Von Netflix-Milliarden bis zu KI-Soaps | Projecter Weekly #3 2025
Obwohl Sam Altman sich jahrelang gegen Werbung in ChatGPT ausgesprochen hat, testet OpenAI nun doch Ads innerhalb des Chatbots. Außerdem haben wir ein Update im Netflix-Warner-Brothers-Krimi für euch. Kleiner Spoiler: Bis nach unten Scrollen lohnt sich, denn wir haben passend zum 2016er-Trend ein paar eigene Schnappschüsse für euch rausgesucht! 📸
Diese Woche erfahrt ihr außerdem …
🤖 neue Zahlen dazu, wie KI den Arbeitsmarkt verändert,
🤝 welche Trends die Affiliate-Branche in 2026 prägen werden,
🔎 warum LinkedIn besonders gern von LLMs zitiert wird.
Entwicklungen & Trends
Netflix zahlt Cash für Warner Brothers
Falls ihr euch in den letzten Wochen gefragt habt, was eigentlich aus dem kühnen Netflix-Plan geworden ist, Warner Brothers zu übernehmen – hier kommt das Update! Der Aufsichtsrat von Warner Brothers hat ein neues Übernahmeangebot von Netflix angenommen, nachdem nun 100 % in Cash gezahlt werden soll anstatt mit einem Cash-Aktien-Mix. Das bedeutet übrigens nicht, dass dort jetzt jemand mit einem LKW voller Dollarscheine vorfährt, sondern dass Netflix ca. 40 Mrd. Dollar Kredite dafür aufnimmt.
In trockenen Tüchern ist die Sache damit auch noch nicht, denn Paramount hatte im Dezember ja ein Konkurrenzangebot abgegeben (abgelehnt vom Aufsichtsrat) und zieht nun vor Gericht. Auch das Kartellamt dürfte noch ein Wörtchen mitzureden haben, denn mit der Übernahme würde u. a. HBO Max (gerade in Deutschland gestartet) auch an Netflix fallen.
Gemütlicher wird der Streaming-Markt künftig ganz sicher nicht, auch wenn Netflix laut der gerade veröffentlichten Quartalszahlen die Marke von 325 Millionen Nutzer*innen geknackt hat. Wer ein bisschen tiefer in die Streaming-Ökonomie und die Netflix-Zahlen einsteigen möchte, dem sei die aktuelle Podcast-Folge von „Ohne Aktien wird schwer“ empfohlen.

Über 50 % der deutschen Werbeausgaben gehen an Google, Meta, Amazon (und TikTok)
Der Verband der Media-Agenturen hat prognostiziert, dass 2026 mehr als 50 % der deutschen Werbeausgaben an Google, Meta und Amazon (in dieser Reihenfolge) gehen werden. TikTok wächst am stärksten, ist aber noch nicht in der Liga der Big 3 angekommen. Bitter, aber wenig verwunderlich ist die Entwicklung für Print (Zeitungen und Zeitschriften) und TV, die jeweils 6 bis 10 % verlieren. Dass der Digitalanteil der Werbeausgaben weiter steigt (auf voraussichtlich 72 %) ist aus unserer Sicht folgerichtig und gut, die Konzentration bei wenigen amerikanischen Anbietern allerdings immer bedenklicher. Insgesamt soll der deutsche Werbemarkt um 3,5 % auf 31,6 Milliarden Euro wachsen.

Bis zu 30 % weniger Stellenausschreibungen wegen KI
Künstliche Intelligenz scheint für einen deutlichen Rückgang der Stellenausschreibungen in einigen Branchen in Deutschland verantwortlich zu sein. Eine Analyse der Stellenbörse Indeed für F.A.Z. Digitalwirtschaft ergab, dass vor allem Einsteigerjobs und juniorige Stellen betroffen sind. Am deutlichsten ist der Rückgang in der Software-Entwicklung sichtbar (-59 % in den letzten 3 Jahren), aber auch Marketing, Personalwesen, Kundenservice und IT-Support sind stark betroffen.
Wie der Artikel konstatiert, mischen sich im Moment konjunkturelle Schwäche, Überinvestitionen während der Corona-Zeit und KI-Einsparungen in manchen Branchen zum „perfekten Sturm“. Man könne davon ausgehen, dass demographischer Wandel und eine bessere Konjunktur hier auch wieder gegensteuern würden. Die Frage ist nur: Wie stark sind die Gegeneffekte und wie sehr verändern sich die Jobs in den betroffenen Branchen bis dahin?

