Social Media Auslese September 2019

Facebook berichtet druckfrische Nutzerzahlen seiner vier Plattformen. Dabei steht WhatsApp in besonders glänzendem Licht. Mindestens genauso beeindruckend sind die Maßnahmen von Influencern, um exklusiven Content auf Instagram zu monetarisieren. Apropos Monetarisierung – TikTok ist nun ebenfalls im illustren Kreis der Netzwerke mit einem Werbeanzeigenmanager angekommen. Außerdem in der neuen Social Media Auslese: interaktive Facebook Ads, neue Funktion des Creator Studios und livestreamende Landwirte!

Neue Zahlen aus dem Facebook-Imperium

Die Freude ist allseits groß, wenn Plattformen neue Zahlen über die Aktivität ihrer Nutzer veröffentlichen. Zum einen, weil diese sich oftmals als hilfreich erweisen für die Argumentation eines höheren Investments in die Nutzung sozialer Medien. Zum anderen, weil sie einem jedes Mal erneut beeindruckend vor Augen führen, wie intensiv sich Social Media in der Gesellschaft verankert hat. Auf dem von Facebook initiierten NGO-Tag in Berlin wurden seitens Facebook neue Zahlen veröffentlicht:

Imposant erscheint dabei vor allem die Durchdringung von WhatsApp. Von derzeit geschätzten 65 Mio. Internetnutzern in Deutschland nutzen ca. 90 Prozent den Messenger WhatsApp. Das entspricht annähernd einer Marktdurchdringung, die an Google erinnert. Wächst Instagram weiterhin dermaßen kontinuierlich, dürfte es Facebook in naher Zukunft überholen.

Nutzerzahlen 2019
(Quelle: https://twitter.com/martinlewerentz)

„Enge Freunde“ Option als Kanal für exklusiven Content

Wenn es darum geht, neue Funktionen der Social Media Plattformen auf ungeahnte Weise einzusetzen, dann dürften Influencer und Content Creator zu den intelligentesten Menschen gehören. Ein Beispiel gefällig? Die „Enge Freunde“ Liste wurde von Instagram mit dem Hintergrund eingesetzt, um den Menschen mehr Kontrolle darüber zu verleihen, welche Story-Inhalte von welchen Personen gesehen werden. Diese künstlich verursachte Beschränkung der Reichweite kann letztendlich für die Ausspielung von exklusiven Inhalten genutzt werden. Exklusivität bedeutet im gleichen Atemzug natürlich ebenso eine mögliche Form der Monetarisierung. Genau diese Form der Verknappung von Reichweite wird von einigen Instagrammern verwendet, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Abgewickelt wird die Zuordnung von Followern auf die „Enge Freunde“ Liste über Dritt-Plattformen wie Steady oder Patreon, da Instagram diese Option selbst nicht anbietet. Inwiefern Instagram mit diesen Nutzungsszenarien im Sinne der Vereinbarkeit mit den AGBs einverstanden ist, lässt sich noch nicht sagen. Aus Unternehmenssicht lässt sich diese Form der Stories ebenfalls profitabel einsetzen. Denkbar wäre ein Lead-Formular basierter Ansatz. Über ein Webseiten-Formular könnten sich Personen unter Angabe ihrer E-Mail-Adresse für die exklusive Liste anmelden.

Facebook Ads werden interaktiv 

(Quelle: facebook.com)

Facebook erweitert sein Repertoire an Werbemöglichkeiten um drei neue Formate. Ein Fokus der neuen Ads liegt auf Interaktivität, denn alle drei Neuerungen bringen eine Form des Engagements mit sich. Konkret geht es um diese Optionen:

Facebook Ads vs. Instagram Ads

(Quelle: marketingland.com)

Socialbakers hat mehr als 140.000 Unternehmensaccounts auf Facebook und Instagram im 2. Quartal 2019 untersucht, um die Werbewirksamkeit der beiden Plattform gegenüberzustellen. Das Resultat mag dabei besonders diejenigen überraschen, die Facebook auf dem absteigenden Ast sehen. 60 Prozent aller Ausgaben sind demnach auf den Facebook-Feed zurückzuführen. Lediglich 20 Prozent lassen sich dem Instagram-Feed zuordnen. Was weniger überrascht sind die durchschnittlichen Kosten pro Klick. Diese liegen bei Facebook deutlich unter den Klickpreisen auf Instagram, was wohl mitunter daran liegen mag, dass Facebook-User über Jahre hinweg daran gewöhnt worden sind, durch weiterführende Links die Plattform zu verlassen. Dennoch sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Schließlich sind die kulturellen Unterschiede im Werbemarkt nicht außer Acht zu lassen, weshalb sie nur schwer auf den deutschen Markt zu übertragen sind.

