Top 6 der Affiliate Marketing Mythen, die nicht tot zu kriegen sind

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Nicht nur bei AdWords gibt es Mythen, die sich seit Jahren halten und ihrem Namen alle Ehre machen. Auch – oder gerade – im Affiliate Marketing geistern diese seit je umher und haben sich vereinzelt schon fest in den Köpfen der Advertiser eingeschlichen. Zeit also, um die bisherigen Affiliate Marketing Mythen genauer unter die Lupe zu nehmen und den Wahrheitsgehalt zu identifizieren.

Mythos 1: Ein Partnerprogramm läuft von alleine

Ist ein Partnerprogramm einmal aufgesetzt, dann sind viele Werbetreibende der Meinung, dass der Großteil der Arbeit erst einmal getan ist. Klicks laufen im Affiliate Netzwerk ein und Conversions werden generiert. Somit kann sich der Werbetreibende doch sicherlich die Affiliate Marketing Agentur oder den Inhouse Manager sparen, oder?

Nun – so einfach und so schön dieser Mythos auch klingt, langfristig gesehen dürfte dieser nicht zutreffen. In einem Partnerprogramm gibt es eine Reihe von Aufgaben, die im besten Fall täglich erledigt werden sollten. Neben der Kontrolle der Zahlen gehört u. a. die Partnerfreigabe sowie auch die Kommunikation mit bestehenden sowie potenziellen Affiliates dazu. Einem Partnerprogramm bringen 1.342 Partner in der Warteliste schlichtweg Nichts und ohne Informationen zu Specials oder Angeboten im Online-Shop kann das Potential nicht vollumfänglich genutzt werden. Ohne regelmäßige Pflege wie z.B. Überprüfung der Aktualität von Werbemitteln und Produktdaten, kann sich das Programm schnell zum Rohrkrepierer entwickeln. Gibt es Fehler bei den Produktdaten, so können Preisvergleiche, Pre- und Retargeting-Partner sowie Anbieter von Onsite-Promotions nicht mehr die Leistung bringen, die Sie sonst an den Tag legen würden. Wird die Seite einem Relaunch unterzogen oder das Tracking angepasst ohne das Partnerprogramm zu berücksichtigen, dann führt das mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,99% dazu, dass die Partner ihre Bewerbung einstellen werden. Diese schauen sich sehr wohl die Zahlen an und bei einer sinkenden Conversionsrate und nicht vorhandenen Kommunikation dürfte sich das Ende der Zusammenarbeit schnell abzeichnen. Doch nicht nur mangelnde Kommunikation und Pfege können problematisch sein: Werden Sales nicht auf Validität überprüft und somit stets freigegeben, können hohe Kosten entstehen, die das Programm schnell unwirtschaftlich werden lassen. Vor allem durch etwaige schwarze Schafe (Auftritt Nr. 1), die grenzwertige Werbemethoden als konforme Werbeleistung verkaufen, birgt dies große Gefahren. Doch dazu gleich mehr…

Mythos 2: Was zählt sind die Sales und die Umsätze

Mythos 2 schließt direkt an Mythos 1 an: Im Affiliate Marketing geht es nur um Sales und Umsätze, komme was wolle. Isoliert betrachtet mag diese Aussage stimmen, doch im Zusammenspiel mit den anderen Marketing-Kanälen und vor allem bei Betrachtung der Qualität der Sales und Umsätze kann dieser Mythos schnell entzaubert werden.

