Meta sieht alles: Von KI-Brillen bis zum Duell zwischen OpenAI und Anthropic | Projecter Weekly #10 2026

Zusammenfassen mit ChatGPT

Der Untergang der Privatsphäre kommt in … Brillenform? Wir geben euch ein Update zu Metas Plänen für die AI Glasses sowie zu Anthropics‘ Streit mit dem US-Verteidigungsministerium – und natürlich mischt hier auch OpenAI wieder mit.

Diese Woche erfahrt ihr außerdem …

🤖  warum OpenAI seinen Instant Checkout wieder aufgibt,

💰  wieso Meta Ads jetzt standortabhängig mehr kosten,

🚨  weshalb KI für Berufseinsteiger*innen zum Problem wird.

Entwicklungen & Trends

Metas AI Glasses könnten die Welt verändern – aber nicht unbedingt zum Positiven

Kennt ihr bewusst jemanden, der eine Meta-Brille trägt? Oder habt sogar selbst schon eine? Vermutlich fällt es vielen gar nicht auf, wie viele Menschen schon mit einer der Smart Glasses von Ray-Ban oder Oakley auf der Straße herumlaufen: In 2025 hat Meta mehr als sieben Millionen Exemplare verkauft (laut Berichten mehr als drei Mal so viele wie in den beiden Vorjahren zusammen) und plant wohl, die Produktionskapazitäten bis Ende 2026 auf bis zu 30 Millionen Produkte auszubauen. „20–30 Millionen Exemplare pro Jahr entsprächen etwa dem iPhone im dritten Jahr. Das wäre kein Gadget für Early Adopter mehr, sondern ein Produkt für den Massenmarkt“, analysiert der Social Media Watchblog.

Warum das wichtig ist? Eine Recherche schwedischer Medien von Ende Februar zeigt, dass Aufnahmen von Metas Ray-Ban-Smartglasses offenbar als Trainingsmaterial für KI-Systeme genutzt werden. Tausende Content-Moderator*innen eines Dienstleisters in Kenia sichten dabei Videos der User, darunter auch sehr private Szenen. Und viele dieser Nutzer*innen dürften kaum ahnen, in welchem Umfang ihre Aufnahmen von Dritten überprüft werden. Meta hat außerdem bestätigt, dass Inhalte bei externen Dienstleistern landen können. Mittlerweile wurde in den USA eine Sammelklage gegen Meta eingereicht; außerdem ermitteln die Datenschutzbehörden mehrerer Länder.

Noch brisanter: New-York-Times-Reporter*innen berichtet, dass Meta im Laufe des Jahres auf ihren Brillen Gesichtserkennung aktivieren könnte – ein Thema, das schon vor fünf Jahren angegangen wurde und aufgrund von riesigen Datenschutzbedenken dann wieder vom Tisch war. Wie die Berichte vermuten lassen, fühlt sich Meta aufgrund der politischen Dynamik im eigenen Land wohl mittlerweile unbeobachtet genug, um diesen Schritt doch zu gehen. Wir empfehlen euch für mehr Details die bereits erwähnten Artikel der New York Times und des Social Media Watchblogs.

KI News

Anthropic verklagt das US-Verteidigungsministerium

Es sieht so aus, als ob wir nach dem Ende des TikTok-Epos nun die nächste Fortsetzungsgeschichte gefunden hätten. Das KI-Unternehmen Anthropic hat Klage gegen das US-Verteidigungsministerium eingereicht. Hintergrund ist die Einstufung von Anthropic als „Sicherheitsrisiko für die Lieferkette“ – eine Maßnahme, die das Unternehmen als „beispiellose und gesetzeswidrige Vergeltung“ bezeichnet. Wir berichteten letzte Woche ausführlich.

Der Konflikt entzündete sich an den „roten Linien“ von Anthropic-Chef Dario Amodei: Er verweigert dem Militär den uneingeschränkten Zugriff auf Claude, um die Nutzung der KI für Massenüberwachung und vollautonome Waffensysteme zu verhindern. Während Konkurrent OpenAI einen Deal mit dem Pentagon einging, bleibt Anthropic hart – und erhält dafür nun überraschenden Rückwind: Angestellte von Google und OpenAI unterstützen die Klage mit einem rechtlichen Beistandsschreiben (Amicus Curiae), um die Unabhängigkeit der Branche gegen staatliche Willkür zu verteidigen.