No more 3rd Party Apps – Instagram Scheduling über das Creator Studio

Beiträge auf Facebook planen? Kein Problem! Posts auf Instagram schedulen? Geht, aber nur mit Drittanbieter-Apps. Damit ist jetzt Schluss, denn Facebook hat endlich die Möglichkeit des Timings von Instagram-Beiträgen in den Business Manager integriert. Über das Creator Studio lassen sich sowohl Beiträge für den Feed oder für Instagram TV einplanen. Was dafür notwendig ist? Lediglich die Verknüpfung des Instagram Accounts im Business Manager. Drittanbieter-Apps werden es dadurch in Zukunft schwer haben, ihre Existenzberechtigung aufrecht zu erhalten.

TikToks Werbeanzeigenmanager kommt

(Quelle: omr.com)

TikToks Mutterfirma ByteDance überraschte den Aktienmarkt mit frischen Unternehmenszahlen und einem nicht erahnten Umsatz von bis zu 8,4 Mrd. US$. Und die Zukunft sieht goldig aus, zumindest wenn die Zahlen und nicht der kritische Umgang mit Zensur auf der Plattform ins Rampenlicht gestellt werden. Anteilig steigern dürfte diesen Umsatz zukünftig der neu eingeführte Werbeanzeigenmanager. Zugang zum Werbemanager des neuen Stars am Social Media Himmel ist bislang ausschließlich über Einladungen möglich. Wer diesen Weg der Geduld überstanden hat, wird vertraute Elemente wiederfinden, zumindest wenn der Facebook Business Manager bekannt ist. Das Targeting der Anzeigen lässt sich grundsätzlich über drei Parameter einstellen:

Wer auf TikTok Werbung schalten möchte, der muss dafür ein tägliches Mindestbudget von 500 US$ einplanen. Weitere Informationen zum Ads-Manager wie Platzierungen, Gebotsmöglichkeiten oder Kampagnenaufbau hat OMR zusammengefasst.

Livestreamende Landwirte

Die Sehnsucht nach Natur, Ruhe und grünen Landschaften schlummert in vielen Menschen. Besonders hoch scheint das Verlangen danach bei Chinesen zu sein. Anders lässt sich nicht erklären, weshalb die Livestreaming-Plattform Taobao bis Ende des Jahres mehr als 1000 Farmer zu Livestreamern ausbilden möchte. Nach eigener Aussage wollen sie den Landwirten helfen, dabei monatliche Einnahmen von bis hin zu 1.400 US$ zu erzielen. In den Livestreams, die häufig mehrere Stunden andauern, dokumentieren die Farmer hauptsächlich ihre tägliche Arbeit und interagieren mit den Zuschauern. Ganz nebenbei verkaufen sie ihre geernteten Nahrungsmittel über integrierte Online-Shops.

InApp Checkouts auf Facebook & Ausblendung von Likes

Mit der Zeit wird immer offensichtlicher, dass Instagram, Facebook, WhatsApp und der Facebook Messenger Bestandteil eines gemeinsamen Ökosystems sind. Zu sehr ähneln sich die Features der Plattform, zu oft werden Funktionen von einer Plattform auf die andere kopiert. Beispiele gefällig? Die bereits auf Instagram gesichteten InApp Checkouts (also die vollständige Abwicklung eines Bestellprozesses) wird bereits mit ausgewählten Partnern auf Facebook getestet. Das alles macht natürlich Sinn, denn warum sollten diese Prozesse auf den einzelnen Plattformen variieren?
Ein weiteres Beispiel gefällig? Mit der auf Instagram getesteten Ausblendung von Likes wird ebenso parallel auf Facebook experimentiert. Die Wired hat sich passend dazu gefragt, inwiefern das Leben in der Zeit von Social Media grundsätzlich angenehmer wäre ohne eine Fokussierung auf Likes.

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TikTok – Einführung & Best Practice für Unternehmen - Projecter GmbH
vor 4 Jahren

[…] unserer Social Media Auslese vom September 2019 haben wir bereits einen Blick auf die Anzeigenmanager-Plattform geworfen. Es sind […]