AI first, Mitarbeitende später? Von Oracles und Metas Plänen | Projecter Weekly #11 2026
So hilfreich KI auch mittlerweile ist – diesmal geht’s in unserem Newsletter eindeutig mehr um die Schattenseiten, vom Stellenabbau bis zum „AI Brain Fry“ bei immer noch Angestellten.
Diese Woche erfahrt ihr außerdem …
💰 wie es der deutschen E-Commerce-Branche geht,
👎 wie der Iran-Konflikt das Internet vergiftet
🤳 und warum es noch Hoffnung für LinkedIns Algorithmus gibt.
Entwicklungen & Trends
Oracle und Meta brauchen Geld für KI – und bauen dafür Stellen ab
Oracle plant offenbar, 20.000 bis 30.000 Stellen zu streichen – das wären bis zu 18 % der Belegschaft. Der Grund: ein massiver Cash-Crunch durch den Ausbau von KI-Rechenzentren. Die „freiwerdenden“ 8 bis 10 Milliarden Dollar sollen direkt in Infrastruktur fließen. Pikant: Mehrere US-Banken haben ihre Finanzierungszusagen für Oracle-Rechenzentren bereits zurückgezogen, weil sie an der Rückzahlungsfähigkeit zweifeln.
Auch Meta erwägt laut Reuters einen Stellenabbau von bis zu 20 % der Belegschaft – das wären rund 16.000 der knapp 79.000 Mitarbeitenden. Gleichzeitig hat Zuckerberg angekündigt, 2026 zwischen 115 und 135 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur zu investieren – ungefähr doppelt so viel wie im Vorjahr. Metas Kommentar zu den Berichten? „Spekulative Berichterstattung über theoretische Ansätze.“ Na dann.
Die Botschaft ist ziemlich klar: Die Jobs gehen nicht an die KI – sie gehen für die KI. Wer in der Tech-Branche arbeitet, wird zur Zeit nicht von einem Algorithmus ersetzt, sondern von einer Budgetzeile für GPUs.
Zalando huj, die restliche Branche naja
Zalando hat Geschäftszahlen für 2025 vorgelegt – und die können sich sehen lassen: 16,8 % Umsatzwachstum auf 12,3 Milliarden Euro, bereinigtes EBIT bei 591 Millionen Euro (+15,6 %), 62 Millionen aktive Kund*innen. Für 2026 erwartet der Konzern weiteres Wachstum von 12 bis 17 Prozent.
Aber: Ein guter Teil des Wachstums geht auf die Übernahme von About You zurück, die schneller Synergien liefert als geplant. Organisch betrachtet sieht das Bild schon nüchterner aus. Und im Rest der deutschen E-Commerce-Branche? Da sieht’s deutlich negativer aus, wie Branchen-Experte und Snocks-Gründer Johannes Kliesch auf LinkedIn analysierte: Mehr Shops (am Beispiel der Shopify-Zahlen) bei gleichzeitig stagnierendem E-Commerce-Umsatz bedeuten mehr Konkurrenz für bestehende Händler*innen. Mit als größte Gefahr sieht er die wachsende Konkurrenz aus China in Form von Temu und Shein an, sowie den sich verschiebenden Fokus hin zu KI-Geschäftsmodellen.
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Zwischen Zensur und Deepfakes: Wie der Iran-Konflikt das Internet vergiftet
Nach iranischen Raketenangriffen auf die Arabischen Emirate wurden mindestens 21 Personen in Dubai verhaftet – weil sie Videos der Angriffe gefilmt, geteilt oder kommentiert haben. Unter den Angeklagten: ein 60-jähriger britischer Tourist, eine philippinische Hausangestellte, die in der Nähe des Burj Al Arab ein Foto machte, und ein vietnamesischer Seemann, der außerhalb der Emirate gefilmt hatte. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft und Geldstrafen von bis zu 77.000 Dollar.