Läuft das Partnerprogramm im Autopilot, ohne dass sich eine Person oder Agentur um dieses kümmert, so können etwaige schwarze Schafe (Auftritt Nr. 2) ihre Betrugsmasche durchziehen. Gemeint sind Brand Bidding, Brand Hijacking, Cookie-Dropping oder auch Typosquatting. Durch diese Maßnahmen werden Sales und Umsätze im Partnerprogramm nach oben getrieben, ohne dass eine wirkliche Werbeleistung attestiert werden kann. Das Programm glänzt zwar mit außergewöhnlichen Zahlen, aber unterm Strich zeigt sich die Kehrseite der Medaille: Die Sales und Umsätze wurden abgegriffen oder ohne vertretbare Werbeleistung erzielt. In diesem Zusammenhang ist es mehr als wichtig, dass der Betreiber des Partnerprogramms die Geschäftsmodelle im Affiliate Marketing und deren Bedeutung für die Customer Journey genau kennt. Je nach Kontaktpunkt in der Customer Journey tragen diese nämlich unterschiedlich zum Erfolg bei einem Sale bei. Retargeting auf Post-View-Basis sollte – analog dem Einsatz von Gutscheinpartnern – stets kritisch und unter Berücksichtigung der Werbeleistung betrachtet werden. An dieser Stelle drängt sich wieder die Problematik des aktuell (noch?) vorherrschenden Last-Cookie-Wins-Prinzip in den Vordergrund: Wichtige Partner, die stets nur vorbereitend agieren und am Ende leer ausgehen, werden die Werbeleistung mit Sicherheit einstellen. Denn ohne Provisionen, die ja ein Beleg für die Leistung sind, verdient der Publisher nichts. Des einen Leid ist des anderen Freud: Modelle, die wiederum vermehrt am Ende der Customer Journey agieren stimmen sich eher freudig und heimsen Provisionen ein. Hier gilt ganz klar: Provisionshöhen anpassen und vorbereitende Conversion mit in Betracht ziehen – sei es in Form von Sonderboni, CPC- oder Hybrid-Modellen.

Mythos 3: Affiliate Marketing ist grundsätzlich nichts für kleine Online-Shops ohne bekannte Marke

Kleine Online-Shop-Betreiber scheuen sich oft, Affiliate Marketing in den bestehenden Marketing Mix zu integrieren. Die anfänglichen Investitionen gepaart mit mangelnder Kenntnis führen oft dazu, dass der Kanal schnell wieder aus dem Blick gerät. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Angst kaum begründet ist. Auch für kleine Online-Shops kann Affiliate Marketing ein zukunftsträchtiger Kanal sein. Schütteln wir uns, lassen alle Vorurteile Vorurteile sein und fangen beim großen Ganzen an: Affiliate Marketing ermöglicht es, dass verschiedenste Partner ohne große Umwege Kooperationen eingehen und diese zugleich auf einfache Art und Weiße abgerechnet werden können. Die Affiliate Netzwerke bieten mit ihren zahlreichen Affiliate Modellen einen Blumenstrauß an Möglichkeiten: Preisvergleiche, Retargeting-Partner, Content-Seiten oder – das aktuelle Lieblingswort der Werbegurus – Influencer sind nur ein Paar ausgewählte Perlen des Affiliate Marketings. Durch Onsite-Lösungen können gerade kleinere Shops technische Lösungen integrieren, die im Kauf oder Selbstprogrammierung zu teuer wären. Bei entsprechender Kenntnis verschiedener Affiliate Modelle können sogar ganze Teile des Online Marketing Mixes ausgelagert werden.

Was nicht vergessen werden soll – Affiliate Marketing ist ein komplexes Thema, in der Tat. Der Kommunikationsaufwand darf nicht unterschätzt werden. Auch müssen die passenden Lieblingsblumen des Werbetreibenden aus dem Blumenstraußherausgepickt werden. Aber: Mit etwas Zeit, Know-How und Muse – ja, Muse – zeigt sich die schöne Seite der Medaille. Und falls alle Stricke reißen: Es gibt ja auch Agenturen, die an dieser Stelle unterstützend zur Seite springen können.

Unabhängig von allen Möglichkeiten – damit auch kleine Online-Shops erfolgreich sein können gilt: Kenne deine USPs, sprich deine Alleinstellungsmerkmal und kommuniziere diese. Denn erst dann kann potentiellen Partnern klar gemacht werden, warum diese den kleinen Shop mit einbinden sollten. Besonders attraktiv wirken beispielsweise einzigartige Sortimente, neuartige Produkte, durchdachte Werbemittel oder guter Support. Falls der eigene Shop schon mit Hife von AdWords und Facebook Ads kaum gut läuft, so kann Affiliate Marketing in der Regel auch nichts mehr reißen.