Auch OpenAI selbst muss Federn lassen: Die hochdotierte Hardwarechefin Caitlin Kalinowski ist zurückgetreten und gibt als Grund sehr offen den gerade genannten Vertrag mit dem Verteidigungsministerium an. Sie kritisiert die ethischen Aspekte des Deals und zieht ihre persönlichen Schlüsse. Wer jetzt auch keinen Bock mehr auf ChatGPT hat, sondern künftig lieber Claude von Anthropic nutzen möchte, findet bei F.A.Z. Digitalwirtschaft eine detaillierte Anleitung für den Umzug unter Mitnahme des „Gedächtnis“ der KI.

ChatGPT-5.4: Automatisierte Vernunft

Ganz schlecht läuft es bei OpenAI aber dann doch nicht, denn nur zwei Tage nach dem Release von GPT-5.3 Instant legte OpenAI mit GPT-5.4 ein Modell vor, das Reasoning, Coding und agentische Funktionen in einer Architektur konsolidiert. Das Modell verfügt über einen nativen Computer-Use-Modus, der es ermöglicht, Desktop-Oberflächen und Browser direkt anzusteuern. Für Datenanalyst*innen sind vor allem die neuen Finanz-Plugins für Excel und Google Sheets relevant, die komplexe Tabellen-Workflows automatisieren. In Benchmarks über 44 Berufsfelder hinweg erreicht das Modell eine Erfolgsquote, die in 83 % der Fälle über dem Niveau menschlicher Expert*innen liegt. Ein technisches Novum ist die Thinking-Variante, die ihren Denkprozess transparent macht und während der Verarbeitung durch Nutzer-Interventionen korrigiert werden kann.

Anmerkung: Für „normale“ Büroanwendungen sind sowohl Gemini, Claude als auch ChatGPT in ihren Bezahlversionen mehr oder weniger auf dem gleichen Level. Die Differenzierungen ergeben sich eher bei Spezialanwendungen und echten Deep Dives beim Arbeiten mit Code, großen Tabellenkalkulationen bzw. automatisierten Workflows dazu oder bei der Bild- und Videogenerierung. Es auch weiterhin davon auszugehen, dass die großen Anbieter jeweils zeitnah nachziehen, wenn sich die Konkurrenz sprunghaft verbessert.

OpenAI Checkout ist offiziell cooked – ab jetzt regelt Amazon den Vibe

Und wir bleiben weiter bei News von OpenAI: Nach nur fünf Monaten hat das Unternehmen den „Instant Checkout“ in ChatGPT Anfang März 2026 eingestellt. Das Experiment scheiterte primär an technischen Hürden, wie der fehlenden Echtzeit-Synchronisation von Lagerbeständen, und einer mangelhaften Integration US-amerikanischer Verkaufssteuern sowie am Nutzerverhalten: Kund*innen nutzen KI zwar intensiv zur Kaufberatung und Recherche, bevorzugen für die finale Transaktion jedoch weiterhin etablierte Vertrauensumgebungen.

Während einige Branchenexpert*innen diesen Schritt als Scheitern von OpenAI’s E-Commerce-Strategie bewerten, sehen es andere als strategische Neuausrichtung:

Fazit: OpenAI hat den direkten Checkout geopfert, um durch die Amazon-Partnerschaft zum zentralen „Eingangstor“ für Kaufentscheidungen zu werden. Für Händler*innen bedeutet dies, dass sie künftig (bzw. weiterhin) weniger um einen „Kaufen-Button“ in der KI kämpfen müssen, sondern vielmehr darum, in den Empfehlungsalgorithmen von ChatGPT und Amazon überhaupt stattzufinden.

