KI im Content Marketing und SEO: Das Ende der Einzigartigkeit? 

Mit den Entwicklungen im Bereich KI verändert sich die Online-Welt: Künstliche Intelligenz ist nicht mehr nur Spezialist*innen in Bereichen wie Informatik, Mathematik oder Ingenieurwissenschaften zugänglich, sondern steht jetzt allen Menschen zur Verfügung. Wir können KI spielerisch ausprobieren, erfahren und durch sie lernen. Mit dem Trend seit 2023, der sich in diesem Jahr fortsetzt, kommen viele Fragen auf, z. B. wie KI-Tools Prozesse im Content Marketing und SEO längerfristig verändern werden und wie sich unser Suchverhalten durch Google-KIs & Co. entwickeln wird. In diesem Beitrag geht es außerdem darum, warum die Fachexpertise von SEO- und Content-Spezialist*innen wichtig bleibt.

Eine Box aus hundert Billionen Parametern

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, wie eine KI funktioniert: Stellen wir uns einen Kasten vor, in dem sich Unmengen an Daten aus dem Internet befinden. ChatGPT-4 wurde bspw. mit hundert Billionen Parametern trainiert – ein neuronales Netzwerk, das dafür sorgt, dass wir nach der Befehlseingabe (Prompt) die gewünschten Textergebnisse erhalten.  

Künstliche Intelligenz vs. Kreativität

Aufgrund ihrer antrainierten Datenmengen, kann eine KI aber nichts Neues erschaffen – sie reproduziert nur das, was bereits im Netz (also in diesem Kasten) vorhanden ist. Und je mehr KI-Texte veröffentlicht werden, desto mehr wird die KI wiederum mit KI-Inhalten trainiert. “The AI is eating itself“, wie der Journalist Casey Newton in einem Beitrag im Platformer feststellt. Oder „Nachplapper-Automat“, wie die Moderatorin und Philosophin Barbara Fleisch in einer Folge Sternstunde Philosophie gesagt hat. Oder „Textinzest“, wie Miriam Meckel in einer Kolumne des Handelsblatts schreibt. All das sind Begriffe, mit denen ChatGPT & Co. deshalb gern bezeichnet werden.

Die KI denkt nicht „outside the box“ – sie ist aufgrund ihrer Datenmengen limitiert. Sie reproduziert „Prognosen zu Textfolgewahrscheinlichkeiten, […] die eine Rekombination aus Bestehendem sind“ (Miriam Meckel im Handelsblatt).Doch etwas Neues zu erschaffen, Bestehendes zu hinterfragen, den Rahmen zu verschieben oder gar zu brechen sind Eigenschaften, die mit Kreativität verbunden werden können. 

Eine KI denkt nicht „outside the box“. Sie können Content-Spezialist*innen daher nicht ersetzen, sondern vielmehr als gewinnbringende Tools von ihnen eingesetzt werden.

KI = ein seelenloses und „asoziales“ Wesen? 

Mit dem jetzigen Stand können wir also sagen, dass es der KI an Kreativität fehlt. Auch versteht die KI den Kontext der Sprache nicht – zumindest noch nicht. Sie weiß nicht, was sie schreibt und kann auch nicht einschätzen, ob ein Text z. B. rassistisch oder sexistisch ist. Kurzum: Die KI besitzt keinerlei Verantwortungsbewusstsein. Wir Menschen aber schon – und diese Verantwortung müssen wir übernehmen.

KI im Content Marketing: deine neue Arbeitskollegin?

Eines ist sicher: KIs werden immer besser. Doch wie sieht es – bei der rasenden Entwicklung der letzten Monate – in ein oder zwei Jahren aus?  

Brauchen wir noch Texter*innen? 

Sobald wir wissen, wie KIs funktionieren und welche Prompts uns die gewünschten Ergebnisse liefern, dann sind KIs im Content Marketing für uns eine große Hilfe bei der Texterstellung. Sie sind bestens dafür geeignet, standardisierte und formelle Texte zu erstellen, z. B.:  

Ein weiterer Vorteil: KIs im Content Marketing helfen dabei, die Angst vor dem weißen Blatt zu verlieren. Texter*innen können erste Entwürfe erstellen, um anschließend die Texte an die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe anzupassen. Auch Briefings für externe Texter*innen lassen sich mithilfe der KIs in kürzester Zeit erstellen.  

Aber: Die KI erzeugt (noch) keine emotionale Wirkung. Sie trifft weder den Tone of Voice des jeweiligen Kontexts, noch ersetzt sie das Verständnis für die Zielgruppe. Content Marketer kennen die individuellen Probleme, Ängste und Bedürfnisse ihrer Buyers Personas genau. Nur so können sie relevante, vertrauenswürdige und vor allem – einzigartige Inhalte mit Mehrwert – erschaffen. 

KI-Texte hingegen sind Nachahmungen, sie überraschen nicht. So braucht es immer noch den Menschen mit seiner Empathie, seiner Wettbewerbsforschung, seinem Verantwortungsbewusstsein und seinen Zielgruppenkenntnissen. Das betont auch John Müller, Senior Search Analyst von Google. Webseiten mit empfehlenswerten und einzigartigen Content können so eine höhere Chance auf bessere Rankings haben.