KI News
OpenAI bringt Werbung in ChatGPT
Es ist soweit: Laut Sam Altman werden wir künftig Werbeanzeigen in der kostenlosen Version von ChatGPT angezeigt bekommen; außerdem startet OpenAI parallel dazu das neue, günstigere Abo-Modell, „ChatGPT Go“, das ca. 8 US-Dollar pro Monat kosten wird. In den USA läuft der Test der Anzeigen bereits. Die als „Sponsored“ gekennzeichneten Ads sollen am Ende der Antworten zu sehen sein. Diese sollen nicht durch die Werbung beeinflusst werden.
Letzteres ist für Altman wahrscheinlich besonders wichtig zu betonen – er bezeichnete Werbung in KI-Assistenten 2024 nämlich noch als „letztes Mittel“, durch die das Vertrauen der Nutzer*innen schwinden könnte. Doch auch OpenAI braucht Geld: Die Einnahmen der Abos würden laut einem Artikel von F.A.Z. Digitalwirtschaft bei weitem nicht ausreichen, um die Ausgaben für Rechenpower und Modelltraining zu decken. Zuletzt häuften sich außerdem die Abo-Kündigungen, während die Marktanteile von KI-Konkurrenten wie Google oder Anthropic stark gestiegen sind (wir berichteten) – das ruft nach einem Strategiewechsel bei OpenAI.
Damit geht das große Interesse von Werbetreibenden an ChatGPT Hand in Hand: Den KI-Assistenten nutzen inzwischen rund 800 Millionen wöchentlich aktive Nutzer*innen. Dazu kommt, dass User bei KI-Assistenten ihre Produktwünsche und Anliegen offenbaren wie bei keiner Suchmaschine oder Plattform zuvor. Kein Wunder also, dass Altman dem irgendwann nachgibt. F.A.Z. Digitalwirtschaft hat das Thema wie immer sehr gut und im Detail erläutert: Wer mehr dazu lesen will, dem empfehlen wir diesen Artikel.
In other News
Wikimedia schließt KI-Partnerschaften
Das gemeinnützige Unternehmen Wikimedia, deren bekanntestes Projekt Wikipedia ist, hat offizielle Partnerschaften mit Amazon, Meta, Microsoft, Mistral AI und Perplexity angekündigt – nachdem sich in der Vergangenheit schon viele KIs an Wiki-Inhalten bedient haben. Die Vereinbarungen sollen die Nutzung durch KI-Anwendungen professionalisieren und zur Finanzierung beitragen. Details zu Rechten oder Zahlungen wurden allerdings nicht offengelegt.
Elon Musk will Geld – was auch sonst
Und zwar 134 Milliarden US-Dollar von OpenAI, weil das einstige Non-Profit-Projekt nach Musks Ausstieg zu einem der wertvollsten KI-Unternehmen geworden ist. Interne E-Mails zeigen jedoch, dass er selbst zuvor versucht hatte, die Kontrolle zu übernehmen und daraus Profit zu schlagen. Laut Doppelgänger Update blockiert die Klage aktuell weitere Finanzierungsrunden und einen möglichen IPO von OpenAI.
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Affiliate Marketing
Trend Report 2026: Warum Affiliate Marketing jetzt (noch) wichtiger wird
Bevor wir in die Trends eintauchen, kurz zum Hintergrund: Der jährlich erscheinende Affiliate Trend Report feiert Jubiläum. Bereits zum zehnten Mal haben die Kolleg*innen von MAI xpose360 die wichtigste Stimmungsbarometer-Studie der DACH-Region veröffentlicht. Mit über 1.200 befragten Marktteilnehmenden aus Agenturen, Netzwerken, Advertiser- und Publisher-Reihen sowie 48 Expertenstimmen liefert der Report nicht nur bloße Zahlen, sondern ein valides Gesamtbild der Branche – und das ist dieses Jahr spannender denn je.

Denn trotz angespannter Wirtschaftslage ist die Relevanz des Kanals ungebrochen hoch. Für 71 Prozent der Unternehmen ist Affiliate Marketing 2026 mittlerweile der zweitstärkste Umsatzhebel im gesamten Marketing-Mix. Und das Budget folgt dieser Bedeutung: Während 27 Prozent der Advertiser frisches Budget in den Kanal investieren, schichten 24 Prozent Gelder aus anderen Töpfen aktiv in Richtung Affiliate um. Der Grund ist simpel: 62 Prozent rechnen fest mit steigenden Umsätzen, weil das Modell transparent, skalierbar und risikoarm performt.
Doch wer glaubt, es ginge einfach „weiter so“, der irrt. KI ist für 88 Prozent der Advertiser das dominierende Thema und verändert die gesamte Customer Journey. Die Wirkung von Empfehlungen verlagert sich zunehmend in kontextuelle KI-Umgebungen, was uns vor die Aufgabe stellt, Beiträge dort messbar zu machen, wo klassische Klick-Logiken künftig vielleicht nicht mehr greifen. Parallel dazu rollen Social und Creator Commerce das Feld neu auf: Influencer zählen für Advertiser zu den Top-Wachstumstreibern. Für uns heißt das: Affiliate Marketing 2026 ist weit mehr als ein Abverkaufskanal am Ende des Funnels – es ist ein strategischer Partner, der Kaufentscheidungen frühzeitig und in neuen Umgebungen prägt.

