Social Media Auslese Juni 2020

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Nach stark Corona-lastigen Monaten lieferte der Juni eine Prise Drama und einen Schuss starke Statements der Branchenriesen. Die Kreativbranche erschütterte mit OneGirlOneCup ein neuer Plagiatsvorwurf. Facebook schlägt im Umgang mit Präsident Trump weiterhin einen anderen Weg ein und handelt sich damit erstmals Proteste aus den eigenen Reihen ein. Instagram lockt mit neuen Möglichkeiten in Form von Abzeichen und IGTV Ads und Pinterest stoppt vorerst Story Pins.

Facebook

Politische Werbung abschalten

Für NutzerInnen, die bereits eine Entscheidungen getroffen haben oder einfach nur genervt sind vom Wahlkampf, führte Facebook im diesjährigen US-Wahlkampf ein neues Tool ein: Sowohl auf Facebook als auch auf Instagram wurde für die USA die Option eingeführt, politische Anzeigen zu verbergen oder zu blockieren. Wird die Blockieren-Option genutzt, so können politische Anzeigen, die dennoch angezeigt werden, gemeldet werden.

Die neue Einstellungsoption soll im Herbst in weiteren Ländern ausgerollt werden.

Zuckerberg sieht die eigenen Plattformen in der Verantwortung, Wählerunterdrückung zu verhindern. Über das Voting Information Center sollen wahlberechtigte NutzerInnen motiviert werden, sich für die kommende Wahl zu registrieren. Das Feature soll in den USA Anfang Juli im oberen Feed-Bereich auf Facebook und Instagram erscheinen.

Impressum durch neues Design nicht rechtskonform

Impressum und Facebook – der Teufelskreis geht mit dem neuen Design in eine weitere Runde. Zwar wird für Facebook-Seiten weiterhin ein Impressum angezeigt, aber nicht mehr rechtskonform.

Das alte Design verfügte über ein Eingabefeld, das entweder für das Impressum des Betreibers der Facebook-Seite oder eine Verlinkung auf das Impressum auf der Webseite des Betreibers genutzt werden konnte. Zusätzlich wurde auf der Hauptseite der Facebook-Seite ein Impressum-Link platziert.

Das neue Design macht diese sehr elegante Lösung rückgängig und bildet nur einen Auszug der Informationen ab, die ins Eingabefeld eingetragen wurden. Hier besteht die Möglichkeit, dass NutzerInnen nicht erkennen, dass es sich bei den Angaben um ein Impressum handelt. Etwas weniger kritisch wird es, wenn ein sprechender Link mit Bausteinen wie “impressum” oder “kontakt” im Eingabefeld genutzt wird.

Das Impressum auf Facebook neu designter Seite ist nicht rechtskonform

Bildquelle: allfacebook.de

Unternehmen protestieren gegen Hate Speech auf Facebook

Put your money where your mouth is. Nach Patagonia und REI schließt sich mit The North Face ein weiterer Outdoor-Anbieter dem Protest gegen Hate Speech und Falschinformationen an. Das Unternehmen stoppte alle Werbeaktivitäten auf Facebook und Instagram. Damit gewinnt die Gruppe an Werbetreibenden (#StopHateForProfit), die gegen Hate Speech auf der Plattform demonstrieren, weiter an Volumen.

Als Resultat rutschte der Börsenkurs von Facebook ab und das Unternehmen kündigte finanzielle Hilfen in Höhe von 220 Millionen US-Dollar an, um schwarze UnternehmerInnen zu unterstützen. Zusätzlich soll in der Facebook-App der Bereich Lift Black Voices entstehen.

Interne Proteste

Bei Facebook organisierten im Juni mehr als 400 MitarbeiterInnen einen virtuellen Walkout. Der Grund: Sie finden den Umgang mit Trumps Inhalten auf der Plattform nicht richtig.

Twitter markierte Beiträge des US-Präsidenten vorab als Falschinformation. Zuckerberg lehnte dieses Vorgehen für seine eigene Plattform ab und wies auf die Meinungsfreiheit hin: „Facebook is not an arbiter of truth“. Einige MitarbeiterInnen, unter anderem aus dem mittleren Management, sind da anderer Meinung. Sie fordern im Umgang mit Trumps Beiträgen Faktenchecks sowie klare Zeichen gegen Populismus auf der Plattform.

Aktuell werden überdurchschnittlich aktive NutzerInnen vom Algorithmus bevorzugt und sorgen häufig dafür, dass Themen viral gehen – dadurch wird häufig auch Menschen aus dem rechten Spektrum Zugang zu einem großen Publikum verschafft. Vor diesem Hintergrund lässt sich vermuten, dass Zuckerberg Angst hat, durch Maßnahmen die Reichweite seiner Plattform zu senken, da diese aktivsten Facebook-NutzerInnen den Kern seiner Plattform darstellen.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Frage gestellt

Die Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stellt für einige Facebook-Aktionäre ein zweischneidiges Schwert dar.

