URL-Shortener und SEO – Gefahren und Auswirkungen

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URL-Shortener sind ein benutzerfreundliches Mittel, um das Teilen und Weitergeben von URLs zu vereinfachen. Doch welche SEO Auswirkungen hat es, wenn URLs gekürzt werden?

Was machen URL-Shortener?

Bevor das Thema SEO und URL-Shortener angegangen wird, erstmal ein paar Worte zur Funktionsweise von URL-Shortenern.

Die Bezeichnung URL-Shortener ist eigentlich irreführend, treffender wäre URL-Weiterleitung, denn nichts anderes machen sie. Technisch gesehen basiert der URL-Shortener auf einer einfachen Weiterleitung von der gekürzten auf die Ursprungs-URL.

Erklärung URL-Shortener

 

Kurze URLs sind für den Nutzer attraktiver und werden öfter geklickt. Ein Hauptgrund für die höhere Attraktivität ist die Lesbarkeit der gekürzten URL. Lange kryptische URLs können durch URL-Shortener umgangen werden. Ursprünglich für alte E-Mail-Systeme geschaffen, begann ihr richtiger Aufstieg parallel mit dem Aufstieg von Twitter. Durch die 140-Zeichen-Begrenzung blieb bei einigen URLs nicht mehr viel Platz für den eigenen Inhalt in den Tweets. Gekürzte URLs waren die perfekte Lösung. Schnell gab es etablierte Anbieter, die das Kürzen von URLs kostenlos angeboten haben. Auch wurden eigene URL-Shortener direkt in Dienste wie Twitter eingebaut und kräftig genutzt. Um es kurz zu machen: Jeder der diesen Artikel liest, ist heute bestimmt schon auf eine gekürzte URL gestoßen.

Die bekanntesten URL-Shortener sind bit.ly, tinyurl.com, ow.ly. Twitter hat mittlerweile seinen eigenen Link-Shortener mit t.co und auch Google hat mit goo.gl einen eigenen Dienst parat. Die meisten bieten ihre Dienste kostenlos an. Einige haben Sonderfeatures wie ein selbstgewählter URL-Stamm, für die gezahlt werden muss.

Aus Nutzersicht gibt es aber einige Risiken beim Klicken auf gekürzte URLs. So weiß der Nutzer nicht mehr, wohin ihn ein Link führen wird oder was passiert, wenn er ihn klickt. Das weiß man zwar fast nie, doch ist das Vertrauen viel schneller zu missbrauchen. Gekürzte URLs werden massiv für Spam, Cookiedropping und sehr aggressives Tracking missbraucht.

URL-Shortener und SEO

Beim Wort „Weiterleitungen“ wird es ja schon spannend. In der Vergangenheit gab es URL-Shortener, die die Weiterleitung per 302 durchführten. Dies war aus SEO-Sicht überhaupt nicht optimal, da so nichts an Link Juice weitergegeben wurde. In einigen Fällen rankte die gekürzte URL sogar vor der Original-URL.

Prinzipiell sollte bei der Wahl des URL-Shorteners darauf geachtet werden, dass per 301 weitergeleitet wird. Mittlerweile greifen die meisten Anbieter (wir können für niemanden garantieren) auf 301 Redirects zurück.

Um dies zu überprüfen, nutzt man am besten einen Redirect Checker. Damit kann im Detail verfolgt werden, was auf dem Weg zur Ziel-URL passiert. Ein weiterer Punkt, der hierbei gecheckt werden muss, ist, ob es zu Weiterleitungsketten kommt. Es gibt einige Anbieter, die dort viel zu viele Redirects benutzen. Von diesen Anbietern sollte Abstand genommen werden. Aus technischer Sicht sollte eine einzige Weiterleitung Standard sein.

Weiterleitungsketten

Weiterleitungsketten dürfen bei URL-Shortenern nicht auftreten

 

Nachfolgend unsere Empfehlungen für URL-Shortener:

Vergleich URL-Shortener (Tabelle)
Bei der Erwähnung Google Shortener wird es noch spannender. Aber nein, es entstehen keine Rankingvorteile nur weil der Google-eigene Dienst zum Einsatz kommt. Google habe kein Interesse andere Anbieter aus dem Markt zu drängen.

Alternative zu Shortener Diensten?

Kurzfristig gesehen gibt es aus SEO-Sicht nichts was gegen vertrauenswürdige Shortener Dienste spricht, aber es könnte langfristig zu Problemen kommen. Die 301-Weiterleitung funktioniert nur solange, wie der Anbieter auch noch aktiv im Geschäft ist.

Das größte Risiko von fremden URL-Shortenern ist die Frage, was passiert, wenn der eingesetzte Dienst pleite geht oder aus anderen Gründen nicht mehr funktioniert. Dann führen alle gekürzten Links ins Nichts. Auch kann der Anbieter kurzfristig seine Technik der Weiterleitung umstellen, worauf man als Nutzer keinen Einfluss nehmen kann. Solch eine Änderung kann beispielsweise die Länge der Weiterleitungskette sein.

Wer also ganz sicher gehen möchte, der baut einfach seinen eigenen Shortener und hat die volle Kontrolle, wie die eigenen Links gekürzt werden. Es kommt garantiert nur zu einer 301-Weiterleitung und die Weiterleitung liegt zudem in eigener Hand, so dass es nicht zu bösen Überraschungen kommen kann.

Über die htaccess können Weiterleitungen eingerichtet werden. Um die URL dieses Blogbeitrags beispielsweise auf http://www.projecter.de/blog/url-shortener zu kürzen, ist folgender Code in der htaccess-Datei notwendig:

<IfModule mod_rewrite.c>

RewriteEngine On

Redirect 301 /url-shortener-und-seo ^/url-shortener-und-seo-gefahren-und-auswirkungen

</IfModule>

Komplexere Regeln können mit regulären Ausdrücken in der htaccess definiert werden.

Ein weiterer Vorteil eigener Lösungen ist das Branding. Es schafft Vertrauen und Wiedererkennungswert, wenn der Firmenname auch in der gekürzten URL zu identifizieren ist. Diesen Service bekommt man zwar auch bei Fremdanbietern gegen Bezahlung, doch wenn man sich schon die Arbeit macht, dann kann dieser positive Nebeneffekt auch noch mitgenommen werden.

Fazit

Die Wahl des richtigen Anbieters für gekürzte URLs ist sehr wichtig. Der Anbieter muss per 301 weiterleiten und keine unnötigen Weiterleitungsketten einsetzen. Wer komplett auf Nummer sicher gehen will, sollte sich seinen eigenen URL-Shortener programmieren und/oder Weiterleitungsregeln in der htaccess definieren.

Wie sind eure Erfahrungen? Baut ihr eigene Shortener oder vertraut ihr einem der großen Linkkürzer?

Marcus war von November 2014 bis September 2016 Teil des Projecter-Team.

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  1. Hey Marcus, just my 2 cents 😉 URL Shortener Dienste bieten auch teilweise Domainbranding an (z.B. bit.ly), das ist vom Aufwand her zumindest einfacher und schneller getan, als sich selbst so einen Service zu programmieren. Ein wichtiger Nutzungsaspekt von URL Shortener Diensten ist auch deren praktische Statistikfunktion, die quasi in Echtzeit die URL Aufrufe nach Herkunft augeschlüsselt darstellen. Cheers!

    • Hallo Robert, schön hier von dir zu lesen 😉
      Es stimmt, dass einige Dienste auch Zusatzfunktionen anbieten. Was bleibt, ist aber das Risiko, das diese Dienste ihre Arbeit einstellen. Bei bit.ly vielleicht sehr unwahrscheinlich, aber dennoch nicht ausgeschlossen und man sollte das Risiko zumindest auf dem Schirm haben.