Das Krasse daran: Unter den UAE-Cybercrime-Gesetzen reicht es schon, ein kursierendes Video zu resharen oder zu liken, um sich strafbar zu machen. Die zahlreichen Influencer*innen, die Dubai als Basis gewählt haben, posten nicht zufällig seit Beginn des Krieges nur Feel-Good-Content – sie dürfen sich gar nicht kritisch äußern, denn sonst droht die Ausreise (oder schlimmeres).
Auf der anderen Seite des Konflikts wird auch die digitale Kriegsführung immer aggressiver. Ein interaktiver Bericht der New York Times dokumentiert, wie der Iran KI-generierte Deepfake-Nachrichtensprecher*innen und täuschend echte Social-Media-Profile einsetzt, um westliche Gesellschaften gezielt zu spalten. Durch generative KI werden diese Desinformationskampagnen nicht nur billiger und schneller, sondern auch sprachlich präziser – und damit für Nutzer*innen immer schwerer als Propaganda zu erkennen. Expert*innen warnen, dass die Geschwindigkeit dieser KI-Inhalte die Kapazitäten von Plattform-Moderator*innen und Fact Checkers längst überfordert.
Meme der Woche
Diese Woche haben die Academy Awards 2026 stattgefunden und Leonardo DiCaprio ist diesmal kein Oscar-Gewinner, sondern Meme-König geworden. Diese Version hier passt jedenfalls ganz gut zu unserer Oracle- und Meta-News ganz oben … 🫢

KI News
AI Brain Fry – wenn die KI den Job härter macht
„AI Brain Fry“ – so nennt eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group das Phänomen, wenn KI-Tools nicht entlasten, sondern erschöpfen. Etwa jeder/jede siebte Arbeitnehmer*in leidet demnach unter mentaler Erschöpfung durch das ständige Jonglieren mit KI-Tools. Besonders betroffen: Marketer*innen – sie melden die höchsten Raten. Wer mehr als drei KI-Tools parallel nutzt, berichtet von mehr Entscheidungsmüdigkeit und einer um 39 % höheren Fehlerrate.
Das deckt sich mit den Ergebnissen einer ActivTrak-Analyse, über die das Wall Street Journal berichtet: Bei Mitarbeitenden, die KI-Tools einsetzen, hat sich die Zeit für E-Mails, Messaging und Chat-Apps mehr als verdoppelt – während die fokussierte Deep-Work-Zeit um 9 % gesunken ist. Statt Entlastung also das Gegenteil: mehr Kommunikation, mehr Kontextwechsel, weniger Tiefe.
Last but not least kommt eine 8-Monats-Studie der UC Berkeley zu einem ähnlichen Schluss: KI steigert den Workload und die Aufgabenvielfalt – was kurzfristig produktiver wirkt, langfristig aber zu Burnout führt. Die Harvard Business Review fasst es so zusammen: „AI doesn’t reduce work – it intensifies it.“
Für alle, die sich beim fünften Tool-Tab des Tages schon mal gefragt haben, ob das wirklich effizienter ist: Ihr seid nicht allein. Und nein, wir haben leider auch keine unmittelbare Lösung parat, bleiben aber dran (betrifft uns ja auch).

RentAHuman.ai – der Scam des Jahres?
RentAHuman.ai – eine Plattform, auf der KI-Agenten Menschen für Aufgaben in der echten Welt „mieten“ können – ging vor ein paar Wochen viral. Zahlreiche Medien feierten die Idee als Vorbote einer neuen KI-Ära. Eva Wolfangel hat für die Zeit hinter die Kulissen geschaut und kam zu dem Schluss: Das Ganze ist nur Scam, Betrug, eine PR-Finte.
Kein einziger Auftrag wurde je über die Plattform abgewickelt. Von den angeblich 500.000 „Human“-Profilen sind über 400.000 Duplikate. Die Plattform war im Grunde eine leere Hülle mit einer guten Story. Und die Medien? Haben den KI-Hype ungeprüft weitergetragen.
Ein Lehrstück – nicht nur über die Bereitschaft, jede KI-Geschichte zu glauben, sondern auch darüber, wie wichtig es bleibt, Quellen zu prüfen. Gerade wenn eine Geschichte „zu gut“ klingt, um wahr zu sein.
