AGI-Ära, Falt-iPhones und das Ende der Likes | Projecter Weekly #32 2026

Zusammenfassen mit ChatGPT

OpenAI veröffentlicht sein neuestes Modell GPT-6 unter dem Namen Astra – und der eigene Chefwissenschaftler teilt drei Tage später Sicherheitsbedenken zu Super-KIs. Brüssel stellt amtlich fest, dass ChatGPT nun ganz offiziell eine Suchmaschine ist und auf Instagram zeigt eine Auswertung von 2,5 Millionen Posts, dass Likes als Kennzahl, nun ja, erledigt sind.

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📱  das aus unserer Sicht interessanteste Update vom Apple Event (Spoiler: es ist nicht das iPhone Duo),

🎥  und wie YouTubes Shopping-Affiliate-Programm funktioniert.

Entwicklungen & Trends

Willkommen in der „AGI-Ära“

OpenAI hat am 3. September GPT-6 unter dem Namen Astra veröffentlicht. Die Aussage von OpenAI-Präsident Greg Brockman dazu: Es sei nicht unvernünftig, sich jetzt in der AGI-Ära zu fühlen. Beworben wird vor allem, dass das Modell selbstständig am Rechner arbeitet – es kann also z. B. Formulare ausfüllen, CRM-Einträge pflegen, sich durch Browser und Tabellen klicken. Auffällig ist, wie vorsichtig OpenAI die eigene Ankündigung behandelt: Der Rollout läuft zunächst nur über das geschlossene „Daybreak“-Programm, weil Astra nach eigener Einschätzung die kritische Schwelle bei Cybersecurity-Fähigkeiten überschreitet und unbekannte Sicherheitslücken eigenständig ausnutzen kann. Billig ist es auch nicht: 60 statt 35 Dollar je Million Ausgabe-Token.

Interessanterweise hat OpenAIs Chefwissenschaftler Jakub Pachocki nur Tage später einen Essay mit dem Titel „An Alien Mind“ veröffentlicht, der sich wie ein Gegenprogramm zur eigenen Pressemitteilung liest. Sein Befund: Kein Labor – ausdrücklich auch nicht OpenAI selbst – habe Alignment und Monitoring so weit gelöst, dass man noch lange mit Höchstgeschwindigkeit weiterskalieren könne. Unangenehmer noch das zweite Argument: Die Überwachung der Gedankenketten, das zentrale Sicherheitswerkzeug der Branche, werde nach eigenen Tests immer unzuverlässiger. Pachocki fordert deshalb verbindliche Standards, kontrolliert durch externe Prüfer, Behörden oder internationale Gremien – nicht durch Selbstverpflichtungen.

Politisch ist die Debatte schon weiter: Am Tag der Veröffentlichung von Astra haben Bernie Sanders und der Abgeordnete Greg Casar den „Ban Artificial Superintelligence Act“ eingebracht, mit Unternehmensauflösung und bis zu 20 Jahren Haft im Strafmaß illegaler Atomwaffenentwicklung – Anlass sind die KI-Ausbrüche des Sommers.

Unser Schluss aus diesen Updates: Der Anbieter, der die AGI-Ära ausruft, hält die Sicherheitsarbeit zu KI-Supermodellen gleichzeitig für unzureichend und gibt sein stärkstes Modell vorerst nur an einen ausgewählten Kreis. Wir behalten das weiterhin für euch im Blick!

Das Visual zur Ankündigung von GPT-6 Astra (Quelle: OpenAI)

Brüssel nennt ChatGPT eine Suchmaschine

Die EU-Kommission hat ChatGPT unter dem Digital Services Act als „Very Large Online Search Engine“ eingestuft, Reddit und Roblox als sehr große Plattformen. Die Schwelle liegt bei 45 Millionen durchschnittlichen Nutzer*innen im Monat in der EU; ab Januar 2027 gelten die zusätzlichen Pflichten zu Risikobewertung, Jugendschutz und Transparenz. Die Einstufung selbst ist Verwaltungsakt, die Wirkung ist es nicht. Die Frage, ob ChatGPT eine Suchmaschine ist, war in unserer Branche zwei Jahre lang Gegenstand von Meinungen. Jetzt ist sie von der Regulierung beantwortet, und zwar in der Kategorie, in der auch Google steht.

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KI News

Ein Agent fürs Leben, nicht für die Arbeit

Meta hat seinen neuen, persönlichen KI-Agenten Muse vorgestellt: Er schreibt Mails, bucht Reisen, füllt Formulare aus und kauft ein – bezahlt wird dabei über Stripe Link mit Einmal-Kartennummern, die echte Karte sieht Muse nie. Alle Nutzer*innen bekommen eine eigene virtuelle „Maschine“ in Metas Cloud, in der der Agent weiterarbeitet, wenn die App längst geschlossen ist. Verfügbar ist der Agent vorerst nur in den USA und ab 18 Jahren, kostenlos oder für 20 bzw. 100 Dollar im Monat – und, weil WhatsApp zu Meta gehört, auch direkt im Messenger.

Der Satz, auf den es ankommt, steht nicht in der Pressemitteilung, sondern im eigenen Sicherheitspapier: Der Zugriff von Meta-Personal auf die Nutzerdaten wird über operative Richtlinien beschränkt, technisch verhindert wird er nicht. Die verschlüsselte Variante läuft bisher nur in einer kleinen Testgruppe. Werbung gibt es in Muse nach Meta-Angaben nicht. Woher das Geld stattdessen kommt, zeigt das Preismodell des neuen Modells Muse Spark 1.3: Wer Meta erlaubt, die eigenen Prompts und Ausgaben zum Training zu nutzen, zahlt 10 statt 125 Cent je Million Eingabe-Token. Rund 94 Prozent Rabatt gegen Daten.

Der neue KI-Agent Muse von Meta (Quelle: Meta)

ChatGPT Ads ist da – und jetzt?

ChatGPT Ads ist gerade der spannendste neue Kanal im Performance Marketing. Für mich nicht nur wegen der reinen Reichweite, sondern wegen des Targetings. Man arbeitet nicht mit Keywords, sondern mit sogenannten Context Hints: Beschreibungen von Situationen, in denen das jeweilige Angebot hilft. Das klingt erstmal nach Detail, verändert aber die eigentliche Arbeit: Statt zu überlegen, wonach jemand sucht, muss man sich fragen, in welcher Lebenssituation die eigene Zielgruppe gerade steckt, wenn sie auf das Produkt stoßen soll.

Das betrifft natürlich auch die Anzeigentexte (für die man sich übrigens sehr kurzfassen sollte) und den Produktfeed, der für dieses Prinzip erst passend aufbereitet werden muss. Titel und Beschreibungen funktionieren hier eher wie eine Antwort als wie ein Keyword. Grundsätzlich lässt sich damit der gesamte Funnel bedienen, am stärksten zeigt sich der Kanal aber dort, wo Menschen noch vergleichen und abwägen, statt kurz vor dem Kauf zu stehen.

Rebecca Haupt, Strategist Data, Measurement & Projektmanagement bei Projecter
Rebecca Haupt

💬 Ihr wollt ChatGPT Ads gerne ausprobieren? Wir haben uns den Kanal genau angeschaut und beraten euch gerne mit Blick auf euer individuelles Geschäft.

KI-News im Ticker

📱 Apple will beweisen, dass ein Foto echt ist. Das iPhone 18 Pro bekommt die Funktion „Apple Reference Image“: Die Kamera signiert die Bilddaten auf Pixelebene, sodass sich später prüfen lässt, was der Sensor tatsächlich gesehen hat, gedacht als Nachweis, dass ein Bild nicht aus einem Modell kommt. Das ist neben dem iPhone Duo die interessantere Apple-Meldung der Woche.

💸 Die Hardware von John Ternus‘ erstem Apple Event in einem Satz: Das faltbare iPhone Duo startet bei 2.299 Euro und ist ab 23. Oktober im Handel, ein günstiges Standardmodell fällt dieses Jahr weg – iPhone 18 und Air 2 sind auf Anfang 2027 verschoben.

🎨 Google baut Google Pics in den Workspace ein. Mit Google Pics lassen sich Poster und Social-Grafiken prompten statt gestalten. Basis ist das Bildmodell Nano Banana. Ebenfalls neu: Die Funktion „Agentic Video Understanding“ in Gemini wertet Bild, Ton und Transkript gemeinsam aus.

✍️ ChatGPT Images 2.5 zeichnet mit. OpenAI hat sein Bildmodell aufgefrischt: bis zu 50 Prozent kürzere Generierungszeit, präzisere Edits und eine Sketch-Funktion, die per „@Sketch“ ein Zeichenfenster im Chat öffnet und aus Kritzeleien Bilder macht. Für die API gibt es zwei Varianten: Flare für Menge, Sunburst für produktionsreife Motive.