Mythos 4: Affiliate Marketing besteht nur aus Gutscheinen

Ja, dieser Mythos hält sich leider noch hartnäckig in den Köpfen der Werbetreibenden. Gutscheinseiten nehmen sicherlich einen großen Teil des Kuchens im „Affiliate Marketing Tortendiagramm“ ein. Doch dieses per se verteufeln? Mit Nichten. Waren zu früheren Zeiten von Katalogen & Co. Kunden loyal und haben brav beim gleichen Anbieter ihr Bestellung aufgegeben, so hat sich dies nun gewandelt. Das Zeitalter des Internets – vereinzelt auch als Neuland bezeichnet – ermöglicht einen sofortigen Vergleich von Preisen, Services und Leistungen. Sind Kunden mit teuren Werbemaßnahmen, z. B. Shopping Ads oder durch Preissuchmaschinen, auf die Seite des Werbetreibenden gekommen und haben sich schon für ihr Wunsch-Outfit entschieden, so kann es dennoch sein, dass sich diese für einen Konkurrenten entscheiden. Dies kann an günstigeren Preisen, aktuellen Rabattaktionen oder zusätzlichen Services liegen. Hier kann ein Gutschein natürlich Abhilfe schaffen und schlussendlich der letzte Tropfen sein, der in diesem Fall nicht das Fass zum Überlaufen, sondern die Bestellung zum Auslösen bringt. Wobei an dieser Stelle die Zusätze „Nachhaltigkeit“ und „Strategie“ noch fehlen. Denn nur mit einer nachhaltigen Gutscheinstrategie lässt sich das Thema sinnvoll angehen. Dazu muss z.B. die Werbeleistung korrekt bewertet werden. Die Strategie muss ein klares Ziel der Maßnahmen erkennen lassen: Gezielt Gutscheine streuen und zusätzliche Werbeleistungen im Gegenzug bei den Gutscheinanbietern erwirken. Gezielt Gutscheinhöhen testen und einen Fokus auf Neukunden legen. Gezielt Umsatzhöhen mit dem Gutscheinpartner erarbeiten und diese an etwaige Bonuszahlungen knüpfen. Dann lässt sich der Mythos mit dem Gutscheinmüll auch schnell entzaubern.

Mythos 5: Durch ständige Storni kann ich mir einfach Provisionen sparen

Jaja, die Mär der Provisionseinsparungen. Affiliate Marketing ist der einzige Kanal, der eine Nach-Storno Betrachtung ermöglicht. Retourniert ein Kunde, kann die Provision storniert werden. Wird nicht bezahlt, kann die Provision storniert werden. Fällt der Kunde durch die Kreditfähigkeitsprüfung, kann die Provision storniert werden. Das heißt, dass die Partner, die ihre Werbeleistung schon erbracht haben, letztendlich leer ausgehen. Eine solche Betrachtung gibt es weder bei AdWords, noch im Social Media oder gar der Suchmaschinenoptimierung. Natürlich können auch hier die Bestellung auf Validität überprüft werden, von Google oder Facebook können jedoch keine Werbekosten gekürzt oder gar zurückgefordert werden. Der Gedankengang findiger Programmbetreiber erscheint auf den ersten Blick nachvollziehbar: Wenn die Möglichkeit besteht, Sales und Provisionen zu stornieren – warum das nicht regelmäßig tun? Die Bestellung und somit Umsätze laufen doch auch weiter ein und der Publisher merkt das doch nicht wirklich. Nunja, auf kurze Sicht mag dieses Vorgehen funktionieren. Langfristig jedoch kann Ernüchterung ins Haus stehen. Denn der Publisher betrachtet sehr wohl seine KPIs. Wird die erbrachte Werbeleistung nicht adäquat oder gar überhaupt nicht vergütet, so kann der Publisher – schneller als dem Advertiser Recht ist –  die Werbemaßnahmen einstellen. So hat sich der Programmbetreiber anfänglich Kosten gespart, jedoch auch nachhaltig Umsatzquellen versiegen lassen. Zwar kann die Zusammenarbeit wieder aufgenommen werden, jedoch geht dies nur mit einem erhöhten Kommunikationsaufwand und Aufbau von Vetrauen einher. Bei Cashback- und Bonusprogrammen kann die Retourkutsche folgen: Unzufriedenen Kunden, die so schnell nicht wieder beim Werbetreibenden bestellen werden, da diese durch den Wegfall der Provision auch keine Punkte oder Geldbeträge für Ihren Einkauf bekommen.