Von Maps bis Sheets: Gemini wird zum Google-Betriebssystem
Zwei Gemini-Updates in einer Woche zeigen, wie konsequent Google zur Zeit seine KI in alle Produkte einbaut.
„Ask Maps“: Google Maps bekommt eine Gemini-gestützte Suchfunktion, mit der Nutzer*innen komplexe Alltagsfragen stellen können – zum Beispiel: „Mein Handy ist fast leer – wo kann ich es aufladen, ohne ewig für einen Kaffee anstehen zu müssen?“ oder „Gibt es einen öffentlichen Tennisplatz mit Flutlicht, auf dem ich heute Abend spielen kann?“ Die KI kombiniert dafür Kartendaten, Bewertungen und Echtzeit-Informationen. Google nennt es das „größte Navigations-Update seit über einem Jahrzehnt“. Verfügbar zunächst in den USA und Indien.
Gemini bekommt ein großes Upgrade im Google Workspace. In Docs kann die KI jetzt Informationen aus dem gesamten Google Drive zusammenziehen – wer einen Marketingplan braucht, kann Gemini bitten, ihn auf Basis einer früheren Kampagne zu erstellen, inklusive Tonalität. In Sheets lassen sich per natürlicher Sprache ganze Tabellen aufbauen: Die KI zieht sich zum Beispiel Daten direkt aus Gmail. Und in Drive gibt es jetzt KI-Overviews bei der Suche – quasi AI Overviews, aber für die eigenen Dateien. Auch hier startet der Rollout in den USA, zunächst für zahlende Kund*innen und auf Englisch.

Suchmaschinen
Sichtbarkeit bei ChatGPT: Was die Daten von 75.000 Marken verraten
Ahrefs hat in einer neuen Analyse untersucht, wie Marken in KI-Antworten präsenter werden können. Ein wichtiges Learning vorab: Das Ziel „Position 1 bei ChatGPT“ gibt es in dieser Form nicht. Laut einer Studie von SparkToro liegt die Wahrscheinlichkeit, bei 100 identischen Abfragen die exakt gleiche Markenliste zu erhalten, bei unter 1 %. Es geht also nicht um Positionen, sondern um probabilistische Sichtbarkeit. Das sind die Hebel, die laut der ahrefs-Analyse den größten Einfluss auf eure Sichtbarkeit haben.
- Der YouTube-Faktor: Marken mit hoher Präsenz auf YouTube erscheinen deutlich häufiger in ChatGPT-Antworten. Grund: YouTube-Transkripte sind vermutlich Trainingsgrundlage für LLMs.
- Mentions statt nur Backlinks: Während Google stark auf Links setzt, achtet die KI vor allem auf die Erwähnung der Marke im gesamten Web. PR und Content Marketing gewinnen an Bedeutung.
- Relevanz von Reddit: Als eine der Hauptquellen für aktuelle Zitate bleibt Reddit ein entscheidender Ort für Authentizität.
- Struktur zählt: Da 44,2 % der Zitate aus dem ersten Drittel eines Textes stammen, sollte die Kernbotschaft früh platziert werden. Aktive Formulierungen und klare Fragen in den Überschriften helfen der KI, eure Inhalte besser zu erfassen.
Kurz gesagt: Wer seinen Content aktuell hält und strategisch im Web verteilt, erhöht die Chance, als verlässliche Quelle von der KI empfohlen zu werden.