Suchmaschinen
Semrush-Studie: LLMs ❤️ LinkedIn-Artikel
Bisher galt: LinkedIn-Pulse-Artikel bedeuten viel Aufwand, für verhältnismäßig wenig organische Reichweite im Feed. Eine aktuelle Semrush-Studie wirft nun ein ganz neues Licht darauf: LinkedIn ist nach Reddit zur zweitwichtigsten Zitierquelle für KI-Chatbots wie ChatGPT, Google AI oder Perplexity aufgestiegen. Daten von Spotlight aus den letzten drei Monaten bestätigen diesen Trend: LinkedIn-Quellen wurden dieses Jahr bis zu fünf Mal häufiger in KI-Antworten zitiert als zuvor. Wichtig zur Einordnung: Die Studie misst Citations (Quellenangaben), nicht zwingend direkten Traffic. Es geht hier also primär um Brand Authority und GEO (Generative Engine Optimization).
Dass LLMs LinkedIn-Beiträge bevorzugen, hat zwei besondere Gründe:
- E-E-A-T & Trust: Die KI bevorzugt Inhalte, die mit realen Personen und überprüfbaren Hintergründen verknüpft sind. LinkedIn-Profile fungieren hier als digitaler Vertrauensbeweis.
- Struktur: Die Artikel weisen eine hohe strukturelle Qualität auf. Mit klaren Hierarchien, Listen und Kontexten bieten sie die semantische Tiefe, die KI-Modelle hervorragend auslesen können.
Unser Tipp aus dem SEO: Nutzt LinkedIn-Artikel also weniger für die schnelle Feed-Reichweite, sondern als Content–Depot für KI-Systeme. Wer Fachthemen tiefgründig besetzt, erhöht die Chance, von LL-Modellen zitiert zu werden.
Social Media
Pinedrama: Startet ByteDance jetzt die „KI-Netflix-Revolution“?
Während Instagram noch nach Wegen sucht, echte Inhalte von KI-Fakes zu trennen, geht TikTok-Mutter ByteDance den entgegengesetzten Weg: Mit der neuen App Pinedrama launcht der Konzern eine Plattform, die ausschließlich auf KI-generierte Kurzserien setzt – Hollywood & Co. dürfte das nicht gefallen. Die App sieht auf den ersten Blick aus wie TikTok, serviert aber statt User-Content ausschließlich fiktionale „Mikrodramen“. Jede Episode dauert etwa eine Minute und endet meist mit einem harten Cliffhanger, der zum Weiterscrollen animiert. Das Besondere: Die vertikalen Videos werden mithilfe von KI erstellt, was die Produktionskosten im Vergleich zu klassischen Serien massiv senkt.
Die Strategie dahinter erklären wir uns so, dass der Markt für Mikro-Dramen im Hochformat bereits auf Plattformen wie Reelshort und Dramabox boomt. ByteDance nutzt nun seine Algorithmus-Expertise, um fiktive Geschichten in Genres wie Romance, Fantasy oder Familiendrama passgenau an die User auszuspielen. Die App ist aktuell kostenlos und werbefrei. Die Anmeldung erfolgt simpel über die vorhandenen TikTok-Zugangsdaten, was die Hürde für Millionen von Nutzer*innen extrem niedrig hält.
Aktuell ist Pinedrama nur in den USA und Brasilien verfügbar. Branchenexpert*innen sehen darin jedoch den Vorboten für eine globale Rollout-Welle, bei der ByteDance das Vertical-Video-Modell auch für professionelles (KI-)Storytelling monetarisieren will. Die Entwicklung zeigt jedenfalls, dass KI nicht mehr nur ein Werkzeug für einzelne Clips ist, sondern ganze Unterhaltungs-Ökosysteme befeuert. Ob daraus aber ein neuer großer Trend im Nutzerverhalten entsteht, wird sich zeigen.

Trend der Woche
Wie, 2016 ist schon zehn Jahre her?
Dass VSCO Filter, „La La Land“ und Pokémon Go getrendet haben, kommt uns jedenfalls noch nicht so lange her vor. 🫣 Aber egal, wir springen mal auf den Social-Media-Trend auf und zeigen euch ein paar PJ-Schnappschüsse von 2016:









