Vor- und Nachteile von Inhouse Partnerprogrammen

geschrieben am in der Kategorie Affiliate Marketing von

Möchte ein Merchant ein Partnerprogramm eröffnen, kann er sich an ein klassisches Affiliate Netzwerk wenden und erhält dort gegen Zahlung von zumeist 30% der an die Affiliates ausgeschütteten Provision, sowie in einigen Fällen einer Setup-Gebühr, ein riesiges Paket von Netzwerkleistungen rund um das Partnerprogramm inklusive dem Zugriff auf die bereits vorhandene Partnerbasis.

Möchte der Merchant die laufenden Netzwerkkosten reduzieren, kann er alternativ ein Inhouse Partnerprogramm oder auch „Private Network“ eröffnen. Dabei kann entweder eine komplett eigenständige Lösung entwickelt oder auf einen professionellen Anbieter zurückgegriffen werden.

Der Ersparnis der Netzwerkgebühren geht in der Regel mit einem Mehraufwand in der Verwaltung einher. Der Merchant kümmert sich eigenständig um das Setup des Partnerprogramms und dessen kontinuierliche Betreuung.

Nachfolgend werden die Pros und Cons von Inhouse Partnerprogrammen aus Affiliate- und aus Merchant-Sicht stichpunktartig aufgelistet.

Bewertung von Inhouse Partnerprogrammen aus Affiliate-Sicht:

+ Enge Bindung zum Merchant, direkter Kontakt

+ ggf. besserer, schnellerer Support

+ Merchant spart Netzwerkgebühren, schüttet daher oft höhere Provisionen aus

+ Individuelle Werbemittellösungen und Aktionen können gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden

– Inhouse Partnerprogramme erfordern gesonderten Login, was z.B. die Auswertung über alle Partnerprogramme aufwändiger macht

– Es bedarf Zeit, um sich im oft sehr individuell ausgestalteten Backend zurechtzufinden (Wo finde ich Werbemittel und Statistiken?)

– Die Auszahlung erfolgt gesondert von anderen Partnerprogrammen in klassischen Netzwerke -> erhöhter Abrechnungsaufwand

– Standardisierte Schnittstellen (Feeds, APIs, usw.), fehlen bzw. müssen neu eingerichtet werden (Wichtig für Preisvergleiche, Cashback, Gutscheinparter, Retargeter, usw.)

– Neutrale Instanz zwischen Merchant und Affiliate fehlt. Somit entfällt auch die Kontrolle des Trackings und der korrekten Vergütung durch das klassische Affiliate Netzwerk.

Bewertung von Inhouse Partnerprogrammen aus Merchant-Sicht:

+ Kostenersparnis durch Wegfall der Netzwerkprovision – vor allem für große Shops und bestehenden Partnerprogramme lukrativ

+ Direktere Ansprache der Affiliates möglich

+ Wird mit dem Inhouse Netzwerk Exklusivität angestrebt, fühlen sich aufgenommene Partner eventuell besonders motiviert

+ Steigerung der Partneraktivität durch Ausschüttung höherer Provisionen (finanziert durch die Kostenersparnis)

+ Flexibilität bei der Anpassung von technischen Voraussetzungen wie z.B. Tracking oder Änderungen im Interface

– Aufwändige Affiliate-Akquise, da nicht auf Partnerbasis der Netzwerke zurückgegriffen werden kann

– Das Anlegen einen separaten Accounts für ein einziges Partnerprogramm könnte einige Publisher abschrecken

– Promotion durch klassische Affiliate Netzwerke entfällt. Werbemaßnahmen zur Aufmerksamkeitserzeugung müssen eigenständig initiiert werden

– Betreuungsaufwand steigt – insbesondere bei der Lösung von technischen Problemen (Supportaufwand). Es werden zusätzliche Ressourcen benötigt (Personalaufwand). Die Buchhaltung muss vom Merchant übernommen werden. Steigende Aufwände gehen wiederum mit steigenden Kosten einher.

– Rechtliche Aspekte, z.B. gesonderte Partnerprogramm-AGB, sind zu beachten

– Je nach Software fallen ggf. hohe Setup Gebühren und laufende Kosten an

– Klassische Affiliate Netzwerke sind mittlerweile selbst als Werbenetzwerk tätig (z.B. affilinet Performance Ads). An diesen Möglichkeiten kann ein Inhouse-Partnerprogramm nicht partizipieren.

Fazit:

Ob sich das Eröffnen eines Inhouse Partnerprogramms für einen Merchant lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Vor- und Nachteile sind stets im konkreten Einzelfall abzuwägen. Aus der Praxis sind uns zudem zahlreiche Mischformen bekannt, bei denen Merchants sowohl bei mehreren klassischen Affiliate Netzwerken angemeldet sind, gleichzeitig aber auch ein Inhouse Netzwerk etabliert haben, um z.B. ihren Premium-Partnern eine besonders individuelle Behandlung zukommen zu lassen.

Manuel war von August 2015 bis Januar 2019 Teil des Projecter-Team.

Einen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder

  1. Sehr interessante Auflistung der Pros und Contras. Vielen Dank dafür!

    • Gern geschehen!;)

  2. Sehr guter Artikel! Eine gute Auflistung wie ich finde. Sicherlich für viele auch sehr nützlich. Ich konnte meine Lehren bereits daraus ziehen und bedanke mich herzlich dafür!