Mythos 6: Affiliate Marketing ist tot

Schon seit Jahren schwingt das Damokles-Schwert über diesem Affiliate Marketing und kündet ein baldiges Sterben des Kanals an. Zu komplex, zu negativ beladen und zu vergangenheitsorientiert – das sind die Phrasen, die oftmals beim Schwung des Schwertes genannt werden. Vereinzelt mag dies nachvollziehbar sein. Viele assoziieren Affiliate Marketing noch mit dem, was es vor 5-10 Jahren war. Doch die Branche, Leistungen und auch Publisher-Modelle haben sich weiterentwickelt und professionalisiert. Und nicht zu vergessen ist: Affiliate Marketing wächst und wächst – und auch weiterhin wird dieser Kanal ein wichtiger Bestandteil bleiben. Jedoch sollte nicht vergessen werden: Affiliate Marketing ist an für sich nur eine Unterart des Kooperationsmanagements, das durch das Dreiecksspiel aus Publisher, Advertiser und Affiliate Netzwerk determiniert ist. Fällt das Netzwerk weg und wird eine Direkt-Kooperation angestrebt, dann spricht man oft nicht mehr von Affiliate Marketing. Doch ist das überhaupt zeitgemäß? Wir sehen uns schon seit längeren primär als Kooperations-Manager. Klingt natürlich mega unsexy, verdeutlicht jedoch, worum es bei unserem Job geht – um Kooperationen. Ob diese nun mittels Affiliate Netzwerk abgerechnet oder direkt per Rechnung beglichen werden ist zweitrangig. Ziel ist in beiden Fällen, eine passende Werbeleistung für den Kunden zu erzielen und mit Hilfe von Affiliates den Marketing Mix gewinnbringend zu ergänzen. Ist Affiliate Marketing nun tot? Nicht direkt, es hat nur dahingehend Konkurrenz bekommen, dass große Publisher eben lieber den engen Draht zur Agentur bzw. dem Werbetreibenden suchen und das vermeintlich dritte Rad am Wagen zu Gunsten einer höheren Provision gerne abschütteln.

Welche Mythen kennt ihr noch, die sich seit jeher im Affiliate Marketing Kosmos herumgeistern?

Johannes ist im Oktober 2014 als Trainee im Projecter-Team aufgenommen worden. Seit September 2015 betreut er als Account Manager nun Kunden in den Kanälen SEA und Affiliate Marketing. Während seines BWL-Studiums hat er bereits erste Erfahrungen im Online-Marketing gesammelt. In mehreren Praktika konnte Johannes schon in die Tiefen von AdWords, BingAds & Co. abtauchen und seine Kenntnisse weiter ausbauen.

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  1. Wie kann man, als ein Unternehmen, richtige Affiliate Partner finden? Ist es wichtig dass sie schon Erfahrung in einer Affiliate Partnerschaft haben,oder nicht?

    • Hallo Paulina,

      vielen Dank für deine Nachricht. Die richtigen Partner für sein Unternehmen zu finden ist manchmal gar nicht so leicht. Wichtig ist, dass bereits vorab klar ist, mit welchem Modell das Unternehmen zusammenarbeiten möchte. Sind es Preisvergleiche, Cashback-Seiten oder Deal-Portale? Im nächsten Schritt sollte dann die Ansprache der ausgewählten Partner erfolgen. Einen Überblick über die jeweiligen Geschäftsmodelle findest du übrigens hier: http://www.projecter.de/blog/affiliate-marketing/affiliate-geschaeftsmodelle.html

      Viele Grüße
      Johannes

  2. Gerade der letzte Punkt ist sehr amüsant – „Affiliate Marketing ist tot“. Die besten Gegenbeispiele sind die Blogs „makingsenseofcents“ und „smartpassiveincome“ die eindeutig das Gegenteil beweisen. Da beide Blogs offen legen wie viel und wodurch die Einnahmen entstehen, sieht man sehr gut das Affiliate Marketing immer noch ein sehr großes Thema ist. Die Blogs machen alleine über 30.000 Dollar im Monat, was beachtlich ist. Das ist natürlich entsprechend motivierend. Auch viele Reiseportale basieren ausschließlich auf Affiliate.

    Es wird also eher größer als kleiner.

    Viele Grüße
    Mike

    • Hallo Mike,

      der Artikel ist ja auch mit Absicht „amüsant“ geschrieben. Dass Affiliate Marketing tot ist, sehen wir auch nicht – und daran glauben wir auch nicht. Dafür gibt es schlichtweg zu viele Anknüpfungspunkte und, wie du selbst erwähnt hast, Erfolgsgeschichten. Aus diesem Grund wird das Kooperationsmanagement, unter welches ja auch Affiliate Marketing fällt, auch in Zukunft ein wichtiger Kanal für Werbetreibende sein.

      Viele Grüße
      Johannes