und Umsatz verhelfen sollen. Die neuen Tools sollen dabei helfen, das eigene Profil mithilfe einer Storefront auf Pinterest attraktiver zu präsentieren, den Verkauf anzutreiben und Ergebnisse besser zu messen. Pinterest über die Updates:

„At Pinterest, we believe there’s a difference between shopping and buying: inspiration. A more inspired online shopping experience takes the best of shopping everywhere and makes it possible anywhere.“

Was umfassen also die neuen Updates?

Für Advertiser – hoffentlich auch bald in Deutschland – wird das Schalten von Kampagnen und der Verkauf von Produkten auf der Plattform mit den Updates wieder ein Stück praktischer und effizienter.

YouTube

Mit Product Tags zum Shopping-Kanal

Youtube testet eine neue Möglichkeit, mit der Creators Produkte taggen können, die in ihren Videos gezeigt werden. Somit ist in Zukunft womöglich direktes Einkaufen über die Videostreaming-Plattform möglich. Warum sich das Ganze tatsächlich rentieren könnte? Weil sich zeigt, dass 55 Prozent der KonsumentInnen Videos für ihre Einkaufsentscheidung nutzen. Das Medium Video wird also immer wesentlicher im Einkaufsprozess der Menschen. Beim bekannten Medienunternehmen Bloomberg heißt es zu Youtubes ersten Schritten in Richtung E-Commerce: 

„The goal is to convert YouTube’s bounty of videos into a vast catalog of items that viewers can peruse, click on and buy directly, according to people familiar with the situation. […] A YouTube spokesperson confirmed the company is testing these features with a limited number of video channels. Creators will have control over the products that are displayed, the spokesperson said.”

Ebenso steht wohl fest, dass bei der Plattform an einer Integration mit Shopify gearbeitet wird. Mehr Details sind allerdings bisher nicht bekannt. Diese Entwicklung würde bedeuten, dass sich Youtube von einem Advertising-Riesen hin zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für E-Commerce Nummer 1 Amazon mausern könnte. Wir bleiben gespannt.

Snapchat

Neues First-Commercial-Format

Bei Snapchat ist einiges los im Oktober. So sind beispielsweise die non-skippable First Commercials aus der Testphase raus und stehen Werbetreibenden in Großbritannien und den USA im Anzeigenmanager zur Verfügung. „First Commercials“ daher, da diese Anzeigen garantiert die ersten sind, die NutzerInnen an einem Tag beim Schauen von Premium-Sendungen auf Snapchat zu sehen bekommen. Da die durchschnittliche Anzahl der NutzerInnen, die täglich Shows in Discover sehen, im Jahresvergleich um 45 Prozent gestiegen ist, ist die Möglichkeit, dieses Publikum zu erreichen, für Markenbildung umso wichtiger. Dabei hat das Netzwerk festgestellt, dass Markenbekanntheit mithilfe eines Werbespots als erstem Eindruck im Vergleich zu einer Snap-Anzeige verdoppelt werden konnte.

Neue Werbemöglichkeiten mit „Platform Burst“

Rechtzeitig zur vorweihnachtlichen Einkaufssaison veröffentlicht Snapchat ein neues Werbeangebot für Werbetreibende, die in kurzer Zeit hohe Reichweiten erzielen wollen. So soll „Platform Burst“ die Garantie sein, dass durch diese Ads mehr NutzerInnen öfter erreicht werden. Mit dem neuen Feature können Kampagnen über einen Zeitraum von drei oder fünf Tagen ausgespielt werden:

„Over this time period, Snapchat guarantees advertisers that those campaigns will reach at least 40% of their target audience 15 times.“

Dabei können diese Burst-Anzeigen verschiedene Anzeigenformate umfassen und sind insbesondere in sehr wettbewerbsträchtigen Momenten wie Product-Launches interessant. In Deutschland stehen sie bisher nicht zur Verfügung.

Andere Kanäle:

Twitch: Mit „Among Us“ gegen Trump

Dass Video-Games für politischen Wahlkampf eine gute Strategie sein können, hatte 2008 bereits Obama bewiesen: Ganze 18 bekannte Videospiele nutzte er für seine Kampagnen als Werbeplattform. Auch im derzeitigen US-Wahlkampf werden Spiele für politische Zwecke genutzt. So hat Joe Bidens Team im beliebten „Animal Crossing: New Horizons“ eine eigene Insel erstellt, auf der SpielerInnen zum Beispiel ein Wahlkampfbüro besuchen können. Das Indie-Spiel „Among Us“, welches die Gaming-Szene derzeit erobert, wurde zuletzt von der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez genutzt. So hat sie auf Twitch einen Stream gestartet gemeinsam mit u.a. Pokimane, der Politikerin Ilhan Omar sowie dem Youtuber Dr. Lupo, und eben diesen Multiplayer-Hit gespielt. Ziel der Aktion war es, „to officially declare orange sus“. Damit ist gemeint, Trump für “suspicious” (verdächtig) zu erklären, was vom bekannten „orange is sus – vote him out“ stammt. Außerdem wollte die Abgeordnete erreichen, die ZuschauerInnen noch stärker für die (Brief-)Wahl zu sensibilisieren. Ganze 435.000 Twitch-NutzerInnen hat Ocasio-Cortez damit erreichen können. Bei dieser stattlichen Zahl ist noch nicht eingerechnet, dass weitere ZuschauerInnen über die Streams ihrer MitspielerInnen erreicht wurden. Auf jeden Fall zeigt sich hier, wie groß Gaming und Plattformen wie Twitch mittlerweile sind. Und wir hoffen einfach, dass die Aktion dabei hilft, dass „orange“ im November wirklich abgewählt wird.

