Katja von der Burg

Casual Monday: Home-Office Escape

Ja, ich weiß. Das C-Wort ist so omnipräsent in den letzten Monaten, dass es langsam reicht. Also reden wir jetzt mal nicht über Clowns, sondern über HO wie Home-Office. Auch schon ein bisschen abgenudelt, aber nützt ja nichts. Wo sitzt du gerade, liebe LeserIn? Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass es KEIN Büro ist. Ich werde hier mal meine Perspektive als Unternehmerin teilen und nicht ganz nebenbei auch als Home-Office Bewohnerin.

Ganz dem sportlichen Ehrgeiz getreu, der mir manchmal nachgesagt wird, habe ich als Early-Bird mein persönliches Home-Office Experiment schon im Sommer 2019 gestartet. Und ich war im März dann schon voll trainiert an der Startlinie. Naja, fast. Aber von vorne. Letzten Sommer räumte ich mein ganz schickes Einzelbüro im Projecter-Headquarter in Leipzig (war ehrlich gesagt wegen der Glaswände sowieso ganz schön heiß), packte meinen sonstigen Hausstand in unzählige Kisten und zog in die Berge, nach Garmisch-Partenkirchen. Fortan lagen 500 km Luftlinie und knapp 6 Stunden Zugfahrt zwischen mir und meinem Team, ich war REMOTE gegangen. Klingt ein bisschen wie „in den Untergrund gegangen“ und genauso hat es sich dann auch manchmal angefühlt. Ich wurde ab und zu mal in Meetings vergessen, weil alle anderen eben in einem echten Raum saßen, klinkte mich aus vielen Themen aus und den Inhalt der Büroflurgespräche habe ich sowieso nicht mehr mitbekommen.  

Dafür musste ich im Home-Office schon letztes Jahr keine ordentlichen Hosen mehr tragen, konnte in der Mittagspause mal schnell auf einen Berg oder beim Arbeiten auf dem Sofa rumlümmeln. War schon ganz okay. Und nach 12 Jahren Office-Life zugegebenermaßen auch mal eine ganz nette Abwechslung. Die Kinder waren ja tagsüber in der Schule, der Mann im Büro und ich hatte meine Ruhe. Was fehlte? Die sozialen Bürokontakte, die litten schon massiv. Kam am Telefon alles nicht so gut rüber. Moment mal, Telefon?! Genau. Irgendwann im Januar reichte es mir dann und ich überredete unseren Administrator, einen Meetingraum mit State-of-the-Art Videotelefonie-Hardware aufzurüsten, samt Zoom-Lizenz. Hoffentlich vorbei die Zeiten, wo 7 Kollegen 15 Minuten lang versuchten, mich ins Meeting zu holen.  

Als wir wenige Wochen später, Mitte März, entschieden, bis auf eine Notbesetzung ALLE Kollegen aus Sicherheitsgründen ins Home-Office zu schicken, war ich bestens vorbereitet und plötzlich auf einen Schlag wieder viel mehr Teil des Teams – des virtuellen Teams! Während alle darüber diskutierten, wie man Kontakt halten könnte, die Kommunikation retten und das Teamgefühl, lösten sich die 500km Distanz für mich plötzlich in Luft auf und ich war wieder mittendrin. In zahlreichen Zoom-Videokonferenzen, 1:1-Calls, Team-Meetings und Meetings mit allen 70 Kollegen. Ein Traum! Naja, fast. Die Rahmenbedingungen und Gründe waren und sind natürlich sehr unerfreulich. Worauf allerdings auch ich nicht vorbereitet war, war die plötzliche Gesellschaft in MEINEM Home-Office. Aus eins mach vier und plötzlich wurde es eng. Ich war meinen Schreibtisch los, weil mein Rücken stabil genug für den Sofaplatz war und ja, eine Telefonkonferenz musste ich mal im Klo halten, weil es der einzige noch verfügbare Raum mit Tür war. Für Online-Konferenzen beschlagnahmte ich kurzerhand ein Kinderzimmer, weil dort das Internet am stabilsten läuft. Aber was erzähle ich? DAS kennt ihr ja wahrscheinlich alle so oder so ähnlich.  