Anthropic fasst Fuß bei Geschäftskunden

Zum Duell Anthropic vs. OpenAI: Aktuelle Daten des Ramp AI Index (Stand Februar 2026) zeigen für die USA ein signifikantes Wachstum von Anthropic im Unternehmenssektor. Während die Verbreitung von OpenAI-Lösungen leicht von 36,8 % auf 35,9 % sank, stieg der Anteil der Unternehmen, die für Anthropic bezahlen, deutlich auf 19,5 % (im Vorjahr lag dieser Wert noch bei rund 4 %). Ramp analysiert die Zahlungsdaten von US-Unternehmen. Wenn man sich nun die Höhe der Ausgaben anschaut, hat Anthropic schon die Nase vorn, da Geschäftskunden deutlich mehr Geld für ihre Lösungen ausgeben als für ChatGPT.

Die Analyse verdeutlicht jedoch auch, dass es sich derzeit weniger um einen direkten Verdrängungswettbewerb als vielmehr um eine Ergänzung handelt: Rund 79 % der Anthropic-Geschäftskunden bezahlen parallel weiterhin für OpenAI. Unternehmen kündigen bestehende Verträge also nicht flächendeckend, sondern diversifizieren ihre Infrastruktur. Das Ziel dieser Multi-Vendor-Strategie ist es, für spezifische Aufgabenbereiche – etwa spezialisiertes Coding oder interne Datenanalysen – das jeweils am besten geeignete Modell zu nutzen, anstatt sich auf nur einen Anbieter zu verlassen.

Quelle: Ramp Economics Lab

Sorry, Gen Z: Die KI hat das Praktikum schon bekommen

In einer aktuellen Studie (März 2026) liefert Anthropic eine Bestandsaufnahme der KI-Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Das Team nutzt dafür eine neue Metrik: die „beobachtete Exposition“. Dieser Ansatz kombiniert theoretische LLM-Fähigkeiten mit echten Nutzungsdaten aus dem Anthropic Economic Index und misst, wo schon heute in professionellen Kontexten aktiv automatisiert oder unterstützt wird.

In der grafischen Auswertung zeigt sich: Während die KI theoretisch das Potenzial hat, über 90 % der Aufgaben in Büro- und IT-Berufen zu beschleunigen (blauer Bereich), liegt die tatsächliche Nutzung (roter Bereich) oft bei nur einem Drittel dieses Wertes. Diese Differenz zeigt, dass rechtliche Hürden und menschliche Kontrollinstanzen die Entwicklung bremsen. Trotz dieser Diskrepanz gibt es bereits einen Trend: Berufe mit hoher KI-Exposition haben laut Prognosen der US-Arbeitsbehörde künftig schwächere Wachstumschancen – zum Beispiel Programmierer oder Data Analysts.

Quelle: Anthropic

Interessanterweise lässt sich bisher kein allgemeiner Anstieg der Arbeitslosigkeit durch KI feststellen. Die Studie fand jedoch erste Anzeichen für einen „Hiring-Slowdown“ bei Berufseinsteiger*innen zwischen 22 und 25 Jahren. Während erfahrene Fachkräfte ihre Produktivität steigern, wird die Hürde für den Berufseinstieg in stark exponierten Feldern größer. Insgesamt legt die Analyse nahe, dass die KI-Transformation zwar stetig voranschreitet, aber weit weniger abrupt verläuft, als viele dystopische Szenarien vermuten ließen.

Kritik an Grammarly: Identitätsklau als Feature?

Das Korrektur-Tool Grammarly (das wir auch lange Zeit sehr gerne nutzten) steht massiv in der Kritik wegen seines neuen Features „Expert Review“. Die Funktion verspricht Nutzer*innen Feedback im Stil bekannter Personen wie Stephen King, Kara Swisher oder Casey Newton. Das Problem: Die Betroffenen wurden weder um Erlaubnis gebeten noch für die Nutzung ihres Namens und ihres geistigen Eigentums entschädigt. Blogger Casey Newton ist einer von ihnen und hat das neue Feature in einem sehr lesenswerten Artikel auseinandergenommen.

Die Hauptkritikpunkte im Überblick:

Hinter der aggressiven Feature-Politik steckt ein strategischer Umbau. Nach der Übernahme des Collaboration-Tools Coda und der E-Mail-App Superhuman im letzten Jahr versucht das Unternehmen, sich als „AI-native Productivity Platform“ neu zu erfinden. Die Bewertung von einst 13 Milliarden US-Dollar steht angesichts der starken Konkurrenz durch native KI-Integrationen in Microsoft 365 und Google Workspace unter massivem Druck.