Die Verschlüsselung verhindert, dass Dritte auf den Messenger von Facebook und Instagram zugreifen können. Dadurch steigt das Risiko, dass kriminelle Handlungen nicht mehr verfolgt werden können und Facebook selbst keine Verantwortung mehr für die Inhalte tragen muss, die auf der Plattform ausgetauscht werden. In 2019 wurden 70 Millionen Inhalte, die sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zeigen, auf den namhaften Plattformen geteilt. Dabei entfielen auf Facebook rund 85 Prozent. Da bei der geplanten Verschlüsselung keine Hintertür für Strafverfolgung geplant ist, macht sich eine Interessengruppe der Aktionäre im Vorfeld der diesjährigen Aktionärsversammlung für eine Verschiebung der Einführung stark.

Vergangene Aktivitäten verwalten

Noch eine positive Meldung: Die eigene Facebook-Präsenz zu managen wird ab sofort leichter. Mit dem Manage Activity-Tool können auf einen Schlag diverse Postings ausgewählt und archiviert oder gelöscht werden.

Für Dritte sind die Posts bei Nutzung beider Optionen nicht mehr sichtbar. Entscheidet man sich dafür die Beiträge zu löschen, werden diese noch 30 Tage gespeichert, bevor sie endgültig gelöscht sind.

Um schnell die Beiträge zu finden, die einem möglicherweise unangenehm sind oder mit denen man einfach nicht mehr in Verbindung gebracht werden möchte, bietet das Tool auch einige Filter an. Zum Beispiel können Beiträge gesucht werden, die innerhalb eines festgelegten Zeitraums entstanden oder die mit ausgewählten Personen verknüpft sind.

Instagram

Bald ein neuer shoppable Link?

Alle Zeichen deuten bei Instagram auf einen neuen shoppable Link im Feedpost hin. Anders als bisher muss durch den neuen Link nicht mehr auf den “Link in der Bio” verwiesen werden. NutzerInnen können stattdessen direkt innerhalb der Caption zum Post klicken.

Aktuell gibt es zwar noch keine offizielle Ankündigung zur Funktion, aber einzelne Instagrammer konnten sie bereits testen. Der Link führt allerdings nicht nicht auf die eigene Webseite, sondern auf einen Facebook-Shop.

Shoppable Link im Feed auf Instagram bald möglich

Bildquelle: onlinemarketing.de

Abzeichen und IGTV Ads

Instagram startet neue Tests, die Content Creators die Monetarisierung von Storys ermöglichen.

Test eins ermöglicht es ZuschauerInnen von Instagram Live Videos, Abzeichen (Bagdes) zu kaufen, um Content Creators zu unterstützen. Gleichzeitig können sie sich durch diese Abzeichen innerhalb der Videokommentare hervorheben. Zur Auswahl stehen ein, zwei oder drei Herzen, die zwischen 0,99 US-Dollar und 4,99 US-Dollar kosten. Pro Video kann nur ein Abzeichen gekauft werden, jedoch wird es während des gesamten Videos neben dem Profilnamen eingeblendet.

Ausgerollt wird das Feature nach dem US-Start bald auch in Deutschland, Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Mexiko und der Türkei.

Abzeichen auf IGTV

Bildquelle: about.instagram.com

Test zwei sind Werbeanzeigen für Instagrams Videoplattform IGTV. Wenn NutzerInnen auf ein IGTV-Video klicken, werden die Werbeanzeigen vor dem eigentlichen Video ausgespielt. Die Spots dürfen maximal 15 Sekunden lang und müssen mobile-optimiert sein.

IGTV Ads werden aktuell nur in den USA und für eine kleine Gruppe an Content Creators und Unternehmen angeboten.

LinkedIn

Anpassbare Spalten

Ein lang ersehnter Wunsch ging endlich in Erfüllung: Ab sofort können die Spalten auf LinkedIn beliebig angepasst werden. Beim Business Manager auf Facebook stand die Funktion bereits seit längerem zur Verfügung.