Und weil ich – wie oben schon erwähnt – gerne ein bisschen vorneweg renne, eröffneten wir Anfang Juli das Projecter-Büro Garmisch und ich verließ morgens singend das Haus, um wieder einem geregelten Büroleben MIT Kollegin, Büro-Kaffeemaschine und allem Drum und Dran nachzugehen. And they worked happily ever after…  

Das Projecter-Büro in Garmisch
Das Projecter-Büro in Garmisch

Okay, Moment. Corona ist nicht vorbei und die Büros in Leipzig aus Sicherheitsgründen nach wie vor nur zu maximal einem Drittel besetzt, was wohl mindestens bis Ende des Jahres auch so bleiben wird. Home-Office ist also nach wie vor ein wichtiges Thema und das wirft die oben gestellte Frage auf: Here to stay? Ich persönlich kann das mit einem sehr festen JA beantworten. Es haben sich in den letzten Monaten ein paar ganz spannende Dinge gezeigt. Zum einen, dass so ein Agenturbetrieb von einem Tag auf den anderen fast reibungslos auch remote weiterläuft und die Qualität der Arbeit und der Teamkommunikation somit nicht von ordentlichen Hosen, dem Tragen von Schuhen und der Abwesenheit von Haustieren abhängt. Auch die Integration von KollegInnen, die remote arbeiten, ist mit ein bisschen Disziplin nahtlos möglich. Wir sollten mal eine Deutschlandkarte aufmachen und pinnen, wo sich alle gerade so herumtreiben. Neben Garmisch und einem bekannten Außenposten in der Uckermark halten sich nämlich immer mehr Kollegen in diversen ländlichen Regionen auf ausgedehntem Heimatbesuch auf. Und wisst ihr was? MAN MERKT DAS GAR NICHT! Verrückte neue Welt. Unbestritten ist allerdings die menschliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht (natürlich mit angemessenem Abstand) ein großer Wert und etwas, was ich jetzt wieder sehr genieße (also außerhalb der eigenen Familie… ihr wisst schon!) Regelmäßiges Aufeinandertreffen im Büro sollte also irgendwie stattfinden, denn komplettes Remote-Arbeiten ist, glaube ich, nur etwas für Menschen mit ganz starken Nerven und sehr spannenden Selbstgesprächen. Scherz beiseite, auch das mag für den einen oder anderen funktionieren, wäre aber für mich auf Dauer doch sehr einsam. Und ich schätze, das gilt auch für die meisten KollegInnen.  

Unternehmerisch betrachtet fällt das HO-Fazit also erstmal ziemlich positiv aus: Angenehmes Geschäftsmodell, so eine Agentur, denn sie kann recht problemlos auf remote umgeschaltet werden. Das hätte ich schon immer so vermutet, der Ernstfall hat es bestätigt. Auch das Team hat sich hier als krisenfest erwiesen und kreative Wege gefunden, mit der Situation umzugehen. Eine gewisse Videokonferenzenmüdigkeit macht sich zwar breit, kann aber durch Teilpräsenz wieder eingefangen werden. Weniger Herumreisen und weniger Präsenztermine führen in vielen Fällen zu weniger Stress. Das gilt sowohl für meinen Terminkalender als auch den der KollegInnen. Richtig spannend wird die Frage, wer nach Corona wirklich wieder Vollzeit ins Büro zurückkommen will und wird und ob sich nicht das „Vorher“-Anwesenheitsmodell grundlegend geändert hat. Aber dazu unterhalten wir uns am besten in ein paar Monaten nochmal 🙂 

Bis dahin schöne Grüße aus dem Bergbüro, 

Eure Katja 

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