John Müllers Antwort zu KI und Content Marketing auf Reddit (Quelle: Reddit)
 

Nutzer*innen und Google erwarten Qualität, Einzigartigkeit und Bedürfniserfüllung – in absehbarer Zeit wird auch keine KI daran etwas ändern. Der Einsatz von KI im Content Marketing trägt allerdings dazu bei, dass die Arbeit von Texter*innen effizienter und produktiver wird. Das ermöglicht es ihnen, sich mehr auf die Produktion von kreativen und anspruchsvollen Inhalten sowie auf strategische Aufgaben zu konzentrieren. 

Faktenchecks werden immer wichtiger

Nicht immer geben KI-Tools, wie ChatGPT & Co., zu, dass sie etwas nicht wissen. Stattdessen werden Fakten erfunden und KIs halluzinieren. Falsche Aussagen werden dabei von uns häufig nicht erkannt. KI-generierte Texte müssen deshalb immer händisch und fachlich geprüft werden – der Faktencheck bekommt so eine bedeutendere Rolle im Berufsalltag.

KI im SEO: Braucht es noch SEO-Spezialist*innen?

ChatGPT und andere KI-Modelle werden mittlerweile bei verschiedenen Aufgaben im SEO eingesetzt und in Zukunft eine noch größere Rolle einnehmen. Im SEO unterstützt die KI beispielsweise bei folgenden Prozessen: 

Dank der KI-Tools werden repetitive Aufgaben im SEO-Alltag weniger werden. Dafür treten SEO-Spezialist*innen mehr und mehr als Strateg*innen in den Vordergrund. Sie arbeiten maßgeschneiderte Strategien aus, die zur jeweiligen Webseite und deren Wettbewerbsumfeld passen. So gibt es zahlreiche komplexe und nuancierte Aspekte im SEO, die (noch) menschliche Expertise erfordern. Insbesondere, wenn es darum geht, die Bedürfnisse der Zielgruppen oder die benötigten Anpassungen an sich ändernde Algorithmen und Marktbedingungen besser zu verstehen. 

Trotzdem sind KIs wie ChatGPT auch für SEO-Spezialist*innen wertvolle Werkzeuge, um z. B. zeitaufwändige Aufgaben zu automatisieren. Der Vorteil: Mehr Zeit für strategische Entscheidungen, die das Potenzial haben, den SEO-Erfolg zu maximieren.  

Wie geht’s weiter? KI und die Google-Suche

Wenn wir eine Suchanfrage, z. B. „Wie alt ist Britney Spears?“, bei Google eingeben, möchten wir eine einfache Antwort. Niemand möchte vorher auf eine Webseite klicken, das Cookie-Pop-up und Newsletter-Banner wegklicken müssen, und erst dann die Antwort erhalten. Für Suchanfragen wie diese sind KIs in der Suche von Bing oder Google sehr wertvoll.  

SEO-Expert*innen müssen zukünftig ihre Aufmerksamkeit außerdem auf die Suchanfragen legen, bei denen Nutzer*innen eine Aktion ausführen möchte. Zum Beispiel für Suchanfragen wie „Tickets für ein Britney Spears Konzert kaufen“ oder „Bewertungen zum neuen Britney Spears Album“.

„Die Zukunft der Suche sind Verben.“

Bill Gates

Auch Suchanfragen, deren Intention es ist, sich mit anderen Fans auszutauschen, gehören dazu. In solchen und ähnlichen Fällen kann die KI die Suche noch nicht ersetzen.

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KI im Content Marketing und SEO

KI-Tools, wie ChatGPT, Gemini & Co., verändern unsere Welt. Die technologische Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Wir müssen lernen, diese Tools zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Dabei dürfen wir vor allem eines nicht: den kritischen Blick ablegen. Nur wenn uns das gelingt, sind KI-Tools im Marketing ein enorm nützliches Werkzeug für unseren Arbeitsalltag.   

Egal, ob KIs im Content Marketing, im SEO oder in anderen Bereichen des Online Marketings zum Einsatz kommen: Zukünftig werden Marketer täglich mit KI-Tools arbeiten, um eine höhere Produktivität zu erreichen. Diese Technologien erleichtern die Arbeit von uns allen – vor allem repetitive Aufgaben werden effektiver umgesetzt und schenken uns Zeit für das Wesentliche. Neue und wichtige Aufgaben, wie das Schreiben von guten Prompts oder der Faktencheck, kommen hinzu.  

Zwischen all den KI-Inhalten im Netz wird sich kreativer und hochwertiger Content, der überrascht und Nutzer*innen einen wirklichen Mehrwert bietet, abheben und an Wert gewinnen. Content von und für Menschen behält weiterhin seine Daseinsberechtigung und dient nicht nur als Trainingsdaten für KI-Tools. Und schließlich wird auch die strategische Beratung und die fachliche Ausrichtung von Agenturen noch wesentlich mehr an Bedeutung gewinnen. 

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