Auf LinkedIn können nun auch die Spalten angepasst werden

Bildquelle: Screenshot

Auf LinkedIn können nun auch die Spalten angepasst werden

Bildquelle: Screenshot

YouTube

Creators-Plattform BrandConnect

Aus FameBit by YouTube wird YouTube BrandConnect. Zusätzlich wird die Plattform direkt ins YouTube Studio integriert. Für Marken und Creators soll die Kooperation auf YouTube damit noch einfacher gestaltet werden. Um das zu erreichen, wird für Creators eine Matchmaking-Funktion zur Verfügung gestellt, über die sie sich für Zusammenarbeiten mit Unternehmen bewerben können. Auf Unternehmensseite werden zusätzliche Kennzahlen wie Brand Interest Lift und Influencer Lift zur Auswertung der Kooperation bereitgestellt.

Im Moment ist BrandConnect nur in den USA und für YouTuber ab 25.000 AbonnentInnen verfügbar.

TikTok

TikTok-Algorithmus

Zum ersten Mal gab TikTok einen kleinen Einblick in den Algorithmus der Plattform. Kurz zuvor war ein Transparency Center angekündigt worden, um das Vertrauen der NutzerInnen zu stärken.

Wesentliche Signale an den Algorithmus sind neben User-Interaktionen Metadaten zu den Videos (Hashtags, Videobeschreibung, verwendete Musik) sowie Standort, Sprache und das Gerät, auf dem NutzerInnen sich TikTok-Inhalte anschauen.

Wie bereits bekannt, spielt die vergangene Performance eines Accounts keine Rolle, wenn es um die Viralität zukünftiger Videos geht. Für Unternehmen ist es deshalb wichtig, Content zu aktuell trendenden Themen zu erstellen. Signale wie Standort, Sprache und Gerätetyp haben weniger Einfluss auf den Algorithmus als die Frage, ob NutzerInnen ein Video bis zum Ende schauen oder nicht. Dadurch besteht hier für Unternehmen die Chance, For You Feeds über den eigenen Followerbereich hinaus zu erreichen.

Wissen in Snackform

Unter dem Stichwort LearnOnTikTok wird auf der Plattform (noch mehr) Wissen in Snackform entstehen. Hilfe holt sich TikTok dafür von zahlreichen ExpertInnen und Institutionen wie Wohltätigkeitsorganisationen und Universitäten. Aktuell verzeichnet der Hashtag LearnOnTikTok rund sieben Milliarden Views. TikTok folgt hier also einem klaren Trend auf der eigenen Plattform. Durch Corona könnte das sogenannte Microlearning ein fester Bestandteil der Online-Lernmöglichkeiten werden und der Plattform weitere Screentime verschaffen.

Pinterest

Pause für Story Pins

Für alle NutzerInnen außerhalb der USA stellte Pinterest Ende Juni die Story-Pins vorerst ein. Bestehende Storys bleiben weiterhin online, können aber nicht mehr bearbeitet werden. Bald soll auch kein Klick mehr auf sie möglich sein. Neue Story-Pins können nicht mehr hochgeladen werden. Auch der automatische Import von Instagram-Inhalten entfällt.

Kleiner Lichtblick: Verifizierte Instagram-Accounts bleiben bestätigt.

Andere Kanäle

Chinesische Apps in Indien verboten

Indiens IT-Ministerium hat insgesamt 59 chinesische Apps gesperrt, darunter TikTok, Weibo und WeChat. Als Grund für den Schritt wurde unter anderem die Bedrohung der indischen Staatssicherheit und öffentlichen Ordnung durch die Apps angegeben. Als weiterer Hintergrund zählen vermutlich auch Spannungen an der indisch-chinesischen Grenze. Deren Verlauf sorgt immer wieder für Diskussionen und Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern.

Plagiatsvorwurf gegen Scholz & Friends

Nachdem Plagiatsvorwürfe rund um die Kampagne #OneGirlOneCup laut wurden, meldete sich nun die junge Kreative zu Wort, deren Projektvorschlag den Zuschlag erhielt. Martina Pellery erstellte im Rahmen einer Bewerbung bei Scholz & Friends eine Kampagne für das Tampon-Startup The Female Company. Zusammenfassung: Pellery hatte die Idee eine Woche früher als ihre Mitbewerberin Palvina Vlachopoulou. Dieses Mal war die Kontroverse wirklich einem unglücklichen Zufall geschuldet.

Dass die Kreativbranche noch viel Arbeit vor sich hat, beweist aber Pellerys Inbox. Laut ihrem Statement auf LinkedIn wird sie aufgrund der Vorwürfe von einer Welle an verbalen Angriffen überschwemmt. Vielleicht sollten diese kritischen Stimmen beim nächsten Skandal genauer überlegen, ob und gegen wen sie ihr Wort richten.

KFC punktet mit KFConsole

Die Fastfood-Kette KFC machte in der Vergangenheit mit mehreren spannenden Kampagnen auf sich aufmerksam. Im letzten Monat kündigten sie nun via Social eine KFConsole Spielekonsole an. Natürlich nur ein Branding-Stunt, aber wir sind trotzdem gespannt, was das Unternehmen für den angekündigten Erscheinungstermin in Petto hat. Den 12. November also schön im Blick behalten.