Social Ads

Meta schlägt Digitalsteuern auf Anzeigenpreise auf

Diese News kam still und leise per nüchterner Info-Mail: Meta geht ab 1. Juli den gleichen Weg wie Google und Amazon zuvor und schlägt eine sogenannte „Standortgebühr“ auf seine Anzeigenpreise auf. Das ist ein Euphemismus für das Weiterreichen von Digitalsteuern, die mittlerweile in zahlreichen Ländern von den Internet-Riesen gefordert werden, um deren Steuersparmodelle zu umgehen. So erhebt Österreich beispielsweise seit 2020 5 % Digitalsteuer auf Werbeeinnahmen – exakt dieser Betrag wird künftig auf in Österreich ausgespielte Anzeigenbudgets aufgeschlagen. In Großbritannien werden 2 % fällig, 3 % in Frankreich, Italien und Spanien, die Türkei „kostet“ 5 %.

Es steht zu vermuten, dass das nicht im Sinne der Digitalsteuer ist, allerdings können sich Werbetreibende darüber zwar aufregen, aber wenig dagegen ausrichten. Laut Metas eigener Formulierung sei „der Schritt eine Reaktion auf die veränderte regulatorische Landschaft und neue Branchenstandards.“ Wir sind not amused! Da eine Digitalsteuer in Deutschland zwar angedacht, aber bislang nicht umgesetzt ist, wird für Meta Ads hierzulande kein Aufschlag fällig – nur, wenn sie aus einem deutschen Konto in besagten Ländern ausgespielt werden.

Social Media

Social Updates im News-Ticker

▶️ YouTube schlägt Hollywood: Mit 40,4 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz hat YouTube 2025 erstmals zusammen gerechnet Disney, NBCUniversal, Paramount und Warner Bros. Discovery überholt. Dazu kommen 22 Milliarden US-Dollar aus Abos – Analyst*innen sehen YouTube damit als das aktuell größte Medienunternehmen der Welt.

🍎 Apple erfindet sich neu: Sein neues MacBook Neo bewirbt das Unternehmen auf TikTok mit bewusst „unhinged“ wirkenden Videos. Der ungewöhnlich lockere Gen-Z-Ansatz sorgt im Moment für viel Aufmerksamkeit.

📱 Gen Z liebt TikTok – und ist dennoch misstrauisch: 65 % der Gen Z nutzen TikTok täglich, gleichzeitig empfinden 72 % die Inhalte als inszeniert und 43 % als psychisch belastend. Viele sehen 2026 als das Jahr der Offline-Aktivitäten – und posten darüber.

🤖 LinkedIn wird zur KI-Quelle: Studien zeigen, dass LinkedIn immer häufiger in Antworten von KI-Chatbots auftaucht – direkt hinter Reddit. Die Plattform entwickelt sich damit zunehmend zu einer wichtigen Wissensquelle für KI-gestützte Suche.

💬 Das Social Media Engagement sinkt – Kommentare helfen: Eine Buffer-Analyse von 52 Millionen Social-Posts zeigt weiter fallende Engagement-Raten über Plattformen hinweg. Der effektivste Hebel bleibt aktive Interaktion in den Kommentaren sowie regelmäßiges Posten, das deutlich wichtiger als perfektes Timing ist.

🕺 Neue Emojis kommen: Mit iOS 26.4 bringt Apple mehrere neue Emojis auf die Geräte. Vor allem einen davon fühlen wir in Anbetracht der aktuellen Nachrichten sehr.

Lesetipps & Empfehlungen

Falls ihr noch ein paar Minuten übrig habt …

Dieses Quiz der New York Times passt erstaunlich gut zu unserer Grammarly-News weiter oben: Ihr könnt fünf kurze Textpaare vergleichen und entscheiden, ob euch die Version der menschlichen Autor*innen oder die der KI besser gefällt. Und bevor ihr jetzt sagt „Niemals würde mir die KI-Version besser gefallen 😠“: Studien zeigen zunehmend, dass viele Leser*innen in Blindtests überraschend häufig KI-generierte Texte bevorzugen.

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