Spielen Posting-Zeiten noch eine Rolle für die Beitrags-Performance?

geschrieben am in der Kategorie Social Media Marketing von

Jeder Online-Marketing-Blog hat sich schon mindestens einmal mit dem Thema “Die beste Zeit für Social Media-Posts” beschäftigt. Meistens runtergebrochen auf die einzelnen Netzwerke, gibt es Empfehlungen zu den idealen Wochentagen (zum Beispiel bloß nicht am Dienstag) und Uhrzeiten (unter der Woche zwischen 18 und 19:30 Uhr), abgerundet mit dem Hinweis, dass es – wenn auch in der Headline anders suggeriert – nicht die eine “beste” Zeit gibt, die maximales Engagement und Interaktion garantiert.

Auch Kunden fragen uns immer wieder nach Empfehlungen für die optimale Veröffentlichungszeit. Wir geben ihnen als Antwort drei Dinge mit an die Hand.

 

1.    Wenn dein Content nicht gut ist, ist es egal, wann du ihn postest

– er wird nie erfolgreich sein.

Ich habe mir über 120 Instagram-Posts eines (mittelgroßen) Accounts angeschaut und mit einem farbigen “Timestamp” versehen lassen, je nachdem wann der Post veröffentlicht wurde: 1:00 bis 5:00 Uhr, 6:00 bis 10:00 Uhr, 11:00 bis 15:00 Uhr, 16:00 bis 19:00 Uhr und 20:00 bis 00:00 Uhr.

Das Ergebnis: Zwischen dem Zeitpunkt der Veröffentlichung und der Post-Performance ist kein Zusammenhang erkennbar. Die Zahl der durchschnittlichen Interaktionen von Posts, die morgens/vormittags gepostet wurden, ist quasi identisch mit der von Abend-Posts. Wenig überraschend: Bei einer Posting-Zeit zwischen 1 und 5 Uhr fanden die wenigsten Interaktionen statt.

Uhrzeit Interaktionen/Post
6 bis 10 Uhr 132
20 bis 00 Uhr 128
16 bis 19 Uhr 113
1 bis 5 Uhr 108
11 bis 15 Uhr 99

 

Unter den Top 20 interaktionsreichsten Posts waren alle Wochentage fast zu gleichen Teilen vertreten (3 Posts der Rangliste wurden jeweils montags/dienstags/mittwochs/donnerstags/samstags bzw. sonntags veröffentlicht; 2 Posts freitags).

Auch wenn die Auswertung eines einzigen Kanals natürlich wenig repräsentativ ist, zeigt sie ganz deutlich: Wenn der Content des Kanals hochwertig ist, wird er immer Impressionen und Interaktionen erzielen. Natürlich empfehlen wir nicht, LinkedIn-“Gold”-Content an einem Samstag um 2 Uhr morgens rauszuballern, gleichzeitig sollte aber auch keine zu große Wissenschaft aus der perfekten Posting-Zeit gemacht werden.

Denn da wäre ja auch noch Punkt 2…

2.    Wenn du jeden Beitrag sinnvoll sponserst– was du tun solltest –, hat die Posting-Zeit kaum Auswirkung auf die Post-Performance.

 In der Erstellung jedes Postings steckt Zeit (und damit Geld). Wird diese mit einer organischen Reichweite von 118 Personen “belohnt”, ist das nicht nur unfassbar frustrierend, sondern auch unwirtschaftlich. Deshalb empfehlen wir grundsätzlich, jeden Post mit Budget “anzuschieben”, Best Performer-Posts eventuell sogar zusätzlich weiter zu pushen. Damit setzen wir den Mechanismus der Posting-Zeit vollkommen außer Kraft, denn ob der User den gesponserten Post um 12 Uhr zur Mittagspause oder um 19:30 Uhr beim Netflixen auf dem Second Screen sieht, entscheidet jetzt nur noch einer: der Algorithmus. Und der weiß auch, wann Personen am ehesten bereit sind, zu interagieren.

3.    Wenn du trotzdem eine Zeitempfehlung haben möchtest, schau in deine individuellen Account-Analytics.

Auch wenn du nur hochwertigen Content (siehe Punkt 1) veröffentlichst und den auch sinnvoll bewirbst (Punkt 2), kann es hilfreich sein, eine ungefähre Zeit-Empfehlung aus den Account-Insights abzuleiten, gerade für den Anfang. Facebook bietet in seinen “Insights” unter dem Punkt “Beiträge” z.B. eine ziemlich genaue Auswertung davon, “Wann deine Fans online sind”:

Screenshot aus dem “Insights”-Bereich eines Kunden

 

 Ähnlich ist es auch bei Instagram unter “Insights” → “Zielgruppe”:

 

Noch aussagekräftiger – aber aufwendiger – ist eine tabellarische Auswertung per der bereits erwähnten “Timestamps”: Jeder Post wird mit einem Zeitstempel versehen und z.B. nach Interaktion sortiert – auf einen Blick werden die Zeiten deiner Top-Posts sichtbar. Das lässt sich entweder manuell anlegen oder via Schnittstelle zum Google Datastudio-Report. Auch Fanpage Karma bietet eine Tageszeitanalyse sowie eine Auswertung nach Wochentagen an.

FAZIT:

Social Media-Bauernregeln wie “Poste morgens, da sind die Leute in der Bahn” oder “Schicke mittags einen Posts raus, wenn die User in der Mittagspause sitzen” sind im Jahr 2020 längst nicht mehr zeitgemäß. Wir sind dauer-online und grundsätzlich jederzeit mit Content zu erreichen – zumindest, wenn dieser gut ist bzw. wenn der Marketer bereit ist, Budget in die Hand zu nehmen.

Seit November 2018 unterstützt Susanne als Specialist die Content & Creative-Abteilung. Eigentlich wollte sie immer Journalistin werden, entdeckte aber während eines US-Auslandssemesters in ihrem Journalistik-Studium die Marketing-Welt für sich und möchte seitdem Unternehmen mit gutem Social Media- und Blog-Content versorgen sowie mit den richtigen Ad-Strategien dafür sorgen, dass diese Inhalte auch gesehen werden. Das tut sie unter anderem für verschiedene Veranstaltungen der Messe München (z. B. die bauma, "größte Messe der Welt") und den Apple-Händler GRAVIS.

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