Ocasio-Cortez wirbt für den eigenen “Among Us”-Stream auf Twitch

Yubo & Co. – Neue Sterne am Social-Media-Himmel?

Apps gibt es wie Sand am Meer. Viele von ihnen kommen und noch mehr verschwinden ganz schnell wieder. Dass insbesondere unter den sozialen Plattformen App-Neulinge neben den Platzhirschen wie Instagram und TikTok überhaupt das Zeug dazu haben können, ernsthaft wettbewerbsfähig zu sein, ist da manchmal schwer vorstellbar. Doch tatsächlich wird nach wie vor in neue Social-Apps investiert. Dabei werden u.a. Yubo und Telepath als besonders verheißungsvolle Exemplare bei einer Übersicht von OMR vorgestellt.

Yubo könnte dabei als eine Mischung aus Tinder und Houseparty mit Gaming-artigem Modell beschrieben werden, welches eine junge Nutzerschaft von 13 bis 25 Jahren ansprechen könnte. Hier werden bekannte Formate etablierter Apps kombiniert und Monetarisierung findet durch In-App-Käufe statt. 40 Millionen NutzerInnen kann das Netzwerk mit seinem Konzept bereits verzeichnen.

Auch Telepath erinnert an eine Symbiose aus bereits bekannten Netzwerken: Twitter sowie Reddit und ein bisschen Snapchat. Hier liegt der Fokus auf einem Konversationsforum für eine ältere Nutzerschaft ab Mitte 20 aufwärts, die sich Interessen anschließen und anderen Usern folgen können. Diskussionen und Posts werden hier nach 30 Tagen gelöscht. Die App befindet sich noch in der Betaphase und möchte sich durch Moderation und striktes Vorgehen bei Hatespeech gegen andere Plattformen abgrenzen.

Telegram: Das Geschäftsmodell Verschwörungserzählungen

Eine neue Form von Viral-Marketing (man könnte hier auch Pandemic-Marketing oder Conspiracy-Marketing sagen) entwickelt sich derzeit aus der aufkeimenden Verschwörungsszene im Rahmen der Corona-Pandemie. So macht beispielsweise Attila Hildmann in seiner Telegram-Gruppe immer wieder Werbung für seine Nutella-Alternative – ganz Influencer-like natürlich mit passenden Rabatten für seine Follower. Auch Eva Herman, bekannt für das Gutheißen der Familienpolitik des Dritten Reichs und ihren darauffolgenden Rauswurf beim NDR, hat bemerkt, dass ihre AnhängerInnen für entsprechenden Absatz sorgen können.

Tobias Ginsburg, Autor von „Die Reise ins Reich. Unter Reichsbürgern.“ sagt u.a. dazu: „In dem Moment, wo du deine Anhängerschaft hast, merkst du, dass es einen Markt gibt, um deine Produkte zu verkaufen.“ Zur Triebfeder dieser Kauflaune äußert er sich treffend: „Wo viel Angst ist, lässt sich auch Geld machen.“ Wer weiß, was uns 2021 neben Corona noch so erwartet – Conspiracy-Marketing sollten wir aber definitiv sorgenvoll im Auge behalten.

Und sonst?

LinkedIn: Stories jetzt auch in Deutschland

Nachdem wir schon gespannt zu anderen Ländern geblickt haben, stehen die LinkedIn-Stories als neues Feature nun auch NutzerInnen in Deutschland zur Verfügung.

Das Format ermöglicht es, andere LinkedIn-Mitglieder durch Fotos und Videos von bis zu 20 Sekunden Länge zu erreichen. So steht nun auch auf diesem Netzwerk die Möglichkeit zur Verfügung, auf unmittelbare und ungezwungene Art und Weise Einblicke und Highlights miteinander auszutauschen. Wie wir es von Instagram bereits kennen, sind auch hier die Stories für 24 Stunden sichtbar und verschwinden dann wieder. Mit der Neuerung zeigt sich, dass nun auch im professionellen Umfeld von LinkedIn versucht wird, von der Popularität von Videos als Teil eines Wandels hinzu visuellen Medien und mobilen Geräten zu profitieren.

Wir sind gespannt, wie die LinkedIn-Stories in Zukunft vielleicht auch zur Kommunikationsstrategie von Marken genutzt werden.

Tschüss Quibi

Ganz ehrlich, überrascht ist von dieser Nachricht vermutlich kaum jemand: Der Shortform-Videoanbieter Quibi von Disney-Urgestein Jeffrey Katzenberg hatte einen sehr kurzen Lauf und wird abgesetzt. Erst dieses Jahr mit Beginn der Corona-Pandemie gelaunched, sah es von Anfang an düster aus für den Streamingservice. Zu viele Fehler wurden gemacht und Potentiale nicht richtig genutzt. Auch wir berichteten in einem Blogbeitrag darüber. Die Einführung eines mobile-only Streaming-Portals für unterwegs im April, auf dem damaligen Höhepunkt der Pandemie, wenn potentielle NutzerInnen zu Hause sind, war schon mutig. Das, gepaart mit wenig überzeugenden Inhalten, die ZuschauerInnen nicht binden konnten sowie der Tatsache, dass Shortform-Videoinhalte auf Plattformen wie Youtube oder TikTok unendlich viel freien Wettbewerb haben – diese und noch mehr Gründe („If I’m on my phone, I’d rather watch TikTok“ – autsch) haben zum Absetzen von Quibi nach gerade einmal sechs Monaten geführt. Was nun mit den sehr teuren, Star-besetzten Eigenproduktionen und Kurzform-Inhalten geschieht, ist noch nicht klar.

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