Michael Brumm

Googles Core Web Vitals: Das solltest du wissen

Mit den Core Web Vitals veröffentlicht Google drei neue zentrale Metriken, die SEOs gut im Blick haben sollten. Was verbirgt sich hinter den neuen Abkürzungen LCP, FID und CLS – und wie wichtig werden sie für die SEO-Arbeit?

Es kommt Großes auf uns zu. So viel ist sicher. Denn normalerweise kündigt Google ein Algorithmus-Update ein paar Tage vorher an. Damit ist Google den Webmastern schon sehr entgegen gekommen. Früher wurden solche Updates einfach ausgespielt und man hatte dann ohne Vorwarnung ein paar größere oder kleinere Änderungen in den Rankings – je nach Größe des Google-Updates.

Nun haben Webmaster etwas mehr Vorlaufzeit. Ein Jahr, um genau zu sein. Denn 2021 will Google das große Core Update rund um die User Experience ausspielen (konkret nennt es sich: Search Signals for Page Experience). Sechs Monate, bevor die Algorithmus-Änderung live geht, will Google noch einmal alle Webmaster vorwarnen. Diese sehr lange Vorlaufzeit begründet Google mit der aktuellen Corona-Situation und dass Webmaster sicherlich gerade ihre Gedanken eher woanders haben. Dennoch ist diese sehr große Vorlaufzeit ein Hinweis darauf, dass es sich bei den Search Signals for Page Experience sehr wahrscheinlich nicht um eine Kleinigkeit handeln wird.

Was umfassen die Search Signals for Page Experience?

Der neue große Rankingfaktor, der uns 2021 erwartet, umfasst zunächst vier Aspekte, die uns grundlegend schon bekannt sind:

Grundsätzlich also alles ein alter Hut? Naja, fast. Denn neben diesen vier Faktoren kommen drei weitere Aspekte hinzu, die Google unter dem Namen Core Web Vitals zusammenfasst.

Was sind die Core Web Vitals?

Dabei handelt es sich um drei technische Metriken, welche die User Experience auf einer Seite messbar und damit auch vergleichbarer machen sollen. Dabei stellen sie drei Fragen: Wann ist der Hauptinhalt geladen? Wann kann der Nutzer das erste Mal mit der Seite interagieren? Und wie stark verschiebt sich ein Layoutelement durch andere, geladene Elemente?

LCP: Largest Contentful Paint

Der Largest Contentful Paint misst die Zeit, bis der größte Content-Block geladen ist. Dies ist in der Regel der Hauptinhalt einer Website. Der Messwert bezieht sich dabei lediglich auf dem im Viewport sichtbaren Teil – also das, was der Nutzer wirklich sehen kann. LCP ist daher ein Teil der Gesamtladezeit einer Website. Für diesen Messwert ist aber beispielsweise egal, ob im Footer noch ein großes Bild geladen werden muss, was die Gesamtladezeit erhöht, da dieses Bild nicht im Viewport des Nutzers zu sehen ist.

Welche Bewertungen gibt es für den Largest Contentful Paint?

Was sollte man für einen guten LCP-Wert verbessern?

Grundsätzlich kannst du alle Maßnahmen anwenden, die auch die Gesamtladezeit einer Website verbessern. Dazu gehören:

FID: First Input Delay

Du kennst es sicherlich: Du öffnest eine Seite, siehst schon den Link, den du anklicken willst, und musst dann dennoch warten, bis dieser Link wirklich geladen wird. Diese Zeit benennt Google als First Input Delay. Wie lange muss der Nutzer also darauf warten, dass seine erste Eingabe auch wirklich verarbeitet wird.

Welche Bewertungen gibt es für den First Input Delay?

Was sollte man für einen guten FID-Wert verbessern?

Grundsätzlich solltest du den Browser entlasten. Denn so kann er auch schneller auf deine Eingabe reagieren. Diese Punkte solltest du dir anschauen:

CLS: Cumulative Layout Shift

Es gibt wohl nichts Ärgerlicheres, als wenn sich beim Nutzen einer Website das Layout verschiebt, weil irgendwo noch ein Hinweisbanner oder gar ein Werbevideo geladen wurde. Genau diese Layoutverschiebung bemisst Google im Cumulative Layout Shift. Dabei gibt es zwei Messfaktoren, die am Ende miteinander multipliziert werden:

Das klingt komplizierter, als es am Ende wirklich ist. Die folgende Grafik zeigt einen Inhalt, der 50% des Bildschirms füllt. Durch ein nachgeladenes Element wird dieser Inhalt um 25% nach unten geschoben:

Beispiel Cumulative Layout Shift

Durch die Verschiebung des 50% großen Inhaltsblocks um 25% ist insgesamt eine Bildschirmfläche von 75% betroffen (rot markiert). Dies bemisst die Impact Fraction, die damit einen Wert von 0,75 annimmt. Die Distance Fraction ist in unserem Fall 25%, da sich um genau diesen Wert etwas verschoben hat. Die Distance Fraction beträgt somit 0,25. Für die Berechnung des Cumulative Layout Shifts werden beide Werte nun einfach multipliziert:

CLS = Impact Fraction x Distance Fraction
CLS = 0,75 x 0,25
CLS = 0,1875

In unserem Beispiel erreichen wir somit einen Cumulative Layout Shift-Wert von 0,1875 und sind damit im verbesserungswürdigen Bereich.

Welche Bewertungen gibt es für den Cumulative Layout Shift?

Was sollte man für einen guten CLS-Wert beachten?

Core Web Vitals messen

Bei den Core Web Vitals handelt es sich in der Regel um Felddaten. Das bedeutet, es sind echte Daten von echten Nutzern deiner Website. Google bezieht diese aus dem Chrome User Experience Report. Die Datenübermittlung für diesen Report kannst du in den Chrome Einstellungen unter „Synchronisierung und Google-Dienste“ > „Helfen, die Funktionen und die Leistung von Chrome zu verbessern“ aktivieren bzw. deaktivieren.

In Deutschland besitzt Googles Chrome-Browser einen Marktanteil von rund 49%. Weltweit sind es 68% (Stand Juli 2020). Google hat damit einen immens hohen Datenbestand, aus dem die Core Web Vitals ermittelt werden können.

Selbst messen kannst du die Core Web Vitals zum Beispiel über die Pagespeed Insights. Hier gibt Google gleich als erstes einen Überblick über die drei Metriken an. Dabei handelt es sich dann um einen Querschnitt der echten Website-Nutzer in den letzten 28 Tagen. In diesem Beispiel lag bei 28% der Nutzer der LCP bei unter 2,5 Sekunden (gut), bei 19% der Nutzer bei unter 4 Sekunden und beim Großteil der Nutzer bei über 4 Sekunden (schlecht):

Screenshot, der Core Web Vitals für untersuchte URL zeigt
Core Web Vitals (markiert durch das blaue Icon) für die untersuchte URL.
Basierend auf Messdaten der letzten 28 Tage.

Die Pagespeed Insights geben hier auch an, ob es sich um Felddaten handelt oder aber nicht. Sollte Google nicht genügend Felddaten besitzen, wird ein sogenannter Origin Summary angezeigt: hierbei handelt es sich um die durchschnittlichen Messwerte der letzten 28 Tage für die gesamte Domain und nicht für die spezifisch untersuchte URL. Dies sollte beim Auswerten der Daten unbedingt beachtet werden.

Screenshot der Core Web Vitals mit zusätzlicher Summary der durchschnittlichen Werte der untersuchten Website
Da für die untersuchte URL nicht genügend Felddaten zur Verfügung stehen,
zeigt Google die durchschnittlichen Werte der gesamten Website an.

Parallel dazu kannst du auch die Google Search Console nutzen. Der entsprechende Bericht liefert dir einen Überblick zur Einschätzung aller drei Metriken separat für Desktop- und Mobile-Nutzer. Hier kannst du dann alle URLs finden, welche zum Beispiel zu langsam laden oder einen zu hohen CLS-Wert besitzen. Die Detail-Anzeige verweist dich dann automatisch auf die Pagespeed Insights.

Beispiel der Core Web Vitals in der Search Console

Fazit: Noch nicht relevant fürs Ranking, aber dennoch wichtig

Noch spielen LCP, FID und CLS keine entscheidende Rolle für das Google-Ranking. Dennoch solltest du nicht warten, bis Google die Search Signals for Page Experience ausrollt und dich erst dann mit diesen Metriken beschäftigen. Schon jetzt ist es empfehlenswert, deine Websites zu analysieren und zu schauen, ob sie schnell genug laden und ob es Layoutverschiebungen gibt. Zwar wird es dir Google aktuell noch nicht danken, dafür jedoch deine User. Und das sollte dir besonders wichtig sein.

1 Kommentar

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Ebikes03.09.202013:31Website
Der Pagespeed ist zwar noch nur ein Rankingfaktor bei Google aber genau dieser Rankingfaktor wird immer wichtiger im Mobilen Bereich. Die beste Seite dafür die sehr gute Werte und Funktionen bietet die ich gefunden habe ist diese hier. https://www.experte.de/pagespeed Gruß aus Paderborn

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