Content Piece der Woche
Finden wir ganz entspannt, bei all den (eher bad) News in letzter Zeit. Hört (und schaut) mal rein, macht euch bestimmt auch gute Laune! 🎧

Social Media
LinkedIn-Algorithmus, YouTube-Gesichtsscans & das Ende der Privatsphäre in den Insta DMs
Während Plattformen wie LinkedIn und YouTube massiv in KI investieren, um Qualität und Identität zu schützen, rudert Meta beim Thema Datenschutz (aus unserer Sicht wie immer wenig) überraschend zurück. Ein paar kurze Social News für euch im Überblick:
LinkedIn: Authentizität schlägt Algorithmus-Gaming
Der LinkedIn-Chefentwickler Tim Jurka hat es offiziell gemacht: Der Algorithmus bekommt ein massives Upgrade durch sogenannte „Generative Recommenders“. Die KI soll von nun an Inhalte nicht mehr nur nach Klicks, sondern nach tatsächlicher Relevanz und fachlicher Tiefe einordnen. Na gut! Für uns jedenfalls ein klares Zeichen gegen die Engagement-Pod-und-Bot-Invasion, die die offensichtlichen KPI’s künstlich aufgebläht haben. Der neue Algorithmus soll diese Muster erkennen und entsprechend die Posts drastisch abstrafen.
YouTube: Die „Content ID“ für dein Gesicht
Auch YouTube rüstet technologisch auf und sagt Deepfakes den Kampf an. Das neue Tool „Likeness Detection“ funktioniert im Prinzip wie die bekannte Content ID für Musik – nur eben für menschliche Identitäten. Es scannt KI-generierte Videos automatisch nach Gesichtern realer Personen. Gibt es einen Treffer, werden die Betroffenen sofort benachrichtigt. Sie können das Video prüfen und eine Löschung beantragen, falls es gegen die Richtlinien verstößt. Nach einer ersten Testphase öffnet YouTube das Tool nun gezielt für Journalist*innen und Politiker*innen.
Instagram-DMs: Zurück in die unverschlüsselte Ära
Meta sorgt hingegen mal wieder eher für ungute Gefühle … Ab dem 8. Mai entfernt Instagram die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) für Direktnachrichten wieder. Die offizielle Begründung von Meta lautet, dass zu wenige User*innen die Funktion aktiv genutzt hätten. Damit sind sie aber nicht alleine, auch TikTok verschlüsselt DMs bewusst nicht, um Moderations-Tools den Zugang zu erleichtern. Genau das ist aber aus unserer Sicht auch bedenklich, denn die Änderung bedeutet einen drastischen Verlust von Privatsphäre für User.
Lesetipps & Empfehlungen
Anthropic vs. OpenAI: Drei Perspektiven auf das KI-Duell des Jahres
Diese Woche haben wir gleich drei starke Longread-Artikel zum KI-Duell zwischen Anthropic und OpenAI dabei – mit drei verschiedenen Perspektiven.
Time: „How Anthropic Became the Most Disruptive Company in the World“
Das große Porträt: Time hat Anthropic aufs Cover gehoben und drei Tage im Hauptquartier verbracht. Der Artikel zeichnet nach, wie ein Startup mit 380 Milliarden Dollar Bewertung gleichzeitig zum Liebling der Entwickler*innen und zum Feindbild des Pentagons wurde. Besonders lesenswert: wie Claude bereits bei der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Maduro im Einsatz war – und wie Anthropic in derselben Woche, in der es dem Pentagon die Stirn bot, seine eigene Selbstverpflichtung zur KI-Sicherheit aufweichte.
The Atlantic: „Dario Amodei’s Oppenheimer Moment“
Autor Ross Andersen zieht in einer historischen Einordnung die Parallele zwischen den Atom-Wissenschaftler*innen der 1940er und Anthropic-CEO Amodei. Die Kernthese: Wer eine mächtige Technologie erschafft, verliert am Ende die Kontrolle darüber, wie sie eingesetzt wird. Oppenheimer konnte die Bombe nicht zurücknehmen – und Amodei wird Claude nicht zurücknehmen können, egal wie viele rote Linien er zieht.
Wired: „The Race Between OpenAI Codex and Claude Code“
Wired beleuchtet, wie Anthropic mit Claude Code zum überraschenden Marktführer bei KI-Coding-Tools wurde – und wie OpenAI mit Codex versucht aufzuholen. Im September 2025 lag Codex bei 5 % von Claude Codes Nutzungszahlen, im Januar 2026 bereits bei 40 %. Beide Anbieter subventionieren ihre $200-Abos massiv (realer Wert laut Entwickler*innen: über $1.000), um Nutzer*innen an sich zu binden.



