Web Analytics Auslese Q4 2022

Googles Data Studio heißt jetzt Looker Studio, Joe Bidens Executive Order könnte der erste Schritt in Richtung einer neuen rechtlich-politischen Grundlage für den Einsatz von Google Analytics sein und das Team von WebKit hat verkündet, dass sie die Cookie-Laufzeit von Server-seitig gesetzten Cookies beschränken. Diese und weitere Neuigkeiten zum Thema Web Analytics aus dem vergangenen Quartal haben wir euch wieder kompakt in unserer neuen Auslese zusammengefasst.

Google News

„Looker Studio“: Das Data Studio hat einen neuen Namen

Im Oktober hat Google ein Rebranding des Tools Data Studio zu Looker Studio vollzogen. Mit dieser Änderung vereinheitlicht das Unternehmen seine Cloud-BI-Produktfamilie unter der Marke Looker. Kurzer Rückblick an dieser Stelle: 2019 hat Google das Analyse-Unternehmen Looker für 2,6 Milliarden US-Dollar gekauft.

Im Grunde hat sich bisher nur der Name und das Logo geändert, das Tool selbst hat sich nicht verändert. Es ist nach wie vor frei nutzbar und hat dieselben Features wie Data Studio. Jedoch kündigte Google mit diesem Rebranding Looker Studio Pro an, das die kostenpflichtige Version von Looker Studio ist und erweiterte Unternehmensfunktionen und technischen Support bietet.

Datenschutz

Google Analytics ist nicht legal einsetzbar, nun auch in Dänemark

Die dänische Datenschutzbehörde ist Ende September zum gleichen Ergebnis wie schon andere europäische Behörden gekommen: Google Analytics ist in der EU nicht legal einsetzbar – es sei denn, die Daten werden auf einem eigenen Server dahingehend pseudo-anonymisiert, dass Google am Ende keinen Personenbezug mehr herstellen kann. Damit schließt Dänemark sich dem Beschluss Frankreichs an, von dem wir schon in unserer Q3-Auslese berichtet hatten.

Während diese Entscheidung im ersten Moment Hoffnung in Form einer Server-seitigen Tracking-Lösung weckt, wird diese bei weiterem Nachdenken auch schon wieder im Keim erstickt: Zum einen ist die geforderte Pseudo-Anonymisierung eine technische Herausforderung, zum anderen endet sie schließlich damit, dass die Daten so weit anonymisiert sind, dass es sich um „crap data“ handelt – also Daten, die für die Web-Analyse unbrauchbar sind. Das liegt daran, dass Konzepte wie „Sitzung“ und „Attribution“ zwangsläufig Daten erfordern, die nicht anders als personenbezogen eingestuft werden können.

Dänemark schließt sich dem Beschluss anderer europäischer Behörden an: Google Analytics ist in der EU nicht legal einsetzbar.

Joe Bidens „Executive Order“: Der Lichtstreif am Datenschutz-Horizont?

Wie wir in unserem Jahresrückblick 2022 schon festgehalten haben: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Mit Joe Bidens Executive Order vom 7. Oktober scheint nun der erste Schritt in Richtung einer neuen rechtlich-politischen Grundlage für den Einsatz von Google Analytics getan. Die EU-Kommission muss nun in einem Angemessenheitsbeschluss entscheiden, ob die Executive Order ausreicht, um eine neue Grundlage für den transatlantischen Datentransfer zu schaffen.

Und weil das einfach zu schön wäre, um wahr zu sein, hat das Europäische Zentrum für digitale Rechte (NOYB) bereits angekündigt, dass die Executive Order ihrer Meinung nach für einen DSGVO-konformen Datentransfer „wohl nicht ausreicht“. Soll heißen, selbst wenn die EU die Angemessenheit beschließen sollte, würde diese Entscheidung vermutlich bald wieder von NOYB angefochten und letztlich wohl wieder gekippt. Du bist bei dieser Debatte nicht ganz auf dem neuesten Stand? Dann lies am besten noch einmal hier rein!

Tracking Prevention

WebKit-Update

Es war die Nachricht zum Jahresende 2022: Das Team von WebKit hat verkündet, dass sie die Cookie-Laufzeit von Server-seitig gesetzten Cookies nun ebenfalls auf sieben Tage beschränken werden – wenn die IP-Adresse des Servers nicht mit der IP-Adresse der Website übereinstimmt, die die Server-Anfrage stellt. Klingt kompliziert? Gehen wir die News mal Step by Step durch:

Noch ausführlicher könnt ihr das Ganze hier nachlesen. Selbst wenn du noch nicht Server-seitig trackst und somit noch nicht direkt von den Konsequenzen betroffen bist, lohnt es sich, ITP auf dem Schirm zu haben. Ggf. erklärt es merkwürdige Daten in deinem Google Analytics, so wie in diesem Fall, wenn plötzlich alle Nutzer*innen aus den USA zu kommen scheinen.

Google Analytics News

Update der Optimierten Analyse in GA4

Aus den Versionshinweisen haben wir diesmal noch ein etwas fragwürdiges Update für GA4 mitgebracht, das wir dennoch mit euch teilen möchten, um auf mögliche Probleme damit hinzuweisen: Formularinteraktionen automatisch erfassen. Unter den Optimierten Analysen findet sich ab jetzt ein weiteres neues Event, das automatisch von GA4 erfasst wird, nämlich die Formularinteraktionen. Genauer gesagt werden der Beginn des Ausfüllens (form_start) und das Abschicken des Formulars (form_submit) getrackt. Beim Set-up neuer GA4 Properties ist das Event per default aktiviert, bei schon bestehenden Properties kann das via Toogle Bar nachgeholt werden.

Doch was im ersten Moment so praktisch erscheint, ist mit Vorsicht zu genießen: Die automatische Erfassung funktioniert nur korrekt, wenn das Abschicken des Formulars ein submit() Event im Browser auslöst. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, Formulare technisch in einer Website einzubinden. Im Worst Case trackt die automatische Formularinteraktion etwas völlig anderes. Daher unsere Empfehlung: wenn es kein Formular auf der Website gibt oder dieses schon manuell über ein Tracking im Tag Manager erfasst wird, dann nehmt lieber die Finger weg von der automatischen Formularinteraktion. Falls ihr sie doch aktiviert habt, hinterfragt zumindest einmal die gesammelten Daten auf Plausibilität. 😉

Universal Analytics doch nicht so tot, wie zuerst gedacht

Was viele schon vermutet haben, ist für Universal Analytics‘ 360 Kund*innen nun eingetreten: Das Ende der Datenverarbeitung wurde auf den ersten Juli 2024 verschoben. Für uns persönlich mehr „Nay“ als „Yay“, denn die doppelte Datenverarbeitung bei parallelen Set-ups von Universal und GA4, die aktuell dem Best Practice entspricht, ist sicher nicht im Sinne der Nachhaltigkeit. Dazu ist der Parallelbetrieb auch zeit- und damit kostenintensiver. Wir freuen uns jedenfalls darauf, wenn es irgendwann hoffentlich heißt: „GA4 only!“

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