Studie zur weiblichen Zielgruppe im Jahr 2020

Das Kosmetikunternehmen Eucerin hat sich mit Statista zusammengetan und eine Studie mit und über Frauen in Deutschland erstellt. Insgesamt wurden 3.001 Frauen befragt. Die Ergebnisse sind nicht sehr überraschend, aber für Projekte mit vorwiegend weiblicher Zielgruppe durchaus ein Wegweiser.

Lego stoppt Werbung für Polizei-Sets

Im Zuge von #BlackLivesMatter entschied sich Lego im Juni, seine Polizei-Sets nicht weiter zu bewerben. Dabei handelt es sich um mehr als 30 Bausets, Figuren und Bauteile. Zusätzlich werden vier Millionen US-Dollar gespendet.

Keine neuen Emojis in 2021?

Es ist offiziell: Corona wirkt sich auch auf die geplanten Emojis aus. Das Unicode Consortium gab bekannt, dass die Veröffentlichung von Unicode 14.0 um sechs Monate verschoben werden muss, wodurch sie ins Jahr 2022 rückt. Die geplanten 117 neuen Emojis von Unicode 13.0 werden wir geplant diesen Herbst auf unseren Smartphones landen.

Unklar ist aktuell noch, ob es im Jahr 2021 gar keine neuen Emojis geben wird oder ob die Lücke mit Alternativen für bestehende Emojis gefüllt werden kann. Diese greifen auf bestehende Codes zurück und könnten deswegen als Unicode 13.1 integriert werden.

Push durch AR-Filter

Instagrammerin Carmushka ist früh auf den AR-Filter-Trend aufmerksam geworden und das hat sich ausgezahlt: Über 15 Milliarden Views verzeichnen ihre Filter. Aufbauen konnte sie neben ihrem eigenen Account auch ein Business, denn neben kostenlosen Filtern bietet sie auch kostenpflichtige Presets an. Diese können auch außerhalb von Instagram genutzt werden, um Bildern den gewünschten Look zu verleihen. Über die kostenlosen Filter gelangen NutzerInnen in den Sales Funnel und können über einen Produkttest auf die kaufbare Version aufmerksam gemacht werden.

Twitch und Reddit verbannen Trump

Nach Twitter und Facebook schlossen sich zwei weitere Plattformen dem Kampf gegen Hate Speech an. Twitch blockierte Trumps Wahlkampf-Account kurzzeitig wegen Verstößen gegen die Richtlinien der Plattform. Mit 125.000 AbonnentInnen zählt der Account eher zu den weniger starken Sprachrohren des Präsidenten. Zum Vergleich: Auf Twitter und Facebook folgen ihm mehr als 100 Millionen Personen. Reddit schloss einen der größten Supporter-Subs, r/The_Donald, der rund 800.000 Mitglieder umfasste.

Und sonst so?

Während der Pride Month in Deutschland erst begonnen hat, wurden die Feierlichkeiten in den USA bereits Corona-bedingt virtuell abgehalten. Hashtags in Regenbogenfarben, Sticker und Filter auf Instagram sowie Suchanfragen in Regenbogenfarben auf Pinterest könnte man als gewohntes Programm bezeichnen, doch beide Plattformen boten zusätzlich Informationen rund um das LGBT-Spektrum an. Gerade Pinterest scheint als Informationsquelle an Bedeutung zu gewinnen. Seit August letzten Jahres konnte für den Suchbegriff transgender transition ein Anstieg des Suchvolumens um siebzig Prozent festgestellt werden.

Nickelodeon outete Spongebob Schwammkopf als homosexuell. Wie bereits bei bekannten britischen Buchreihen um eine Zaubererschmiede sollten Brands mittlerweile wissen, dass diese Art von Tokenismus eher ein Wermutstropfen für LGBT-Personen ist. Deshalb hat later.com einen ausführlichen Guide für nachhaltige Pride-Kampagnen verfasst. Vielleicht zu spät für dieses Jahr, aber definitiv übertragbar auf den Umgang mit diversen Minderheiten!

Beatrix hat ihr Traineeship bei Projecter im Dezember 2019 gestartet. Während ihrer Ausbildung zur Medienkauffrau Print und Digital sowie eines Bachelor- und Masterstudiums an der HTWK mit Verlagsfokus konnte sie bereits Erfahrung im Marketing sammeln. Deshalb folgte nach dem Abschluss der zukunftsgerichtete Schritt in Richtung Online Marketing und speziell in den Performance-Bereich.

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