🤖 Der europäische KI-Anbieter Mistral holt drei Milliarden Euro. Die Bewertung steigt damit auf über 21 Milliarden Euro: Das ist die größte Eigenkapitalrunde eines europäischen Technologieunternehmens.

Affiliate Marketing

YouTubes Shopping-Affiliate-Programm ist da

Seit dem 3. September läuft das YouTube-Shopping-Affiliate-Programm in Deutschland. Creator können Produkte ausgewählter Händler direkt im Video taggen, statt sie über Links in der Beschreibung zu verkaufen. Zum Start dabei sind ABOUT YOU, bonprix, Home24, Kaufland, MediaMarktSaturn, OTTO, Shop-Apotheke, Tchibo, Thalia und XXXLutz. Voraussetzung ist die Teilnahme am YouTube-Partnerprogramm, seit dem Frühjahr schon ab 500 Abonnent*innen möglich; einbinden lässt sich das in Longform, Shorts, Livestreams und auf dem Fernseher, die Werbekennzeichnung bleibt Pflicht. Die Provisionshöhe legen die Händler selbst fest, in der Einführungsphase geht der volle Satz an die Creator*innen.

Die Zahl, mit der YouTube wirbt – 110 Prozent mehr Klicks auf getaggte Produkte als auf Links in der Beschreibung –, kommt von der Plattform selbst und ist entsprechend zu lesen. Der wichtigere Unterschied zu TikTok Shop liegt ohnehin am anderen Ende: Der Kauf wird nicht auf der Plattform abgeschlossen, sondern beim Händler – im gewohnten Shop, mit gewohnter Zahlungsart und gewohnten Retourenbedingungen. Für den deutschen Markt, in dem Social Commerce eher langsam und vor allem in jüngeren Zielgruppen wächst, ist das der größere Hebel als jede Klickrate: Wer dem Kanal noch nicht traut, muss ihm hier nicht sein Geld anvertrauen.

Das neue YouTube Shopping-Affiliate-Programm (Quelle: YouTube)

Social Media

Likes sind tot, und das Reporting merkt es zuletzt

Der Social-Analyst Gabriel Davis hat 2,5 Millionen Instagram-Posts von Januar 2025 bis Mai 2026 ausgewertet, und die Zahlen sind eindeutig: Bei Carousels sind die Likes um 73 Prozent eingebrochen, die Kommentare um 39 Prozent. Bei Reels sind es 81 beziehungsweise 46 Prozent. Der Einwand, es liege am Content, lässt sich damit schlecht halten – selbst im obersten Prozent der Posts liegt der Rückgang bei über 54 Prozent.

Die Erklärung liegt bei den Plattformen, nicht bei den Creator*innen: TikTok gewichtet Watch Time und Replays, Instagram misst Verweildauer, LinkedIn die Lesedauer.

Quelle: Prateek Katyal via Unsplash

Wenn Likes für die Ausspielung kaum noch zählen, verschwinden sie auch aus dem Verhalten. Für euer Reporting heißt das schlicht: Video-Ziele auf Watch Time und Completion Rate umbauen und die Engagement Rate als Beobachtungswert führen, nicht als Zielgröße. Und wenn ihr in Jahresvergleichen gerade rote Zahlen erklären müsst – hier ist die Erklärung, und sie hat wahrscheinlich weniger mit eurer Arbeit zu tun.

Social Media News im Ticker

🤖 Die Plattformen ziehen beim Thema KI-Content nach: Instagram führt ein Label für KI-generierte Profile ein und nimmt unmarkierten Accounts die Empfehlungsreichweite und LinkedIn lässt KI-Inhalte jetzt auch in Kommentaren melden. Nach Monaten, in denen KI in jede Ecke jeder App gebaut wurde, wird jetzt sichtbar gemacht, was von einer Maschine kommt. Für Marken ist das gut, aber mit Bedingung: Die Reichweitenstrafe trifft nicht die KI-Nutzung, sondern die fehlende Kennzeichnung. Also kennzeichnet euren KI-Content sauber und rechtzeitig.

💬 TikTok macht die Kommentarspalte zum Chat. Die Plattform bringt Sprachkommentare, Umfragen mit bis zu fünf Optionen, Fotokarussells mit bis zu neun Bildern und Live Photos.

⚙️ Australien will den Algorithmus abwählbar machen. Ein Gesetzentwurf soll Nutzer*innen ab 16 die Wahl zwischen personalisiertem und chronologischem Feed geben, unter dem Titel „My Feed, My Way“. Bei Verstößen würden hohe Summen drohen und die Aufsichtsbehörde eSafety bekäme zusätzliche Löschbefugnisse.

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