  2. Hallo Marcus, vielen Dank für diesen spannenden Artikel. Zu einem ähnlichen Thema hatte ich auch schon vor einer Zeit gebloggt – ist aber schon ein paar Jahre her: http://www.seo-handbuch.de/suchmaschinen-suchmaschinenoptimierung/url-shortener-ein-neuer-trend-in-der-seo-szene – der Trend doch ganz klar zum eigenen URL-Shortener, oder? 😉

    • Hallo Dennis,
      danke für deinen Kommentar und deinen Hinweis.
      Ich stimme dir zu, dass ein eigener URL-Shortener in einigen Kreisen als eine Art Prestigeobjekt angesehen wird 😉

  3. Hi,

    also bei Bit.ly würd ich aufpassen. Kennt sicher jeder die Thematik mit dem geänderten Affiliatelink bei expedia.de Links.

    LG

    • Hallo Tom,
      habe bisher keine negativen Erfahrungen mit bitly gemacht.
      Viele Grüße
      Claudia

    • Hallo Tom,
      danke für die Erinnerung an die untergeschummelten Affiliate-Links bei bitly (http://t3n.de/news/bitly-affiliate-url-609137/). Mit dem oben vorgestellten Plugin Redirect Checker lassen sich solche untergeschobenen Links schnell aufdecken.

  4. Hallo Herr Krüger,

    eine kurze Anmerkung. Es spielt bei Twitter keine Rolle, ob man einen Original-Link oder einen gekürzten verwendet, es bleiben so oder so 117 Zeichen übrig.
    Ich verwende bitly. Aber nur, wenn der Original-Link zu lang und nicht gut lesbar ist. Den Namen des Links editiere ich immer, weil der Leser im Link einen Hinweis auf den Inhalt erhalten soll.

    Freundliche Grüße
    Claudia Dieterle

    • Guten Tag Frau Dieterle,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben komplett Recht.
      Ihren Hinweis auf sprechende URLs in Tweets finde ich ebenso sehr nützlich.
      Danke dafür 🙂

      Freundliche Grüße
      Marcus Krüger

  5. Google mag Weiterleitungen gar nicht, deswegen sollte auf diese möglichst verzichtet werden. Aus Seo Sicht rate ich jedem davon ab. Denn meist sind es auch Spammer, die diese Weiterleitungen nutzen, da ist ein Blacklist Eintrag vorprogrammiert.

    • Hallo Tanja,
      danke für deinen Kommentar. Ganz so negativ sieht das Google mit den Weiterleitungen nicht. Bei einer direkten 301-Weiterleitung wird fast der gesamte Link Juice auf die Zielseite übertragen.
      301-Weiterleitungen sind auch bei anderen SEO-Maßnahmen wie Relaunches oder Umstellung auf https ein bewährtes Mittel.
      Was Google nicht mag, sind Weiterleitungsketten, die den Nutzer erst über viele Stationen auf die Zielseite schicken.

  6. Hallo Marcus,

    sehr schöner Beitrag und ein wirklich spannendes Thema – vor allem auch der Aspekt, dass die hiesigen URL-Shortener natürlich nicht ewig „auf dem Markt“ vertreten sein MÜSSEN und derartige Links dann entsprechend auch irgendwann ins Leere führen können…

    • Hallo Tino,
      danke für dein Feedback. Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat.

  7. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Dieses Thema habe ich noch gar nicht auf dem Schirm gehabt.

    • Hallo David,

      freut mich, dass dir der Artikel so gut gefallen hat. Gerne weitersagen 😉

  8. Vielen Dank für den nützlichen Artikel. Ich werde ab sofort darauf achten wie ich die Links kürze.

    • Hallo Lars,

      freut mich sehr, dass du Nutzen aus dem Artikel ziehen konntest.